Home | Blogs | SPEISING Open | 28.02.08

SPEISING Open

28.02.08 @ 08:10

Vom Nestbeschmutzer zum Erlkönig

Kommentar abgeben

ausblendenSie müssen eingeloggt sein um diese Option zu nutzen. Falls Sie noch nicht Mitglied von SPEISING.NET sind, können Sie sich hier registrieren.

Wie sehr man doch rückblickend die Gegenwart lächerlich findet. In einer Zeit, als Falco gerade unglaublich uncool war und einem auch sonst vieles peinlich, spiegelten auch die Speisenkarten den Zeitgeist in ihrer Prosa wider:

Damals war der Dialog en vogue. Feinere Häuser mussten mindestens einen solchen auf ihrer Tageskarte führen, sonst waren sie es einfach nicht: „Dialog von schwarzem und weißem Risotto“, „Dialog von Kiwi und Kirsch … und Lachs und Zander … und Kreti und Pleti“, - aber leider nie „Streitgespräch von Dille und Kümmel“.

Später, Deutschland wurde gerade Fußballweltmeister und Beckenbauer hatte es trotzdem nicht geschafft, die fettesten Flieger-Raybans populär zu machen, wurde gespiegelt, dass sich der Speisenkartenkarton nur so bog: „Fleisch auf Spiegel von … Filet auf einem Spiegel von … Rahmdalken auf … “ elend. Dazu gesellten sich dann auch noch das Nest und Rucola. Es gab kaum etwas, das sich nicht in ein Nest von Rucola schlichten ließ.

Dem von folgte das an. Tournedos an einer Glace von, Strudel an Vanillesauce, etc. Alles befand sich auf einem Spiegel, in einem Nest oder an einer Sauce. Schreibe ich an einer Sauce? Kurz darauf hieß es natürlich „an seiner Sauce“, schließlich war man ja in Frankreich kiebitzen und darüber hinaus auch Bildungsbürger. „Filet vom Angler, an seinen Gemüsen und auf seinem Spiegel von Limettenreduktion“. Na bitte, wer sagt, dass wir Österreicher nicht offen für Neues wären?

Mittlerweile schon EU-Mitglied, beschließen die Patrone mit ihren Köchen, weniger zu bieten. Alles wurde kleiner: Fleischerl an seinem Safterl mit Knöderl und einem Krauterl. Vielleicht ist die –erl-Endung ein boshafter Akt gegenüber Deutsch lernenden Mitmenschen, und gerade auch deshalb abzulehnen. Unangefochtener Großmeister diesbezüglich ist der „Erl-König“ Wojta, hinlänglich bekannt aus Film, Funk und Fernsehen.

Von der Y2K-Panik erfasst, beschlossen die Menü-Poeten, den Gästen mehr Informationen über die Gerichte zukommen zu lassen. Man konnte lesen, dass der Seeteufel angelgefischt war, dass Gemüse bekam den Zusatz seiner Herkunft, zum Beispiel Breslauer Erbsen, und auch die Zubereitung wurde schon angedeutet. Es brach die Adjektiv-Periode an. Frischer Fisch an knackigem Gemüse an feinem Safterl von. Kaum ein Koch war gegen die Adjektivitis (Wie-Wörtchen-Infektionskrankheit, Anm.d.Red.) immun und es wurden flaumige Nockerln und sämige Safterln dem Gast schmackhaft gemacht.

Diese Phase ist wohl jene, in der Severin Corti intensiv geprägt wurde, er ist wahrhaft ein Meister des spontan gesetzten Adjektivs in seinen Beschreibungen. Ob der Erfolg der Universum-Sendungen ebenso darauf begründet ist? „Gurgelnd gluckernd plätschert der blitzende Bach den ewigen Gesetzen der Natur folgend zum Tal …“

Immer mehr Informationen füllen die Karten: wokgeschmort, handgerührt, almgezogen und wohlgereift. Doch der Wille, sich abzuheben, blieb aufrecht und führte zu einer noch höheren Informationsdichte. Die Namen der Kräuter, die Herkunft des Salzes und die Farbe des Pfeffers waren hier erst der Anfang. Balsamico-Linsen mit zarten Kabeljau-Stückchen und Kerbel trafen auf Argentinisches Hochlandrindsfilet mit seinen Marchfelder Gemüsen an Kümmeljus, mit handgestoßenem Fleur-de-sel aus der Südwest-Bretagne verfeinert.

Zu Ende gedacht steht das komplette Rezept samt Anleitung auf der Speisenkarte: „Saftige Zwiebeln aus Kollnbrunn mit feinem Altlengbacher Rindfleisch vorsichtig geschmort, mit edlem, pan-panonischem Paprika handgewürzt an seinem reschen Semmerl“.

Doch das Pendel hat seinen höchsten Punkt erreicht und beschleunigt nun in die Gegenrichtung. Das ist sehr spannend und klingt so: „Yellow Fin.Junger Spinat.Chiccoree.Oliven.Karamelisierte Schalotten.Kräuterfond“ (www.novelli.at). Die Adjektivitis wurde fast besiegt, ein karges Aufzählen der Bestandteile ersetzt blumige Beschreibungen. Pasta, Paradeiser, Parmesan, Basilikum, Euro 12. Ich. Habe. Fertig.

Wo führt das hin? Ich nehme an, dass die höchste Reduktion in der Benennung der Speiseninhaltstoffe, Adjektive und Zubereitungsarten zu so pervers anmutenden Formulierungen führen wird wie etwa „Rindsgulasch mit einer Semmel“ oder „Paprikahuhn mit Nockerln“. Und auch darüber werden wir dann einmal retrospektiv entsetzt sein.

Gregor Fauma

35 Kommentare | Kommentar abgeben

grafazzo, 05.03.08 @ 18:28

Dialog vom Bambaltscha??
herzlich Gelacht! Danke

PICCOLO, 04.03.08 @ 20:49

@kubse
..drauf lassen wir uns einen "abdel nasser 07" Südwesthang, trocken ausgebaut, tiefe dunkle Schokoladetöne. Im Abgabg etwas ung´schickt...

kubse, 04.03.08 @ 17:35

...mir läuft schon das Wasser im Mund z'samm....

PICCOLO, 04.03.08 @ 16:38

@j Herr Oba!!?!!
Cool man! Also ich Tipp auf folgendes Menütscherl:

Aperitif: 2 Spuriger Schnupfschnee

Amuse bouche: Dialog vom Bambulacha mit Schimmelafghanen

Vorspeiserl: Ganja Pfannkuchen vom grünen Türken "Thunderweed"

Supperl: Cappucino aus Nuttendiesel

Zweites Magendratzerl: Ozzie´s Stoff mit Lumpenzucker und indian Oil

Erstes Hauptgangerl: Batmas Bambi an every mothers blood mit Winterreifen Wedges

Crack - Sorbet

Zweites Hauptgangerl: PCB Raketenbrennstoff mit Peyote Buttons

Dessert (verständlich) :

Ratte in ihrem Häutl mit langem Löffel

OberkllnerPatzig, 04.03.08 @ 12:30

Ich schätze die Kombination ...
... von Fingereinsatz und Silberlöfferl. Zum Beispiel lässt ich eine frisch aufgebrochene Ratte mit einem langen Silberlöfferl in der Rechten und das noch warme Tier in der Linken am besten auslöffeln. Ausprobieren!

QUARK, 04.03.08 @ 10:42

Rausschlecken??
Verstehe ich lieber Cool - Tom! Aber mit Verlaub möchte ich doch bemerken: Essen im gastronomischen Sinn muß ich btone !muß! auch eine Glas und Besteck und Gedeckkultur haben! Wenn wir zusammen am Naschmarkt etwas vom Standl kaufen, dann nehmen wir die Hände.
Aber beispielsweise bei den eiswüfeln bin ich shcon wieder sehr heikel, Wenn mir diese wer mit der Hand ins Glas schubst, dann schmeiße ich den Cocktail weg.
Und wo es noch so mit der Hand in demn Mund geht wäre daheim wo ich weiß wers geputzt angerührt hat. Aber Fingerfood im Restaurant, pfui gack! Kellner sind doch noch die größeren Ferkel als die Köche. Ich habe schon Haubenköche sich am Hintern kratzen gesehen, glaubt mir - am Buffet!

TomCool, 04.03.08 @ 07:50

lieber Quark!
Das beste Essen braucht kein Tafelsilber, weil's mit den Fingern gegessen wird, oder einfach nur irgendwo rausgschleckt. DAS ist nämlich der Beweius, dass es richtig gut war, wenn der Teller sauber abgeschleckt zurückgeht. ;-)

Und die besten Köche der Welt lassen ihre Gäste mit Stäbchen essen.

QUARK, 03.03.08 @ 21:52

Bitte nicht vergessen!
Wir leben von Übertreibung. Was wäre ein Drink ohne pompöses Glas und Aufputz? Was das beste Essen ohne schönes Tafelsilber? Da würde doch eine biedere Ausdrucksweise am Zettel nur stören. Das ist das Plüsch, der Kitsch, den muß man pflegen wie ein vom Aussterben bedrohtes Pflanzerl..

mazi, 02.03.08 @ 22:25

Das...
... hab ich schon lang nimmer gemacht: alle Kommentare eines blogs (den ich grade eben erst entdeckte, ich Abtrünnige) durchzulesen! Göttlich, Oberkllner, ich habe Tränen gelacht und mich meiner ersten eigenfabrizierten Menükarten erinnert:-))). "Aprikotiert " war mein Lieblingsbegriff...
Aber dass Ihr mir meine lieben Deutschen so schmäht!! So was! ich könnte stundenlang lauschen - und Klöpse mit Tunke ist doch schon auch süß?! Stellt Euch nur vor, überall wäre der -erl-Wahnsinn ausgebrochen, der gesamte Deutsche Sprachraum wäre infiziert: Klöpserl an seinem Tunkerl, Röschterl auf Käschfondütscherl? Neee, meine Damen und Herren, jedem sein Stil, und wer die resche Nordluft zum Einatmen braucht, genießt dann in Österreich das gute Kaffeetscherl mit an Cremeschnitterl.
Durchaus legitim, oda neeet?

motorradlberger, 02.03.08 @ 15:10

Viel gekräutertes
und handgerütteltes, milchgefüttertes und fußgestampftes...
sorry -- deppertes. Je teurer desto doofer.

PICCOLO, 01.03.08 @ 22:39

Tournedos...
..wären, würde man die Grundbedeutung dieses Ausdrucks kennen ein Essen das man nur in Gästehäusern - am Bette leigend verzehrt. Zu Tisch im Restaurant sind sie schon seit 150 Jahren falsch.
Es kommt von dem Ausdruck Tourne -bride . Damit ist ein Gästehaus gemeint das neben einem Chateau stand um dort beispielsweise die Entourage einer ausländischen Delegation zu verköstigen. Da man dazumal Filets im Ganzen gebraten aufgetragen hat, wurden sie für diese Personen in dünnere Scheiben geschnitten um sie dort im Gästehaus dann schnell zu braten.. .Tournedos...

PICCOLO, 01.03.08 @ 22:25

Bildungsmängel
..waren und sind bei solchen Berufen ein großes Problem. Es haben ja schon ganz viel früher immer die Herren ihren Angestellten gezeigt wie zu kochen ist. Ein Metternich, Richelieu, Richard Wagner usw. lernten ihren Angestellten das Kochen.

Das kann Gusi, Strache und das Bundespräsidentlerl heute mit Sicherheit wie auch viele Promis nicht, unsere Politiker fallen als Flaschenkinder auf den Zeltfestboden und was dort herumliegt uns sie die nächsten 4 Stunden in den Mund bekommen prägt ihren Geschmack.. Die werden halt ganz anders satt, was übrigens auch zur Verrohung der Eßgewohnheiten führt.
Man müßte für solche Berufe wie den unseren den autodidaktischen Bildungsweg offiziell einführen. Man macht keine guten Köche mit diesem System wo der junge Mensch zum Trottel gemacht wird und nur abschauen lernt. Eine Affenfabrik. Für besonders begabte junge Mädchen und Burschen gehört die Möglichkeit her, außerhalb von staatlich gelenkter Schule und das verkalkte Bildungsbrimborium eine Lehre zu machen. Ein Meisterschüler sozusagen, wo das Zeugnis des Meisters einen guten Koch garantiert, und nicht der verkackte Kammerapparat mit ihren Ehrentölpeln und Tugendgänsen....

Dann würde auf der Karte so etwas stehen:

Heute 6Gerichte vom Pinzgauer Rind:

Klare Suppe, Gebundene Suppe
Eine Sulz
Gekochtes
Gebratenes
Geschmortes
Paillard
Zuspeise: Kartoffeln, Gemüse aus der Bouillin und Berner Rösti

Das Wissen ein guter Koch macht das reicht. Wo aber schlecht bezahlte Commis werkeln und der Chef wie der Mörli und der Jörgi fett mit ihren Karossen durch die Welt gondeln, dort weill man es verständlicherweise genau wissen was kommt...
Schönen Sonntag meine Liben!

andreasbigler, 01.03.08 @ 21:02

Dummchen mit ganz kleinen angebrannten Denkzwiebel
Das scheint dann auch bei manchen der Grund dafür zu sein, dass sie den Weg zurück, zur guten, ehrlichen Küche, nicht mehr finden ....

PICCOLO, 01.03.08 @ 13:46

Info was drin ist...
Das Äußerliche sieht man. Was drin ist wird immer mehr zum Problem und da verweigen die Köche grundsätzlich die Kooperation. Ob das enzyme im Brot sind oder die chemischen Substanzen der Molekularküche von deren Wirkungen so gut wie nichts kennt. Viagra ist dazu erprobtg wie die Kräuterhstinetten... Menügestaltung mit liebreizenden Schnörkeln zur blanken Täuschung?

Schon als ich zum ersten Mal Babysteinbutt und dann Baby Seezungen vom Rungis Lieferservice angeboten bekam, dachte ich mir ob die Gourmets spinnen?? Wer verspeist die Babies?? Und Babykarotten und Babybel der doofe Käse für die zahlungskräftigen Müllverwerter..

? Hier ist jeder gute Geschmack abhanden gekommen! Bei Spanferkeln verkauft sich der Züchtungsmüll auf Haubenniveau, das ist ja auch so etwas Lächeliches. Leider sind Wirte und Köche wirklich ein gar lächerliches Gesindel, behaubte und bekittelte Dummchen mit ganz kleinen angebrannten Denkzwiebelchen an silbernen Tellerchen....

piccolina, 01.03.08 @ 04:40

Nicht nur in Kärnten...
...ist's liab - doch dort besonders und das schreibe ich voll Bewunderung für Land, Leute und Sprache! Einem Kärntner und auch einer -in könnte ich stundenlang zuhören und dabei das Atmen vergessen - ich hör's halt einfach zu gerne! Ich wette, das "LAN, mit und ohne Draht" hat ein Kärtner erfunden!
Und Schweindilein, wie Piccolo schreibt, ist doch einfach herziger, als "Sau oder Schwein", das so auch zum Schimpfwort mutieren kann.
Das "-erlen" ist doch ein Teil der "Österreichischen Art", die Gäste an uns so lieben (oder frenetisch hassen) - aber dadurch sind wir, wir und das sollten wir uns auch niemals nehmen lassen! Man stelle sich nur einmal streng preußisch vor: "Salzburger Nocken", da denke ich an den Nockstein und bekomme Angst um meine Zähne... - und überhaupt, die Welt ist eh schon eckig genug und "Eber(schwein)" kann nie so lustig sein wie "Schweinchen Dick"... -
Um beim Thema Speisekarte zu bleiben, da ging es doch (mir) mehr um Grammatik und nicht um das Leugnen der Muttersprache oder Dialekte oder habe ich das "mistverstanden"?
Wie verlockend klinges doch, wenn einer fragt: "Möchten's nicht doch a Supperl, des wärmt..." und wie brutal die nordeutsche Fassung:"Nehm'se man 'ne Suppe!" - die Melodie der Sprache ist halt windig, rauh und schroff da oben, wie auch die Sprache zeigt, die mit Imperativen - fast a Watschn - gespickt ist und dennoch duchaus nett gemeint sein kann, wenn man's weiß. Ich habe elend lange gebraucht, um mich an: "Nee, ham wa nich!" zu gewöhnen und mein Herzerl lacht, wenn ich hier einen "Preußen" erlebe und ganz sicher sein kann, dass ich da "oben" nicht mehr leben muss!









PICCOLO, 29.02.08 @ 23:07

Niedlich, niedlicher
Diese "Verniedlichung" bei der Benennung von Speisen gibts überall auf der Welt. Piccolomini - Vermicelli Fagiolini. Rasnici, Cevapcici...

Was ist Euch liebe Herren lieber ? Dicke Tutteln oder Brüstchen, so von drallen Jungmädchen? Puten versteht sich. Aber ist nicht Pute auch so ein Schweiniglerwort, wer französisch kann wirds wissen, oder en cocotte...
Es gibt ja in der inneren Steiermark und Teilen von Kärnten diesen Menschenschlag zu denen ich mich rechnen darf die in ihrerm Dialekt etwas "windisches" haben. Wir haben das keine Säue im Stall, das sind Schweindilein, Kalblan (kärntnerisch) und Hendlan, Hendl okay...
Der König der Wenden selbst das war der "Korli" Was heißt soviel wie der Stärkste. Sogar diese Supermänner hatten dann Pimpalan, keine Schwänzelchen. Grausliches Zeuch dieses preussisch vulgäre "Schwanz". Deswegen haben wir Nudalan und Kiachlan. Klachalan vom...
Ich habe jetzt versucht kurz und einleuchtend zu erklären warum wir diese Verniedlichungsformen auch auf Speisenkarten finden. Das so kleine Fuzzilein , garnierte Speiseresterln pompöse Namen haben sollten, bespielsweise Cotelette Podjardsky, um Gottes Willen da würde sich der Großfürst im Mausleum umdrehen. Das waren einst Plattengerichte.
Ich sage ja auch zu meinen Kollegilein liebevoll Jörgili und Mörli. Jörgilein und Mörlilein... Der Bundespräsident eines kleinen Staates: Das Präsidenterl, das Bundeskanzlerlein, das Tschapperl. Wir Windischen verstehn das gut, und das freut ganz Speising wenn ich nicht irre???

OberkllnerPatzig, 29.02.08 @ 18:00

Nachschlag!
Katzengünther hat sich unlängst sehr über ein "dazu gereicht" gefreut. Ein Wirt mit Studentenbroten reicht zu den Nockerln einen Salat .....

TomCool, 29.02.08 @ 13:40

manch -erl ist doch ein Perl
Schließlich war die österreichische Küche bis zu den Verniedlichungen von gewaltigen Portionen dominiert. Damalige Knödel wären nie auf die Idee gekommen, sich vererlen zu lassen. Damals fragte man noch: "Sagen's, wieso sind denn die Leberknödel bei Ihnen so groß?" Und die Gretl antwortete. "Bua, schau da meine Händ an. Wia soi i mit solchane Klobrüün klanere Knödln zsammdrahn?"

So ist es durchaus verständlich, dass zu Zeiten der Nouvelle Cuisine, als mindestens 5 Beilagen den Teller dekorieren mussten, deren Bezeichnung mit einem -erl dekoriert werden musssten, damit sich der Gast nicht erschrak oder gar einen Bauernschmaus für 2 Personen erwartete, wo nur 8 dag Fleisch mit viel weißem Porzellan umrandet am Tisch vorbeischauen sollte.

andreasbigler, 29.02.08 @ 13:08

Wir Österreicher ....
haben halt mal den Hang alles zu verkleinern und zu verniedlichen. Gefällt mir zwar nicht, aber es wird mich nicht davon abhalten auch Süppchen, Sülzchen, Safterl, Knöderl und Schnittchen zu bestellen.

Allerdings hab ich bei solchen Speisekartentexten immer das Gefühl die Küche will mir schriftlich klar machen, wie hervorragend diese Kreation ist und ich als Gast, gefälligst nichts anderes zu denken oder gar zu sagen habe.

dschungeltier, 29.02.08 @ 11:58

ganz ehrlich
ich fand sie immer lächerlich
aber ich fand die dialoge auch komisch
und die sachen AN etwas auch

es lebe das nockerl

OberkllnerPatzig, 29.02.08 @ 11:25

Jetzt einmal ehrlich ...
Wer von Euch stößt sich an den Verkleinerungen (Safterl, Knöderl, ...) - und wer findet diese eigentlich ansprechend?

kubse, 29.02.08 @ 08:49

Danke, liebe Piccolina, aber die Idee ist nicht von mir ;-)

piccolina, 29.02.08 @ 07:14

kubses Idee...
...sollte Schule machen(!), sie öffnet der Phantasie Tür und Tor!!!

kubse, 28.02.08 @ 23:18

Reduktion
Le Grand Vefour, Paris, vor ca. 10 Jahren - damals hab ich mir sowas noch leisten wollen ;-):

Lamm 48,-
Huhn 37,-
Rind 53,-
Artischocke 33,-
Avocado 41,-
Schwertfisch 54,-
Seewolf 44,-

usw.


Die Preise sind fiktiv und aus der Erinnerung, aber so ungefähr hab ich sie mir gemerkt, in heutige Währung übersetzt. (Bitte ihr Wirten/Köche/Kllner, sparts euch jetzt das "oba des soundso konn ned büllicha sein ois des ondere..." - wie gesagt, fiktiv!)
Die Überraschung kam dann am Teller, und der Salat aus dem fetten A-Gemüse ist mir schon im Gedächtnis geblieben. Heut geh ich in die Rotenturmstraße und bekomm einen solchen um ein paar Euro, wo ich immer noch jedesmal Ah! und Oh! von mir geb. Aber ich schweife ab...
Was ich damit sagen wollte, das muss sich ein Restaurant einmal erarbeitet haben, eine solch reduzierte Speisenkarte. Und mir hat das schon gefallen. Oder besser, mich beeindruckt.

PICCOLO, 28.02.08 @ 22:37

RESPEKT!!
Wahnsinnstext! Best of Speising Eintrag fix... Gibts das schon??
Viele Grüße . Amüsant.. aus dem Leben...

TomCool, 28.02.08 @ 22:17

Als ich noch
taillierte hemden trug, schlabberten die trotzdem in der Taille.

Nojo... Da war ich noch kein Speisinger. *harhar*

dschungeltier, 28.02.08 @ 21:53

"Klugscheißermodus an"
Adjektivitis ist keine "Wie-Wörtchen-Infektionskrankheit" sondern eine
"Wie-Wörtchen-Entzündung"
Klugscheißermodus aus.

Ansonsten hau ich mich seit Stunden über diesen Artikel nur mehr ab, wie man so zu sagen pflegt.
Außerdem erinnert er mich ständig an meine, unsere "modischen" Jugendtorheiten. Von taillierten Hemden, bei denen vor lauter Taillierung fast die Knöpfe wegsprangen, Hemdkrägen bis zum Boden, Afro look, Glockenhosen, dann wieder Hosen, dass die Fusserl fast nicht durchkamen, so eng von oben bis unten. Latzhosen, furchtbar.
Und bittschön, wir wären entsetzt gewesen wenn wir unser irgendwas an etwas nicht auf riesengroßen schwaren achteckigen Tellern serviert gekriegt hätten, oder? dafür essen wir momentan alles aus überdimensionierten Suppentellern. Scheints mir.

dschungeltier, 28.02.08 @ 18:30

ja reife leistung, ja
ich krieg trotzdem hunger beim lesen

dfw, 28.02.08 @ 17:08

@patzig
...deine reifste leistung.

motorradlberger, 28.02.08 @ 15:38

@patzig
Herrlicher Text! So sehe ich das auch.

piccolina, 28.02.08 @ 14:05

@ TomCool
Einfach himmlisch!!! Dieses Entlein wird gar köstlich munden... - und erst die gschupften Nudeln der holden Maid!
Nur eine Frage: Ist die Speisekarte in Leinen gebunden oder nur Taschenbuch?

TomCool, 28.02.08 @ 12:05

Lyrische Speisekarte?
Es schwebte der Rosmarin über der Seele des weitgewanderten Zugvogels, bekannt unter dem Namen Barbarieente, deren Brust, zuvor zärtlich massiert von einer jungen Bäurin, durch die Hände unseres wie der Vogel weitegereisten Küchenchefs Josef gegangen, der sich als Seelenverwandter fühlend beim Schröpfen in das Tier hineinversetzte wodurch er jene Preiselbeersauce erdachte, die nun gemeinsam mit den von unserer holden Küchenmaid gerollten und anschließend gschupften Nudeln Ihre Zunge anheim suchen möchte. Euro 28,70

piccolina, 28.02.08 @ 11:41

Lyrische Speisekarten
Zuerst: Ein gelungener Artikel!!! Danke!

Immer wenn ich: "...an Rosmarinsafterl (o.ä.)" las, kräuselte sich meine Dichterseele und ich gedachte meines Deutschprofessors, den ich: "Mit!", sagen hörte... - und er ahnte noch nichts von "Dialogen mit Obst und Gemüse"!

Bin schon auf neue lyrische Speisekarten gespannt.

TomCool, 28.02.08 @ 11:26

Sehr gut beobachtet, Herr Patzig
und trefflich formuliert.

Auf den Punkt gebracht.

Speising.Blog.Patzig.Meinung.super.Euro.0.geil

dschungeltier, 28.02.08 @ 09:45

warum bloß
hab ich auf einmal solchen hunger

Neue Kommentare

--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]

--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]

--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]

--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]

--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]

Blogs Archiv

Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33

SPEISING Suche
suchen!
Gesamtkarte
Lokal finden
suchen!
?ber uns | Sales | Kontakt | Impressum | Presse | Partner
JPETo™ Content Management System
design by
DMC

Diese Website verwendet Cookies, um die angebotenen Services zu verbessern. Die weitere Nutzung der Website wird als Zustimmung zur Verwendung von Cookies betrachtet. Einverstanden | Mehr erfahren