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Das Weinlog

29.04.05 @ 01:38

Ich will ja nicht insistieren...

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... und schon gar niemand daran hindern, auf Angelika Deutschs wunderbaren Beitrag zum Kamptal zu replizieren. Allein: Eine einzige (wiewohl außerordentlich qualifizierte) Reaktion zum Thema biodynamischer Weinbau ist mir in meiner Funktion als „Bürgermeister" von Traubing zu wenig. Oder interessiert dieses Thema wirklich gar niemanden? Oder habe ich ganz einfach zuviel darüber gequasselt? (Auch kurze und kürzeste Statements werden, ebenso wie lange, angenommen.)

9 Kommentare | Kommentar abgeben

ChristophWagner, 30.04.05 @ 02:14

Halb-religiöse Theorien
Selbst auf die Gefahr hin, die (sicherlich nicht zu unterschätzende) agnostische Fraktion der Speisinger gegen mich aufzubringen, möchte ich pastinake mit einem Zitat Kardinal Königs antworten, welches da heißt:

„Es gibt keine halbe Sünde, keine halbe Lüge und es gibt keine halbe Wahrheit. (...) Es gibt nur ein Ja oder Nein, kein Drittes, das ist die Entscheidung."

Also: Bevor halb-religiös, lieber ganz religiös, obwohl mir der Begriff „philosophsch" oder meinenthalben auch „gastrosophisch" wesentlich lieber wäre.

Und zu noapinos „Hoch auf die Empirie": Volle Zustimmung, vor allem zu dem Satz: „Und wurde es nach biodynamischen Prinzipien produziert und schmeckt es mir auch, will ich gerne glauben, dass hier ein wie immer gearteter kausaler Zusammenhang besteht."

Ich empfehle dazu das Studium der C.G.Jung´schen Synchronizitätstheorie.

noapino, 29.04.05 @ 19:41

Ein Hoch der Empirie
ich gehöre zu den Menschen, die bereit sind alles zu glauben.
Angefangen von der Behauptung, dass Homöopathie mehr bewirke als Placebos, bis zu den unbestreitbaren Wahrheiten dass Handy-Strahlen mein Gehirn garen, Photonen nicht sowohl die Eigenschaft „hat einen bestimmten Weg zurückgelegt” und „ist vertikal polarisiert” haben könnten, Aktien gut zur Altersicherung seien, der Mond eine maßgebliche Auswirkung auf den (ja auch flüssigen) Inhalt meiner Weinflaschen hätte und es (je nachdem ob ich mich auf der Nord- oder Südhalbkugel unseres Planeten befinde) einen Unterschied ergebe, ob ich mein Glas links oder recht herum schwenke.

Legt mir ein Mitmensch diese oder andere Erkenntnisse plausibel dar und berichtet glaubhaft von eigenen Erfahrungen, glaube ich ihm das sofort.

Wenn er dann aber auch noch beweisen will, warum das aufgrund physikalischer, mathematischer oder sonsdtiger naturwissenschaftlicher Prinzipien so sein müsse, werde ich gelegentlich nervös und frage beispielsweise nach, weshalb der Mond den Wein in meinem Keller stärker durchschüttle als meine kleine Tochter, wenn sie daran vorübergeht obwohl die von ihr ausgehende und auf meine Flaschen wirkende Anziehungskraft weitaus größer ist als die unseres Trabanten.

Genauso geht’s mir der Biodynamik. Der weitaus größte Teil betreffend Düngung, Schädlingsbekämpfung, Bodenbelebung etc. ist plausibel und einsichtig und unterscheidet sich meines Wissens von den zwar biologischen aber undynamischen Prinzipien wenig.
Dennoch soll es mir egal sein, ob die Biodynamiker Hirschblasen zu Vollmond an die Dachtraufe hängen, oder Kuhhörner auf spezielle Art vergraben und ich empfinde sogar durchaus Sympathien dafür.

Doch schlussendlich zählt für mich primär das, was ich im Glas habe, riechen, schlürfen, schmecken kann und mir Genuss und Vergnügen bereitet.
Und wurde es nach biodynamischen Prinzipien produziert und schmeckt es mir auch, will ich gerne glauben, dass hier ein wie immer gearteter kausaler Zusammenhang besteht.

Aber es soll niemand versuchen, mir dessen Wirkmechanismen mit missionarischem Eifer und scheinwissenschaftlichem Duktus zu erklären.

pastinake, 29.04.05 @ 15:01

ad Kosmische Energie
Gerne folge ich dem Appell des Bürgermeisters und widerspreche ihm mit Freude! Ich halte halb-religiöse Theorien rund um das "Lebensmittel" Wein für entbehrlich und nicht stichhaltig, auch wenn sie amüsamt formuliert sind. Ob Apollo für die Nivellierung beim Wein verantwortlich ist? Unwahrscheinlich, eher sind es Trendsetter wie Herr Parker und Marktstrategien von Grosswinzern.
Ob Rudolf Steiners kosmische Energie und Reichs Orgon gemeinsam mit Dionysos die Weine von Chapoutier, Kreydenweiss oder Ostertag so wunderbar machen ? Mit wem sind bloss alle nicht biologisch-dynamische Winzer im Bunde, deren Weine mindestens so gut sind wie die der hier genannten? Wieviele biologisch-dynamische Winzer gibt es, die durchschnittlichen Wein machen? War nicht z. B. der Wein vom Nikolaihof vor der Biozeit wesentlich charaktervoller? (Habe gerade letzten Sonntag einen wunderbaren GV Honivogl 1986 getrunken).
Es gibt gute und weniger gute Winzer, Toplagen und Gstätten, gutes und schlechtes Wetter und hunderte Parameter mehr, die einen Wein zu dem machen, was er ist. Wenn er mit dann wirklich gut schmeckt, kann ich mich als Agnostikerin sogar zu dem Ausruf "Himmlisch" hinreissen lassen .....

-ad-, 29.04.05 @ 07:56

dann sistieren wir mal ...;-)
Mein "großer" Beitrag zum "anderen" Weinbau in Österreich wird - aus Recherche-Gründen - nächste Woche folgen; aus meiner Praxis-Erfahrung kann ich - und das beantwortet vielleicht zum Teil des Bürgermeisters Besorgnis - nur hinzufügen, dass bezüglich des biologischen, gar biodynamischen Weinbaus zwar ein leises Kundeninteresse besteht, das aber von unzureichender Information getragen ist und sich gerne auf die nun leider falsche Annahme stützt, dass Biowein ungeschwefelt sei.

Das umfassende Konzept eines nicht nur im technisch-mechanischen Bereich sich unterscheidenden, sondern auf einer geradezu spirituellen Konzeption basierenden Weinbaus erfordert allerdings bei der Konsumation der Ergebnisse keine persönliche Deklarationspflicht in diese Richtung (da müssen nur die Winzer dem Gesetz und ihrem Gewissen genüge tun), sondern einen feinen und möglichst unverbildeten Gaumen!

Als Beispiel für österreichischen Bioweinbau mit Tradition möge der Geyerhof in Oberfucha (Kremstal), deklariert organisch und nicht dynamisch, genannt sein, wo mir Riesling Johannisberg mit feiner Säure-Süße-Balance und der dichte und cremig Weißburgunder Gaisberg hängen blieben.

(Der Frühling, lieber CW, wurde vor allem aus Aktualitätsgründen eingeworfen, damit die Wochenendausflügler auch wissen, wohin sie ihre Räder tragen sollen ...!)

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