Kokoro (Wien)
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Josef Hausberger hätte es so schön haben können. Um sein Curriculum Vitae dürfte ihn sogar Paul Bocuse beneiden. Stand er doch als Executive Chef zahlreicher fernöstlicher Luxushotels Brigaden von 215 (Westin Tokyo) bis 548 Köchen (Lotte, Seoul) vor, wurde in Tokyo zweimal (2003 und 2004) mit dem Award für das beste Gericht des Jahres ausgezeichnet, hat mehr Goldmedaillen im Schrank als so mancher Olympionike und kochte unter anderem für Anna Freud, John Lennon und Yoko Ono, Liz Taylor, Stephen Spielberg, Ronald Reagan, Jimmy Carter, Bill Clinton, Lech Walesa, Uri Geller, Brigitte Bardot und Maggie Thatcher.
Anstatt diese Bilderbuchkarriere allmählich unterm Tropenmond kommod in einer Hängematte ausklingen zu lassen, sagte der 52jährige mitsamt seiner koreanischen Ehefrau nach einem Vierteljahrhundert dem asiatischen Kontinent ade und kocht mit einer einzigen Küchenhilfe auf vier Herdplatten in einem kleinen Passagen-Bistro in der Rotenturmstraße. Der Hauptgrund dafür ist neben Hausbergers Heimweh ("25 Jahre Asien sind genug") sein unerschütterliches Vertrauen ins österreichische Bildungssystem ("meine Kinder sollten das Theresianum besuchen dürfen"). Die Profiteure sind all jene, die in Wien trotz Sushi-Welle und Ethno-Boom stets ein Lokal vermisst haben, in dem man tatsächlich eine "Weltküche" genießen kann, die nichts mit der von Rolf Schwendter diagnostizierten Weltmarktstrukturküche und deren systematisierten Verirrungen zu tun hat.
"Global Cuisine" nennt Josef Hausberger das – und hätte keine bessere thematische Klammer für so unterschiedliche Gerichte wie Prosciutto und Eselsalami auf Grillgemüse und Tapenade, Suprême von der mit Kastanienhonig glacierten Barbarieente mit Cous-Cous, mit Rotem Miso nappiertes Samurai-Mastochsensteak oder Shabu-Shabu vom Schweinsrücken finden können. Was die allgegenwärtige Exotik seiner Speisen betrifft, präsentiert sich Hausberger nicht als Anhänger der blässlich-minimalistischen Ikebana-Fraktion, sondern eher als opulent-geschmackssicherer "Herr der Sieben Meere", was er auch durch sein in Erroll-Flynn-Manier verwegen sitzendes Stirnband unterstreicht.
Vor allem hat Hausberger die fernöstliche Suppenkunst voll verinnerlicht und spart in seiner großartigen Piratensuppe oder der preisgekrönten Großen Selen-Suppe nicht an edelsten Zutaten von Königskrabben bis hin zu Tuna und Lotuswurzel. Auch der Service von Frau Hausberger macht mit seinem exotischen Charme dem Namen des Hauses alle Ehre. Denn das Zen-Wort "Kokoro" bedeutet "von innen kommende, perfekte Herzlichkeit".
Christoph Wagner
Rotenturmstraße 16-18 / Passage
1010 Wien
Telefon: 01.968 01 38
Fax: 01.968 01 38
Ruhetag(e): So, Feiertags
Küchenzeiten: Mo-Sa 11.30-16, 18-23 Uhr
Menüpreis: ![]()
Inhaber: Joseph Hausberger
Küchenchef: Joseph Hausberger
Kreditkarten: Visa, Mastercard
Besonderheiten: Schanigarten
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