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Wladimir (Wien)

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Für eine Stadt, die Herzmanovsky-Orlando dereinst als „Mongolendrüse Europas” rühmte, ist die Osteuropa-Gastronomie nach einem wahren Boom in den 60er und 70er Jahren nur noch spärlich ausgeprägt: ein lieber Tscheche (”3 Buchteln”), ein paar anheimelnd altmodische Ungarn (Kardos, Ungar-Grill, Ilona), ein rumänisches Café (Georgina), ein alteingesessener Fancy-Russe mit Touristen-Appeal („Feuervogel”), der Rest ist kaum nennenswert. Ja, und dann wäre da noch Herr Wladimir Baranov. Wer ihn einmal in voller Aktion erlebt hat, vergisst ihn nicht so schnell. Der Mann ist in jeder Hinsicht eine Wucht. In seiner Kulakentracht sieht er aus wie Iwan Rebroff ohne Bart und parliert wie Schwejks russischer Cousin. Auch die beiden emsigen Damen in der Schauküche rühren den Borschtsch-Topf in altrussischer Tracht um.

Seinen Namen, so erzählt Herr Wladimir, betont man im Russischen eigentlich auf der zweiten Silbe. Doch da ihn in Österreich jedermann auf der ersten Silbe betont, ertappt er sich mitunter selbst schon dabei, daß er den Hörer abnimmt und seinen Vornamen falsch ausspricht. (Ob das jene Art von Ausländer-Integration ist, die manche Politiker ersehnen?) Das Restaurant Wladimir ist dennoch nicht nach seinem Patron, sondern nach der gleichnamigen russischen Stadt benannt, die im frühen Mittelalter — lange vor Moskau — Hauptstadt des russischen Reiches war und auch Baranovs Geburtsstadt ist. Seit einigen Jahren führt der russische Englischlehrer, der in den Westen kam, in einer ehemaligen Pizzeria, die er flugs von „Caprifischern” auf „Zarewitsch” umdekoriert hat, gemeinsam mit seiner Frau ein Spezialitätenlokal, das sich weniger auf Caviar, Krimsekt und Co., sondern auf unverfälschte Speisen aus der russischen Landesküche konzentriert. Der Bogen reicht von interessanten Sakuska-Happen wie Matjes mit Zwiebeln, gehacktem Ei, Kartoffeln und roten Rüben über mit Sauerkraut gefüllte Blinis bis hin zur originalgetreuen Hühnerbrust Kiew (jene opulente Sorte, aus der nach dem Anschneiden ein ganzer Butterschwall austritt).

Die eigentliche Spezialität des Hauses sind jedoch — neben dem hausgebrauten Gerstentrunk „Kwas” — die in einer bunt bemalten Holzschüssel mit einem Holzlöffel servierten Palmeni, die als sibirische Antwort auf Italiens Ravioli so vorzüglich munden, dass der Chef des Hauses glaubhaft versichern kann: „Ich habe schon fünfzig Palmeni hintereinander gegessen, und dass es nicht noch mehr wurden, war letztlich nur eine Frage der Vernunft, nicht eine des Appetits.”

5 Kritiken | Kritik verfassen

Speising sagt

empfehlenswert

ø 2.00 Punkte (6x bewertet)

empfohlen am 10.02.04 @ 17:01

Adresse

Bürgerspitalgasse 22
1060 Wien
Telefon: 01.595 25 24
Fax: 01.595 25 24

Ruhetag(e): Mo
Küchenzeiten: Di-So 17-23 Uhr
Menüpreis: €

Inhaber: Vladimir Baranon
Küchenchef: Nathalia Baranon
Kreditkarten: Visa, Mastercard, American Express, Diners Club

www.wladimir.at

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