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Das Weinlog

27.02.05 @ 16:33

Sideways, die Letzte

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Nach einigen Wochen ist es nun auch mir gelungen, den hierorts schon mehrfach diskutierten Film „Sideways” zu sehen.

Wie zu befürchten, möchte ich meine Notizen nicht vorenthalten:

Klare Farbe, vielleicht am Rand etwas wässrig. Charmante Aromatik in einer Mischung von Peter Pan Syndrom, Nachscheidungsdepression, Genussucht, (Vor-)Midlifecrisis, Torschlusspanik und (zumindest scheinbar) oberflächlicher Männerfreundschaft.
Dann etwas ermüdende Noten von Weinwissen für Anfänger vermischt mit kalifornischer (Wein-) Landschaftspittoreske und Mc-Donalds-für-Fortgeschrittene-Kulinarik. Leicht vordergründige Süße und zu laute Frucht.
In der Folge doch etwas mehr Zug durch nicht nur weinverliebte Damen, nebst zu erwarten gewesenen amourösen Verwicklungen, vielleicht ein wenig gedämpft von (zumindest für TraubingerInnen) nicht wirklich Neues bringenden Gespräche über die Möglichkeiten der Weinrezeption.
Tanninstruktur etwas zu geschliffen dann aber doch guter Säurebogen zum retardierenden Moment.
Schlussendlich im Abgang die „Sex and Crime” Höhepunkte:
Zunächst die erste Schlüsselstelle, durch die, in durchaus köstliche, slapstickerotische Pointen eingebettet, die Männerfreundschaft neu definiert wird. In der zweiten Schlüsselstelle dann der lange verweigerte Vollzug der Trennung von der Ex-Frau in Form eines (zumindest für TraubingerInnen unvorstellbaren) Massakers zwischen Burger, Bratkartoffeln und Styroporbecher. Dadurch ermöglichter Neuanfang mit durchaus befriedigendem Nachhall.

P.S: In dem Umstand, dass der Protagonist sich zwar höchst abfällig über Merlot und Cabernet Franc äußerte, seine „holy bottle” aber ein (eben genau aus diesen Rebsorten bestehender) Cheval Blanc 1961 war, fand ich meine Lieblingspointe.

10 Kommentare | Kommentar abgeben

pastinake, 04.03.05 @ 13:47

Ja, ja, manche Weinexperten
hätten uns als Drehbuchautoren von Sideways sicherlich mit ihrem Weinwissertum fadisiert. So wie die Protagagonisten fluchtartig einen weinhistorischen Vortrag über Pinot Noir verliessen, hätte auch ich den Kinosaal dann verlassen müssen. Es gibt genug VHS-Kurse und Weinakademien! Gottseidank haben die Filmemacher aber mit einer gehörigen Portion Ironie die Welt des Weines auch als Zufluchtsort für Gescheiterte und Einsame gezeigt. Assoziationen zu vielen Erlebnissen bei Weinreisen und Verkostungen und auch einiges an Selbstkritik stellten sich bei diesem Film bei mir ein. Eine vergnügliche und nachdenkliche Angelegenheit!

noapino, 02.03.05 @ 17:45

Keep cool amigo,
mit Bedauern nehme ich zur Kenntnis, dass mein Angebot eines freundschaftlichen Vergleichs nicht angenommen wird (bleibt mir ja auch kaum etwas anderes übrig) und dafür, dass eine Einzelflasche nicht unbedingt bei einer solchen Gelegenheit geopfert wird habe ich auch volles Verständnis.

Aber einiges scheint mir doch missverstanden worden zu sein:

- In keiner Weise fühle ich mich gekränkt, wenn irgendjemandem ein Wein besser oder schlechter schmeckt als mir und daher gibt es auch nichts zu entschuldigen.

- Umgekehrt wollte ich mich in meinem Beitrag keineswegs in „arroganter europa-ostküsten-einheit” über den Film mokieren, den ich als durchaus amusant empfunden habe. Aber dass die darin enthaltenen Vorträge über Wein und seine Verkostung dem verdienstvollen Werk „Wine for Dummies ®” entnommen sein könnten, lässt sich schwerlich leugnen. (Davon explizit ausnehmen möchte ich die beiden wunderbaren Monologe von Miles & Maya über ihren persönlichen Zugang zu Wein, die aber auch mehr über die beiden Protagonisten aussagen als über Wein!). Auch der Umstand, dass ich Sally Quinn zitiere bedeutet keineswegs, dass ich ihre Einschätzung teile.

- Eine Verkostung von sechs Flaschen Wein kann nach meiner Erfahrung höchst genussvoll und anregend sein und endet selten mit Toten (solange eine genügende Anzahl von VerkosterInnen daran teilnimmt).

- Dass irgendwelche Burgunder (egal welcher Klassifikation) besser sein müssen als gute Kalifornier behaupte ich keineswegs (vermutlich ist’s eher umgekehrt), aber "irgendwelche" will ich auch nicht kosten.

- Behauptet ist schnell einmal etwas, aber es ist nach meiner persönlichen Erfahrung nichts besser als eine Blindverkostungen geeignet, gleichermaßen Vorurteile (betreffend die Qualität von Weinen und die eigene als Verkoster) in Frage zu stellen und dazuzulernen. (So man denn dieses will.)

- Dass Grüne Veltliner blind gegen Montrachets gewinnen können oder Mondavi gegen Lafite wird in den Medien häufig dokumentiert, ich persönlich konnte das bislang noch nicht nachvollziehen. (mehrfach probiert!)

- Ich lasse mich gerne davon überzeugen, dass auch in Kalifornien Weltklassepinots gekeltert werden, denn es kann nie genug wunderbare Weine geben. Und gerade das herauszufinden wäre der Zweck dieser Unternehmung gewesen.

- Wein kann so herrlich sein, dass kein Weinbaugebiet vor einem anderen vor Angst erzittern müssen, und man sich diesem Thema zugleich entspannt und differenziert nähern können sollte.

- Mit infantilen Schw...-Vergleichen habe ich keinerlei persönliche Erfahrung, daher kann ich nicht beurteilen, inwieweit Weinproben diesen entsprechen, aber ich hege doch gewisse Zweifel.

Und schlussendlich: „At the end of the day it’s just wine! Just wine!”


P.S: Bei http://www.californiawines.de lassen sich die Testarossa-Bestände wieder auffüllen: „Bien Nacido”, „Sleepy Hollow”, „Pisoni” und „Palazzio” gibt’s dort zwischen 38€ und 66€.

amigo, 02.03.05 @ 10:59

@"django" noapino
sorry, meine letzte flasche gary's vineyards 2001 und ich stehen für shoot-outs, säbelduelle, faustkämpfe, polsterschlachten und andere non-verbale varianten der auseinandersetzung leider nicht zur verfügung, da bin ich zu wenig "cabernet-man". abgesehen davon gibt es bei solchen shoot-outs nicht selten tote, in diesem falle höchstwahrscheinlich sechs flaschen schönen weins, die es sich verdient hätten, zu einer poetischeren und sinnlicheren gelegenheit getrunken zu werden denn einem infantilen schw...-vergleich.
abgesehen davon, was soll das ziel der übung sein: ich glaube nicht, dass wein-vergleichsverkostungen sehr viel aussagen (da gewinnt immer der mondavi gegen den lafite, der grüne veltliner gegen den montrachet) und ebensowenig, dass so eine verkostung sie davon überzeugen könnte, dass in kalifornien weltklasse-pinots gekeltert werden (und mich nicht, dass renommierteste premiers und grands crus a priori besser sind als die besten kalifornier, das habe ich schon oft genug probiert).
ich hoffe jedenfalls, sie durch meine verwegene aussage nicht in ihren persönlichen gefühlen verletzt zu haben, und sollte es so sein, stehe ich nicht an, mich zu entschuldigen. aber - you can call me coward - kein shoot-out mit mir und meiner letzten flasche testarossa (der außerdem in österreich nicht erhältlich ist und mir daher noch einmal zu wertvoll ...).

so long, noapino

steppenwolf, 01.03.05 @ 20:49

@Sally Quinn
Disclaimer!!! Meine Eintragung richtet sich nicht gegen den Schreiber, der Sally Quinn zitiert hat:)

"Yes, I hated it. Bored, stupid self-conceited, self-absorbed women, whose only source of consolation stems from the purchase of some new shoes. (Samantha is ok, though!) Oh, those "wonderful" women from Sex and the City, how nice would it be to pair them off with the losers from California." Ich weiss nicht, ob Sally Quinn wirklich New Yourkerin ist, sie schreibt zumindest für die Washington Post. Ihre Kritik zeigt mehr als Ablehnung, sie zeigt Verwundung. Ich weiß nicht, ob sie sich ärgert, dass soviele Personen den Film gut finden. Vielleicht schmerzt sie auch der hohe Realitätsbezug in bezug auf Amerika. So, Schluß, genug der Häme.

Ich würde ihre Kritik durchaus akzeptieren, wenn sie zumindest in einem Satz eine allgemeingültige Aussage des Films gestreift hätte: "Um einen Cheval Blanc 61 (kann auch irgendetwas anderes Besonderes sein, Anm. des Schreibers)zu öffnen, bedarf es keines besonderen Anlasses. Die Öffnung selbst ist der besondere Anlass." Hier steckt Aussage drin, eine Philosophie, die weit über den Film hinausreicht.
Es ist die Erkenntnis von Wertschätzung und letzten Endes das Öffnen von Augen.

Über Sally Quinn kann man zb diese Webseite befragen:)

http://www.rightgrrl.com/steph/antonyms.html
"
Sally Quinn has gone linguistically insane.

Last week she announced to the world that Bill Clinton was our nation's first woman president. So much for our understanding of what constitutes a "woman."
...
...

So go ahead, Sally Quinn. Defy reality! Redefine the English language! It's certainly not a stretch for you -- trying so hard, as you have, to convince women they're indebted to a misogynist. "
Von einem Artikel aus 1999.
Ich hab mich ein bisschen schlau gemacht, weil ich in der Zeit drüben in Washington D.C. war und sie als Kronenzeitung-Adabei registriert hatte. Sie schreibt in der "Style"-Section der Washington Post.

Ich geh mir jetzt auch eine Flasche Wein öffnen.

noapino, 01.03.05 @ 12:15

See you at high noon, amigo!
Die Weinkenntnisse der Norwerger und Marylander (abgesehen von RPjr) können wir gerne diskutieren und ich nehme da gar keine prononcierte Haltung ein, aber:

Dass sich die (ganze?) Côte de Nuits vor dem bei Testarossa Vineyards produzierten Stoff fürchten soll, und das noch dazu zu Recht, halte ich für eine reichlich gewagte Ansage. Da mag der 1999 Testarossa Cuvee Niclaire Reserve Pinot Noir (Preis derzeit ca. 70$) von einem Marylander oder seinem Co noch so oft 92 Punkte bekommen. (Andere Lagen und Jahrgänge kosten so von 30$ aufwärts)

Doch damit die unbewiesene Behauptung nicht in der Luft stehen und die Diskussion nicht so trocken bleibt, fordere ich in guter alter Western-Manier und aller Form zum Shoot-Out auf. Mein Vorschlag für die Durchführung:

Jeder stellt drei Flaschen (amigo von Testarossa und ich aus der verängstigten Côte de Nuits) die zusammen um den Betrag von – sagen wir – 150$ zu erwerben waren und kosten sie blind und paarweise. (Auf den Jahrgang sollten wir uns einigen)

Sekundanten darf jeder selbst wählen.

Und jetzt bitte keine Ausreden und nicht feig sein – sonst: Adios amigo und hasta la vista, baby!

amigo, 01.03.05 @ 10:58

@noapino
nun ja, nebraska. stimmt, dort wächst ein bisschen weniger wein als in england und ungefähr genauso viel wein wie in irland oder norwegen oder maryland. deswegen kommen die sensibelsten und profundesten weinkennerinnen und weinkenner, die ich kenne, trotzdem von dort (die schweiz einmal ausgenommen, wo es ungefähr ein ebenmaß an hervorragenden wein-verstehern und hervorragenden weinen gibt ...).

und unattraktive sideways-figuren: ja, na und. wer die ironische verbrämung der realität nicht erträgt, muss sich halt rosamunde pilcher-verfilmungen ansehen.

klar ist es leicht, sich in arroganter europa-ostküsten-einheit über diese kalifornier und ihren hurra-weinpatriotismus zu mokieren. aber die kalifornier drehen im gegensatz zu diesbezüglich genauso unerträglichen österreichern, franzosen und italienern wenigstens schöne, berührende, selbstironische wein-filme. abgesehen davon: testarossa pinot noir probieren und vor ehrfurcht schweigen - das ist der stoff, vor dem sich die cote de nuits völlig zu recht fürchtet ...

alma, 01.03.05 @ 07:26

get us some more Mayas!
Genau darin liegt die Rezeptions-Problematik für Frauen: die Unattraktivität der männlichen Hauptdarsteller macht Lust auf bevorzugte Rebsorten. Zum Glück mochte ich Pinot schon vorher, und ich kann nur mit dem Seufzen einiger weinliebender Männer mithalten: mehr Mayas müsste es geben!

noapino, 28.02.05 @ 23:20

Nebraska und der Sideways-Effekt
die von Hrn.Olive gemachte Feststellung könnte darin begründet sein, dass der Regisseur und Co-Drehbuchautor aus Nebraska stammt, einem Bundesstaat, der ja nicht gerade für seine Weinproduktion bekannt ist.

Dennoch wird der Umstand, dass der Verkauf von Pinot Noir in den US um 16% gestiegen ist auf den Film zurückgeführt und gilt mittlerweile als "Sideways-Effekt".

Doch es gibt auch kritische Stimmen. So die der New Yorker Kritikerin Sally Quinn:
'I hated it, and most of the women I know feel the same way. The two leads are losers. They are unattractive - at times repulsive - stupid, and gross. They are also untalented, cowardly liars with no sense of humour. They are self-absorbed, undiscuplined, navel-gazing failures. They have no redeeming qualities.'

http://tinyurl.com/4mv8z

jamiesolive, 28.02.05 @ 13:49

O holy bottle!
Ich konnte mich, während ich den Fillm ansah, auch des Eindrucks nicht erwehren, dass Drehbuchatoren und Regisseur sich diverse fachspezifische Fertigkeiten erst kurz vor Drehbeginn aneigneten oder anlasen. Etwa so wie der Darsteller von Richard III., der drei Wochen vor Probenbeginn auch im Alltag zu hinken begann, um „glaubwürdig" zu erscheinen.

noapino, 28.02.05 @ 08:52

1:4
Aus den fünf Nominierungen wurde zumindest ein Oscar:
Alexander Payne und Jim Taylor erhielten den für das "Beste adaptierte Drehbuch".

http://tinyurl.com/6vufy

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