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SPEISING Open

16.02.15 @ 21:34

Idiotische Messer

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Die Tische sind kreativ geschmückt und eingedeckt, Gedeck, Amuse und erster bis dritter Gang haben ganz vorzüglich geschmeckt. Jetzt kaumt der Hauptgang. Für sie, natürlich, der Fisch - filetierter Leinengeangelter Angler nebst farbenfrohem Gemüse. Dazu wird das Fischmesser eindeckt. Damit kann man das zarte Filet problemlos in mundgerechte Portionen teilen, nicht jedoch das modern, also knackig bis roh belassene Gemüse. Das schafft kein Fischmesser dieser Erde. Besonders bemitleidenswert dann jene EsserInnen, die am Teller Lauch oder Jungzwiebel mehr oder weniger im Ganzen vorfinden. Die langen Fasern dieser Gewächse lassen sich auf Porzellan nur von den schärfsten Messern querteilen.

Sie hat den Fisch, dann hat er wohl das Steak bestellt. Bevor dieses serviert wird, geschieht noch ein flinker Messeraustausch durch kundiges Personal, oft mit großem Gestus. Denn ein Steakmesser hat nun die Hauptrolle. Die feinsten Lokale übertreffen einander in der Wahl ihrer Steakmesser. Während es früher schlanke Klingen mit zackenscharfem Wellenschliff waren, sind es nun handveredelte Gesamtkunstwerke, welche die Distinguiertheit des Patrons unterstreichen sollen. Damaszenerklingen, 256-tausendmal gefaltet und vom einzig dazu befugten japanischen Großmeister, er wird dieses Jahr 107 Jahre alt, gewetzt. Der Griff aus 2000 Jahre altem Treibsandholz, aus dem Kreuz Jesu´ aus der vatikanischen Unterkirche geschnitzt und mit Weltraumstrahlen geglättet. Mindestens. Diese Messer sehen nicht nur höllenscharf aus, sie sind es auch.

Scharf und idiotisch in ihrer Botschaft. Denn was für ein Fetzen Fleisch ist zu erwarten, wenn ich so ein Messer dazu brauche? Das muss wohl der zäheste Lappen aus dem Tiefkühlfach sein, der ruckizucki in der Mikrowelle aufgetaut wurde. Brrrr! Brauchens gar nicht erst zu servieren ...

Doch halt,
die Frau am Tisch kann ja mit dem Fischmesser ihr Gemüse nicht schneiden - ihr kann man das schneidige Kunstwerk anbieten. Denn ist das Fleisch des Steaks gut gereift und noch besser gegart, dann sollte, wie es in Haro, Rioja, nicht unüblich ist, die Schnittfläche eines zertrümmerten Tontellers reichen, mundgerechte Stücke dem beistelltischgroßem Fleischtriangel zu entnehmen. Im Zweifelsfall tut es ein Löffel auch.

Patronessen und Patrone, spart Euch das Geld für teure Messer, kauft lieber teures Fleisch!

OberkllnerPatzig

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