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Das Weinlog

18.01.06 @ 14:48

Die Amis sind die Bösen

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Wenn man unserem Weinbaupräsidenten so zuhört müsste man glauben, dass in den USA ausschließlich in chemischen Labors auf Einheitsgeschmack getrimmter Industriewein hergestellt wird. "Coca-Colaisierung des Weinbaus" waren da die geflügelten Worte. Wenn ich jetzt aber an so manchen hervorragenden US-Wein denke, dann fällt es mir schwer, bei dieser Verallgemeinerung mitzumachen.

Der Terroir-Gedanke hat sich auch schon in den USA herumgesprochen und es gibt auch Jahrgangsunterschiede. Nur wird man solche Weine kaum im Supermarkt finden.

Die Philosophie der Neuen Welt-Massenweine kennen wir: Erde ist Dreck, der Hero ist der Winemaker, jedes Jahr muss gleich schmecken. Aber die Amis können auch mehr und sind keineswegs solche Banausen, wie sie von der hiesigen Weinwirtschaft dargestellt werden.

Und irre ich mich, oder sind die europäischen Massenweine nicht auch jedes Jahr gleich? Bouteillen-Weine die bei Lidl & co um 1,99 angeboten werden, müssen industriell erzeugt sein, wie sonst könnte dieser Preis erzielt werden? Aber auch bei Luxus-Sprudel gibt es immer schon Jahrgangs- und breiteste Riedencuvées, um einen gleichbleienden Geschmack zu erzielen. Warum wird bei der Neuen Welt verteufelt, was in der Alten verexerziert wird?

Die Dämonisierung von Eichen-Chips ist sicher nicht die richtige Antwort auf den Preisdruck aus dem Ausland. Im Gegenteil, der Chips-Einsatz ist sensorisch kaum/nicht nachweisbar und warum sollte man sie bei Massenweinen nicht einsetzen? Es ist sehr gut, dass wir eines der strengsten Weingesetze der Welt haben. Das hilft v.a. Weinen in der gehobenen Preisklasse, aber das untere Preissegment sollte man nicht kampflos dem Ausland überlassen.

14 Kommentare | Kommentar abgeben

-bd, 19.01.06 @ 11:14

Kleiner Markt für Top-Qualität
Na da würden sich unsere Winzer schön bedanken. 72 Prozent der im Lebensmittel-Einzelhandel gekauften österr. Bouteillen-Weine kosteten 2004 weniger als 3 Euro. Dieses breite Feld sollte komplett dem Ausland überlassen werden? Da könnte die Hälfte unserer Winzer zusperren.

Minimalist, 18.01.06 @ 17:38

Segmentieren und selektieren
100% mit mihochello!
Die hohe Kunst des Marketing hat viele Facetten und es gibt keine "one fits all" Konzepte.
Aber eine Grundwahrheit:
Entweder "man" hat die Finanzkraft UND den Ideenreichtum einen (Massen-)Markt zu entwickeln oder man muss sich SEINEN Markt suchen.
Märkte segmentieren, virtuelle Produkte/Services dazu positionieren und jenes (Produkt, Segment)paar selektieren in welchem man Marktführer werden kann.
Und wenn dieser Markt noch so klein ist.
Wenn das klar ist, differenziellen Vorteil erkennen/entwickeln und den dazugehörigen Marketing- und Promotion-Mix entwerfen und umsetzen.
"man":= eine Region, ein Konsortium, ein einzelner Weinbauer?
In Öster. kann NIEMAND wirklich interessante Massen-Märkte für seine/ihre Weine entwickeln.
Deshalb: kompromisslose Qualität, Eigenständifkeit, Differnzierung, Unverwechsellbarkeit,......
Und Hochpreis, auch wenn mir das, als Konsument und Liebhaber österr. Weine, weh tut.
Ich weiss, ich wiederhole mich: Sagen wir New Yorker Weinliebhaber im Gespräch: "Did you already subscibe your Singerriedl this year?"

mihochello, 18.01.06 @ 16:52

Neue Welt-Massenweine
In den Aussagen des Hrn. Pleil sehe ich eigentlich keine Verallgemeinerung. Ich würde sagen er versucht dem Konsument nur klar zu machen was er trinkt wenn so ein 1,99 € "Wein" gekauft wird. Vielleicht wird dadurch ja das, gegenüber der "Geiz ist Geil"-Mentalität, unterentwickelte Qualitätsbewusstsein des Konsumenten gestärkt damit in Zukunft auch zu höherpreisigen Qualitätsweinen gegriffen wird. Aus der Sicht des Präsidenten natürlich zu Österreichischen.

Der Österreichische Weinbau sollte das Nieder-Preissegment auf jeden Fall kampflos dem ausländischen Mitbewerb überlassen. Hier gibt es nichts zu gewinnen. In diesem Preisniveau könnte in Österreich nicht einmal bei Aufgabe unseres Weingesetzes gewinnbringend produziert werden.
Man sollte im Österreichischen Weinbau nur auf kompromisslose Qualität setzen, sich in höheren und höchsten Preissegmenten positionieren, über das jüngste EU-Abkommen nicht jammern und eine Aufweichung des Weingesetzes zu fordern, sondern es als Chance sehen dem Konsumenten österreichische Weinqualität zu vermitteln und auf dem entsprechenden Preisniveau zu verkaufen.

profiler, 18.01.06 @ 15:59

unberechtigte sorgen...
ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor mehr als zehn jahren mit franz hirtzberger über den bevorstehenden eu beitritt österreichs gesprochen habe und er mir auf meine frage, ob sich bei ihm ein ungutes gefühl einstellt, folgende antwort gab, er glaubt nicht, dass er eine flasche riesling weniger verkaufen werde, nur weil die supermarktregale mit billigem lambrusco und soave überschwemmt werden. nun, die zeit hat ihm recht gegeben und alle sind zufrieden, die konsumenten, die weinbauern und die handelsketten.

genauso wird es sich bei den amerikanern zutragen. solange es ridge, heitz, shafer und co. gibt brauchen wir uns keine sorgen zu machen. und diejenige konsumentenschicht für die die obengenannten weine gemacht werden, wird es ohnehin wurscht sein, was da in der flasche ist.

gruss

gruss

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