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Christoph Wagner's Weblog

12.11.04 @ 01:56

Nuknuk oder: Lokale mit Gebrauchsanweisung

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Speising-User Nuknuk schrieb angesichts unserer generösen Verleihung von zwei Sternen an die „Alte Maut" in Neusiedl:

„Sorry aber für eine so deftige und derbe Küche 2 Sterne zu verleihen empfinde ich als Beleidigung für viele gute Restaurants, die sich um neu interpretierte zeitgenössische Regionalküche bemühen!"

Nuknuk hat völlig Recht. Ein Lokal wie Gerhard Windholzs „Alte Maut" kann man nicht so ohne weiteres empfehlen. Die journalistische Seriosität erfordert, eine Gebrauchsanweisung hinzuzufügen, die etwa so lauten müsste:

1. Gerhard Windholz ist einer der letzten Köche, die die komplizierten Techniken der altösterreichischen Küche im kleinen Finger haben. Er hat aber überhaupt kein Talent zum Tellermaler.

2. Wer eine „neu interpretierte zeitgenössische Regionalküche" (wie immer man die definieren mag) für das Maß aller Dinge hält, sollte Windholz tunlichst meiden.

3. Man muss akzeptieren, dass Gerhard Windholz zwar optimal regional kochen, aber überhaupt nichts interpretieren will.

4. Man muss sich, wenn man hier speist, damit abfinden, dass „zeitgenössisch" zwar ein Zutstand, aber noch keine Philiosophie ist. Zeitgenössisch ist Gerhard Windholz jedenfalls. Denn er weilt und kocht ja, keine 55, gottlob unter uns. Seine Philosophie ist zugegebener Maßen etwas retrospektiv, aber es ist immerhin eine Philosophie.

5. Man muss damit leben, dass große Köche nicht immer schöne Lokale haben.

6. Man muss damit leben, dass große Köche nicht immer wie Models aussehen und/oder agieren.

7. Man muss akzeptieren, dass nicht nur leichte Küche groß, sondern große Küche auch schwer und mitunter auch deftig sein kann.

8. Vielleicht sollte man auch ein gewisses Gspür dafür entwickeln, welche Küche echt und reinen Herzens ist und welche nur nach den Geldbeuteln einer mode- und zeitgeistbewussten Schickeria schielt.

9. Man sollte nicht vergessen, was man wo um welchen Preis bekommt (der bei Windholz fast schon schamlos unter seinem kochtechnischen Niveau liegt).

10. Man sollte verstanden haben, dass Gastronomie auch etwas mit Gastrosophie, Küche immer auch etwas mit Wahrhaftigkeit und Genuss auch etwas mit Nachdenklichkeit zu tun hat.

Wer sich nicht mit mindestens sechs oder sieben dieser Postulate identifiziert, dem muss von einem Besuch der Alten Maut DRINGENDST abgeraten werden.

P.S.: Ich drücke mich nicht um „The Twilight 3", das A La Carte kommt schon noch dran.

10 Kommentare | Kommentar abgeben

frischpilz, 04.12.04 @ 17:32

Alte Mauth 10 Punkte
Ich finde Ihre 10 Punkte zur Alten Mauth durchaus treffend und ich unterstütze auch die Philosophie,dass es in unserer gastronomischen Welt einen guten Platz auch für solche Lokale geben muss. Der Preis ist für das Gebotene sensationell niedrig. Die Qualität des Gebotenen ist sehr gut. Die Auswahl ist minimalistisch. Die Weinauswahl ist beschämend klein.Ich kann daher auch Kritiken wie von nuknuk verstehen. Hätte selbst nur für einen Stern gevotet aber das Voting hat ohnehin nicht funktioniert.

steppenwolf, 17.11.04 @ 19:21

@tastatour
teil eines before-concert-dialoges:
zwei etwas ältere Damen, gut beringt und bekettet, hören dem Stimmen vor dem Konzert zu.
Fragt die eine in eher nasalem Tonfall: "Du, wos spieln's denn hoite." -
Antwort: "Sie spielen was von Einem." - No! Dos wird nichts für einen sein."

sonjaaa, 13.11.04 @ 12:58

ad cw
darf ich in anbetracht der soeben entstandenen diskussionen um die alte maut noch einmal darum bitten (wie schon a b beschrieb) die restaurant seiten nicht zu privatdebatten mit rechtfertigungen, beschuldigungen, etc mutieren zu lassen.

speising net sollte - meiner meinung nach - eine seite mit kritiken sein - die mir bislang auch schon viele gute genussreiche stunden bescherten - und kein stammtisch!

tastatour, 12.11.04 @ 20:43

..hops..
ich hab vergessen, das wort "offenbar" zu verwenden. ich verrate aber nicht, wo es hingehört.

tastatour, 12.11.04 @ 20:41

themaverfehlung
vor einiger zeit war ich teil folgenden after-concert-dialoges:

mensch aus publikum: "also der arnold schönberg ist halt schon ein bissl ein zeitgenosse."

ich: "meiner net."

mensch: "wieso spielen sie ihn dann?"

ich: "..?"


schon klar, zum wiederholten mal andere baustelle. trotzdem: gleicher planet, verschiedene welten.

ein bürgermeister hat es sicher nicht leicht, wenn seine schäfchen hüpfen und springen.

p.s.: sterne sind hauben sind erbsen. das schwere und schwierige muss leicht wirken, auch wenn es sich um einen taschenspielertrick handelt

alma, 12.11.04 @ 18:55

Köche reinen Herzens
Zur Abwechslung zum Thema:

Dem einen ist die Regionalität nicht verfeinert genug (hatten wir das nicht schon mal? Neuer Regionalismus? 80er?), einem anderen liegt zu wenig Tüftelei auf dem Teller, und so müssen sich um Stetigkeit und optisch leise Qualität bemühte Gastronomen mit den unteren Rängen abfinden, so wie Köche reinen Herzens mit einem mehr auf den Preis als auf den Teller schielenden Publikum.
Das in der Technik vorherrschende (männliche) Prinzip des "höher - weiter - schneller" (ja, ja, ich weiß, Fortbestand und Entwicklung der Menschheit...) mutiert in der Küche zu einem "schöner - bunter - fremder"; der Ruf nach der Neuerfindung der (meinetwegen) Gans schallt laut. Aufrechte Bewahrer von Tradition (wos is des) haben einen schweren Stand. Verkannt und beiseite geschoben sind sie vom Aussterben bedroht.
Aber das war jetzt etwas pathetisch.

andreasbigler, 12.11.04 @ 17:14

Sorry!!!
Lieber CW die Erstverwendung des Worts mit Umkehrung des Speisevorgangs wurde von "vanillekipferl" verwendet, siehe Eintrag beim Reznicek ........


Ich hab es nur wiederholt und mich gewundert, dass man neuerdings hier sogar deftig verbal erbrochen unterwegs ist!

LG
A. Bigler

ChristophWagner, 12.11.04 @ 14:41

Speim
Ich möchte in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf unsere Netiquette verweisen, die Ausdrücke wie „zum Speim" auf diesem Forum nicht vorsieht, schon gar nicht zur Beschimpfung von Usern.

Mein Weblog steht übrigens weiterhin jeder/m offen, der/die etwas zum Thema speising.net generell sagen möchte, auch wenn´s gerade einmal nicht ganz zum Thema passen sollte.

P.S.: Wer sie bis jetzt noch nicht gefunden haben sollte: Die Netiquette ist im Mitgliederbereich für jedermann einzusehen.

sonjaaa, 12.11.04 @ 13:59

ad andy b
bin ebenfalls dieser meinung
das hier sollte nicht zum posting stammtisch a la standard.at werden!

andreasbigler, 12.11.04 @ 12:49

Obwohl ich nicht dürfte, muss ich doch .....
.... was sagen:

Die Gebrauchsanweisung ist wirklich gut. Das Erscheinen der diversesten Restaurantführer hat plötzlich ein Erwachen der Speisinger bewirkt, was zeigt, dass letztendlich wirklich nur eine einzige Kritik zählt - die der Gäste, denn die zahlen und machen Umsatz.

Andererseits finde ich es lustig, aber für Speising.Net weniger dienlich, wenn einige User ihre Kritiken zu Usern posten und zwar auf einer "Lokalseite", da hat der Wirt nix davon und sonst eigentlich auch niemand.

So viel ich behirnen konnte, werden hier Meinungen kund getan und keine trockenen Analysen ins Net gestellt und Meinungen sind eben nicht immer ident, Gott sei gedankt, sonst wär's eh fad!

Es wäre nett, wenn die Redaktion offiziell bekannt geben könnte, dass die einzelnen "Lokalseiten" zum Posten von Kritiken des betreffenden Lokals da sind und nicht um zu posten wessen Kritiken super und welche zum "Speim" sind, denn wie ich bereits anmerkte, hat der Wirt gar nix davon!

Mir ist es wirklich wurscht, was jemand von mir denkt, aber wenn es schon "so wichtig" ist sich mit mir zu beschäftigen, dann richtet von mir aus eine Seite mit "Tritte und Küsse für Bigler" ein, denn wie kommen Gastronomen und Weinbauern dazu "Hickhacks" für und gegen Bigler auf ihrer Seite nachzulesen, ohne dass sie dabei etwas über ihren Betrieb erfahren!

Nix für ungut, aber wo sollte ich meinen "Ordnungswunsch" sonst deponieren.

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