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SPEISING Open
27.06.11 @ 09:28
Gehen wir bald alle in den Knast?
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Eine schlechte Kritik für ein Nudelrestaurant hat für die Taiwanesin Liu-Ying-hui üble Konsequenzen: Sie entging nur knapp einer 30-tägigen Haftstrafe wegen Verleumdung, muss aber gut 4.800 Euro an das Restaurant bezahlen. Die zwei Jahre auf Bewährung kommen dann auch noch dazu.
Was hat sie verbrochen?
Sie hatte vor zwei Jahren in ihrem Blog geschrieben, das Essen des Nudelrestaurants sei "wirklich schlecht" und einfach "zu salzig". Der Besitzer sei ein "Tyrann" und sein Laden "unsauber mit Kakerlaken".
Für die Richter habe Liu damit "die Grenzen einer angemessenen Kritik überschritten".
Quelle: cte/AFP
Frage an die Community: Wo hört angemessene Kritik auf?
12 Kommentare | Kommentar abgeben
PICCOLO, 04.07.11 @ 21:29
Der Major...
..schreibt nur wenn ihm wer auf den Schlips tritt??? Das wertet ihn nicht auf.
motorradlberger, 01.07.11 @ 20:46
Bravo PICCOLO
Die Gastronomen moderner Prägung leiden am Stockholmsyndrom. Oder mit Busch zu denken: „Ist der Ruf erst ruiniert – lebt es sich ganz ungeniert.
Das muss man auch in einer Plattform wie dieser frei sagen dürfen. Können tut man es sowieso. Und nach dem „Tätschel Du mich im Blog – Tätschel ich dich auch Modus“ arbeitet kein Piccolo, dazu ist er zu „klein“. Diese kleinen Tiere, und davon gibt’s in Österreich immer mehr, haben aber etwas, das schon den Dinosauriern fehlte: im „Bsiness“ den richtigen Riecher. „Selbergschnitze“ machen sich auch ihr Hirn selber. ?!
Währen der Rest der Welt mit ihren Vorbildern Markwarts, Trettls, Kübelböcks und „sowiesos“ ihre Sache gegen die Wand fahren, kriegen andere die Kurve. Ich zitiere aus einer satirischen Zeitschrift vor gut sechs Jahren, da ging es um ein Sternerestaurant das kurze Zeit später schließen musste in etwa so: „Zuletzt gab sich dort das Klientel der Hamburger Wirtschaftspolizei die Klinke in die Hand, bis der Nobelbrutzler selber am Revier saß. Nur da hat niemand mehr geklagt. Ich lauf auch noch frei herum.
PICCOLO, 01.07.11 @ 13:32
Habt Acht - Herr Major..
Sie haben natürlich recht, im Detail schauts nicht so gleich aus und so richtig in den Urgrund der Wahrheit werden Sie und ich nie vordringen.
Nur hier gehts aber auch um einen speziellen Punkt: Knast für Kritiker.
Der Satz mit den schlimmen Bezeichnungen ist im Zusammenhang mit Gasthauspreisen im Umlauf, nicht so hart, aber doch so dass die Meinung dominiert, wer sich um sein Einkommen nicht die Sorgen machen muß, (Banker, Beamte, Politiker usw.) die der Normalbürger hat, sein Geld auch beim Essen "verschwendet". Leicht verdient - leicht verprasst, ist eine ganz einfache Folgerung,,, sie haben das nur noch nicht in Ihrer Nähe gehört....
Wenn ich Kritiker wäre, und ich komme in einem sehr noblen Restaurant mit gewissem Gesindel in Kontakt, dann würde ich mir schon einen Reim draus machen. Für die Speisenqualität hat das keine Relevanz. Das Problem der Kritiker ist aber immer die eigene Delikatessen - Mode die sie in die Restaurants tranponieren.....
Sie schauen zuviel auf den Teller und ins Glas.
Ich esse im Durchnitt des Jahres wöchentlich irgendwo auswärts.
Neulich an einem schönen Oberösterreichischen See:
Fürchterlich angebrannte alt schmeckende ausgetrocnete Reinanke. Eine Gemüseplatte war erst nach schwieriger Rücksprache mit dem Chef möglich - die Beilagen einzeln bestellen oder auf einen Teller zusammen anrichten war nicht ohne Weiteres möglich, dann kam ein Teller mit Gemüselaibchen Marke Tiefkühlkost samt zwei Spiegeleiern, eines zergatscht und in einer Beschamelsoße, der auch das Salz fehlte.
Das Beste waren die Stoffservietten, das Besteck und die Aussicht auf mehrere schöne Boote. Reklamieren wäre zwecklos gewesen, zu uns kamen nur zwei sehr unbeholfene etwa 15 jährige Praktikantinnen.
Keine Kritik auf Speising. Denn kommt Kritik, darf man sicher sein, das geht zu Lasten der Angestellten.
Lieber Herr Major, in eine gewünschte Richtung diskutieren mag ich nicht. Ich gebe Ihnen gerne recht, dass man hierzulande größtenteils verhältnismäßig billig speist.
Major209, 01.07.11 @ 12:24
Piccolo
"Ein paar Straßen weiter ein Gourmetlokal: Mittags zu. Auf der Speisenkarte preiselich nur Sachen, die Drogenbosse, Edelnutten und Strizzis ohne Nachdenken bezahlen könnten.... "
Sagen Sie, Herr Piccolo, welches Einkommen haben Sie denn? Sind Sie Sozialhilfeempfänger? Welches Bild von der Gesellschaft haben Sie? Es gibt tausende Manager, Ärzte, Techniker, die mehr als Edelnutten verdienen (und diese sogar bezahlen können).
Wenn nicht: haben Sie jeglichen Maßstab verloren? Bei uns ist das Essen in Spitzenrestaurants eh so günstig, gehen Sie einmal nach Paris oder London. Oder gehören Sie zu jener Fraktion, die zwar locker ein paar Hunderter für ein Autoersatzteil hinblättert, aber bei 20 Euro für eine Hauptspeise schon einen Schweißausbruch bekommt. Dann allerdings sind Sie hier bei Speising im falschen Forum.
PICCOLO, 29.06.11 @ 14:47
Der Trend
Ich erzähl immer gerne das, was ich selbst gesehen habe. Über einen Betrieb wo neben dem vielleicht unsympathischen Betreiber noch brav arbeitende Mitarbeite sind, schlecht zu kommentieren halte ich für sehr unanständig. Das gehört bestraft!
So wie der Herr so das G´scherr, also ich gehe dort von vorne herein nicht hin. Da hab ich einen guten Blick dafür. Und wenn ich hereifalle und mies speise, dann merk ich es mir.
Zu den Firmen die ich meide gehören für mich alle nicht normal operierenden Gaststätten, vor allem solche wo ein "Sponsor" für die Defizitwirtschaft aufkommt. Ich besuche auch keine geschäftlichen "Stehaufmanderl" - solche die hier eine Pleite dort wie ein Phönix aus der Asche... immer im Gourmetmagazin, Feinschmecker oder Falstaff ganz schnell und sehr gut hervorgehoben.
Bestes Beispiel ein Lokal wo vor Gericht bekannt wurde wie der Salat "an -gemacht" wurde... Hatte vorher zwei Hauben und nachher auch.... Ich würd auch bei einem bestimmten Großkotz in NÖ. nicht speisen.
Also nehme ich mal an, dass die vermarktende auch schreibende Esser - Elite sich kaum darum schert welche ethischen Grundsätze einen Unternehmer in deinem Tun leiten. Daher pfeiffe ich als Wirt auf sämtliche "Auszeichnungen" ich bewerbe mnich nicht darum, kriege ich trotzdem was, gebe ich zu gefällts mit auch. Aber ich lasse dem Zufall vollen Raum. Die Grundsätze der Kritiker sind ja nicht Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern wessen Geld ich kassier, dessen Lied ich sing....
Also geht mir das Gesäusel von den ohnehin niemals ganz nüchternen Schmierern am Gesäß vorbei...
Seit ich mit diesem Gleichmut auch bekannt geworden bin höre ich natürlich immer mehr was im Stroh so raschelt... Gourmet Guides sind endgültig out. Besonders der Falstaff guide, wo jeder sein Sponsoring für gewisse Lokale tun kann wie es ihm beliebt. die Verwandschaft voted, die Lieferanten werden zum Voten sowies stumm erpresst usw...
Die können schreiben was sie wollen, meine Gäste wollen schnell und günstig bedient werden, das Essen soll erkennbar als das was man bestellt hat sein und die Zutaten Vertrauenssache zwischen mir und ihnen... Daruf wird Wert gelegt, zu mir kommen immer noch Leute die vor 25 Jahren auch kamen.
Die Zukunft der Gastrokritik schaut jetzt völlig anders aus. In New York erfährt der Kunde auch den Hygienegrad des Lokals und in Europa wird man bald auch erfahren wie es mit der sozialen Kompetenz den Mitarbeitern gegenüber ist... In Deutschland werden ab einer Frist schon Plaketten für die Bewertung durch das Marktamt vergeben, die an der Eingangstüre schon darauf aufmerksam machen wie die Sauberkeit gehandhabt wird.
Gratis Praktikanten wirds für die Edelgourmettempel praktisch nicht mehr geben, weil die Zeugnisse jener Restaurants immer weniger wert sind. Die Edelkochschwemme ebbt ab. Schwer vermittelbar wegen "überqualifizierung" vielleicht. Es werden ja immer mehr Köche benötigt die Massenverpflegung können, nicht gehypte Edelprodukte aufwärmen und dekorieren.
"Herr Scheff ich war beim lustigen Affen der hat 4 Hauben was verdien ich bei Ihnen?" "Kannstu Topf Steinpilzsuppe von Knorr anrühren - darfstu bleiben....!" Die "Breitenküche ist ein technologischer Dinosaurier. Das Edellokal muß durch Sponsoring am Leben erhalten werden, bietet aber auch kaum mehr grundlegende Ausbildung und arbeitet am Ende auch nur für Leute die sich bald - siehe Großstädte - für ihre Wohlhabenheit in der Öffentlichkeit verstecken müssen...
Und wehe es meckert wer, dann kommt der Anwalt dem das Lokal gehört ins Spiel, da zieht jeder Kritiker den Schwanz ein...
Der Pöbel hat immer auch bestimmt, was schmeckt und was gekocht wird. Edelpöbel oben, die anderen überall.
Ich hab mir letztens in München - als ich in einem türkischen Strassenlokal in Bahnhofsnähe einen Teller Spinat mit Reis und Kichererbsen schmecken ließ, gedacht dass es an der zeit wäre , diese Restaurants auch im Gault Millau zu bewerten. Das Essen wäre mir nach jenen Maßstäben 3 Hauben wert gewesen. Topfrisch, beste Zutaten - konnte man zuschauen, Lokal bum - voll - sehr sauber. Zwei Personen , zwei Speisen mit je 0,5lt Mineralwasser 15 Euro!
Ein paar Straßen weiter ein Gourmetlokal: Mittags zu. Auf der Speisenkarte preiselich nur Sachen, die Drogenbosse, Edelnutten und Strizzis ohne Nachdenken bezahlen könnten....
Gourmetkritik wurde seit jeher "gekauft" - Wie die großen Kritiker auch alle heissen, sie bedienen sich bei den Edelzulieferern, bei Weinbauern die sich Ruhm erhoffen, bei unwissenden Wirten sowieso... Da in Salzburg läuft gerade ein interessanter Prozess mit einem solchen Kapazuder, dem seit 20 Jahren viel nachgesagt wird - aus Fachkreisen....
Und ob uns das freut oder nicht - Kritik für ein Restaurant kann auch verboten werden. Brauchts nur ein formloses Schreiben an den Kritiker.
OberkllnerPatzig, 29.06.11 @ 12:09
Zur Zeit gibt es einen gewaltigen Trend dahingehend, die Genese eines Produkts zu durchleuchten und in die Bewertungen mit einfließen zu lassen. Das betrifft, bis jetzt, aber in erster Linie die Produktion und die Logistik. Der Verarbeiter bleibt da meist außen vor.
Es wäre natürlich spannend, auch die Betriebskultur eines Gastronomiebetriebs auf ethische Kriterien hin zu prüfen und in die Bewertung einfließen zu lassen. So nach dem Motto: Der Salat war lasch, dafür war der Chefkoch nett zu seinem Entremetier (sprich: Salodara) - daher 1plus.
Mir ginge das zu weit.
fine-swine, 29.06.11 @ 10:26
@ok patzig
dem ist zuzustimmen, man sollte das argument allerdings vom catering auf die gesamte gastronomie ausweiten, oder?
in etwa so: in einem wirtshaus darf es so verdreckt und tief zugehen wie nur - solange die gäste davon nix mitkriegen, ist alles bestens, zumindest für die betreiber.
oder hatten sie tatsächlich gemeint, dass es in diesem fall auch für die GÄSTE ok sei?
OberkllnerPatzig, 28.06.11 @ 08:31
@ cmling: Oh, im Singular noch nie gelesen!
@ paulstach: Naja, negative Berichterstattung kann einem Betrieb schon weh tun. Ihr Zugang scheint mir zu radikal, da müssten wir tatsächlich ausschließlich Lob hier auf SPEISING veröffentlichen.
@fineswine: Ich hatte eine Zeit lang im Partyservice gearbeitet, und wie es da hinter den Kulissen zugeht, ist echt tief. Aber solange die Gäste davon nichts mitbekommen, ist es, zumindest für die Gäste, ok.
cmling, 28.06.11 @ 00:41
Was verstehen Sie unter Kritik, paulstach?
De mortuis nil nisi bonum?
fine-swine, 27.06.11 @ 21:54
wo ist denn der prachtskäfer her?
leicht ein strobl?
zum thema möchte ich anmerken, dass zwischenmenschliche unzulänglichkeiten ganz genauso thema einer kritik sein sollten wie soche technischer oder hygienischer art - einfach aus dem grund, dass der gast ja auch ein gesamtpaket kauft, wenn er sich wo reinsetzt.
dieses gesamtpaket darf und soll gegenstand einer besprechung sein - sie darf auch ohne weiteres hart ausfallen, allerdings nur, wenn die faktenlage in ausgewogener, durchargumentierter form so geschildert wird, dass sie für den leser nachvollziehbar ist.
wenn in einer bude die kakerlaken das kommando übernommen haben, dann muss das so geschrieben werden können. anderseits sind mutwillig bösartige besprechungen natürlich zu ahnden wie jede andere form von geschäftsschädigung auch.
paulstach, 27.06.11 @ 16:32
Angemessene Kritk hört dort auf, wenn ein Schaden für das Restaurant entstehen könnte.
Diese Konsquenzen wie in Taiwain sollte es auf der ganzen Welt geben.
OberkllnerPatzig, 27.06.11 @ 12:06
Ein Versuch, sich an die Grenze heranzutasten:
Es gibt meines Erachtens technische Fehler beim Kochen:
Knoblauch bitter, Gewürze angebrannt, Frittieröl bereits multipel im Einsatz, versalzen ...
Diese Fehler kann man durchaus monieren.
Es gibt dann die persönliche Geschmacks-Ebene:
"Schmeckt mir nicht, liegt mir nicht, mag ich würziger, ist mir zu fade, ..." Solange diese Kritik explizit persönlich bleibt und nicht auf eine allgemein zu geltende Ebene gehoben wird, ist sie wesentlicher Bestandteil einer ausführlichen Beschreibung. Das gilt übrigens auch für Lob.
Gratwanderungen:
Ich kritisiere ungern Portionsgrößen und Preise. Erwähnt werden sollten diese Parameter im Rahmen einer Beschreibung aber auf jeden Fall.
Zwischenmenschliches:
Ob der Küchechef zu seinen MitarbeiterInnen nett oder garstig ist, gehört meines Erachtens nicht in eine Restaurantkritik. Ein positives Klima kann man indes schon hervorheben, wirkt es sich doch auch positiv auf die Gäste aus.
Hygienestandards:
Müssen erwähnt werden, wenn sie nicht den Standards entsprechen. Eine Kakerlake hinter der Schank, oder eine Maus im Gastgarten oder im Lokal regen mich aber nur dann auf, wenn das Lokal vergrindet ist - wobei dann wahrscheinlich die Hygiene der Gäste das größere Problem ist ...
--- 04.09.18 @ 20:56
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