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Landgut Gasthof Fischtagging (Seekirchen am Wallersee)

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Ein schön gelegener Hof zwischen Seekirchen und Henndorf über dem Wallersee. Fast unglaublich, dass sich das Gasthaus Taggingerhof seit es 1857 erstmals erwähnt wurde immer im Besitz der Familie Weindl befindet.

‘Carl Zuckmayer Lieblingsplatz Taggingerwirt’
- steht an einer in Holz geschnitzten Tafel an der Hausmauer beim Eingang.

Der Deutsche Schriftsteller verlegte in den 1930er Jahren seinen Lebensmittelpunkt immer mehr nach Henndorf am Wallersee, dem zur Stadt Salzburg am nächsten gelegenen See. Dort verbrachte er mit seiner Frau Alice wie er in seinen Memoiren schreibt ‘Jahre wie im Paradies’.

Das Landhaus der Zuckmayers
wird zu einem Ort der Begegnung für Schriftsteller und andere Künstler, die hier (noch) Zuflucht vor politischer Verfolgung und finanziellen Schwierigkeiten fanden. Man begründete den Henndorfer Kreis, eine lose literarische Vereinigung, der unter anderem Ödön von Horváth, Stefan Zweig oder Johannes Freunbichler (der Großvater Thomas Bernhards, der im Nachbardorf Seekirchen wohnte) angehörten.

1938 sah sich Zuckmayer,
der öffentlich gegen die Nazis Stellung bezogen hatte und dessen Werke schon seit 1933 in Deutschland verboten waren zur Flucht gezwungen. Buchstäblich im letzten Moment, als Rollkommandos bereits das Haus in Henndorf besetzt hatten um ihn festzunehmen. Das Ehepaar Zuckmayer sollte nie mehr nach Salzburg zurückkehren.

Jedes Mal
wenn ich von ‘Zuckmayers Seite’ auf den See schaue fällt mir diese Geschichte und unsere wenig rühmliche jüngere Vergangenheit ein.


Dass es rund um Salzburg
wirklich besonders schön ist und dass Zuckmayers, bis zu ihrer Vertreibung, hier einen einmaliges ‘Platzerl’ gefunden hatten, kann man im Fischtagging Gastgarten gut nachvollziehen.
Noch mehr, wenn man zuvor am See spaziert oder rund herum geradelt ist.
Keine Frage, dass einem dann das Essen besonders gut schmeckt. Aber auch, wenn man aus der Stadt Salzburg mit dem Auto in etwa 20 min hinausgefahren ist, um etwa dem Festspieltrubel zu entkommen. Das tun im Sommer gerade Insider oder Mitwirkende gerne, denn in der Umgebung ist nicht viel Vergleichbares zu finden.

Die Attraktion der Karte
erwartet den Gast oft schon auf der Wiese. Die Weindls zählen zu den wenigen, die Hochlandrinder selbst züchten. Die Schlachtung wird am eigenen Hof vorgenommen und das Fleisch in der eigenen Küche verarbeitet.
Als Einstieg probiert man am besten ein Carpaccio, das Fleisch ist leicht marmoriert und sehr aromatisch. Der dazu servierte Vogerlsalat ist eigentlich zu kräftig zu den unglaublich zart schmelzenden Scheiben, auch der ‘Balsamico’ arbeitet gegen den feinen Geschmack, der ‘Erdäpflkas’ unterstreicht diesen wesentlich besser.

Danach würde ich die Tafelspitzsulze empfehlen,
die manchmal mit Käferbohnen und Kernöl, manchmal mit roten Linsen angeboten wird, was beides wirklich gut passt.
Von den hübschen Zottelrindern, denen man vorher nicht zu tief in die braunen Augen schauen sollte, kommen auch der Burgunderbraten mit Gemüse, Knödl und Preiselbeerobers, der Zwiebelrostbraten von der Beiried mit Rösti (Gröstl würde mir besser gefallen) und Gemüse sowie das Steak zu ca. 160 g oder 250 g vom Grill mit Kräuterbutter, würzigen Erdäpfelspalten und gegrilltem Gemüse, oft gibt es auch ein Highlandergulasch.
Letzthin fand sich Krenfleisch auf der Karte, in Salzburg natürlich vom Rind und nicht vom Schwein, bei den Weindls vom Hochlandrind. Das Fleisch war kräftig, galertig durchzogen, und das mag heute schon eher der Kenner.

Typische Salzburger Gasthaus Speisen werden angeboten, aber dann haben sich auch Rasnici und Cevapcici an den Wallersee verirrt. Die machen sich ganz gut da, nur insgesamt ergibt das natürlich noch keine ‘Küchenphilosopie’.
Gerichte von der Leber wurden leider kürzlich von der Karte gestrichen.

Fisch
gibt’s vom einzigen Wallerseefischer, ‘dem Kapeller’. Und da der vom See ja nur ‘heraufspringen’ muss kann man den Fischen vertrauen; der Zander schafft das leider viel zu selten.

Beliebt im Flachgau wie in Oberösterreich, was ja nahe beieinander, liegt sind auch die kleinen Gramml-, Haschee-, Selchfleisch- od. gemischte Knödl mit Specksauerkraut.

Erfreulich die saisonalen Gerichte, im Frühling etwa Brenneselsuppe und im Herbst Wildgerichte, oder alle Jahre wieder zur Schwammerlzeit selbstgemachte Steinpilzravioli – so ziemlich die besten, die ich kenne!

Über diverse Fitschlemmereien will ich nichts sagen, da die zu den Gerichten gehören, die mich im Restaurant immer langweilen: Putenstreifen, Thunfischsalat, Mozzarella und Tomaten ...
Der Suppenfreund hat immer eine große Auswahl, aber die klaren Rindsuppe war, wie fast immer im Gasthaus, zu stark gesalzen, auch wenn die Frittaten, Leberknödel oder Fleischstrudel verlockend sind.

Auf der Nachspeisenkarte sind neben der jeweiligen aktuellen Spezialität, und dem unvermeidlichen Eis, wie zu erwarten Palatschinken und der Kaiserschmarrn vertreten. Die immer öfter in der Gasthausküche auftauchenden Heidelbeerdatschi sind aber auch hier nicht so gut wie man sie selber machen kann, wenn man frische Waldheidelbeeren zur Hand hat.
Interessant ist der Topfenauflauf, der sehr leicht aber dabei keine kleine Portion ist. Das Fruchtstanitzl (viel Schlagobers!) gefällt vielleicht den Kindern, um die man sich hier sehr annimmt und die draußen am großen Spielplatz herumtollen können.

Die Weinauswahl
ist klein und fein, braucht aber nicht besonders erwähnt zu werden. Bier vom Fass gibt’s jetzt Zipfer Märzen, Stiegl Zwickl und die schon besondere bayrische Schönramer Festweisse. Über den guten naturtrüben Apfelsaft freue ich mich immer, wenn mein Auto am großen Parkplatz steht.

Zur Nichtraucher-Gaststube sei noch gesagt, dass sie bei der am Land (leider) üblichen Einrichtung auch einiges Ungewöhnliche aufwarten kann, ein gar romantisch, naives Wandbild mit weißen Hirschen, oder einen Wurlitzer mitten im Raum, den ich aber noch nie spielen gehört habe.
Nicht vergessen darf man die nette Bedienung durch die Weindls zu loben!

mirin

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Speising sagt

sehr gut

empfohlen am 06.11.13 @ 14:05

Adresse

Fischtagging 8
5201 Seekirchen am Wallersee
Telefon: 06212.2328 oder 0664.5124096
Email: johann.weindl@gasthof-fischtagging.at

Ruhetag(e): Mi, Do
Küchenzeiten: täglich 11-23 Uhr
Menüpreis: €€

Inhaber: Familie Hans und Maria Weindl
Besonderheiten: Geöffnet ist von 10 bis 24 Uhr, aber Achtung - man isst, außer im Sommer, hier eher um 18h als um 21 Uhr, da ist es oft schon so ruhig, dass man die Runde an der Bar eigentlich nicht mehr stören möchte. (Oktober bis März - Freitag ab 16 Uhr)

www.gasthof-fischtagging.at

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