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Christoph Wagner's Weblog

25.07.04 @ 02:02

These zur Stopfung des Sommerlochs

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Die Bildende Kunst halte ich, ich wage es in einer so bildverliebten Zeit wie jener, in der wir leben, kaum zu behaupten, für eine Kunst zweiter Ordnung, während ich Literatur und Musik für Künste erster Ordnung halte.

Der Grund dafür ist recht einfach jener, dass die Bildende Kunst, wie schon ihr Name sagt, der stützenden Prothese des Bildes bedarf, während Musik und Literatur Gedankenströme ohne ein solches Hilfsmittel direkt in abstrakte Codes wie die Notation oder das Alphabet umzusetzen vermögen.

So gesehen ist die Tellermalerei, wie wir sie heute allenthalben erleben, durchaus auf oder gewöhnlich weit unter dem Niveau der Bildenden Kunst, während die wahre Feinschmeckerei, soweit sie Gedankenströme in abstrakte Geschmacks(kon)notationen umsetzt, eher der Literatur oder der Musik vergleichbar wäre — so es sie denn gäbe.

(Es gibt sie, wie ich glaube, aber nur ganz, ganz selten.)

27 Kommentare | Kommentar abgeben

sonjaaa, 06.08.04 @ 19:07

der zweite ist der erste verlierer
hmmm hmmm
klimt malte die kuenste nicht nach reihenfolgen - und vergraemte damit keine kollegen, freunde und bewunderer

es gibt auch bildende kuenstler unter den speisingern!

karlheinz, 31.07.04 @ 14:29

Schwergewichts - Strandschnecken
in beiden fällen dürfte das weitspucken der schneckerln problematisch werden:
die mit 45 kg werden eher dazu tendieren, einem bei solchernem versuch eines zu pfeifen (wobei über die wertigkeit der musik ja weiter oben schon reflektiert wurde);
die 200-jährigen von den galápagos wiederum neigen bei soch delikaten aktionen wahrscheinlich eher zum (auch schon erwähnten) stopfen -
fragt sich nur, zu dem des intestinums oder dem des sommerlochs?!

ChristophWagner, 31.07.04 @ 02:00

Da bleibt einem die Spuke weg
Die letzten Strandschnecken eines solchen Kalibers habe ich, glaube ich, in Galapagos gespuckt. Ich habe sie bis heute allerdings für Schildkröten gehalten.

andreasbigler, 30.07.04 @ 22:25

Ich liebe Strandschnecken ebenfalls,
aber ich hab noch nie versucht, sie "weitzuspucken", denn die ganz zarten haben mindestens 45 kg.

Ich erfreue mich an ihrem Anblick und wenn sie dann auch noch surfen können, dann bleibt mir die Spucke sowieso weg.....

ChristophWagner, 30.07.04 @ 19:12

pling II
Ich bitte mich jetzt zu entschuldigen. Ich habe Wichtigeres zu tun als Sommerlöcher zu stopfen und muss mich auf meine Teilnahme bei der Weltmeisterschaft im Strandschnecken-Weitspucken vorbereiten, die übermorgen im bretonischen Hafenort Moguierec stattfindet.

Ihr habt ja keine Ahnung, wie schwer es ist, die Schnecken nach dem Reinstopfen so im Mund zu drehen, dasst sie aerodynamisch günstig mit der Spitze voran die Lippen verlassen und – schwuppdiwupp – durch die Luft fliegen.

Der Weltrekord liegt immerhin bei 10,40 m. (Siehe auch www.orf.at) Mein einziges Problem dabei: Ich komme nie so richtig zum Spucken. Denn ich liebe Strandschnecken.

tastatour, 30.07.04 @ 17:45

pling
http://www.funfocus.net/bilder/cartoons/computer.jpg


http://www.es.oersted.dtu.dk/~ldn/bjoglars.gif

ChristophWagner, 30.07.04 @ 16:38

@steppenwolf
Probier Er´s nur und sterb Er einmal.
J.W. v. Goethe

steppenwolf, 30.07.04 @ 14:48

@schief hängende Lyra
"Es gibt da noch einige Flügel mit schief hängenden Lyren. Aber ich kenne sie alle!"
Ähnlich hat man sich im 2. Bezirk auch über Kaiserschmarren und Zwetschkenröster ausgelassen. (Nachzulesen bei der Tante Jolesch)
-
aber eine schief hängende Lyra bei Bösendorfer? Nie!
-
Es gibt ein Foto im Bösendorferarchiv, auf dem ein Bösendorfer abgebildet ist, der in ein Krankenhaus nach Libanon geliefert wurde. Das Krankenhaus wurde zerbombt. Auf dem Foto sieht man einen ziemlich intakt da stehenden Bösendorferflügel mit dem darüber zusammengebrochenen Krankenhaus - sprich Schuttkegel. Als Beweis für Stabilität ziemlich sprechend.
Für die Versicherung galt es trotzdem als Totalschaden. Oder besser: hätte gegolten, denn "public riots" zählen als "act of god" und entstehende Schäden sind nicht versicherbar.

steppenwolf, 30.07.04 @ 14:41

@ab
Genau um die das nämliche Event handelt es sich.
- Herr Bürgermeister, sterben wird man ja noch dürfen?

tastatour, 30.07.04 @ 10:50

minne
unter femininem wein verstehe ich in erster linie kracher-plörre.

http://burgenland.orf.at/oesterreich.orf?read=detail&channel=2&id=333654

ChristophWagner, 30.07.04 @ 02:09

Vorschlag
Es wird, denke ich, aus Gründen der kommunalen Sittlichkeit allmählich Zeit, ein anderes Loch aufzumachen. Oder wir diskutieren Almas Problem aus dem Weinlog hier weiter, was denn unter femininen Weinen zu verstehen sei, und daher auch unter maskulinen, virilen und glaubwürdigen.
Genug geschnackselt. Die Lyra des Bösendorfers hängt schon ganz schief.
(Einschaltung des Bürgermeisters)

andreasbigler, 29.07.04 @ 21:57

@ steppenwolf
Gehts da um jenen Herrn der auf der "Wendel(treppe)" zu liegen kam?

steppenwolf, 29.07.04 @ 21:45

unter einem 'Orfler sterben
Ich erinnere mich an ein Event, da ist ein beliebter 'Orfler dabei gestorben. Sportreporter, locus exspirantis Print-Eugen-Strasse. Daran werden sich aber eher nur die Senioren hier erinnern:)

pivu, 29.07.04 @ 15:22

... und Löcher stopfen, und ...
"... Es muss ja nicht immer unter einem Bösendorfer sein."

So wählerisch, verehrte Dame?
Denn immer noch gilt: "Besser unter einem Bösendorfer als unter einem bösen ORF'ler". Gar mancher ist daran gestorben ...

alma, 28.07.04 @ 18:39

löcher stopfen
Mehr solcher Sommerlöcher!
Die Stopfvarianten in diesem Forum sind noch lange nicht ausgereizt ...
Es muss ja nicht immer unter einem Bösendorfer sein ;-)

ChristophWagner, 28.07.04 @ 02:28

Kulinarisches Sommerloch
ad Bolero
Völlig richtig. Ravels Bolero ist ungefähr so erotisch wie diese angebliche Traumfrau, die im Kino dazu immer gewippt hat (Gott sei Dank habe ich mittlerweile ihren Namen vergessen.)

ad Walküre
Den Quickie habe ich nie als solchen empfunden. Ich denke, der One-Night-Stand geht (ähnlich wie in Schnitzlers „Reigen") erst in der Pause zum zweiten Akt so richtig los. Und Pausen sind, zumal in Bayreuth, bekanntlich lang.

ad Tristan
Da beginnt der Orgasmus für mein Empfinden schon dem Vorspiel und endet mit dem Liebstod (Stichwort Schnackseln und sterben). Zugegebenermaßen eine verdammt lange Zeit für Bösendorfer-Liebhaber unter Amors Flügeln. Aber vielleicht hilft ein Bärenfell am Parkettboden.

ad erotische Musik
Für mich ist die orgiastischste Musikfolge aller Zeiten, Tristan zum Trotz, das ziemlich lange Finale von Figaro, 2. Akt. Da wird zwar nicht geschnackselt, aber dennoch von nichts anderem geredet. Hin und und wieder klopft dann der Gärtner aus dem Souterrain mit seinem Rechens an die Decke, aber sonst geht´s echt flott durch.

ad Sommerloch
Mit den vorangehenden Ausführungen hoffe ich die erbetene Interpretation abgegeben zu haben, was ein Sommerloch in einer Gourmet-Community ist, oder (dank begeisterungsfähiger User) zumindest sein kann.

steppenwolf, 27.07.04 @ 20:37

@Schubert's Inhalte
Das mit dem Sterben und Schnackseln ist ja nichts Neues. Damit habe ich vor 15 Jahren ausgezeichnet Bösendorfer-Flügel nach Japan verkaufen können, denn auf einem Bösendorfer klingt der Schubert besonders gut und unter einem Bösendorfer (2 m 90) hat man trotz Lyra (Pedallerie) noch immer Platz genug, um sich zu tummeln.
Was mich heuer wieder erstaunt hat, ist der absolute Quickie zwischen Siegmund und Sieglinde in der Walküre, nur wenige Takte. Bei Tristan dauert es ca. einen halben Akt. Wenn Walküre und Siegfried vertauscht wären, dann hätte Wagner den Tristan vor der Walküre geschrieben und wir hätten mehr Akoustismus (so wie Voyeurismus) in der Walküre. (Ich entschuldige mich bei allen Nichtmusikern, der letzte Satz ist ein ausschliesslicher Insider-Schmäh.)
Aber wenn ich einmal Bolero, die b e k a n n t e e r o t i s c h e Musik mit Tristan vergleiche, ist der Tristan ungleich erotischer. Und wenn man schon Ravel zum Sex hören will, dann doch eher Daphnis und Cloe, da stimmt Aufbau und orgiastischer Abschluss, wobei mir die Anekdote erzählt wurde, dass die Tänzer am Schluss Schwierigkeiten hatten, weil es da um einen 5/4-Takt geht. (Zur Veranschaulichung: Dave Brubeck - Take five ist auch in 5/4). Serge Diaghilev hat den Tänzern und Tänzerinnen eingebleut, sie sollen Ser - Ge - Dia - Ghi - Lev skandieren, dann würde es sich ausgehen. Ich empfehle, diese Übung nachzuahmen. Es ist erstens lustig und wenn man dann noch 3/4 dazu trinkt, kommt man wieder auf eine runde Zahl.

alma, 27.07.04 @ 20:36

zum abstrahierungsproblem
Wir haben schon an anderer Stelle festgestellt, dass selbst ein großer Wein nicht zu Tränen rührt, während dies Musik alle paar Takte zustandebringt. Ich kenne auch kein Gericht, das "mi umlegt", während ich Rainer Küchls Empfinden angesichts von Schuberts Streichquintett wohl nachvollziehen kann (ich sage nur: Tränen). So ist die über einen Kamm geschorene Feinschmeckerei natürlich Quatsch; ein minutenlang jubelnder Gaumen ist nicht mit jenen süßen Herzensqualen vergleichbar, die Musik anzurichten versteht.
"Es ist angerichtet" ist somit differenziert zu sehen.

jamiesolive, 27.07.04 @ 17:33

La grande bouffe
Ich verweise auf Marco Ferreros kulinarischen Viersprung in dem Film „Das große Fressen":
1. Fressen
2. Schnackseln
3. Furzen
4. Sterben
(Fast wie bei Tristan und Isolde, nur wird da 1. diurch Trinken ersetzt und 3. fällt weg, außer vielleicht bei Schlingensief, aber der hat Tristan ja – noch –nicht inszeniert).

tastatour, 27.07.04 @ 10:18

gschistigschasti
letzte woche war ich beim küchl (für die profil-leser: ich meine den philharmonischen vorgeiger) und er hat im breiten dialekt gemaunzt:

"i kau des streichquintett vom schubert nimma spüüün."
sag ich kokett naiv: "ja wieso denn nicht?"
sagt er: "weus mi umlegt."

könnte man meinen wunderbar, buch zu. ich sage aber, dass sich der letale effekt mit essen und trinken leichter bewerkstelligen lässt. entweder ist feinschmeckerei also der profanere quatsch, oder wir haben ein sommerlochabstrahierungsproblem.

dass der gustav der alma das komponieren untersagt hat, ist hinlänglich bekannt. kenner ihrer werke äussern sich sarkastisch dahingehend, dass er wohl schon gewusst haben wird, warum....

@steppenwolf: auf der musikunibibliothek gibts alle ausser IX (!!!)

@alle fleischesser:
ich habe mich mal mit einer sängerin darauf geeinigt:
bei schubert gehts immer ums sterben oder ums schnaxln und in den grössten momenten ums sterben beim schnaxln.
kann man sich bedingt durch ein romantisches nervenfieber ähnlich über üppiges essen äussern?

alma, 26.07.04 @ 21:32

odnungen
Alma hat komponiert, Kokoschka auch gedichtet. Sie waren also beide erster Ordnung.
Die Dichtkunst des jungen Kokoschka hat übrigens jene junge Frau, die mit Eifer die Führungen im Kokoschka-Haus zu Pöchlarn durchführt, zur Bemerkung veranlasst, seine Verserzählung "Die träumenden Knaben", zeichnerisch jugendstilistisch, dichterisch herrlich poetisch mäandernd, als "seltsames, modernes Gedicht" zu definieren, das nur schwer verständlich sei - nur weil es bar jedes herkömmlichen Reimes ist und so wunderbar dahinfließt, voll der Sprache! eben, geformt aus jenem geheimnisvollen Zeichensatz, der mit so wenigen Teilen so unendliche Welten erstehen zu lassen vermag.

Der Zeichensatz der Tellermalerei beschränkt sich in den meisten Fällen auf Balsamicoreduktion, Saucentupfer oder Chilifäden; etwaige Turmgebilde gemahnen an filigrane Architekturkunstwerke; die angesprochene Dekonstruktion sähe ich in den seltenen Glücksfällen köchischer Künstlerschaft eher als ideellen Re-Konstruktion, weil sie dann den eigenen Sinnenhaushalt aufs äußerste beansprucht: wie es eben die guten Sätze und die guten Töne auch tun. Für alle drei aber ist wahre Feinschmeckerei vonnöten.

steppenwolf, 26.07.04 @ 21:01

apropos kunstgenuss ...
bin zu träge, mich zur Nullten zurückzuklicken. Die Mahler-Herausforderung nehme ich gerne an. Aber ich muss sie mir dann noch einige Male anhören oder alternativ die Noten besorgen. Irgendeinen Mahler habe ich gespielt, ich glaub aber eher es war 1. und 5.
Und dann sollte ich wohl das Klavier stimmen lassen...

steppenwolf, 26.07.04 @ 20:58

kunstgenuss
Vielleicht interpretiert der Feinschmecker? ...

andreasbigler, 25.07.04 @ 14:13

Welches Sommerloch ist zu stopfen?
Ich bin mal wieder zu blöd, daher ein paar Fragen:

Handelt es sich um das Sommerloch, welches der Österreichtourismus heuer besonders stark erwähnt? An diesem ist angeblich der schlechte(?) Sommer schuld (weil schlechtes Service gibt es ja nicht).

Oder handelt es sich um das Sommerloch des heimischen Handels (schließlich fahren ja die "bösen" Österreicher ins Ausland auf Urlaub und kaufen dort ein)?

Oder lieg ich total daneben?

Eines ist sicher, für die Mehrheit unserer Landsleute ist es schon Kunst mit dem zufrieden zu sein, was gerade geboten wird: Zuerst raunzen sie, weil es so "schiach" ist und jetzt jammern sie, weil es so heiß ist. Was ist das eigentlich für ein Loch? Handelt es sich vielleicht um das "Frust - Nachfüllloch"?

tastatour, 25.07.04 @ 11:37

auch nachtragend
die frage lautet, ob der feinschmecker das kunstwerk aufnimmt oder dekonstruiert?

tastatour, 25.07.04 @ 11:31

windsbraut
vielleicht hat der kokoschka die alma deswegen nicht heiraten dürfen? über seinen blick auf besagtem bild wurde ja schon viel gerätselt. warum nicht auch an einem stammtisch?

ChristophWagner, 25.07.04 @ 10:36

Nachtrag
Der Begriff der wahren Feinschmeckerei ist selbstverständlichin unmittelbarem Zusammenhang mit jenem der wahren Kochkunst zu betrachten, zu der sie sich verhält wie der Hörer zur Musik oder der Leser zum Dichter, also der Entschlüsseler der Botschaften zu deren Aussender.
Rest siehe oben.

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