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SPEISING Open
23.08.09 @ 20:44
Das Essen war ein Gedicht!
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Eine Redensart und ein Kompliment, das Köchinnen und Köche gerne hören. Nicht nur Wilhelm Busch dichtete ein paar recht deftige Rezepte, beliebt waren Gedichte auch bei den großen französischen Köchen. Fast jeder Künstler konnte kochen und jeder Koch war auch ein guter Maler, Bildhauer und manchmal auch Musiker. Und es gibt jede Menge „Gedicht“ – Rezepte.
Hier ein Beispiel, gesungen von dem Konditor Raguenau aus „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand, 1898:
Mandeltörtchen „Rageneau“
Schlag die Eier, Gelb und Weiß
Schlag sie zart bis flüsterleis.
Tröpfel in den cremigen Schaum
Limonensaft so kühl und grün,
dann ganz kühn-
die Mandelmilch weiß wie ein Traum.
Das Tortenförmchen hol´ und zeig
Leg sie aus mit Blätterteig.
Hab sie fertig gleich zur Hand,
mit dem Finger rundherum,
doch nicht krumm,
knete einen hübschen Rand.
Da hinein, der Reihe nach
Gieße immer nur gemach
Den Eierschaum gerade so.
Nach dem Backen goldig braun,
lecker anzuschaun-
Mandeltörtchen Rageneau!
Hier ist mein Rezept aus jahreszeitlichem Anlass:
Eierschwammerl mit Semmelknödel
Im Unterholz auf schönem Moos
werden Eierschwämme groß.
Du als Kenner – pilzbesessen
willst diese Schwämme gerne essen.
Vergiss nicht sie ganz gut zu putzen
und alles Faule abzustutzen,
sie zu waschen und zu schneiden
auch die Würmer zu vermeiden.
Im Topf da brutzelt Butter fein,
man wirft die Schwämmchen gleich hinein.
Dann zuerst Zitronensaft,
So ist das meiste schon geschafft.
Salzen soll man nicht zuviel.
Gut ist Rahm zu gießen, wie man will.
Heiß wollen diese Schwämme baden!
Pfeffer dran, das ist kein Schaden.
Es ist kein gutes Küchenmädel,
das nicht kann den Semmelknödel.
Ganz einfach wird man da ein Meister:
Lockerer Teig – kein schwerer Kleister.
Semmelbrot rasch in die Schüssel
richtig Mehl ist hier der Schlüssel.
Neben Eier, Wasser Pfeffer und Salz.
Sonst nichts, kein Öl, kein Schmalz.
Ein guter Knödel soll froh schwimmen.
Und seine Maße sollten stimmen.
Nicht fussballgroß und nicht zu klein,
Wird er Dir eine Freude sein.
Mag man die Schwammerlsoße dick
So ist ein feines Mehl das Glück,
Das diesen Vorzug Dir verschafft
Mit seiner guten Bindekraft.
Ja, Petersil´ ist auch noch wichtig.
Denn nur mit ihr würzt Du es richtig!
Das sommerliche Pilzgericht
Ist dann wahrlich ein Gedicht!
Dein Schatz, der will es lieber flüssig?
Dann ist das Mehl nicht weiter schlüssig.
Aufgetischt und hingesessen.
Gut` Appetit und aufgegessen!
Damit diese Verse nicht alleine stehen, wünsche ich mir von den Speisinger Freunden einige ähnliche Rezepte in Gedichtform. Bedingung ist nicht ein genaues Rezept darzustellen, sondern ein verständliches Anleiten zu einem lieben kleinen lukullischen Erlebnis.
Das nach meiner Meinung beste Gedicht prämiere ich mit einem Abendessen für den von der Muse am besten geküssten Teilnehmer(in), mit seinem Schatzi - bei mir als Gast entweder hier oder in Wien, wenn ich wieder einmal dort bin. Ruft an - die Musen!
18 Kommentare | Kommentar abgeben
mazi, 05.10.09 @ 14:04
Juhu!
Freu mich auf den Musenlohn ;-)!
katiza, 02.10.09 @ 16:35
Oh ja - endlich wieder Murmeltier und ein Speising-Treffen!
PICCOLO, 01.10.09 @ 16:47
Das Lokal muß noch bestimmt werden.
Der Tag - kann ab Mitte Oktober jeder dienstag sein der beliebt. Zwei Wochen vorher wissen wir´s, da bleibt genug Raum zum einplanen.
ein Fässchen bier kommt auch mit. wird fein.
Hirn_mit_Ei, 01.10.09 @ 12:38
ein speisinger real-raum-treffen. interessant. ebenso das murmeltierragout !!!
dschungeltier, 30.09.09 @ 21:35
ha
da freu ich mich schon drauf
und vielleicht ein paar speisinger kennenzulernen
PICCOLO, 30.09.09 @ 20:12
Na ja - alle..
Wer als erster da ist....
Ich tu mir beim auswählen wirklich schwer...
Im November dann werde ich nach wien fahren und ein Murmeltierragout mitbringen, dann kann jeder dichter kommen...
Danke für die Mithilfe...
Hirn_mit_Ei, 18.09.09 @ 15:00
wer hat denn eigentlich das essen bekommen?
oder wecke ich gerade schlafende hunde?
btw. lieber bb wo kocht er denn in wien, wenn er in wien kocht? kann man das essen auch auf käuflichen wege erwerben denn der weg nach oö ist für unsereines ein extrem seltener und wenn sind die kinder bei so einer reise dabei und deshald wäre ich an einer bb-kochgelegenheit in wien interessiert.
OberkllnerPatzig, 11.09.09 @ 12:58
@ Hirn_mit_Ei
Grandios! Speziell das Ende ist genau mein Fall - Spitzenklasse!
Hirn_mit_Ei, 10.09.09 @ 20:26
butterbrot
das butterbrot ist eine speise,
die oftmals unterm wert geschlagen
denn das verhältnis und die weise
bieten oftmals grund zum klagen
die wahl des brotes muss gelingen
und auch die temperatur muss stimmen
ist die butter gar zu hart
so reisst man krater in den teig
ist sie hingegen weich und zart
dann gibt sie nach, denn sie ist feig
am besten ist die temperatur
herausgelegt schon vor genuss
das dumme hiebei bleibt doch nur,
dass man daran auch denken muss.
sobald die butter fein zu streichen,
ist die wahl des brots von not
denn hier gilt für die armen wie reichen,
das beste ist das bauernbrot.
der schmiervorgang ist oftmals schwierig
und benötigt viel verstand
dass man bei der butter nicht zu gierig
und mit geduld streicht bis zum rand.
wer sich zu herzen nimmt den rat
dem schmecke gut sein butterbrat.
OberkllnerPatzig, 09.09.09 @ 13:58
Im memoriam Josef Weinheber
Der Phäake
Ich hab sonst nix, drum hab ich gern
ein gutes Papperl, liebe Herrn:
Zum Gabelfrühstück gönn ich mir
ein Tellerfleisch, ein Krügerl Bier,
schieb an und ab ein Gollasch ein,
(kann freilich auch ein Bruckfleisch sein),
ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett,
sonst hat man zu Mittag sein Gfrett.
Dann mach ich - es is eh nicht lang
mehr auf Mittag - mein' Gesundheitsgang,
geh übern Grabn, den Kohlmarkt aus
ins Michaeler Bierwirtshaus.
Ein Hühnersupperl, tadellos,
ein Beefsteak in Madeirasoß,
ein Schweinspörkelt, ein Rehragout,
Omletts mit Champignon dazu,
hernach ein bisserl Kipfelkoch
und allenfalls ein Torterl noch,
zwei Seidel Göß - zum Trinken mag
ich nicht viel nehmen zu Mittag -
ein Flascherl Gumpolds, nicht zu kalt,
und drei, vier Glaserl Wermut halt.
Damit ich's recht verdauen kann,
zünd ich mir mein Trabukerl an
und lehn mich z'rück und schau in d' Höh,
bevor ich auf mein' Schwarzen geh.
Wann ich dann heimkomm, will ich Ruh,
weil ich ein Randerl schlafen tu,
damit ich mich, von zwei bis vier,
die Decken über, rekreir.
Zur Jausen geh ich in die Stadt
und schau, wer schöne Stelzen hat,
ein kaltes Ganserl, jung und frisch,
ein Alzerl Käs, ein Stückerl Fisch,
weil ich so früh am Nachmittag
nicht schon was Warmes essen mag.
Am Abend, muß ich Ihnen sagn,
eß ich gern leicht, wegn meinen Magn,
Hirn in Aspik, Kalbsfrikassee,
ein kleines Züngerl mit Püree,
Faschiertes und hin und wieder wohl
zum Selchfleisch Kraut, zum Rumpsteak Kohl,
erst später dann, beim Wein zur Not,
ein nett garniertes Butterbrot.
Glaubn S' nicht, ich könnt ein Fresser wern,
ich hab sonst nix, drum leb ich gern,
kein Haus, kein Auto, nicht einmal
ein G'wehr im Überrumplungsfall.
Wenn nicht das bissel Essen wär - -
(Stimme des Volkes)
Segn S', deswegen ham S' nix, liaber Herr!
Josef Weinheber
dschungeltier, 08.09.09 @ 22:55
ich koch nichts mehr
weil ich dann
vor patzig eh nicht mehr bestehen kann
Grobschmecker, 08.09.09 @ 12:53
Iss´ und trink, wachst das Ding.
mazi, 26.08.09 @ 14:07
Musenknutschen mit William
Es kommt im feinen Haushalt mal die Zeit,
wo sich die zarten Hälslein danach recken,
wen Butter, Zucker, Eier heut gefreit,
welch wunderliches Backwerk denn wird schmecken
zum täglich heiß erbettelten Genuss
der Teatime (bürgerlich: zum Kaffeekränzchen).
Wie bitter, wenn man traurig feststell'n muss,
dass nicht mal Brot mit Butter wagt ein Tänzchen!
Alsdann, es hilft kein Jammern, kein Geschrei,
wer sich entzückte Ahs und Ohs erwartet,
nimmt schleunigst Butter, Zucker und auch Ei
-und was noch kombinierbar scheint geartet.
Ist's Mazi, die den güldnen Löffel schwingt,
o Schleckermaul, so wirst Du bald erahnen,
was Dir der 5-Uhr-Tee behende bringt:
genau, die Schokoschnitte mit Bananen.
Als Boden findet Mazi es apart,
sich nicht mit schweren Massen abzuquälen.
Sie nimmt den Schokomürbteig einer Tarte
und manchmal auch Biskuit, da kann man wählen.
Ist dann der Boden fertig, soll man rasch
sich um die Schokocreme, die drauf kommt, sorgen.
Sehr lecker macht sich da eine Canache,
und die bereitet man sogleich am Morgen.
Ein halber Liter Obers ist genug,
dazu 200g Lindtschokolade,
die kocht man hurtig, aber auch sehr klug,
mit einem Wort: geduldig. Es wär schade,
wenn, durch die Hitze des Gefechts verbrannt,
die Creme nur Stoff zum Kompostieren böte.
Drum eil mit Weile, hier wird nicht gerannt,
sonst kommt man in so manche argen Nöte.
Die Creme, sobald sie etwas ausgekühlt,
wird mit dem großen Schneebesen geschlagen
und auch ein bisschen härter aufgewühlt,
sodann ins richtig Kühle raus getragen.
Erst jetzt, o Freund, jetzt hab den rechten Mut,
den Boden (Du erinnerst Dich, von eben)
hervorzuholen und ihn richtig gut
mit Marmelade oben zu umgeben.
Das soll, wenn alles hinhaut, wie man glaubt,
(man nennt im Fach es gern Aprikotieren)
verhindern, dass die Sache eklig staubt.
Nun kann man die Bananen schon halbieren
und, säuberlich am Boden, Tandardei,
auf ihren angestammten Platz verlegen.
Die Creme ist jetzund wieder an der Reih',
sie wird, bis Muskeln sich beleidigt regen,
von Hand geschlagen, bis sie schaumig ist.
Doch rasch, rasch, rasch, jetzt musst Du Dich echt schleunen,
die Creme soll auf Bananen, nicht zum Mist,
drum sorg dafür, dass wir am End' nicht weinen.
Als Tüpfelchen am i gilt Schokosoß.
Die kannst Du wie Picasso drüber gießen,
in Fäden, Tropfen, Zacken - nicht als Kloß!
Jetzt fehlt erneutes Kühl noch zum Genießen.
Die Uhr schlägt Fünf, die Buben sind verrückt:
"Hurra!", schallt's laut, und "Endlich fertig, Mama!"
Und Mazi bringt die Schnitten, mild entzückt.
"Zwei wilde, g'sunde Burschen, ja, die hama!"
OberkllnerPatzig, 25.08.09 @ 20:30
Bist im Eck, brat den Speck.
Verrühr das Ei mit Parmesan,
nimm dazu Löffel oder Span.
Gar die Pasta bis al dente
Seih sie ab, im Ei sie schwenke
schmeck all das mit Pfeffer ab.
Carbonara, nicht zu knapp!
katiza, 25.08.09 @ 18:18
Seelenfutter
Ich kann es oft genug nicht sagen,
Die Liebe geht halt durch den Magen,
In langen Nächten mit Soul und Wein,
Muss es nicht immer ein Braten sein.
Weil mancher es gern leichter hat
Tut es dann manchmal ein Salat.
Dazu nehm ich der Avocado zwei,
damit die Speise nahrhaft sei.
Die schneid ich in Würfel, kleine, nette
Dazu Saft und Schale der Limette.
Und Ingwer wiege ich ganz fein,
der heizt uns dann beim Essen ein.
Für die sehr pikante Note
noch eine kleine Chilischote.
Vom frischen Zeller Blatt und Stange
Gleich ein paar Stück oder eine Lange.
Schließlich füge ich noch bei,
von der Mangofrucht ,der feinen, zwei.
Ein paar schicke Gojibeeren
kann ich mir auch nicht verwehren.
Balsamico, Erdnussöl, Soja – wie man mag.
Das variiert von Tag zu Tag.
Nur zwei Dinge darf man nicht vergessen:
Salz und Liebe gehören in jedes Essen.
Soundtrack: http://www.myspace.com/soulsugarvienna
Paul, 24.08.09 @ 18:37
Man kann es auch singen......
Vor 50 Jahren wurde mir nachfolgendes Lied im Kindergarten beigebracht - und ich bin mir sicher, dass jedes Speising Mitglied es kennt und viele es auch gesungen haben :-)
Backe, backe Kuchen,
Der Bäcker hat gerufen!
Wer will gute Kuchen backen,
Der muss haben sieben Sachen:
Eier und Schmalz,
Butter und Salz,
Milch und Mehl,
Safran macht den Kuchen gel'!
Schieb in den Ofen 'rein.
(Morgen muss er fertig sein.)
Backe, backe Kuchen,
der Bäcker hat gerufen,
hat gerufen die ganze Nacht,
Pauli hat keinen Teig gebracht,
kriegt er auch kein' Kuchen.
PICCOLO, 24.08.09 @ 00:25
@walter Kunz /Trotzdem reimt es sich....
..ganz fein.
Koch doch Fleisch in Wasser ein!
Bald wird es gute Suppe sein.
Petersilie, Salz und von Muskaten -
die Blüte... So wirds gut geraten.....
Zwiebelschale, Knoblauchzeh
Etwas Sellerie - gewiss kein Schmäh...
Lorbeerblatt und ein Schuß Wein.
So wird die Suppe klar und fein.
Lass das Wasser nur nicht wallen.
Dann wird dir das Fleisch gefallen!
Ist´s Fleischerl weich, schneid´s auf sogleich.
Gieß Suppe drauf, dass es gut badet.
Schnittlauch aber auch nie schadet....
Schnell bist du ein Küchenmeister...
Rufst du des Wassers flinke Geister.
Bändigst du sie wachsam dann -
Bist bald ein kleiner Witzigmann.....
walterkunz, 24.08.09 @ 00:09
Die Musen
Ich hab’ sie angerufen, die edlen Musen,
um Trost zu suchen an ihrem Busen,
doch haben sie nicht abgehoben
das Telefon in ihrem Reich hoch oben.
Ich kann nicht kochen, kann nicht dichten,
bin doch der ärmste unter all den Wichten.
--- 04.09.18 @ 20:56
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--- 09.10.17 @ 20:27
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--- 13.10.16 @ 13:42
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Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 12.03. @ 21:46
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33