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04.05. @ 23:24

Biodynamie, der Frost und das Dilemma

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Man hat es nicht leicht als Weinbauer und Winzerin. Die Jahreszeiten, das Wetter, das Klima, die wechselnden Geschmacksmoden, der billige Import, … wenn man mit WinzerInnen spricht, wundert man sich, dass sich noch jemand für diesen Beruf entscheidet. Den Wirten nicht unähnlich, by the way.

Und manche unter den WinzerInnen haben es besonders schwer. Nämlich jene, die sich zusätzlich dem Umweltschutz verschrieben haben, sich das zertifizieren lassen und mitunter auch ein eigenes Label gründen, um auf den hohen Aufwand hinter ihren Tätigkeiten und die entsprechende Wertigkeit ihrer Weine hinzuweisen. Nachhaltiges, ökologisches, naturnahes Wirtschaften ist deren Credo, ein respektvoller Umgang mit Mutter Natur folgerichtiges Ergebnis. Dazu vergraben sie, neben vielen sehr sinnvollen Tätigkeiten, auch mit Dung oder Quarzsand gefüllte Kuhhörner und sammeln darin kosmische Energie. Sie setzen eigene Präparate an und bringen diese dann nahezu homöopathisch in ihren Weingärten aus. In ihrer Sorge um Mutter Natur und ihre Weinstöcke scheinen sie unübertreffbar.

Doch dann kommt die nächste Frostwarnung, übrigens keine Seltenheit im April, und schon werden alle Prinzipien über den Haufen geworfen. Denn dann zünden sie als Frostschutz Strohballen in ihren Weingärten an. Und schneller und effizienter kann man kaum Giftstoffe in der Umwelt unterbringen, als durch das Verbrennen von Stroh. Hier der Originaltext von Rudolf Orthofer, Österreichischer Naturschutzbund, Natur und Land 77. Jg. (1991):

Bei der ... Verbrennung (von Stroh, Anm.d.Red.) entstehen eine Reihe von Emissionen, die in Summe doch zur Sorge Anlaß geben und zum Nachdenken über mögliche Emissionsminderungen zwingen. Im folgenden werden die wichtigsten Emissionen näher benannt. Kohlenmonoxid (CO) ist ein Atemgift für Menschen und trägt außerdem zur langfristigen Zerstörung unserer Atmosphäre bei, indem daraus schädliches troposphärisches Ozon entsteht. Auch aus den meist etwas vereinfacht „Kohlenwasserstoffe“ genannten unverbrannten flüchtigen organischen Verbindungen (NMVOC) wird Ozon gebildet, v.a. in den bodennahen Luftschichten, dort wo es für Menschen und Pflanzen besonders schädlich ist. Methan (CH4) ist auch ein Kohlenwasserstoff und wird wegen seiner besonderen Eigenschaften meist gesondert von den NMVOC betrachtet. Methan trägt wie CO zur langfristigen Zerstörung des atmosphärischen Gleichgewichts bei, zusätzlich ist es aber auch ein gegenüber dem CO2 20 - 60 mal wirksameres Treibhausgas, ist also einer der Hauptverursacher des Treibhauseffekts. Schließlich entstehen bei der unvollständigen Verbrennung viele kleine und kleinste Partikel („Staub“), in denen eine Vielzahl von verschiedenen chemischen Substanzen enthalten sind, die häufig stärkste Zellgifte und Krebserreger sind. Als Beispiel seien hier die polyzyklischen aromatischen Verbindungen (PAH) und die aus der Müllverbrennung bekannten Dioxine (PCDD/ PCDF) erwähnt.

Die biodynamisch arbeitenden WinzerInnen stehen natürlich vor einem Dilemma: Riskieren sie einen frostbedingten Ernteausfall, aber bleiben ihren Prinzipien treu – oder blasen sie anständig karzinogene Zellgifte durch die Rebreihen, aber sichern so ihren Ertrag? Schwierig. Ich kann beide Entscheidungen nachvollziehen. Sollten sich die biodynamisch arbeitenden Weinbäuerinnen aber für die zweite Variante, also Ertrag durch Gift, entscheiden, dann wäre es mehr als nur ok, wenn sie 2017 Begriffe wie naturnah, ökologisch, biodynamisch, demeter oä. von ihren Etiketten strichen. So ehrlich sollten sie sich und den Konsumenten gegenüber sein. Dann haben sie meinen Respekt.

Gregor Fauma

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