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Christoph Wagner's Weblog

20.07.05 @ 21:47

Der Geschmack Gottes. Ein Nachtrag zur Schönborn-Debatte (Speising-Bär da links, verzieh dich, jetzt wird´s ernst!)

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Seit jeher beschäftigt mich die Frage, ob es möglich sei, das Wesen von Gottes Schöpfung zu erkennen, indem man sie aufisst. Die Frage ließe sich freilich auch weiter führen: Ist es möglich, Gott, indem man seine Welt anknabbert und deren Geschmack ergründet, auf die Schliche zu kommen, indem man dabei auch den Geschmack Gottes ergründet?

Für mich ist die Antwort ganz klar: Um an Gott und seiner Schöpfung Geschmack zu finden, muss man zunächst einmal wissen, was Gott schmeckt. Nur wer Gottes Geschmack kennt, vermag auch seine Schöpfung zu enträtseln. Aber wer weiß schon, ob er danach an Gott und seiner Schöpfung auch noch wirklich Geschmack fände?

Gott weiß das natürlich auch. Und deswegen hat er wohlweislich das Seine dazu getan, um seinen Geschmack in den Schriften des Alten Testaments gründlich zu verschlüsseln. Dabei hat er ganz klare Speisegebote dekretiert. Doch lassen diese Rückschlüsse auf seinen Geschmack zu, oder wollen sie nur einfach befolgt sein?

Nun gut. Versuchen wir´s einmal:


1. Gott liebt das Fleisch. Dabei könnte man aus dem Studium der Genesis leicht gerade die gegenteilige Erkenntnis gewinnen. Denn das Paradies ist vegetarisch. Alles was darin wächst, also alles Vegetarische, gestattet Jahwe seinen Geschöpfen Adam und Eva zu essen. Nur die Früchte vom Baum der Erkenntnis, an denen offenbar auch die Schlange interessiert ist, dürfen Adam und Eva nicht essen. Die Frage, ob es sich dabei um einen Apfel, eine Mandarine, einen Paradiesapfel oder einen Pfirsich gehandelt hat, scheint also müßig. Selbstverständlich handelte es sich bei den Früchten des Baumes der Erkenntnis um nichts Vegetarisches, sondern um Fleisch. Gott aß es gerne, und er wollte nicht, dass man es ihm wegaß, also verbot er es. Am Baum der Erkenntnis hingen also Würste, Schinkenkeulen, Saumaisen und Rippenspeere. So einfach war das. Und Gott fand Gefallen daran.

2. Gott liebt den Wein. Vom Wein ist im Paradies nicht die Rede. Erst nach der Sintflut, als die Menschen auch Fleisch essen dürfen, ist er plötzlich da und beschert Noah, der ihn noch nicht kennt, fürs erste einmal einen gehörigen Rausch. Dazwischen liegt die Verkündigung der Speisengebote Jahwes. Die ausdrückliche Erlaubnis, Fleisch zu essen, erteilt Jahwe der Menschheit erst nach der Sintflut.„Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen” (1 Mos 9, 3) ist zweifellos eine Geste der Milde, eine Konzession an die nunmehr — nach Sündenfall und Sintflut — bereits zum zweiten Mal bestrafte Menschheit. Dass diese Erlaubnis zeitgleich mit dem ersten Auftreten des Weinstocks in der Bibel erfolgt, mag ein Zufall sein: In jedem Fall gönnte Jahwe Noah ausdrücklich den Braten — und schenkte ihm den Wein dazu. Aus dem himmlischen Paradies war endgültig das irdische geworden — mit allen Gefahren, die dieses auch bergen mochte. Die Frage ist lediglich, was dazu führte.

3. Gott liebt die Sünde. Genau das ist die einzig mögliche Antwort auf diese Frage. Gott, der, von Anfang an seiend, gewissermaßen naturgemäß das Gute und das Böse in sich vereint, schuf sich — ob aus Langeweile, Experimentierlust oder Bosheit, wissen wir bis heute nicht — den Menschen nach seinem Bilde. Selbstverständlich war sich Gott dabei bewusst, dass in ihm und daher auch in diesem Bilde Gutes wie Böses enthalten war. Aus einem uns, trotz aller theologisch-philosophischer Aufarbeitung, ebenfalls bis heute noch nicht bekannten Grund setzte Gott sich aber, zumindest anfangs, in den Kopf, dass die von ihm geschaffenen Menschen nur den guten Teil seines Wesens erben sollten, obwohl er genau wusste, dass auch sein schlechter Kern in ihnen schlummerte. Um den nicht zu wecken, gab Gott den Menschen Vorschriften. Er versuchte sie, so gut er konnte, zum Vegetarismus anzuhalten, und er hielt den Wein und damit den Rausch von ihnen fern. Doch genau das klappte nicht. Das vorgeprägte Böse in Adam und Eva ließ sich nicht so mir nichts dir nichts hintanhalten, ebenso wenig wie offenbar der finstere Teil in Gott selbst, der sich flugs in eine Schlange verwandelte und das Unternehmen Gutmensch von vornherein zum Scheitern brachte. Gott musste also, ob er wollte oder nicht, mit den von ihm geschaffenen Menschen in weiterer Folge das Fleisch, den Wein und die Sünde teilen.

4. Was Gott noch alles liebt. So ganz und gar wollte Gott, was er liebte, mit den Menschen, die er ja nicht nur als seine Geschöpfe, sondern auch als seine Untergebenen empfand, dann wieder doch nicht teilen: Also ächtete er die Sünde ganz im allgemeinen, legte dem Weingenuss gewisse Regeln des Maßhaltens auf, indem er den nackten Noah gleich einmal zum Gespött seiner Söhne machte, und er verbot dem Menschen schlichtweg den Genuss aller seiner Lieblingsspeisen. Eine andere kausale Logik für die mosaischen Speisegebote lässt sich nämlich beim besten Willen nicht finden, obwohl Theologen, Judaisten, Ethnologen und Ernährungswissenschaftler sich an diesem Thema, weiß Gott, die Zähne ausgebissen haben. Es mag banal klingen, allein: Wir können davon ausgehen, dass Gott, was er als rein bezeichnete, nicht besonders mochte, während das, was er unrein nannte, seinem Geschmack entsprach. Auf diese Weise erschließt sich durch den Geschmack Gottes plötzlich ein Menü der verbotenen Genüsse: Gefülltes Kamel, Dachsbraten, gebratener Aal, Drachenkopf, Forellen, Saiblinge, alle Krusten- und Schaltiere vom Flusskrebs über den Hummer bis zur Languste, Rabenragout, Heuschrecken, die feinen Geckos, Eidechsen, Salamander und so manches andere, wofür wahre Feinschmecker gewohnt sind, von weither anzureisen.

5. Ob Gott auch Designer ist, mögen andere beurteilen, und es ist mir, ehrlich gesagt, auch nicht so wichtig. Nach der vorangegangenen kleinen Beweisführung wage ich jedoch zu behaupten: Gott ist Gourmet.

77 Kommentare | Kommentar abgeben

jamiesolive, 29.07.05 @ 11:57

alternder gourmet
alternder gourmet ist für mich eine tautologie (wie weißer schimmel oder gestreiftes zebra). denn als gourmet wird man nicht geboren, sondern man kann es nur durch altern werden. nach dem motto: erst wenn man man einmal ein halbes einfamilienhaus verfressen hat, kann man wirklich mitreden. was mich betrifft: küche und keller habe ich mir schon einverleibt, im moment nage ich am wohnzimmer.

ChristophWagner, 29.07.05 @ 11:35

Kassandras welcome
Liebe Lady K., darf ich so indiskret sein und fragen, ob das K. womöglich für Kassandra steht? Falls ja, so würde mich das sehr freuen, denn genau diese gruppendynamisch unendlich wichtige (aber leider meist völlig unbedankte) Position ist in unserer kleinen Gemeinde noch unesetzt.

Tatsächlich haben wir ja von der örtlichen Femme Fatale über den allwissenden Oberlehrer, den allzeit bereiten Feuerwehrhauptmann, die freundliche Revoluzzerin, den eigenbötlerischen Snob, den Vetter aus Dingsda, die penible WissenschaftlerIn, den Musiklehrer, den örtlichen Blasmusikkommandanten usw. usf. alles, was eine Gemeinde so zum Kommunaleben braucht, zu bieten. Den zur Rotnasigkeit und zur Adipositas neigenden Bürgermeister inklusive. Aber den leisten sich ja auch veritable Weltstädte, also warum nicht auch Speising?

Wie dem auch sei; Eine echte Kassandra haben wir (von mancherlei apokalyptischen Anwandlungen unseres verehrten Apicius einmal abgesehen ) bis jetzt nicht aufzubieten. Wie wir aus der Ilias wissen, zählt zu ihren Eigenschaften nicht nur eine gewisse lästige Larmoyanz, sondern leider auch der Umstand, dass sie im Grunde Recht hat.

In diesem SInne. Welcome, Lady-K,

ml, 29.07.05 @ 11:28

@ alternder Gourmet
Ja, ein solcher heiß ich, ein solcher bin ich und als solchener nimmt mir Wotan auch die Waffen, die er mir vorher extra aufbereitet hat.
Jede Epoche hat ihr Ablaufdatum. So hat es auch die Anwesenheitseigenschaft von ml. Ich bedanke mich für die vielerlei geistreichen Anregungen hier und wünsche noch ein fröhliches Spiel mit Worten und Wörtern.

apicius, 29.07.05 @ 10:49

profiler -- Mit dem Strom schwimmen
Es kommt bei diesen Betrachtungen wohl auch auf das an, wie man selbst zu den Schauspielen des Welttheaters steht. Ob man Moralist ist oder die Lebensgewohnheiten der "westlichen Welt" als Zugeständnis an die Gepflogenheiten der Gesellschaft annimmt. Sich aber Mental davon trennt.

Wie man sieht ist Feinschmeckern völlig wurscht wo der exqusite Schrott am Teller herkommt.

Sehr viele Weine , die Ihnen und mir schmecken, stammen schon aus technisch hochgezüchteten Bereitungsvorgängen. Nicht alles davon ist frohsinnsfördernd wohlgemutheitssteigernd.

Viele Weinbauern welche sich nicht dieser Doktrin unterwerfen sind für gewisse Kreise auch geschmacklich unerreichbar geworden. Ebenso viele Gasthäuser.

Auch sind Köche mit ihren selbst erzeugten Fress - Hypes samt eigens dafür gestylten Applaudierern bar jedes Grundgewürzes guter Küche : Der Denkzwiebel.

Dafür kann ich bestätigen, dass sehr viele professionelle Esser völlig zungenkrude Zeitgenossen sind.

Erst vor kurzem habe ich das Buch eines bekannten Salzburger Starkochs in Händen gehalten, ein solcher der nur von Sponsoren leben kann, und erkannt: Es muß zu dieser Küche ein geschlossener Kreis gehören. Mir fällt dazu nur das Bild Hieronymus Boschs - Der Taschenspieler ein. Man schließt sich dabei praktisch sofort von selbst aus wenn man kochen kann.

So wie Brunnenfrösche kommen mir diese Feinspitze vor: Sie erzählen den Mücken die hineinfallen, wie das große weite Meer aussieht.

profiler, 29.07.05 @ 08:49

@ lady-k
es ist mir ein bedürfnis mit aller deutlichkeit festzustellen, ich glaube ich spreche im namen aller die hier dann und wann ihren senf abliefern, dass es sich hier keinesfalls um eine angeberparade handelt.
was ist daran verwerflich gleichgesinnten sine kulinarischen erlebnisse mitzuteilen, und erfahrungen nicht für sich zu behalten sondern weiterzugeben.
ich glaube jedem von uns ist bewusst, dass auf dieser welt nicht alles in ordnung ist, dass drei viertel der menschheit in armut und unterdrückt lebt, dass kinderarbeit ein unsäglicher zustand ist, menschenhandel.....prostitution...klimaveränderung....umweltverschmutzung...zunehmen der arbeitslosigkeit usw.usw.
sollen wir uns gleich die kugel geben?
ich für meinen teil glaube besser nicht....
ich als alternder gourmet und koch (41) noch ohne stock unterwegs, versuche auch weiterhin so viel wie möglich neue und schöne dinge für mich zu entdecken und mein leben und das meines umfeldes, soweit es mir möglich ist, angenehm zu gestalten und das im vollen bewusstsein der oben genannten dinge.
ich weiss dass das eine egoistische haltung ist, aber da ich nicht karl heinz böhm oder mutter theresa bin hält sich mein schlechtes gewissen in erträglichen grenzen.

heute abend werde ich eine flasche vosne romanee von meo camuzet trinken, das nur um anzugeben.
prost....

gruss

eclaire, 28.07.05 @ 23:59

alternd
liebe lady-k,
1. wer, wie wir beide, das 40. lebensjahr überschritten hat, sollte andere menschen nicht als alternd bezeichnen, ohne sich selbst dazu zu rechnen
2. deweiteren glaube ich, dass alle hier anwesenden sich keine illusionen über den zustand unserer welt machen und nicht extra darauf hingewiesen werden müssen
3. der aufenthalt in speising ist freiwillig
4. grausen muss sich hier niemand

lady-K, 28.07.05 @ 22:30

Cenodoxiae
...Essen wurde durch den westlichen Wohlstand zu einer Sache des Hochmuts. Ein Laster,- mehr oder weniger. Nur wenige Köche schaffen die Distanz zu den Gästen, welche immer neue Extravaganzen erzwingen wollen. Die Mehrheit der Menschheit lebt sowieso in Armut und kann sich kaum das Nötigste leisten. Auch innerhalb dieser Diskussion fehlt der Kontakt zum "Teppich". Irgendwie eine Art Angeberparade, wo mit Tops und Toppers gekleckert wird. Alte Köche und alternde Gourmets haben eine derartig schreckliche Konservativitzät für mich, daß es mir graust...

Minimalist, 28.07.05 @ 13:14

@ml, Trurls neue Götterspeise.
ja, Silizium ist noch lange verfügbar.
Aber, gestern habe ich über ein neues Forschungs-Ergebnis der Oregon State University gelesen. Wager (kein Schreibfehler) heisst der Teamleader.
Ganz kurz: Halbleiter auf der Basis von Zink- Zinnoxyden. Natürlich schnebebi (schneller, besser, billiger). Und glasklar. Milliarden von Transistoren leicht "aufdampfbar".
Wozu kann das führen? Autopilot in der Windschutzscheibe meines Autos. Windows Computer im Brillenglas.
UND mein Weinglas als Supercomputer! Es beinhaltet das Wissen aller Sommeliers, analysiert den Wein und sagt "horch auf noapino trinke zu Wolfsbarsch mit.... einen Condrieu".
Aber, schrecklich, Trurl nimmt es mir aus der Hand schüttet den Wein weg und verleibt sich das Glas ein. Und grunzt mit seinen Lautsprechern vergnüglich.

Minimalist, 28.07.05 @ 12:02

Gott liebt das Fleisch?
ml, ja Trurl entstammt S. Lem (aber eher "Robotermärchen").
"Sterntagebücher" (die Reisen des Jon Tichy) ist ebenso empfehlenswert. Ich habe darin etwas geschürft.
Rede Thubans im hohen Galaktischen Rat (von mir verstümemlt):
" .....oder wie jenes eigenartige, am ganzen Leib kahle Exemplar, das von Grammplus im dunkelsten Winkel unserer Galaxis beobachtet wurde - Monstroteratus Furiosus ( Gräßl-Wüterich) der sich selbst Homo Sapiens nennt....Selbst die Fleischfresserei ist niemandes Schuld, da sie sich im Gefolge einer natürlichen Evolution ergab. ....Ähnlich wie eine an Wuchs höhere Person nicht annehmen darf, daß diese Überlegenheit ihr das Recht gibt, die von Wuchs niedrigeren zu fressen, ....und wenn er das schon tun muss ( Rufe: " Er muss nicht ! Soll er Spinat essen !") - wenn er , sage ich, das MUSS auf Grund einer tragischen erblichen Belastung,.....gequält von Gewissensbissen.
Leider verhält sich Gräßl - Wüterich nicht so. Er entehrt die sterblichen Reste, er würgt sie und kugelt sie, er spielt mit ihnen, und erst später verschlingt er sie bei öffentlichen Fütterungen...."

apicius, 27.07.05 @ 23:19

Offenbarungen
Die „Frohe Botschaft”

Esoterische Weltschöpfung und Evolution scheinen kein rechtes Thema für die etwas diabolische Atheistenrunde hier im Weblog zu sein. Speising hat noch keine Zeugen Jehovas wie man sieht, sonst würde es vor Bilischen Esskapaden nur so strotzen. Sogar das bei israelitischen Helden bekiebte nach dem Essen schnackseln, wäre völlig Bibelkonform. So wundert es mich, dass unser Herr Kaiser von zu Speising kein aktuelleres Thema zum Besten geben will.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei Religionen ist immer die mit den strengen Lehren verbundene frohe Botschaft. – Und ich halte auch uns Speiser und Speisebereiter für eine Priesterschaft, die Priesterschaft des Bauches, des Darmes und der Toiletten - wo wie Bertl Brecht sagte: "über uns nur Himmel ist und unter uns der Mist" - , dessen Altar der häusliche oder öffentliche Herd sei, wo allerlei feine Spezereien geopfert werden. Der Duft welcher durch den Abzug ins freie kommt mag Gottes Nase streicheln und da er nicht stofflich ist glauben wir ist es Opfer genug. Unser Bauch ist dabei doch etwas diktatorischer: Alles was gedeiht und zum Gedeihen gut ist wird erbarmungslos gefordert.

Diese frohe Botschaft der Speisinger soll über das banale Hin- und Her- Handeln hinausgehen. Ein Messias ist das wenigste was wir erwarten sollten. Was aber real passiert, ist ein Lehren und Predigen mit sehr viel Streben nach Eigennutz. Und das hat mit der reinen Lehre vom Bauchanfüllen wirklich nichts zu tun. Denn alle Kreatur muss essen- Der Oberlehrer nennt es „existenziellen Zwang” der Prolet nennt es simplicit „Kohldampf”.

Und wir Wissenschaftler sollten als Spende sozusagen, denen - less happier ones - unter uns unsere Erfahrungen und Freuden- wie Leidensgeschichterln frank und frei vermitteln. Auf das sie selig werden im Weine und beim Schnitzel...

Mir fehlen bei berühmten Köchen die „Geschenke”.

ml, 27.07.05 @ 17:56

@barock, außenstehend etc.
"Scherz, Satire und Ironie haben in diesem kulinarischen Logbuch ebenso ihre Berechtigung wie Restaurantkritiken, Kochrezepte, Kostnotizen oder Reiseberichte mit und ohne tiefere Bedeutung."
-
Aus dieser ganz oben angeführten Standortbestimmung lassen sich praktisch alle hier vorgefundenen Schlenkerer im Thread begründen.
-
Aber vielleicht reicht es aus, sich zum Hedonismus zu bekennen. Dann ist ein 24-Stunden-Ring absolut richtig am Platz.
Und ja! Ich habe auch die Gulaschsuppe gegessen und mich köstlich über den Waldvogel unterhalten, den ich schon vom Vorjahr kannte.
Im kulinarischen Sinn war es eine Variation vom Waldvogel: einmal künstlich und sehr, sehr lustig aussehend. Und einmal lebendig, quer durch den Raum flatternd - URCOOL!!!

-hs, 27.07.05 @ 17:27

@pastinake & profiler: Gottardi und Trimbach
(um das thread-napping fortzusetzen)
Es ist korrekt, dass Gottardi seit vielen Jahren Trimbach führt.

Aber ....
bedauerlicherweise wurde das vertretene Sortiment in den letzten Jahren ziemlich reduziert. Gab es bis Mitte der 90er noch Traminer "Ribeaupierre", und Tokay-Pinot Gris "Reserve Personnelle", ja sogar den Riesling "Clos St. Hune" (z.B. den legendären 1989!) so finden sich auf der aktuellen Weinliste nur mehr vier Positionen. Der interessanteste davon ist der verläßliche Riesling F.E.

Von mir dazu befragt erklärte Bruno G. diesen Umstand mit mangelndem Kundeninteresse.
Die Reaktion ist verständlich aber dennoch bedauerlich.

In D wäre der Wein z.B. bei 6000 Weine zu bekommen.

profiler, 27.07.05 @ 09:45

@ pastinake
den wein von trimbach gibts bei der weinkellerei st. urban (gottardi) in innsbruck. wird auch zugestellt.

vielleicht liegt es auch an der möglicherweise verfehlten erwartungshaltung von lady-k an dieses forum.

als barock hat mich bis heute auch noch niemand bezeichnet, würde mich interessieren wie sie das konkret meint....
weiters kann ich nicht genau nachvollziehen warum seit neuestem der mateschitz gewissermaßen als krampus dargestellt wird.
zu erfolgreich sein tut dem image offensichtlich auch nicht gut.

gruss

lady-K, 27.07.05 @ 09:43

Verstehen...
...idst eine individuelle Qualität. aber ich denke Erkenntnis und Aufhellung eigenartiger Entwicklungen wären hilfreich. Denn am "Barock" von heute kleben Meinungen nicht Wahrheiten. Das echte ist immer auch ehrlicher. Daher gefallen mir eher die Provokateure. Ich mag auch keine Marschmusik welche von Kameradschaftbündlern komponiert wurde und immer wieder wie der Kärntner Liedermasch klingt, nur niemand merkts. Ebenso stehts mit der Top- Küche, die schmeckt immer so wie beim Gerer. Inzwischen sind ja Delikatessen wirklich aufs Billa Niveau gesunken. HAbe vor einigen Tagen im wienerwald bei einem berühmten Koch vorbeigeschaut. Wären die einzigen Mittagsgäste gewesen, drei Kellner für ein Paar - das war uns zu viel, sind zu einem kleinen Wirtshaus gekommen, gabs gute Backhendl. Die Papierserviette war etwas zu klein, aber sonst gabs saubere Teller und einen gut aufgeräumten Gastgarten und auch viel zum schauen...
Grüße an die Gemeinde Speising.

Ich hätte mich Kanalratz nennen sollen...

Minimalist, 27.07.05 @ 09:29

keine Aussenstehende
Alma, danke. Ich glaube das schaffe ich noch im Aug (anonym?).
lady-k, es gibt in einem web-Forum keine Aussenstehenden. Dieses schräge Medium erlaubt die "mehrschichtigen" Wirtshaustische. Keiner ist so laut, dass er den anderen stört (ich muss nicht lesen, was ich nicht lesen mag).
Ich ackere in welt-weiten Foren (meines Spezialgebietes; dort bin ich ein profiler oder apicius oder,...) wo in "off topics" täglich 200 posts ankommen, zu Dingen wie "Osama und London", "Climate Warming". Da MÜSSEN sich Kretzeln, kleinere Runden, Freunde/"Feinde" bilden. Nur hin und wieder entsteht ein starker Faden quer über alle Tische.
Breitenwirkung? Ich glaube da wäre eher das "Kronenzeitung-Forum" geeignet.
Das Ermüdungsargument des Gastrokritikers: empfinde ich als Superinterkontinentaldeluxe Kompliment (ihm bleibt ja der "Tintenbleiduft").
(Ich schau hin und wieder "GM" online).
Ich liebe Speising, wo die Gläubigen mit den Atheisten über Liebestränke diskutieren und den Prometheus nicht vergessen, liebe lady-k.

pastinake, 27.07.05 @ 08:56

@hs
Danke für die Weintips!
Die "Cuvée Des Seigneurs De Ribeaupierre" der Domaine Trimbach klingt allein vom Namen her schon sehr interessant, ich hoffe ich kann mal eine Flasche auftreiben. Beim nächsten Zürich-Besuch probiere ich auf jeden Fall die Schweizer Gewürztraminer aus.

alma, 27.07.05 @ 01:06

@ minimalist
Perspektiven auch unter:

http://tinyurl.com/bysqw

Ließe sich mit einem anonymen profiler-Besuch verbinden ;-))

jamiesolive, 27.07.05 @ 00:59

my dear lady k.
was spricht eigentlich gegen barock? purcell, haendel, bach, milton, christopher wren, fischer von erlach, gryphius, bunyan, canaletto, altomonte, troger, maulbertsch, grimmelshausen, vivaldi, albinoni, monteverdi usw. - lauter gute argumente. oder?
würde gerne wissen, was da am (durchaus auch in frage zu stellenden) speising-wohlgefühl kratzt.

-ad-, 27.07.05 @ 00:36

...und ein Kompliment
Es ist an der Zeit, einmal auch Töne aus dem Schwester-Weblog vernehmen zu lassen, und die sind hochkomplementär, kontemplativ und komplimentbehaftet:

eine solchgestalte Versammlung von ergießungsfähigen Figuren ("Figuren" anstatt Personen aufgrund diverser Anonymitäten und der Notwendigkeit hierzu) mag für manche/n verstörend wirken, aber bei halbwegs ausgebildetem Rückgrat besteht keine Notwendigkeit für Angst, sich nicht auf eigene Art hier artikulieren zu können;

die Vielfältigkeit der Ausdrucksweisen und Möglichkeiten aber ist mehr als bemerkenswert -

und wenn unlängst ein recht umtriebiger professioneller Gastro- und sonst-Kritiker mir bekundet, dass das Niveau auf speising in seiner Versponnenheit ein Ermüdendes sei, so nehme ich dies stellvertretend als Kompliment für die Fähigkeit der Speising-Mitbewohner, sich über unmittelbare Notgedrungenheiten hinwegzusetzen und eine weitscheifendere, freiere Art der Betrachtung zu kultivieren.

Weniger barock ausgedrückt:

Wer nicht am platten Wortlaut selbst kleben bleibt, sondern zur eigenen An- und Einsicht in welcher Formulierung auch immer findet, hat ein warmes Plätzchen. Nur Mut!

lady-K, 27.07.05 @ 00:03

Eigenartige Wendungen...
Es scheint eine höchst barocke Riege zu sein, die Webloggers hier......Wenig interessantes zu lesen für "Aussenstehende"....?

Passt auf dass ihr nicht "unter Euch" bleibt...

Bussi, Bussi

Minimalist, 26.07.05 @ 18:17

@profiler
Dieser thread scheint mir amphorisch zu sein.

Ich bin so neugierig wie pastinake. Das "anonym bleiben" Argument ist entwaffnend.
Ich bitte Sie, der Redaktion zu erlauben mir (und natürlich pastinake und....) Ihre Koordinaten zu geben.
Ich verspreche (deshalb hier vor Zeugen) 100%ige Vertraulichkeit.

-hs, 26.07.05 @ 17:03

@pastinake: Gewürztraminer (die X-te)
falls sich dazu die Möglichkeit ergibt, empfehle ich den Gewürztraminer "Cuvée Des Seigneurs De Ribeaupierre" der Domaine Trimbach.
Wird nur in guten Jahren hergestellt und überzeugt immer wieder durch eine beeindruckende Balance von tiefgründiger Kraft und leichtfüßiger Eleganz.
Die 10-20g Restzucker sind kaum merkbar und als Liebenstrank ohne sedierende Wirkung sollte er perfekt geeignet sein.
(Ansonsten harmoniert er auch wunderbar mit asiatischem Essen, würzigem Käse und leichten, nicht zu süßen Desserts wie z.B. einem Gugelhupf.)

Als besonders gelungen gelten die Jahrgänge 1990 und 2000.


P.S: Persönliche Erfahrung damit habe ich zwar nicht, aber nach dem CWschen Motto der räumlichen Nähe läge auch ein Traminer aus dem Kanton Zürich auf der Hand bzw. im Glase. Immerhin finden sich unter www.zuercher-wein.ch 26 Betriebe, die diese Rebsorte pflegen und wer weiß was Richard und Mathilde da so im Gartenhäuschen schlürften....

profiler, 26.07.05 @ 16:54

@ pastinake
sorry, würde gerne anonym bleiben.
es bestünde ja die möglichkeit, dass einer von euch zu mir zum essen kommt.
und dann ist es vielleicht ausprofilert ;-).

pastinake, 26.07.05 @ 16:38

noch ein Schwenk im Thread:
Nachdem ich das Interview des Monats mit profiler gelesen habe, plagt mich die unbändige Neugierde, wo profiler wohl kocht. Da ich mich in der 2Hauben-Gastronomie im Westen nicht auskenne, grüble ich wohl vergebens.....

profiler, 26.07.05 @ 16:19

nachtrag...
das bayreuther branchenbuch hab ich vergessen. tschuldigung.

gruss

profiler, 26.07.05 @ 16:17

wirrwarr.....
ist dieser thread jetzt evolutionär oder metaphorisch? vielleicht kann mir ja jemand das einmal an passender stelle erklären. auf alle fälle ist die entwicklung genauso interessant wie überaschend. von der evolution zum alten testament über wagner, catering bis hin zum gewürztraminer.
vielfältiger gehts gar nicht....

gruss

ChristophWagner, 26.07.05 @ 15:22

Gottlob
Da bin ich echt beruhigt. Denn über den Nussbaumer geht tatsächlich nicht mehr viel drüber, es sei denn wir weichen auf AMarone, Port oder Madeira aus.
Entschuldigung Sie das Missverständnis.

pastinake, 26.07.05 @ 11:57

die Elsässer sinds,
lieber Bürgermeister, die mir leichtgewichtig erschienen, nicht der Nussbaumer - der ist mir stark genug ;-)

ChristophWagner, 26.07.05 @ 11:54

Hojotoho, verehrte pastinake!
Sie scheinen ja eine echte Wein-Walküre zu sein. Mein letzter Nussbaumer (ich denke, es war der 03er, der mit den drei Gambero-Rosso-Gläsern) hatte 15 Vol.% Alk. Aber wenn Ihnen der zu leichtgewichtig ist, so lasse ich mich gern von Ihnen zu einem 16 oder 17%igen Schllückchen eines Weins Ihrer Wahl überreden. Das Schwerere ist nun einmal der Feind des Schweren, oder wie man da sagt,,,

Doch Spaß beiseite. Dass ich angesichts eines Tristan in Erl an Elena Walch gedaqcht habe, hat gar nicht so viel mit ihr zu tun, als damit, dass ich mir angewöhnt habe, immer das möglichst Nächstliegende (in diesem Fall Südtirolische) zu trinken. Sollte Nikolaus Harnoncourt demnächst einen Tristan in Weiz oder Fürstenfeld aufführen, würde ich den Liebestrank selbstverständlich Tement, Gross, Neumeister oder den (immer besser werdenden) Klöchern überlassen. Und wenn der famose Marc Minkowski (auch einer meiner Lieblinge) auf die Idee käme, die schöne Stadt Deidesheim mit einem Tristan zu beglücken, so käme der passende Liebestrank natürlich von Trimbach & Co.

Bayreuth hat ja, wie ich mich gerade im dortigen Branchenbuch überzeugt habe, keinen Weinbau. Da hilft dann wohl nur Trollinger...

Minimalist, 26.07.05 @ 11:26

Trisoldifalring
Alma, da freue ich mich schon jetzt drauf.
Karten? 2008?
Bei Parsifal drängt sich mir ein Egri Bikaver (Erlauer Stierblut) auf. Im breiten Kelch.
Mit Parsifal sind wir auch wieder näher bei Gott, der vielleicht die Sünde und den Gral erfand, damit wir den Fenriswolf in Osterhasensilberpapier eingepackt lassen?
Bedauerlicherweise kommt der in Muschg's "Der Rote Ritter" so prominete schwarz-weiss gefleckte Halbbruder Parsifals (F.? Namen vergessen) bei Wagner (dem Richard) nicht vor.
Parsifal's Versäumnis (er fragte nicht nach Amfortas' Krankheit): "Er wurde in den Speisesaal gebracht, wo ihn jeder der anwesenden Ritetr erwartungsvoll anblickte".
Bei Fasan und Schnepfen hätte ich wahrscheinlich auch nicht gefragt.

alma, 26.07.05 @ 08:27

Catering-Kater? (@ apicius)
Ich zitiere aus der SZ-Rezension:
"Der „Ring” ist wie ein exquisit-schweres Vier-Gänge-Menü. Werden die Speisen mit zu großen Pausen serviert, gehen Geschmacksfeinheiten verloren."

Diesen schweren vier Gängen stellte mein Lieblings-Wirt (der immer selbst Hand mit anlegt) vier leichte Gänge gegenüber, die so, wie sie da auf einem Teller vereint waren (kein Andrang am Buffet, sondern für jeden sein Plätzchen), feine Labsal und Belebung waren und auch ganz pausenfrei serviert. Denn es ging vor allem um eines: NICHT abzulenken vom eigentlichen Ereignis.

@ Minimalist: Zukunftsprojekt, auch laut SZ:
"Jede Droge verführt zur härteren, meinte Kuhn nun und plant 2009 neue Rekorde. Er will den „Ring” und „Ring”-nahe Opern wie „Tristan” und „Parsifal” in einem Zug spielen: Wagner der „erlichen” Art."

pastinake, 26.07.05 @ 08:09

Gewürztraminer (die Fünfte)
Ein Thema, das nach Traubing passen würde. Ich habe leider zu wenig Erfahrung mit Elsässischen Gewurztraminern, das bisher Genossene kam mir etwas leichtgewichtig daher (kein Tristan!). Aber ein Gewürztraminer aus der Südsteiermark, der von Gross, hat auch eine wahrhaft heldische Gestalt und er kanns mit dem Nussbaumer fast aufnehmen.

ChristophWagner, 26.07.05 @ 01:11

Nussbaumer
Wahr gesprochen, ml., sehr wahr. Der Nussbaumer ist schon ein Held von Tristan´schem Format. Allein, ich fürchte bereits um das Ende des Ersten Aktes, würde er Tristan und Isolden tatsächlich von Brangäne verabreicht. (Und Brangänes Ruf würde, hätte sie auch nur eine Ahnung von Wein, nach dem Nussbaumer wohl auch verspätet einsetzen und die sich anbahnende Tragödie womöglich noch tiefer ins Bodenlose fallen lassen.)

Andererseits: Elena Walch würde vom Erscheinungsbild eine prächtige Isolde abgeben, ihr Gewürztraminer ist von lasziver Elastizität und von geschmeidiger Leichtigkeit, Nussbaumer ist wohl eher Thielemann, Walch Welser-Möst (bei aller Unterschiedlichkeit zurzeit meine beiden Lieblingsdirigenten).

Jedenfalls freue ich mich, in Sachen Gewürztraminer als Liebestrank auf Zustimmung zu stoßen. (Die Traminer aus der Oststeiermark müssen, um Tristan´sches Format zu erreichen, wohl noch ein bissl zulegen... Allein, es gibt äußerst vielversprechende Ansätze.)

lady-K, 25.07.05 @ 23:01

Warum nicht Red Bull?
Das Ende der Getränke - Evolution? The Devolution of taste? Deviled drinking culture? Wenn der Mateschitz einmal weiß welches hochkarätige Publikum den Ring und so weiter beaugapfelt, dann wird der das sicher sponsern. Den Österreiche Ring kennt er ja schon und der Wagner Ring? Der ist doch bei Beyreuth. Eines zeigen aber diese Stücke auch immer wieder: Hochmut kommt vor dem Fall....

ml, 25.07.05 @ 18:07

ml
sorry, it was 2003.

ml, 25.07.05 @ 18:04

@Isolde and stout
"Without any sense of exertion, she filled Wagner's phrases with a gleaming sound that shimmered throughout the house. Yet, for all its power her voice has a tenderly feminine quality when she wants it to.
... Ms Eaglen .... still has a very s t o u t frame, but her singing had increased vigor.
-
from a review of Tristan and I s o l d e, at the Met 1999.

ml, 25.07.05 @ 17:59

@Gewürztraminer ...
... passt ausgezeichnet mit genau der Einschränkung, dass sie bereits im zweiten Akt einschliefen. Aus der Walküre wissen wir nämlich, dass Sieglinde den Hunding mit Würze ruhig gestellt hat. Die hatte Schlafmittelersatzwirkung und die Terminologie ist eindeutig.
Ich nehme also eher an, dass der Todestrank, den die beiden zu trinken glaubten, ein Selbstbrannter aus Gewürztraminer sein müßte, während ich beim Liebestrank eher auf Blanc de Noirs von Schlumberger oder auf Cremant Blanc de Blanc tippen würden. Der macht gamsig und weckt neue Lüste...

Minimalist, 25.07.05 @ 17:45

Stout und Isolde
Ich "befürchte", der Irlandbezug führt uns zu Stout (Murphy's, gut gekühlt und mit dickem Schaum)?!

tastatour, 25.07.05 @ 17:41

Prost Schatzerl!!
In der neuen Marthaler-Inszenierung dürfte ein Brünnerstrassler aus der Doppelliterflasche gerreicht werden. DANACH kann man wirklich alles singen - auch nicht unparadox...

pastinake, 25.07.05 @ 17:27

@Gewürztraminer ja
Eignet sich sicher bestens als Liebestrank - obwohl ich gerne den Nussbaumer der Genossenschaft Tramin gegen E. Walch antreten lassen und gewinnen sehen würde ....
Ob Tristan und Isolde damit den 3. Akt erreichen? Sicher nicht.
Das erinnert mich an eine köstliche historische Aufnahme mit L. Melchior und K. Flagstad, bei der die beiden anscheinend von grossem Hunger oder Durst gequält werden, weil sie das Liebesduett immer schneller herunterhudeln, um endlich fertig zu werden und ihre wohlgenährten Körper stärken zu können.

ChristophWagner, 25.07.05 @ 17:03

Liebestrank
Ich würde ja einen Gewürztraminer von Elena Walch vorschlagen, bin mir aber nicht sicher, ob die beiden Protagonisten danach noch über den zweiten Akt kommen, geschweige denn den dritten...

pastinake, 25.07.05 @ 16:30

@Tristan und Isolde
Neben der spannenden Frage, welche Sänger wohl diesen beiden Mosterpartien gewachsen sein werden, stellt sich mir auch diese: welcher Winzer wird den Liebestrank liefern?

ml, 25.07.05 @ 15:49

@Erda
Ja, aber die ist ja etwas zu sehr erdbezogen, schon vom Namen her. Ob die auch die Schöpfungsgeschichte auf Alpha Centauri beherrscht?
Aber nett ist es schon, wie sie Wotan im Siegfried abblitzen läßt.

ml, 25.07.05 @ 15:46

@Minimalist
Das war heuer der letzte Ring. Nächstes Jahr gibt es dafür Tristan.

apicius, 25.07.05 @ 15:13

@pastinake...und der Geschmack Gottes
Wenn Gott irrt, dann gibt es Weltuntergänge. Ich bezweifle ob hinter der Evolution ein Plan steht, mir ist aufgefallen dass ein Sterlet oder ein Karpfen, nicht einen Reißzahn haben, etwas weiter rückwärts haben sie auf beiden Seiten einen Mahlzahn. Auch sehr schön mit Elfenbein überzogen.
Diese Tiere hätten laut Darwinisten keinerlei Chance weiter als bis zum Tertiär vorzustoßen, spätestens dann wären sie als als Kot gewaltiger Fressmaschinen in den Sedimenten gelandet. Wir wüssten nicht einmal wie sie ausgesehen hatten.

Die Evolution findet andererseits fast immer gerade bei den Größten ihr Ende. Es kollabiert, es platzt, es löst sich auf, degeneriert es stirbt ab. Der göttliche Plan wird von Leopold Kohr ganz edel beschrieben: „Small is beautiful.”

Das ist meine Welt. Ich kümmere mich nicht um Leistungen die ich nicht ermessen kann. Die Kunst muss nur ihren Musen genügen, mir nicht. Ich bin Mensch und ich bin nicht in der Lage göttliche Gefühle – „almas Ausdauer”, „Pastinakes Verwunderung” auszuloten. Mir gefallen alle "Caterer" nicht, mir gefallen gewisse Esszyklen nicht, mir gefallen einige Ess – Fördervereine nicht. Das alles sind meine gastrosophischen Appetitverderber.

Mir gefällt alles nicht, was meiner Auffassung von Freiheit zuwider strebt. Aber: Meine Freude ist es Eure Freude zu sehen. Worüber ihr euch freut? Das kann ich vielleicht nicht, oder falsch verstehen, wie ich schon angemerkt hatte, dass ich kein Wagner Kenner bin, weil ich noch nie Zeit hatte mir so etwas anzusehen.
Daher kann ich auch keine Speisenempfehlung für so einen Mega - Anlass aufweisen. Bei den Who! hätte ich damals gut und gerne alles gegessen was zwischen zwei Brotschnitten passt und nicht kleckert und auch meinem Mädel mundete.

Minimalist, 25.07.05 @ 15:12

Menschenepoche nach Götterepoche?
Danke ml, für den Finger auf der Wunde, da nicht dabei gewesen zu sein.

Allerdings, Ich sehe das mit der Menschenepoche etwas anders: Odin/Wotan hat ja niemendem etwas vergönnt und allen alles machtvoll "weggefressen" (zumindest geschnappt). Deshalb haben ihm die Menschen den Fenriswolf, die Mitgardschlage und das "Nagelschiff"? geschickt und "aus mit der Maus in Asgard". Da wollte selbst der begnadete Wirtshausschläger Thor nicht mehr helfen, der nur mehr halbherzig kämpfte, weil auch ihm Odin häufig die, bei den Riesen, hart ersoffene Beute weggenommen hatte.
Diese "Wahrheit" hat Wagner (der Richard) ein wenig vermenschlicht? Deshalb ziehe ich seine Darstellung der Edda vor.

Sind wir nächstes Jahr schon 3 in Erl, oder noch mehr Speisinger? Gibt es überhaupt noch Plätze? Darf ich eine oder zwei Singerriedl in der Magnum mitnehmen?

ChristophWagner, 25.07.05 @ 15:00

Designerin
Die von meinem Namensvetter vorgesehene Designerin heißt, glaube ich, Erda.

ml, 25.07.05 @ 14:20

@Höchste Ordnung durch grösstmögliches Chaos!!
Hier hat Tastatour ja auf phantastische Weise den Dreh zurück zum Thread geschafft.
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Dann geht's halt hier gleich mit Gott und Göttern weiter.
Mir fällt hierzu ein, dass hier ein Exemplarfall der Betrand Russell'schen Antinomie vorliegt. ("Enthält sich die Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten?")
Der von Schönborn angesprochene Gott ist nicht aus der gleichen Klasse wie die Götter der Götterdämmerung.
Denn der Ablauf der Epoche der Götter, gefolgt durch die Epoche der Menschen, ist selbst bei Wagner Teil eines übergeordneten Ganzen. Die Mythologie des Rings schliesst keinesfalls eine ordnende und entwerfende (designende schreib ich nicht) oberste Instanz aus.
Fafner und Fasolt kommen übrigens in der Genesis vor, nicht namentlich, aber als Riesen eindeutig zu erkennen.
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Im übrigen kann in nur jeden bemitleiden, der sich diesen Ring entgehen liess, obwohl er Wagnerfan ist. Ich möchte behaupten, dass das Verständnis der Götterdämmerung vom Intellektuellen ins Emotionale vertieft wurde. Ich war von der Inszenierung ergriffen, welche ganz zum Schluss sechs Kinder aus der Bodenklappe auftauchen ließ, welche sich mit einem Kinderspiel "Schnur abnehmen" beschäftigten. Der formale Rückschluss zu den Nornen des Beginns der Oper, welcher den Beginn des kommenden Menschenalters kennzeichnete, kam so stark heraus, dass ich nicht einmal vernünftig Bravo schreien konnte.
Ich habe das Gefühl, dass man nach 12 Stunden Wagner innerhalb eines Tages so high wird, dass es noch einige Tage anhalten wird. Ich fürchte bereits den Entzug.
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Ein Detail am Rande: ich habe es das erste Mal erlebt, dass beim Schluss-Applaus als erstes das Orchester an den Rand der Bühne kam. Wohlverdient und sehr ergreifend.

tastatour, 25.07.05 @ 13:54

bei den Traktoren
Den ungeordneten Tastenbuben findet man bei der Tochter von Richard Wagner, welcher im schönen Hohenruppersdorf recht herbe Weine keltert.
Dass es sich bei der holden Maid um eine ausgesprochen schnuckelige Sängerin handelt, kann kein Zufall sein. Unseren Bürgermeister habe ich im Verdacht, dass er da seine Finger im Spiel hat.
Höchste Ordnung durch grösstmögliches Chaos!!

Minimalist, 25.07.05 @ 13:43

In der lauen Nacht?
Ist das nicht etwas zuuuu üppig nach "Winterstürme weichen dem Wonnemond..."?

ChristophWagner, 25.07.05 @ 13:35

Quell
Es muss ja nicht immer Richard Wagner sein. Wenn Sie sich damit begnügen, einen anderen, allerdings wesentlich geringeren, wenn auch nicht leichtgewichtigeren Wagner dabei zu beobachten, wie er, nach Erquickung lechzend,am nächstgelegenen Quell Labung und Atzung erheischt, so treffen SIe ihn im gleichnamigen Wirtshaus in der Wiener Reindorfgasse, meist bei einer Fischbeuschelsuppe, einem Reisfleisch und einem Hirter oder Erdinger vom Fass.

Minimalist, 25.07.05 @ 13:14

Ein wahrlich göttlicher Ereignis
Alma, Gratulation!!! Gratulation!!! Gratulation!!!
(im Klartext: mich frisst der Neid)
Siegmund's, "Wes Herd dies auch sei hier muss ich rasten.." mit Tomaten-Gemüse-Gazpacho verleiht dem "ein Quell, ein Quell.." erst Dimension.
Wenn Sie also nächstes Jahr einen Wagner-verklärten Altexistenzialisten ausmachen und mit Sieglinde's "Ein fremder Mann, ihn muss ich fragen..." mit Gänseleberterrine "...Erquickung schaff ich.." laben wollen, das könnte ich sein.
Mehr davon!

pastinake, 25.07.05 @ 10:14

@ pompöser Gourmand
Lieber Apicius,
Ihren Pessimismus, den Sie mit leichter Hand über Almas Euphorie an einem musikalischen und speiserischen Marathon drüberstreuen, finde ich deprimierend.
Wer 24 Stunden Ring durchhält (mein Kompliment und mein leiser Neid an Alma!), darf und muss auch essen. Ihre Kritik an dem Dargereichten verstehe ich nicht. OK, das pompöse Schauspiel Wagner mögen Sie nicht. Warum aber das Catering pompöse Gourmands bedient und der Caterer "für Geld alles macht" - ich verstehe es nicht. Was wäre denn angemessen? Was würden Sie als Nahrungsaufnahme z. B. während 24 Stunden "The Who" akzeptieren und wer dürfte daran verdienen? Ich frage das nicht rhetorisch, es interessiert mich wirklich!

apicius, 24.07.05 @ 22:03

Verehrte "Alma"
Auf keinen Fall wollte ich mit meinem Einwurf, Deinen persönlichen Eindruck in eine deduzierende Logik verdrehen. Nein, ich hab das was ich in den Tratsch hier bringen wollte nicht so kurz fassen können.
Gott und Göttlichkeit zum Thema der Diskussion zu stellen und das verbliebene Spielgelbild dieser Göttlichkeit auf der Erde , und noch dazu bei Menschen zu finden ist nicht mit wenigen Worten zu beschreiben.

Seit ich hier mitmache, denke ich immer wenn ich essen gehe- einmal in der Woche, kann ich dieses oder jenes Lokal für Speising beschreiben? Bisher hat mich nur ein "Kettenlokal" angenehm überrascht. Ich denke so: "Wenn man keine guten Nachrichten bringen kann, bringt man lieber gar keine". Familienunternehmen stecken sauber in der Krise wenn es um eine formidable, brauchbare Alltagsküche geht.

Es war ein Fehler meinerseits das in ein Wortgeflecht über die Götterdämmerung hineinzubringen. Aber wie man weiß macht so ein Catering ja nicht der Wirt selber.

Ich glaube weiters, wenn der Gast ständig mit Essen berieselt wird, dann ist ja schon Toilette gehen fast mehr eine Kulthandlung.

Und die Gändeleberpralinen oder Lachsrollmöpse sind ja in meinen Augen etwas sehr fragwürdiges, und ich bin ausdrücklich kein Tierschützer oder Vegetarier...

Sollte ich aber einen Verehrer Wagnerischer Musik gepiekst haben, bitte nicht ärgern, das kommt von einem der sich mit Wagner absolut nicht auskennt, ich habe das nur in einer Gegenüberstellung -- Pompöses Schauspiel - pompöser Gourmand - missbraucht.

Beste Grüße ins Weblog!

alma, 24.07.05 @ 20:40

Dämmerung ohne Langeweile!
Apicius, da muss ich jetzt einmal herzhaft widersprechen:

Bei Wagner, und speziell beim Ring, kann von Langeweile keine Rede sein (man muss ihn selbstverständlich nicht mögen) - ganz zu schweigen von der Erler Inszenierung, die in ihrer Herzhaftigkeit so erfrischend ist, in keinster Weise irgendeiner Regisseur-Selbstfindung dient und auch beim Wiedersehen voller Spannung bleibt.

Es war nur die Idee, die drei eigentlichen Opern in einen Ablauf von 24 Stunden zu binden, eine wagemutiges Unternehmen, das an Ausführende wie Zuhörende große Ansprüche an Durchhaltevermögen stellte. Aber wer heute um 11 Uhr die freudigen Gesichter, mit etwas rotgeränderten Augen vielleicht, gesehen hat, in Erwartung der Götterdämmerung bei Sonnenschein, der verstand, wie gemeinschaftsbildend und tragend eben dieser Event wurde, und noch viel mehr war dies aus den tosenden Standing Ovations, wie ich noch nie zuvor welche erlebt hatte, fünf Stunden später (und exakt 24 Stunden nach Walküre-Beginn) zu ermessen.

Die Bewirtung zur frühen Morgenstund war kein Zwang, sondern das Angebot eines fröhlichen Gastgebers, wohl als zusätzliche Intensitätssteigerung gedacht und ohnedies nur von Hartgesottenen wie uns angenommen -
da geriet die Interpretation meiner Schilderung leider weit daneben ....

apicius, 24.07.05 @ 15:58

Money cooks....
Wenn ich das richtig verstanden habe dauerte das Wagner -Spektakel wohl sehr lange. Und wie vernommen, sind nicht alle Zuschauer bis zum Ende geblieben. Ich nehme das zum Anlass eines Vergleiches.

Man kann aus Almas Zeilen auch sehr gut die Langeweile fühlen in der sich diese Zuseher geborgen hatten. Sicherlich waren Wagner Fans dabei, solche die es schon auswendig kennen.....

Ich wäre hingefahren wenn man Tommy gespielt hätte.

Jede Evolution endet in Langeweile. Nichts neues unter der Sonne, und immer Wiederholungen....

Wagners Ring – einst vielleicht gedacht zur deutschen Identitätsfindung, ist heute oft zu einem Angeberstückerl eines Prolo – Intendanten degeneriert . So geht’s dem Mozart u.v. a.

Ich will zum Kochen zurückkehren: Auch hier sehen wir nichts Neues mehr. Den letzen Schub hat die World Trade Organisation gebracht. Sibirische Hummer und Gotteslachs haben die Atlantikseezunge von der es im Repertoire de la Cuisine 500 Zubereitungsarten gab, ausgewechselt.

Gut dass es immer noch Interpreten der Produkte gibt die immer wieder neue Nuancen erkennen können. Doch der Alltag schaut anders aus.

Die „evolutionierte” Küche ist krank. Sie krankt am technischen und am geistigen Ballast. Die Variable in der Gleichung ist zur Übergröße angewachsen, es wurde nur auf einer Seite gerechnet.

Schon Antonin Careme war ein zerbrechlicher Charakter der , wenn ein Gallert von Krebsen nicht fest genug war um den durch Kerzenlustern hohen Raumtemperaturen stand zu halten dem Herzanfall nahe. Heute erfindet der Koch derartig viel, das ihm und seinen Kollegen eigentlich nur ein schlechtes Arbeitsklima besorgt. Würde man eine Umfrage unter Köchen machen, dann wären sicherlich 90% mit ihren Löhnen und Arbeitsverh
ältnissen nicht zufrieden.

So denke ich mir das auch dort in Erl um 5 Uhr morgens. Ich glaube nicht dass sich die Köche gefreut haben… Wahrscheinlich auch nicht der Unternehmer. Aber das Publikum braucht das für seine Langeweile……

Die Evolution der Küche ist schließlich dann auch dort wo der Leitspruch so ist:

Für Geld mache ich alles….

alma, 24.07.05 @ 06:16

Götter
Aus aktuellem Anlass sei mir ein Exkurs gewährt: vom felsenfesten monotheistischen Gefüge hin zur langsam dahinwelkenden Götterschar auf Walhall.

Das rekordverdächtige Unterfangen 24-Stunden-Ring in Erl (Ende Siegfried 3:40 morgens, Beginn Götterdämmerung 11:00 wenig später) - wobei festzuhalten ist, dass mit Siegfried-Beginn das Publikum wegzubröckeln begann, das Orchester aber zum Glück vollzählig blieb - erforderte in seiner kräftekonsumierenden Anlage eine entsprechende kulinarische Rahmenhandlung, die denn auch bravourös inszeniert wurde:

das Stündchen Pause zwischen Walküre und Siegfried konnte man mit Tomaten-Gemüse-Gazpacho, Rollmops vom schottischen Biolachs mit Fenchel, Gänseleberterrine im Brioche, Tartelette mit frischen Beeren und einem Stückchen Schokoladengourmandise perfekt überbrücken; Cateringbeauftragter war das Team vom nahen Tirolerhof zu Niederndorf, einem speising-Rund-um-Wien-Restaurant.

So konnte in einem Land, das noch immer vor Holzhackersteaks und Fuhren Mist auf den Speisenkarten nicht zurückschreckt, der Verlockung widerstanden werden, Freia-Törtchen und Alberich-Koteletts zu verabreichen.

Während wir uns jetzt gerade in einer unbestimmten Zwischenzeit vor der Götterdämmerung befinden (spektakuläres Morgendämmerungsrot in Richtung Walchsee war zu sichten), konnten als Late-late-Dinner im Restaurant selbst noch um halb fünf Uhr morgens ein seinem Namen gerecht werdendes Kraftsüppchen mit Grießnockerl, ein Morchelrisotto (die letzten Morcheln, derer allerdings viele an Zahl) und eine Entenbrust mit Weinkraut und Gratin verfrühstückt werden -

lag es an der langen Nacht, an der Überfülle an Musik, dass alles so viel klarer und köstlicher schmeckte?

Postscriptum:
Angesichts einer entfesselten Horde von Walküren, silbergeschürzt, hochgesteckt und punktoupiert, Mountainbikes schwingend sah sich mein Sitznachbar veranlasst, Schönborn zu folgen und einen göttlichen Plan zu vermuten, während ich eher einer zufälligen Verschleuderung göttlicher Spermien das Wort redete.

Postpostscriptum:
Ringhören kann die musikalische Gesundheit gefährden: man wird süchtig nach Leitmotiven.

lady-K, 23.07.05 @ 02:16

Prometheus....
Dieser Diskussionsfaden scheint irgendwie zu reissen... Apizius scheint die Bibel gut zu kennen und vor allem die Ableitungen.... und Inspirationen. Ich halte mich für eine Gut - Esserin...
Übrigens ein sehr guter Ausdruck den ich zuvor noch nie gehört habe. Sehr wirkungsvoll....

Minimalist :

Prometheus täuschte die Götter. Er hüllte die Knochen und Eingeweide ins Fell des Stieres und legte dieses Opfer den Götter vor......

Also der Zeus liebestolle Zeus hat grauslich gespeist....

Minimalist, 22.07.05 @ 15:45

göttlicher Riecher
Bei Gott kenne ich mich nicht so aus.
Aber Zeus dürfte ein begnadeter Riecher gewesen sein.
Er liebte Opfer. Vor allem am Feuer gebratene fette Rinderlenden, Innereien und.... Ob er die Opfergaben auch verspeist hat, kann ich aus der Ilias nicht ableiten.
Jedenfalsl dürfte ihn der Duft so betört haben, dass erdaruf hin gleich ein paar hundert Trojaner (oder Griechen, je nach Opferquelle) um die Ecke gebracht hat.
So wogte der Kampf 10 Jahre, abhängig von Zeus' Nase. Dann dürften die Trojaner einmal ein schlechtes Öl erwischt haben?

apicius, 22.07.05 @ 14:21

Vom Feinschmecker zum Gutesser
Die Antwort auf die Frage ob Gott ein Gourmet ist kann nur auf homorvolle und metaphorische Weise beantwortet werden.

Auf jeden Fall hat der Mensch die Unterscheidungsfähigkeit über zu viele Sachlagen ob gut und nicht gut , auf religiöse , glaubensbezogene Erklärungen reduziert.Daher auch die brutalsten Auswirkungen politischer Art immer religiöse Manifeste hinter sich haben.. Soetwas soll man von so Gutem wie den nahrhaften Dingen dieser Welt unbedingt fernhalten. Gott hat im Paradies des Essens nichts verloren, er kann zusehen und sich freuen, dass die Menschen auf ihren kurzen Lebensweg wenigstens ab und zu was Gutes zum verdauen haben.

Da alle Religionen für die „Insider” auch Geheimlehren parat haben sei zur Speise nur soviel bestimmt zu sagen, dass man sie in essbare und nicht essbare Sachen unterscheidet.

Mache aus allen essbaren Dingen das was dem Ding zum Vorteil gereicht, verschönere es aber behandle es nicht gegen seine Natur. (Friedrich Rumohr)

Die Diskussion hier sollte doch auf die Frage eine Antwort bringen, ob Gott ein Gourmet ist. Ich will okkult werden: Aleister Crowley - ein kulinarischer Antitypus - schrieb das Naturgesetz der Lust und auch Esslust schlechthin:
Tue was Du willst, Liebe unter Willen, das ist das Gesetz!

Ich stimme dem beim Essen auf jeden Fall zu. Wobei mir der Teil des Satzes - Liebe unter Willen der bemerkenswertere ist. Denn was ich an den Speisen liebe muss unter einem festen gebildeten Willen, dieser Liebe erst gerecht werden.

Es ist ja jetzt in unserer Zeit sehr einfach ein Feinschmecker zu sein.

Ein „Gutesser” wird man jedenfalls nicht so leicht. Die Denktendenz des „Speisers” sollte in die Richtung Gutesserei gehen, das würde allen Beteiligten helfen, Gottes Liebe für die Delikatessen besser zu interpretieren.

Minimalist, 22.07.05 @ 12:06

@apicius
Ein Stück Fisch, in handgepresstem...., kurz nach dem Fang?
Ich empfehle ein paar Stunden Muskelentspanung, der Saibling schmeckt dann wirklich besser.

Das Ende des Kochens und des Essens?
Ich hatte einen Freund:
60iger Jahre: "Das schmal Prelallelwedeln kann nicht mehr übertroffen werden"
70er Jahre: "Der mit dem Innenschi angesetzte Jetschwung ist jetzt der Gipfel der Entwicklung"
extrapoliert auf 2000: "Der Carvingschwung, danach kann es nichts mehr geben"
(Er ist schon länger nicht mein Freund, weil mich hat die Neugierde aus der Armut meiner Jugend getrieben).

Ich werde meine Zunge und Gaumen weiter bedingungs trainieren um zu erhaschen, warum, bei gleicher Zubereitung, ein Seesaibling aus dem Altaussee anders schmeckt, als der Saibling aus der warmen Mandling. Und Reinanken, Felchen und Lavarello nicht in einen Topf werfen.
Und freue mich schon auf meine nächsten ahhs und ohhs.

Minimalist, 22.07.05 @ 11:51

@jamesolive
Ergebnisse der Evelution sind nichts zufällig, sondern nur nicht vorhersehbar. Cross-over, Selektion und Mutation sind sehr einfache aber bestimmte Regeln, welche durch oftmalige Anwendung zu sehr komplexen Systemen (z.B. dem Menschen) führen können aber auch zu Stillstand.
Deshalb sollten wir mit der Gentechnik übervorsichtig umgehen. Denn wir wissen bei einem gentechnische Eingriff WAS wir tun aber selten WOZU das führt.
Deshalb ist gentechnische Manipulation von Organismen, die wir dann essen gar nicht sooooo fortschrittlich. Es ist ein Ausdruck einer menschlichen Hilflosigkeit: "wenn wir es nicht besser wissen, machen wir halt das naheliegende"

jamiesolive, 22.07.05 @ 01:11

liebe freunde des evolutionären zufalls!

tatsächlich ließe sich die liste der „zufällig” entstandenen gerichte auch noch auf produkte erweitern. selbstverständlich sind das bier, der käse, der wein, das brot, die polenta, das olivenöl, der essig, die schokolade, der kaffee, usw. usf. durchwegs mit den worten „da hat wohl irgendjemand einmal...” entstanden. der irgendjemand war meistens ein unbekannter hirten oder eine hausfrau, denen irgendwas misslungen ist, und dann war´s plötzlich da.... das rad ist auch so erfunden worden, und das fass, und die kanone, und das schießpulver.... (pardon, das war der pater berthold schwarz im jahr 1313, aber auch der kam zufällig auf das schwarze pulver, und hieß zufällig auch noch schwarz.
rein zufällig erstürmte auch ein gewisser jean j. pélissier (1794-1864) die russischen bastion malakoff bei sewastopol auf der krim, und irgendjemand (vermutlich kein hirte, sondern ein konditor) benannte eine biskottentorte nach ihm, für die er eine damals längst bekannte eiercreme mit biskotten in eine tortenform stopfte.
auch die geschichte des wiener schnitzels begann wohl irgendwann einmal mit den worten: da hat wohl irgendjemand irgendwann einmal brotkrumen in irgendwelche eier fallen lassen, und dann ist ihm auch noch irgendein stück fleisch in den topf gefallen. dann warf er es zornig weg, aber es landete zufällig auf einem stein, der zufällig in der sonne glühte, und siehe da, die poren verschlossen sich, die kruste wurde golden und knusprig, und das ding schmeckte vorzüglich.
die evolution kann in ihrer bevorzugung des zufallsprinzips schon manchmal auch verdammt unwissenschaftlich sein.

ml, 22.07.05 @ 00:16

@sonjaaa
ich glaube, dass die Malakofftorte und das Boeuf Stroganoff ähnlich entstanden sind.

apicius, 21.07.05 @ 23:24

Devolution - ja.
Als im 16. Jahrhundert die Küche des „Platina” von Cremona auf den italischen Fürstenhöfen eine kleine Revolution auslöste, meldeten sich die Kirchenfürsten sofort mit einem Bann auf das Werk dieses „Reformators”. Warum?

Hier erkennt man die große Einigkeit zwischen christlichen und heidnischen Anschauungen, wenn es um Veränderung beim Essen ging. Unselige Zubereitungsformen!

Wir kennen den Begriff „koscher”. Im Islam gibt’s es das auch und der Begriff heißt „halal”. Für die Freunde von Witzigmann, Bocuse und Wörther u. A. unter den Speisinger ein völliger Unsinn.

Für die Nachdenker aber doch etwa gerade so interessant, dass man sich über diese Denkwelt in eine bessere Ernährungsform retten kann, bevor es zu spät ist und die Normierung alle guten Lebensmittel soweit gebracht hat, dass Originalität nur mehr in Sonderschauen und Sondervorführungen vorhanden sein wird. Ähnlich wie es heute so Töpferwerkstätten gibt wo man noch mit der Hand Teller bemalt.Die glotzende Meute schaut zu. Kaufen tut man die Teller dann beim Kika.

Die ältesten Speiseregeln und Schlachtregeln finden sich für unsere Kultur im babylonischen Talmud. Es werden dort Verarbeitungsregeln aufgestellt, die wiederum , wie behauptet wird die Erfahrungsschätze der chaldäischen Kultur sind, welche über 3000 Jahre Reflexe und Erscheinungsformen der Nahrungsmittelaufnahme durch Menschen studiert hatten. Keine Milchsoßen bei Fleischspeisen, Artenschutz, Fastenregeln. Vieles liest sich wie eine Diätanweisung für einen Ernährungsgeschädigten Zeitgenossen von heute. Platina führte nur einige neue Gewürze ein. Den Hitzeerzeugenden Pfeffer, eine die Wollust fördernde Wirkung regte die Klosterbrüder auf. Wer an Gott glaubt, der muss dann aber auch zugeben, dass Platina auch ein Geschöpf Gottes war. Die Kirche hat ihm später als er tot war längst verziehen.

Evolution bei den Speisen gibt es nicht. Was als Entwicklung angesehen wird ist zumeist völlig untauglich dem Wort Fortschritt zugeordnet zu werden. Entwicklung gibt es bei den Hitzequellen, und bei den Aufbewahrungsorten, Transportwegen und Arten. Ein Stück Fisch in handgepresstem Öl, oder ausgelassenem Fett, auf einer Eisenplatte gebraten, möglichst kurz nach dem Fang, ist immer besser als im Tour d Argent nach 200km LKW Fahrt und durch zwanzig Hände gereicht.

So kann man beim Essen keine Evolution, ich meine eine Entwicklung die so ein Wort rechtfertigt, feststellen. Ich bin überzeugt speziell bei der Gourmandise eine Devolution zu sehen.
Hat man keinen bretonischen Hummer mehr, fischt man die Kamtschatka Gewässer leer. Der Koch ist nicht mehr als ein Depp, mag er kochen wo er will, schon gar kein Meister und niemals ein Halbgott wenn er diesen Unsinn den er bewirken muss nicht erkennt. Mit dem was ein Koch wirklich sein soll, hat letzteres nichts zu tun.

Die eiskalten zungenkruden Deppen des „Kapital” brauchen halt auch was zum Essen.

Wer Kochen natürlich so sieht , daß Teller und Ausstattung, Kochgewand und Klimaanlage usw.. und Kulturberieselung auch zum KOCHEN gehört, der hat natürlich Evolution überall. Aber ich rede nur von den Kochvorgängen.

sonjaaa, 21.07.05 @ 18:22

ml
vor den Naturwissenschaften (auch wenn s mich interessiert) strecke ich die Waffen.

Aber ein kleiner Denkanstoss sei mir erlaubt, um die Debatte wieder in s Kulinarische zu lenken und dennoch Ihr Thema weiter aufzunehmen:

Auch die kulinarische Geschichte erfuhr (zumindest der Legende nach) eine - wohl der Chaostheorie folgende - Evolution. So fielen einem franzoesischem Kuechenjungen Mandeln zu boden, die Ohrfeige des Chefs nahm den gebrannten Zucker mit und fertig waren die Pralinen (genauer fuehre ich die Geschichte jetzt nicht aus - und verweise auf ein Buch;-)) - so entstand von einem Konditorlehrling in Wien die Sachertorte, so entstand wahrscheinlich die Mayo und beim Sauerteig will ich s gar nicht wissen,...

Darwin haette nicht so weit reisen brauchen - er haette nur die kulinarische Geschichte studieren muessen!

ml, 21.07.05 @ 15:52

@Gastromalie
Es gibt da noch das Beispiel von der idealen Hifi-Anlage, die in der Lage ist, jede Frequenz genau zu übertragen und zu verstärken. Dadurch, dass sie aber auch ihre eigene Resonanzfrequenz überträgt und sich ins sinnlose laute aufpegelt, zerstört sie sich selbst.
(Ich frage mich nur, in welchem Kontext ich das gelesen habe. Ist schon mindestens 20 Jahre her.)

Minimalist, 21.07.05 @ 14:57

Gastromalie?
Der Koch der alles kocht?
So wie der Zauberer der alles zaubert.
(sich selbst wegzaubert).

ml, 21.07.05 @ 14:17

@Anomalie
Ich habe in meinem Beitrag bewusst ein Beispiel ausgelassen, um eine kleine Quizfrage stellen zu können: in welchem Film (2004) wird diese Idee tatsächlich in einer ähnlichen Form angeführt. Belohnung muss ich mir noch ausdenken.

ml, 21.07.05 @ 14:10

@Sonjaaa
Das Thema Sexualität hatte ich in meinem Beispiel bewusst ausgespart. Ein Mensch als Designer wäre nie darauf gekommen, eine so elegante Einführung des Zufallprinzips innerhalb einer Art zu bewerkstelligen. Von all dem, was wir im 20ten Jahrhundert über Falsifizierbarkeit und die Beschränktheit unserer logischen Systeme lernen konnten (Gödel, Heisenberg, Chaitin) haben wir noch ausreichend viel begriffen, um heute schon eine Idee zu konzipieren, die wahrscheinlich erst um 2400 herum entdeckt werden wird. Nur ein System, welches Zufallsmomente beinhaltet, ist in der Lage, sich selbst aus einer misslichen Deadlock-Situation (totale Blockade) zu befreien, die aufgrund einer logischen Anomalie gegeben ist. (Deadlock-Situationen sind Zustände, welche durch ringartige kausale Verbindungen so verursacht wurde, dass der Zustand eingefroren ist. Beispiel: Autos fahren so in eine Kreuzung ein, dass keiner weiter kann aber auch keiner zurück.)
Die Verbindung ist also folgende:
Unsere Welt ist durchaus komplex. Daher beinhaltet sie Anomalien. Durch eine bestimmte Anordnung fängt sich das System und kommt zum Stillstand oder besser zur Blockade. Wären alle Kausalketten streng deterministisch, gäbt es kein Entrinnen, denn jeder neue Versuch würde in der gleichen Blockade enden. Durch den Zufall wird eine Kausalkette verändert und es tritt vielleicht eine andere Blockade zu einem anderen Zeitpunkt auf, doch es kommt zu keinem Einfrieren.
Wenn wir so etwas im Realen versuchen, endet das im Destaster. Beispiel gefällig? Wir verheiraten Rennautos mit Rennreifen. Es gibt zwar mehrere Wagenhersteller, aber nur zwei Rennreifenhersteller (Michelin, Bridgestone) Wenn einer davon ausfällt, dann starten in Indianapolis nur sechs Autos. Die kommen interessanterweise alle ans Ziel. Gäbe es nur einen Hersteller und der meint, dass die Sicherheit nicht gegeben ist, gibt es nicht einmal ein Rennen.
Daraus folgt, dass Formel-I-Autos nicht so viel Spass am Reifensex haben können wie wir Menschen.

ml, 21.07.05 @ 13:52

@Minimalist
Der Schöpfer von Trurl ist ja tatsächlich namentlich bekannt: Stanislav Lem. Dieser hat zu seinen Geschichten, von denen ich die Sterntagebücher nur jedem ans Herz legen kann, auch Zeichnungen angelegt, in dem er bestimmte Schöpfungen seiner Fantasie anschaulich gemacht hat. Beim Anblick dieser Zeichnungen habe ich mir immer gedacht, dass da noch ein bisschen evolutionäres Streamlining notwendig wäre, um dem Realitätsanspruch gerecht zu werden.
Aber das Thema Geschmack und speziell "etwas für die Anregung des Siliziums" ist gar nicht so weit hergegriffen und eines der Kernthemen der heutigen Forschung. (http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39127286,00.htm) Es geht im Wesentlichen um folgendes. Um noch schnellere Prozessoren zu bauen, wird man ungefähr ab 2015 von elektrischen zu optischen Verbindungen innerhalb des Chips wechseln müssen. Jetzt sind die dafür erforderlichen Laser alle noch auf der Basis Gallium-Arsenid erzeugt. Silizium kann zur Zeit noch keine ausreichende und stabile Menge von gleichenergetischen (quasi gleichfarbigen) Photonen abgeben.
Man ist aber gerade jetzt dabei, dieses Problem zu lösen. Nach wie vor gilt, dass es viel mehr Silizium auf der Welt gibt als Gallium-Arsenid.
Wenn man sich also nicht immer Trüffeln leisten kann, muss man danach trachten, Hamburger nach Trüffeln schmecken zu lassen.

Minimalist, 21.07.05 @ 11:02

Selbstorganisation
Lieber ml, zuerst zu den Zwiebeln. Unter der Zirkuskuppel, bei den mehrpersonigen Saltiwirbeln an den Trapezen, wird der Arm des Fängers plötzlich zum unverzichbaren Fixpunkt. Danke!

Zum Thema: als (nichtmissionarischer) Atheist möchte ich zurückhaltend sein.
ml's Beitrag hat mich zu folgendem Gedankenexperiment angeregt (seit von Neumann gibt es die "Hoffnung" wir können Geräte mit Selbstorganisation und Selbstreplikation designen und es gibt eine "Artificial Life" Community, die, mit Hilfe des sogenannten Genetic Programming, Generationen und Populationen von Programmlebewesen generieren)

Nehmen wir an, es entstehen 2105 als Ergebnis einer künstlichen Evolution Geräte, das sich in den "Spiegel" schauen und z.B. sagen "ich TRURL, Nachfahre von Klapauzius und Murl" mit Bedürfnissen nach Fortplanzung, Selbsterhaltung UND kultureller Verwirklichung. TRURL isst nicht nur sondern speist (z.B. kunstvolle Strom- und Signal-Gerichte zum Aufbau von Energie, Anregung des Siliziums,.. ).
Nehmen wir an,die Designerin des evolutionären Bauplanes war 2056 Frau D23A17 (ein Mensch).
Konnte sie 2056 schon wissen wie TRURL's "Magen" sein wird? Die Ko-Evolution mit seiner Nahrung voraussehen (die kleinen Geräte,die re sich so gerne einverleibt)?
Liebt Frau D23A17 winzige Multilayer-Chips aus Galliumarsenid zur Nachspeise? So wie TRURL.

apicius, 21.07.05 @ 10:58

Gotteslästerer....
Dyonysos und Appolo: Ein Buchsbaum neben einem Weinstock gepflanzt und der Wein stirbt sicher ab. Wer sich die Mühe macht griechische Mythen beispielsweise über den Majoran zu Gemüte zu führen wird auf viele Aspekte der Speisen kommen, die ohne die menschliche Fähigkeit zu Glauben nie erklärbar wären.

Outen sich hier Speisinger nicht ein wenig eigenartig, wenn sie den Speisen nur gute Eigenschaften zusprechen und nicht an das "andere" Element denken, wodurch Speisen verdorben werden. Falsche Vermischungen die im Körper Kausalketten auslösen.. Gott kann ein Spiegel der Harmonie sein, natürlich auch bei Nahrungsmitteln. Neues Testament - Jesus Christus : Esset ! Das bin ich! Ich bin kein eingeschriebener Christ sindern Monist aber das Wort gefällt mir am besten.
Gut und Böse ist auch beim Essen zu beachten, wenn Speisinger nicht irgendwie so Leute werden wollen , die jenseits von Gut und Böse, (nicht im Sinne Nietzsches) , sondern wirklich bösen Sinneswerden wollen.

Harmonie im Himmel, das sehen wir auch in klassischen Dramen wie Faust etsteht durch Gegensätzlichkeiten.
Auf der Erde sind Gegensätzlichkeiten , das lässt sich gut beobachten immer Ursache für Streit. Auch in Rezepturen..

Gott hat der Schrift nach Engel und Satane zu seiner Seite. Der Herr der Maße und Gewichte ist der Satan, daher liebe ich aus der hohlen Hand zu kochen.
Bussi

jamiesolive, 21.07.05 @ 10:54

designer und demiurgen
kann das zufalll sein, dass beides mit de- anfängt? tatsächlich ist ja jeder designer ein demiurg (kommt aus der gnosis und bezeichnet einen, allerdings nicht zwangsläufig allmächtigen schöpfer.) aber natürlich ist auch jeder koch ein demiurg. fragt sich bloß: ist er deswegen auch gott?

sonjaaa, 21.07.05 @ 09:33

ml
Verehrter ML,

das ist genial! Selten habe ich mich ueber einen treffenden Seitenhieb auf das menschliche Etwas so amuesiert.

Damit beantwortet sich auch CW s Frage, ob Gott (dessen Existenz ich zwar mehr als nur anzweifle) ein Designer ist. Denn gutes Design (und laut ML sind wir das ja irgendwie) erfuellt ja bekanntlich eine Vielzahl von Funktionen.

Um nun Gott ein Bisserl aus dem Forum zu nehmen und etwas den Herrn Darwin hereinzubringen, meine ich doch sagen zu duerfen: Die Evolution ist ein gewaltiger Designer. Ich frage mich zwar bis heute, warum Maenner Brustwarzen haben, aber ansonsten sind wir ziemlich OK - und die Faehigkeit zum geniessen ist wohl ein Designfeature, dass doch sehr gut ist.

Mit den beiden Lebensfreuden Sex und Kulinarik (und Essen ist mindestens so intim wie Sex!) hat uns die Evolution schon recht gut designed.

ml, 21.07.05 @ 00:16

Gott der Gourmet
was bei all den darwinistisch-katholischen Diskussionen vollkommen missachtet wird, ist der bemerkenswerte Umstand, dass wir einen so profanen Vorgang wie die Nahrungsaufnahme als Kultur entwickeln konnten.
Bei den Dingen, die wir produzieren, sind wir nicht so generös. Allenfalls erlauben wir einem Laptop, sich gleichermaßen an 220 Volt wie an 110 Volt zu laben. Bei den Autos sind wir wesentlich fantasieloser.
Man stelle sich vor, dass die künstliche Intelligenz, die wir in ein Auto einbauen (heute heißt das noch Elektronik und ist bereits oft gescheiter als der Benützer des Automobils) sich an der Tankstelle überlegt: "Nehm ich heute ein Steak (Super ROZ98), nehm ich das ökonomische Dieselmenü oder mach ich einen auf vegetarisch (Biosprit)."
Wir haben nicht einmal die Größe, Redundanz einzubauen und verschiedene Verdauungswege für unsere Gerätschaften vorzusehen.

apicius, 20.07.05 @ 22:48

Noah....

Noah soll aus der Arche gekommen sein und die Erde war wieder wüst und leer. Auf dem Weg fand er die Weinrebe. Ein Engel der von Gott zu seiner Seite gestellt war, meinte auf den Wunsch Noachs, diese den Wahnsinn und den Hochmut hervorrufende Pflanze zu beseitigen, dass er sie besser wieder einpflanzen sollte. Zur Prüfung der Menschheit. Jener welcher weise damit umgeht und wenig davon trinkt , soll den Wein zu seinem Glücke trinken, jener der den Wein im Übermaß trinkt soll - fallen.

Das Buch der Jubiläen Gen 8 20-22:

--- " Und er sühnte die Erde, und nahm einen Ziegenbock und sühnte mit seinem Blut alle Sünde der Erde; denn alles was auf ihr gewesen war , war vernichtet, außer denen die mit Noah im Kasten waren. Und er brachte sein Fett auf einen Altar und nahm ein Rind und einen Widder und ein Lamm und Ziegen und Salz und eine Turteltaube und eine junge Taube und brachte ein "Ganzopfer" auf den Altar und goß darüber ein Opfer, in Öl gekocht, und sprengte Wein und Weihrauch über alles und ließ einen schönen Duft aufsteigen, der vor Gott gefiel. Und Gott roch den schönen Duft und er schloß mit ihm einen Bund, dass es keine Sündflut mehr geben wird, die die Erde verderbe; dass alle Tage der Erde Aussaat und Ernte nicht aufhören solle, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht ihre Ordnung nicht ändern und in Ewigkeit nicht aufhören sollten. Ihr aber wachst und mehret Euch auf der Erde und lebet zahlreich auf ihr und seid zum Segen auf ihr.

Furcht vor Euch und Schrecken will ich verbreiten über alles , was auf der Erde und im Meer ist. Und siehe, ich habe alle Tiere und alles was fliegt, und alles was sich auf Erden regt, und in den Wassern die Fische und alles Euch zur Nahrung gegeben; wie das grüne Kraut habe ich Euch alles zum Essen gegeben.

Und nur das Fleisch das noch mit seiner Seele und mit sienem Blute verbunden ist, dürft ihr nicht essen, denn die Seele des Fleisches ist im Blute -- damit nicht Euer Blut in Euren Seelen gefordert werde. Aus der Hand eines jeden Menschen, aus der Hand eines jeden will ich das Blut des Menschen fordern. Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden; den nach dem Bilde Gottes hat er den Adam gemacht.

Soviel zum ersten Teil des Weblog.

Amen

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