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Das Styria (Wien)

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Edelbeiseln. Häufig wird hinter schönen Fassaden schäbig gekocht. Manchmal ist es auch umgekehrt.

Es ist auf den ersten Blick der Stoff, aus dem die Kottan-Filme sind. Ein Beisel inmitten des gastronomisch nicht wirklich gut beleumundeten zwölften Hiebs, in einer ziemlich finsteren Gasse gleich hinter dem Meidlinger Markt. Ein langer Schlauch mit Ölboden und trübem Licht. Ein paar bodenständige Schmähführer im Eingangsbereich. Und, im Zentrum des ganzen: eine in glamourösem Blau oszillierende Juke-Box, aus welcher der krächzende Sound der Sixties zu vernehmen ist. Obwohl ich öfter auf den Meidlinger Markt komme, weil ich hier gerne Lammfleisch und Kaninchen einkaufe, muss ich gestehen, dass mir „Das Styria” in der Mandlgasse bis dato noch nie aufgefallen ist.

Allein: Seit zwei, drei Monaten ist Haubenglanz über dieses gastronomische Brachland gefallen, und das verdankt es Kurt Gandolf. Der gebürtige Steirer erzielt, was Auftreten und Outfit betrifft, beachtliche Annäherungswerte an einen echten Meidlinger Wirt, auch wenn ihm das verräterische „L” (für Nichtwiener: äll) bis heute noch nicht über die Lippen kommt. Gandolf hat schon in etlichen Haubenlokalen „gedient” und kann sich auch noch an alte Mondsee-Legenden wie Karl E. Eschlböck und Gustl Lugerbauer erinnern, von denen er, wie es scheint, auch einiges gelernt hat. Auf den zweiten Blick ist sein „Styria” nämlich durchaus eine erste Adresse, was Gandolf nicht zuletzt seinem Küchenchef Harry Steringer verdankt. Der schafft es nämlich, in so gut wie allen Beisldisziplinen vom Murtaler Gröstl bis zum Kalbsrückensteak mit Balsamicopilzen beeindruckend aufzutrumpfen.

Sympathisch ist dabei zunächst die Sorgfalt, die Steringer Gerichten aus der Wiener Küche angedeihen lässt. Auf der Karte finden sich neben gekochtem Meisel mit Cremespinat gezählte sechs Gulaschgerichte, darunter ein vorstädtisches Kuriosum wie Erdäpfelgulasch mit Fohlendürrer und ein ganz schön scharfes „Gulasch á la minute vom Rindsfilet.” Dass man sich auch auf Mediterranes versteht, bewiesen die wirklich zarten gebratenen Tintenfische. Erwähnenswert sind auch die saftigen Spanferkelkoteletts und die knusprig an der Haut gebratene Perlhuhnbrust mit Rohschinken-Pilzfülle und exzellenten Linsenpüree — um 13 € eine echte Mezzie. Erfreulich auch die auf der Schiefertafel angeschriebenen Weine von etlichen Spitzengütern und Newcomern, allesamt im glasweisen Ausschank erhältlich.

Christoph Wagner

3 Kritiken | Kritik verfassen

Meidlinger12, 07.04.09 @ 09:54

Alles gut ausser dem Kartoffelsalat
Etwas umständlich dort mit dem Auto hinzukommen, da sehr viele Einbahnen sind aber es ist auch schnell von der U-Bahn zu erreichen. Ich war 2x dort. Die Eingangstür noch im alten Stil eine Doppeltüre. Drinnen liegt ein großer gutmütiger Bluthund. Der Boden ein alter knarrender Schiffsboden. Der Eingangs und Schankbereich wie es sich für ein richtiges Beisl gehört, sehr verraucht.

Auf das Bier wartet man zwar ein Weilchen, dafür lohnt sich das Warten denn es erwartet einem ein Glas mit einem schönen beständigen Häubchen.

Beim ersten mal hab ich das gebackene Welsfilet mit Kartoffelsalat gegessen. Das Welsfilet war gut, nur der Kartoffelsalat war nicht ganz mein Fall. Aber möglicherweise schmeckt die Marinade jemand anderen und leider waren einige Kartoffel nicht ganz durch. Kartoffelsalat anmachen ist halt eine eigene Küchenwissenschaft und wer schon selbst Kartoffelsalat gemacht hat kann davon ein Lied singen. Geschmackssache ist so ein Kartoffelsalat halt auch. Die einen mögen ihn matschiger die anderen festere Stücke, etc...
Das zweite mal hab ich ich einen hervorragenden Zwiebelrostbraten gegessen.
Der Wirt passend in steirischer Tracht gekleidet. Zum Schluß gesellte sich noch der gutmütige Bluthund zu uns. Also mir gefällt es dort sehr gut.
Warum mein Vorkritiker solch Pech hatte ? Hmmm, villeicht sollte man nicht das Gänse schoppen fördern?
Ah ich sehe das die Kritik in der Nähe von Martini war. Möglicherweise lagen die Leber und die Sachen schon zu lange und waren nicht mehr ganz frisch, da die Kritik eine Woche nach St. Martin war.

OberkllnerPatzig, 17.11.06 @ 21:55

Gastronomische Wüste Gersthof - und das Monte Rosa wurde zur Oase ernannt. Kulinarisches Niemandsland Meidling - und das Styria sei ein Lichtblick.
Beide Male bin ich schwer eingefahren, und mich Nachsicht zu enttäuschen, heisst was!
Die gebratene Gänseleber brettlhart, die hätte man mir auch als Schweineleber verkaufen können. Platziert auf viel zu dicken Apfelscheiben, vom Calvados war nichts zu merken. Die Dörrpflaumen im Speckhemd lieblos und zT in der Salatmarinade schwimmend. Die Ganslcremesuppe geschmacksarm, dünn. Das Kuttelfleckgulasch entpuppte sich als Kuttelflecksuppe, schal. Meiner Liebsten hat der Zwiebelrostbraten geschmeckt, der Saibling im Ganzen kam aus der Fritteuse, hat aber gut geschmeckt, zart und saftig.
Heute habe ich einen Muskelkater vom Nachsalzen meiner 3 Gänge.
Das Parfait: Hätten wir es nicht nach einiger Zeit mit Messer und Gabel traktiert, es wäre heute noch unessbar. Raus aus dem Tiefkühler, auffe aufn Tölla und ausse damit ... Elend.
Die offenen Rotweine: 4 Euro aufwärts, das Achterl. Weiss war leistbarer.
Die Atmosphäre: Endzeitstimmung, leer, aber dafür hektischer Radiosound.

Leider kann ich bei er Erstkritik das Datum nirgends finden - aber das muss wohl schon ein Zeiterl her sein. Ich tippe auf einen neuen Wirt, der uU. die Karte beibehalten hat, diese aber nicht kochen kann. Hier wäre es immer hilfreich, zu wissen, wann ein Lokal beschrieben wurde.

Und gibt es sonst noch wo eine Wüste, ein Niemandsland, eine Ödnis oder dergleichen - bitte nicht gleich jedes Lokal dort deswegen hypen.

woelfchen, 09.09.06 @ 18:01

Kann mich der Einstiegskritik nur anschließen, ein kleiner Lichtblick im kulinarischen Niemannsland Meidling. Sehr nette Bedienung sei noch erwähnt, allerdings war ich mit der Weinauswahl (Schiefertafel) eher weniger zufrieden, doch für ein Beisel wiederum großartig!Die Lammkeule und die Eierschwammerl mit Blätterteig waren exzellent.Weiter so!

Speising sagt

empfehlenswert

ø 1.83 Punkte (6x bewertet)

empfohlen am 30.01.04 @ 18:22

Adresse

Mandlgasse 20
1120 Wien
Telefon: 01.961 08 66

Ruhetag(e): So, Feiertags
Küchenzeiten: Mo-Sa 11-14.30, 17.30-22 Uhr
Menüpreis: €€

Inhaber: Kurt Gandolf
Küchenchef: Harry Steringer

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