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Das Weinlog

30.05.05 @ 07:26

Antiker Sprudel

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Vor wenigen Tagen geisterte die Meldung durch die Medien, dass Signora Cianferoni, italienische Archäologin, auf einem Kongress zu „Wein und Öl als Grundlagen antiker Küche” mit der These aufwartete, bereits ihre Altvorderen hätten es verstanden, Schaumwein in Amphoren, die mit durch Schnüre befestigten Korken auf den langen Hälsen verschlossen gewesen seien, explosionssicher und transportfähig zu machen. Was immer viel später danach in der Champagne geschah, wäre also nur mehr eine Weiterentwicklung antiker Invention gewesen!

Merde, schäumt Frankreich, doch darf vielleicht zum Trost gereichen, dass der heutigen Gesellschaft liebstes Sprudelgetränk auch eines der Frauen ist – und diesen war im alten Rom der Weinkonsum verwehrt! So gesehen ist denn auch die von lustigen Freunden im erweiterten Kreis gerne benützte Bezeichnung „Puff-Brause” gar nicht mehr so despektierlich ... immerhin schlürfen da Frauen.

Et venus in vinis ignis in igne fuit (Ovid)

P.S. : und ich freue mich schon auf meinen Cremant …. ;-)

8 Kommentare | Kommentar abgeben

ml, 31.05.05 @ 15:55

Apropos Sorten
Weil doch da oben irgendwo der Falerner referenziert wurde. Auch der Caecuba aus Latium galt als besonders berühmter Wein.
Da läßt sich also noch eine Recherche-Arbeit anschließen.

ml, 31.05.05 @ 15:45

weitere Deutungen
Heimito von Doderer hat auch einen (!) humorvollen Roman geschrieben: Die Merowinger. Nachdem wing auf englisch Flügel bedeutet, läßt sich das Geschlecht der Merowinger auch als die "vom Wein beschwingten" herauslesen.
Ich glaube mich aber zu erinnern, dass HvD den Namen anders abgeleitet hat.

andreasbigler, 31.05.05 @ 14:05

Puff - Brause, na so was!!!!
No hallo, zu lange in meiner Gegenwart verweilt (*gg*)? Da werd ich ja glatt rot, wenn ich so was lese, von poetischer Frauenhand geschrieben und es ist leider nicht ganz richtig, denn die Koberer nennen das Zeug intern "1000% drauf, die Deppn brennen eh" und die Besucher reden immer vom "Nuttensprudel" und mir soll's recht sein, denn ich verkauf das "Blubberwasser" liebend gern an Nachtbars .........

Sorry liebe - ad-, aber ich konnte förmlich lesen: Bitte -ab- schreib an Blödsinn zu meinem Posting....

Liebe Grüße ins heilige Land und natürlich auch an -ad-

alma, 31.05.05 @ 10:27

herb
Für die Mischung, wie sie in der Steiermark so treffend bezeichnet wird, empfiehlt sich in jedem Fall ein herber Wein - und da wird man auch bei Catull fündig:

In seinem Carmen 27 (kein fortlaufend numeriertes Weib, sondern ein Lied oder Gedicht) verlangt er nach calices amariores, herberen Kelchen also - der Falerner hatte ja unter anderem auch diese Geschmacksausprägung zu bieten.

Ich frage mich nun - als heutige pur(istische) Trinkerin - ob ich nicht rückblickend meinem "merum"-Genuß kultische Notwendigkeit zuschreiben sollte, um nicht in den Verdacht einer multibiba und merobiba zu kommen, was keineswegs Anerkennung bedeutete?

Ach was, bibamus!

noapino, 31.05.05 @ 09:19

merobibus
Den Pisa-Preis hat sich nun zwar schon Alma geholt, aber bezüglich der Interpretation von merus bzw merobibus (unvermischt Wein trinkend) würde ich annehemen, dass sich das auf den Umstand bezieht, dass in früheren Jahren Wein meist mit Wasser vermischt getrunken wurde.

Somit wäre jemand, der Wein reichlich unvermischt trinkt, nach heutigen Maßstäben eher als Kampftrinker einzustufen.

Und dann passt auch der Kalifornische 15 Prozenter wieder.

alma, 31.05.05 @ 07:59

unvermischt
Wein ist immer noch vinum, aber man wusste durchaus zu differenzieren: merus bedeutet unvermischt, eine Eigenschaft, die offenbar schon in der Antike als nicht gering zu schätzende ihre Bedeutung hatte.

Wenn sich allerdings ein dicker, fruchtkonzentrierter kalifornischer Garagenweing mit 15 % vol. Merus nennt, wird der Ursprung der Bezeichnung ad absurdum geführt.

Vor einer Ausweitung des students assessments muss sich im übrigen niemand fürchten, der weiß, wo er nachzuschlagen hat; kleiner Hinweis für alle Nicht-Lateiner, die sich elegant durch wissenschwere Gespräche schummeln wollen:
http://wernersindex.de/lateindeutsch.htm

ml, 30.05.05 @ 19:28

Quiz
Wenn es hier also schon so literarisch zugeht, sein eine kleine PISA-Testaufgabe gestellt:
In welcher Zeile versteckt sich das Originalzitat:
"Cura fugit multo diluiturque mero."
Und die Zusatzfrage: was heißt Wein auf lateinisch?

noapino, 30.05.05 @ 09:23

Da hat oft schon geraubt das Herz dem Jüngling das Mädchen
damit das Zitat nicht so aus dem Zusammenhang gerissen bleibt, habe ich mir erlaubt, den Ovid nachzuschlagen:

[...]
Sind vom Weine besprengt die durstigen Flügel Cupidos,
Nimmt er Stellung und steht fest und voll Würde am Platz.
Zwar es schüttelt behend das feuchte Gefieder Cupido;
Doch daß Liebe die Brust auch nur besprengte, ist schlimm.
Wein erreget das Herz und macht es für Liebe empfänglich;
Sorge entflieht; hinweg spült sie der reichliche Wein.
Dann kommt Lachen und Lust, dann wachsen die Hörner dem Armen,
Dann weicht Kummer und Schmerz, weichen die Runzeln der Stirn.
Dann schließt auf ihr Herz die in unseren Zeiten so seltne
Einfalt, während der Gott alle Verstellung verscheucht.
Da hat oft schon geraubt das Herz dem Jüngling das Mädchen;
Venus war in dem Wein, Feuer in Feuer, versteckt.
Da gieb Glauben du nicht zu viel der betrüglichen Lampe;
Denn der Schönheit Gericht schaden die Nacht und der Wein.
[...]

was ich imemr sag' ;-)

http://gutenberg.spiegel.de/ovid/arsamato/arsama12.htm

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