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Das Weinlog
03.11.05 @ 22:54
Grüße aus dem Schilcherland
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Ich hatte das Glück, ein paar Tage in der Weststeiermark verbringen zu dürfen und habe Interessantes über den Blauen Wildbacher und seine Ausarbeitungsvarianten erfahren. Der ehemalige Heckenklescher hat sich nicht nur zu einem erfrischenden Sommerwein und empfehlenswerten Speisenbegleiter gewandelt, die zu Grunde liegende Wildbacher-Traube wird heute in einer bisher nicht gekannten Vielfalt ausgebaut. Es gibt den Wildbacher in Weiß, zwiebelfarben, von alten Reben, als Rotwein, als raffinierten Cuvéepartner, als Frizzante, als Sekt, als Eiswein und als Schnürlwein.
Der Blaue Wildbacher hat zwar nicht das Zeug zu einem Weltklasse-Wein, aber seine signifikante Säure prädestiniert ihn für andere Nutzungsvarianten wie Sekt, Sturm oder auch Schilcher-Glühwein. Und so vielfältig wie der Wein sind auch die Winzer des Schilcherlandes. In traditionellen gemischten Landwirtschaften ist der Weinbau neben Obstbau und Viehwirtschaft nur ein Standbein und in den urigen Buschenschänken gilt immer noch die Maxime, dass der Schilcher erst beim zweiten oder dritten Glas zu schmecken beginnt. Manchmal drängt sich sogar die Vorstellung eines historischen Drei-Mann-Weines auf, nach der zwei Männer einen dritten halten müssen, damit er den Wein „runterbringt”. Dann gibt es aber auch erfolgreiche Winzer, die sich ganz dem Weinbau verschrieben haben und nicht nur Meister im Keller, sondern auch in der Vermarktung sind. Und es gibt auch junge Silberberg-Absolventen, die auf alle Konventionen pfeifen und mutige Experimente machen, die mich trotz einiger Skepsis positiv überraschten.
Nicht minder überraschend war für mich die Entwicklung, dass trotz (sanft) wachsender Nachfrage nach Schilcher immer mehr Weinbauern den Südsteirern nacheifern und mehr auf weiße Rebsorten setzen. Möglicherweise haben Viele noch die Absatzprobleme im Hinterkopf, die nach dem Schilcherboom vor rund 25 Jahren entstanden sind. Vor dem Boom wurde auf etwa 200 ha Blauer Wildbacher angebaut, danach wurde die Anbaufläche fast verdoppelt, was unweigerlich zu Absatzproblemen geführt hat. Aber nach Jahren der Konsolidierung und Professionalisierung des Marketings und des Vertriebs übersteigt im Moment wieder die Nachfrage das Angebot, zumindest nach Aussagen der Betroffenen.
Namentlich nennen möchte ich schließlich noch Johannes und Luise Jöbstl, die eine ungemein vielversprechende Zweigelt-Wildbacher-Cuvée auf amerikanischem Holz im Keller reifen lassen. Oder auch den Newcomer Stefan Pauritsch, dessen Shiraz-Experimente bestimmt Zukunft haben. Und Christian Reiterer, der mit seinen (zum Teil grenzüberschreitenden) Kooperationen neue Maßstäbe in Sachen Sekt-Kultur setzt und mit geheimnisvollen Rotwein-Projekten Schlagzeilen machen will.
Mich würden sehr die Schilcher-Erfahrungen, -Vorlieben und –Meinungen der verehrten Gemeindemitglieder interessieren
10 Kommentare | Kommentar abgeben
andreasbigler, 07.11.05 @ 23:07
@ Montrose 90 (noapino)
Sorry, aber das war kein guter Vergleich, denk zumindest ich, denn für mich ist das so, als ob man einen 18er Steyr mit einem 600er Mercedes vergleichen würde, der Benz würde sich beim Mähen einer schrägen Wiese schwer tun und der 18er beim Fahrkomfort, aber jeder ist für sich selbst in seiner Liga großartig!
ChristophWagner, 06.11.05 @ 03:11
Wunderlich
Fritz Wunderlich hat oft auch wahrlich schauderbare Weisen geträllert (z.B. „Heut ist der schönste Tag in meinem Leben") und sie dennoch mit dem Glanz seiner Stimme erfüllt. Warum sollte ein guter Winzer daher nicht auch a priori schauderbare Rebsorten (Stiegenbrunzer, Hemdsprazer, Heckenklescher) zu sangbar-volmundigem Weinleben verhelfen?
Kollege Bigler hat es ganz richtig erkannt. Der Zweigelt galt, ebenso wie der Grüne Veltliner, lange Zeit als Gaga-Rebsorte. Ebenso übrigens wie Muskat-Ottonel oder Neuburger, alles Rebsorten, denen qualitätserpichte Winzer mittlerweile durchaus wohltönende Klänge zu entlocken vermögen.
noapino, 06.11.05 @ 00:12
Konzert für Sackpfeife und Triangel
die Gemeinde möge mir verzeihen, aber nach einer Fl. Montrose 90 mit meinem Lieblingsbruder habe ich größere Hoffnung auf eine Komposition, die Sackpfeife und Triangel zum lange verdienten Durchbruch verhelfen kann, als darauf dass der blaue Wildbacher wie Fritz Wunderlich seine Stimme erhebt und zu singen beginnt.
Doch wer weiß?
Gerne lasse und ließe ich mich eines besseren belehren.
andreasbigler, 05.11.05 @ 21:40
Nur keine schnellen Vorurteile!
Vor 15 Jahren sagten die "Superweinkenner", nein nur keinen Zweigelt und dem Blauen Wildbacher geht es heute noch so, obwohl das völliger Blödsinn ist, denn ich habe auch schon Cabernets verkostet, die mich freiwillig spucken ließen!
Den "Schücha" in jeglicher Form bloß nicht unterschätzen!!!!!
ChristophWagner, 05.11.05 @ 16:25
Legerwein
Rot (und gut) ausgebaute Wildbacher sind eine Hürde für jeden noch so elaborierten Weingaumen. Unbedingt kosten: Den Blauen Wildbacher von der Ried Buch 2003 von Frauwallner in Straden. Zurzeit einer meiner absoluten österreichischen Lieblingsrotweine. Wer mir´s nicht glaubt; Mein Freund Walter Kutscher (der viel strenger ist als ich) hat ihm 90/100 Punkten gegeben,
Minimalist, 04.11.05 @ 16:59
viel wert
Einer meiner Freunde (Weinprofi) hatte das Angebot eine Kiste Latour (kostenlos) dafür zu erhalten, wenn er die Traube eines Rotweins erriete.
Hat er aber nicht.
Ja, erraten, eine blaue Wildbach.
So wertvoll kann Wein sein.
alma, 04.11.05 @ 16:01
für einen ...
tatsächlich ist diese A priori-Entschuldigungsfloskel unentschuldbar - Der Blaue Wildbacher ist eine Rebsorte mit ihren Charakteristika, die nicht weggeschwindelt werden sollten.
Im diesjährigen Salon Österr. Wein waren zwei Schilcher zu verkosten, der klassisch-ehrliche von Langmann vulgo Lex, und der umformte vom Strohmeier. Mir war ersterer in seiner Typizität lieber - denn ich suche keine süßen Fruchtaromen im Schilcher! Die passen nicht zum Backhendl ....
Dass aus einer so hantigen Traube spannende Süßweine entstehen können, hat mich selbst überrascht, aber dieses Säure-Süße-Spiel ist eigentlich vorgegeben. Strohwein vom Schilcher z.B. (Jöbstl)
katiza, 04.11.05 @ 11:24
Schilcher Eiswein
Habe am letzten Wochenende im "Goldenen Löwen" in Hall in Tirol einen hervorragenden Schilcher-Eiswein getrunken, der nicht nur für einen Schilcher sehr gut war! Tut's mir den blauen Wildbacher nicht unterschätzen!
Minimalist, 04.11.05 @ 11:05
Rabiatperle
Es wird ja behauptet, von det WBR abstammened Säfte haben mit Borolo gemein, dass sie Rabiatperlen seien.
Wenn man aber rabiat ist, ist man nicht mehr nett.
Also, Speisinger, Traubinger Hände weg.
pastinake, 04.11.05 @ 10:04
Bemüht
Bei allem Respekt vor den Bemühungen von lokalen Winzern, aus der Wildbachrebe das Beste herauszuholen, aber: Solange im Hintergrund von Beurteilungen immer mitschwebt: "Für einen Schlcher schmeckt das ausgezeichnet", ruiniere ich meine Leber lieber mit anderen Gewächsen.
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33