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Christoph Wagner's Weblog

15.03.04 @ 01:19

Körperwelten

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Das Londoner Science Museum will, wie die "Sunday Times" berichtete, in einer Ausstellung über den Tod eine verwesende Leiche zeigen. In einem nur für Erwachsene reservierten Museumsbereich sollen die sterblichen Überreste eines Menschen in einem Glaskasten ausgestellt werden und vor den Augen der Besucher verfallen.

"Die Idee ist, dass die Leiche auf ähnliche Weise verwest, wie sie es unter der Erde tun würde", sagte der zuständige Museumsmitarbeiter Ben Gammon. Es werde die Leiche eines Menschen verwendet, der sein Einverständnis gegeben habe, seinen Körper für eine Ausstellung über den Tod zur Verfügung zu stellen.

Ich weiß nicht, wie alt Mister Ben Gammon ist. Aber die Chancen stehen gut, dass neugierige Museumsbesucher der Zukunft seine Leiche dereinst auch verzehren dürfen — vorausgesetzt, er gibt seine Zustimmung dazu. (Was bis dahin, hoffentlich, noch nötig sein wird.)

8 Kommentare | Kommentar abgeben

rebstock, 15.03.04 @ 23:09

Museum: real irreal
...und wenn es dann noch eine Webcam gibt, dann pruzeln die Rekorde hinsichtlich Klicks und rates u.dgl.

andreasbigler, 15.03.04 @ 19:26

@CW: Ich fürchte......
Nein, da ist nix zu befürchten, außer für Schandmauler, wie mich - zu böse Antworten werden gekillt.

Ich hab schon verstanden, dass das irgendwie die Auswüchse der gekonnten "Gastrosophie" sind, aber muss das sein, uns Menschen dauernd daran zu erinnern: "....daran sichst as genau, der Mensch is a Sau!" (Die band hieß glaub ich Misthaufen)....

steppenwolf, 15.03.04 @ 18:57

Sic transit gloria mundi
Als Obergescheiter addiere ich hier einmal meinen Wasabi auf. Es gibt einen Zusammenhang zwischen CWs Eintrag und dem kritischen Empfinden des gastronomischen Beurteilers, den ich mit antiparallel bezeichnen möchte.
Der Gastrokritiker beschreibt den realen Genuss in Worten, die beim Leser eine möglichst nahe und appetitanregende Vorstellung erzeugen sollen. Der Leser, der ja nicht immer sofort am gleichen Abend ins besprochene Restaurant schreiten kann, lebt also zumindest einige Zeit lang von der wohligen Vorstellung und der freudigen Erwartung.
Im Gegensatz dazu werden Inhalte des täglichen Lebens, der Tod scheint ja immer selbstverständlicher dazu zu gehören, die früher liebend gern in den gedanklichen Vorstellungsbereich verschoben worden sind, ohne drastische, realistische Darstellung nicht mehr ausreichend vorstellungsgerecht. Ich spreche jetzt gar nicht von der Mediengier. Was Tod bedeutet, lässt sich anläßlich gern und häufig bereitgestellter Terrorakte mittlerweile an recht brauchbaren und ausreichend echten Journalistenfotos auswerten. Aber das ist halt noch nicht echt genug. Und wenn ich den Tod schon auf diese Weise dargestellt sehen will, dann plädiere ich für die Darstellung des Krematoriums. Oder, um durch die Grauslichkeit meinen Beitrag als Satire ausreichend kennzuzeichnen, ich möchte die Leiche dann wirklich am Spiess vor der Heissluftlampe ala Leberkäs gezeigt bekommen, mit regelmäßiger Abschuppung der äußeren verbrannten Schichten.

ChristophWagner, 15.03.04 @ 13:41

Ich fürchte...
...ich muss mir allmählich angewöhnen, zu meinen Weblog-Einträgen immer auch kleine hermeneutische Verständnishilfen für Satire-Unwillige zu stellen.

Also: Ich bin nicht der böse Mann aus dem Däumling („Ich wittre, wittre Menschenfleisch!") und denke auch bei meinem Sonntagsbraten eher an Knoblauch und Rosmarin als an Robinson Crusoe. Ich will auch nicht alles essen, was essbar ist, aber ich beschäftige mich häufig, nicht zuletzt von Berufs wegen mit gastrosophischen Themen vom Gott-Essen bis zur Essbarkeit der Welt.

Gestern wollte ich eigentlich nur meinem Unmut über die zunehmende Enttabuisierung des Todes und der dieser zum Opfer fallenden Würde des Verstorbenen Ausdruck verleihen. Gerade im Zuge der „Körperwelten" (aber auch im Zuge der immer intensiveren Leichenfledderei in vielen Medien) schreitet diese Enttabuisierung zu meinem Schrecken immer schneller voran.

Bis zum Bruch des letzten Tabus, des Kannibalismus (und damit auch der äußersten Entwürdigung des menschlichen Körpers), meinte ich daher, könne es in einem solchen Fall auch nicht mehr weit sein.

Dass alles hat mit „kulinarischem Schmäh" nicht das Geringste zu tun, eignet sich aber, wie ich meine, recht gut für eine Satire in Swift´scher Tradition. Die Lektüre des 1729 geschriebenen Essays „Ein bescheidener Vorschlag, um zu verhindern, dass armer Leute Kinder in Irland ihren Eltern oder dem Land zur Last fallen, und um zu bewirken, dass sie der Allgemeinheit zum Nutzen gereichen" kann ich gerade in diesem Zusammenhang aufs Wärmste empfehlen.

P.S.: Ich verweise auch auf die Warnung in der Präambel zu diesem Weblog. Wer glaubt, dass es hier nur ums Essen und Trinken geht, wird daher auch in Zukunft mitunter möglicher Weise verstört sein. Was nicht unbedingt der Zweck dieses Weblogs, aber als Nebenerscheinung durchaus erwünscht ist.

andreasbigler, 15.03.04 @ 13:11

@amigo!
Sorry, du hast natürlich recht, obwohl der Faschingsbeginn fast noch besser gepasst hätte (eigentlich ein blöder Schmäh, aber wieder einmal typisch für mich).

Mir ist es bei der Textkontrolle leider nicht aufgefallen (deppert, oder was weiß ich) und als es dann im Netz war, war es schon zu spät.

Na ja, das ist wie im Wettkampf: Wenn man sich um den Baum gewickelt hat, weiß man meist, was man falsch gemacht hat, aber das hilft halt nix mehr.....

amigo, 15.03.04 @ 12:29

9/11 oder 11/11???
@andreas bigler: solltest du 2001/9/11 mit dem großen krach meinen, dann wart ihr beide wohl um zwei monate retardiert, würd ich sagen. am 11.11. war faschingsbeginn aber sonst gar nichts.

chefdecuisine, 15.03.04 @ 11:40

Leichenschmaus?
Hallo CW,

leider erschliesst sich mir nicht ganz der Sinn ihres heutigen Beitrags.

Der Gedankensprung vom Betrachten einer verwesenden Leiche im Museum zu wissenschaftlichen (worüber sich streiten läßt, geb ich zu) Zwecken zum Gedanken des genüßlichen (?) Verzehrens eines Menschen (??), nochdazu im Museum (???) ist für mich nicht nachvollziehbar.

Vielleicht wäre es besser, solche Gedanken nicht gerade dann zu notieren, wenn Sie gerade das Odeur des Sonntagsbratens in der Nase haben, der im Ofen schmort und seines Verzehrs harrt. Diese kleine Unterstellung erlaube ich mir mal, ich konnte mir das Schmunzeln nicht verkneifen.

LG, Chef de Cuisine

andreasbigler, 15.03.04 @ 10:22

vor den Augen der Besucher verfallen....
Das ist jetzt kein Gschichtl: Am Morgen des 10. Novembers eines bestimmten Jahres traf ich wieder einmal den "Tschippi", der mir seinen Augustin verkaufte und auf die übliche "Haße und an Bugl" mit kam.

In seiner grenzenlosen "weisen" Art sagte er genau an diesem Morgen: Oida, de Wöd steht nimma lang, boid mochts an Riesnkrocha und a Haufn Leit san hi. Olle weans bled schaun....."

Usw, usw.....

Und am 11. November, also einen Tag danach, machte es einen ordentlichen Kracher - und den Rest kennen wir.

Wenn jetzt schon Tote zwecks "Verfalls - Zurschaustellung" ausgestellt werden, dann frag ich mich, ob wir nicht zufällig den endgültigen Kracher bereits überhört haben und eh schon alle hinüber sind!

Lieber CW ist dir der kulinarische Schmäh ausgegangen, oder muss(!) der Weblog gefüllt sein?

Ich für meinen Teil hab mich daran gewöhnt, dass ein kulinarischer "Kleingott" unbedingt alles verspeisen muss und will, um zu wissen wie es schmeckt, aber jede Verblödung zu posten bringt eigentlich nix - für mich persönlich (subjektiv und obergscheit betrachtet)!

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