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Zum kaiserlichen Thron (Wien)
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„Es wird Euch gefallen, Richter Di, ein wunderbares Essen wird geboten, besonders die gebratene Ente. Vergesst nicht, von der süßen Sauce zum Entenbraten zu nehmen!" An diesen Satz aus Robert von Guliks Richter-Di-Krimi „Tod im Roten Pavillon" musste ich unwillkürlich denken, als ich erfuhr, dass Zhang Guozhu, seines Zeichens „Internationaler Richter der chinesischen Küche" und „Chefkoch der ersten Sonderklasse" nunmehr von einem tristen Lokal in einer transdanubischen Trabantenstadt ins äußerst hoffähige Hofmobiliendepot übersiedelt ist.
Das Restaurant, das er mit seiner Frau Deng Caizhu (ihres Zeichens „Chefköchin im ersten Rang") führt, heißt nun auch nicht mehr wie früher „Altes Sichuan", sondern wurde schlicht „Zum Kaiserlichen Thron" geadelt. Es ist ein luftig-lichtes, sehr zeitgemäßes Etablissement geworden, in dem man sich, nicht zuletzt auch aufgrund der Preislage, ein großes chinesisches Fest erwarten darf. Der Nachteil: Man muss auch selber ein bisschen was dazu tun, sonst klappt´s nicht. Wer hereinschneit, um saure Suppe und gebackene Garnelen zu bestellen, der wird sich möglicherweise fragen, was „Richter Zhangs” Küche denn nun von jener beim nächsten Chinesen ums Eck unterscheidet. Sie schmeckt ähnlich, und der Service macht, wie fast in allen dieser Etablissements, eine gewisse Hilflosigkeit durch mandeläugigen Charme wett. — Wahre chinesische Kochkunst hat allerdings nichts mit dem üblichen China-Junk zu tun, sondern besitzt – auf ihrer Suche nach dem Einen im Vielen und dem Vielen im Einen – eine fast schon religiöse Dimension.
Um davon auch nur etwas zu erahnen, sollte man „Zhang & Deng” nicht unter vier Personen, besser aber zu acht oder zehnt aufsuchen und ein chinesisches Menü vorbestellen, das dann aus bis zu 22 Komponenten bestehen kann, von denen jeder kostet, und die zueinander in einem bestimmten geschmacklichen, aber auch diätetischen Verhältnis stehen. Auf diese Weise kommt man dann auch in den Genuss recht ungewohnter Aromen und Zutaten wie etwa schwarz gelierter Enteneier mit Pfefferoni, süß-saurer Rüben, Haifischflossensuppe, einer mit Tee- und Kampferbaumblättern geräucherten knusprigen Ente, des für die Sichuanküche charakteristischen, höllenscharfen Schweinebauchfleischs, des kostenswerten Mapo-Tofu, der (nur wahren Gaumenabenteurern zu empfehlenden) gekochten Seegurken und in Lotusblütenform geschnitzten Meerohr-Muscheln oder einer mit süßer Bohnenpaste gefüllten Wollmispel. Das alles erscheint Ihnen zu „gefährlich”? — Dann bleiben Sie lieber Ihrem bisherigen „Chinesen ums Eck” treu.
Andreasgasse 7
1070 Wien
Telefon: 01.526 44 12
Fax: 01.526 44 12
Ruhetag(e): Mo
Küchenzeiten: Di-So 11.30–14.30, 18–23
Menüpreis: ![]()
Inhaber: Zhang Guozhu
Küchenchef: Zhang Guozhu & Deng Caizhu
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