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Das Weinlog

06.11.06 @ 22:39

Winzerlatein

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Eigentlich dürft's ja nur tolle Weine aus vorbildhaft gepflegten Weingärten geben, wenn, ja wenn wir den Winzern wirklich alles glauben würden, was sie den lieben langen Tag so erzählen. Vielleicht versteh' ich aber nur deren Sprache nicht, und das, obwohl ich ja in Latein maturiert habe, zugegeben, mehr schlecht als recht. Da ist regelmäßig von "naturnahem Arbeiten im Weinberg" und "möglichst wenig Eingriffen im Keller" die Rede, was natürlich genauso unverbindlich wie inhaltsarm ist. Ein Rundgang durch Weinberg und Keller schafft da rasch Aufklärung.

"Nur gesundes Traubenmaterial wird verwendet", das "schonend und langsam verarbeit wird", heißt es da, gar manche "suchen bewusst den Hefekontakt". Die Weine jedoch werden bewusst reduktiv ausgebaut ("die Frucht muss erhalten bleiben") und noch vor Weihnachten abgefüllt. Für Fülle und Komplexität sorgt auch hier nicht selten Botrytis, wenn's sein muss auch schlechte.

Aber die Winzerprominenz hat selbstverständlich immer recht, wenn wie hier nachzulesen, pauschal behauptet wird, dass "ohne künstliche Bewässerung in der Wachau keine Terroirweine möglich sind" - genauso gut hätt' er die vielfach eingesetzte mineralische Düngung nennen können - oder "Spontanvergärung in Österreich kein Thema ist" [und die höchstens zu fehlerhaften Weinen führt]. Immer häufiger gewinne ich den Eindruck, dass solche Killerphrasen als Alibi für zumindest diskussionswürdige Praktiken in der Weinbereitung dienen.

Dabei entlarvt schon einfaches Nachfragen manche Aussage des Spitzenwinzers als pure Marketingblase. Weder konnte mir einer unserer Starwinzer den Ausdruck Urgestein erklären, noch war der Inhaber eines großen Deutschen Renommierbetriebes, der sich gerade in der Umstellung zur Biodynamik befand, mit deren Inhalten auch nur ansatzweise vertraut. Wie auch, wenn Cash-flow, PR und Lobbyarbeit mit Politik und Wirtschaft das eigentliche Winzerhandwerk längst verdrängt haben. Aber Schlagwörter wie Biodynamik und Urgestein klingen halt auch auf diesem Parkett toll.

Verständlicher ist da schon ein anderer, vielleicht der Terroirwinzer überhaupt im deutschsprachigen Raum, wenn er sich in einem Interview in der aktuellen Vinaria zum Einsatz von Herbiziden (konkret Roundup) bekennt. Gut oder schlecht, richtig oder falsch, traditionell oder modern ist eben doch mehr als pure Schwarz-Weiß-Malerei. Aber halt nicht ins Winzerlatein zu übersetzen.

Wer kann über ähnliche Erlebnisse, die einen Dolmetscher benötigen, berichten?

7 Kommentare | Kommentar abgeben

andreasbigler, 07.11.06 @ 19:20

Künstliche Bewässerung ......
Was ist daran auszusetzen, außer dass ich es technische Bewässerung nenne, weil es ja ganz natürliches Wasser ist, das dort hingepumpt wird, wo es benötigt wird. Dieses Hilfsmittel stört mich am aller wenigsten!

alma, 07.11.06 @ 15:18

naturnah
Integrierte Produktion oder auch "naturnah": Da sind von chemischem Dünger über Herbizide und Fungizide bis Insektizide alle Frählichkeiten dieser Chemiewelt erlaubt - in bestimmter Begrenzung. Aber eben erlaubt.

So nah an der Natur!

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