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Das Weinlog
03.06.04 @ 12:10
Crémant oder es muss nicht immer Champagne(r) sein
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ein Grund zu Feiern scheint mir die Eröffnung von Traubing allemal und es hat (aus für mich noch nicht ausreichend erforschten Gründen) Tradition, Feiern vorzugsweise mit Schaumwein zu begehen.
Das Maß aller Dinge ist hier ohne Zweifel derjenige aus der Champagne, auch wenn die Legenden besagen, seine Entstehung sei lediglich dem Verlangen der Engländer nach immer jüngerem Wein zu verdanken. Das habe soweit geführt, dass noch nicht gänzlich durchgegorene Weine in Flaschen gefüllt und nach England verschifft wurden. Auf der Reise hätten sie dann den Rest der Gärung hinter sich gebracht, was nicht nur zu einer beträchtlichen Anzahl zerborstener Flaschen geführt, sondern auch das besondere Entzücken der Empfänger hervorgerufen haben soll.
Bei dem zwar möglicherweise prickelnden aber zwangsweise trüben Gebräu ist das zwar schwer vorstellbar, aber bei den Engländern gelten wohl andere Gesetze. Der Rest ist inklusive Benediktinermönch, Witwe und den anderen Beteiligten (bekannte) Geschichte.
Laut Annalen hat dies so um 1660 begonnen, doch eine andere Region Frankreichs nimmt für sich in Anspruch, die Flaschengärung schon 130 Jahre zuvor erfunden zu haben. Im südfranzösischen Limoux wurde angeblich bereits im Jahr 1531 ein durch Flaschengärung entstandenes prickelndes Getränk hergestellt. Auch hier waren Benediktiner am Werk. (Was immer daraus zu schließen ist)
Heute gibt es meines Wissens neben Champagner sieben weitere Regionen Frankreichs, in denen gemäß einer AOC Schaumweine produziert werden: Alsace, Bordelais, Bourgogne, Die, Jura, Limoux und Loire.
Seit vielen Jahren gehört eine meiner großen Vorlieben dem Burgund, und so verkoste ich zur Feier des Tages eine Flasche Crémant de Bourgogne. Diese Appellation existiert erst seit dem Jahr 1975 und sie ist damit (wie auch die anderen Crémant AOCs Frankreichs) vergleichsweise jung. Ungeachtet dessen wurden auch schon früher in vielen Regionen schäumende Weine produziert, nur halt noch ohne AOC. Die Produktion der Crémants erfolgt ähnlich wie die der Champagner, nur sind die zulässigen Rebsorten jeweils regional unterschiedlich geregelt. Auch kommen die Crémants meist früher in den Verkauf als - zumindest hochklassige - Champagner. Dennoch können auch Erstere durchaus von einer Lagerung profitieren.
Einer meiner Favoriten unter den burgundischen Crémants wird von dem in Rully ansässigen Haus Vitteaut-Alberti produziert, das sich seit über 50 Jahren der Herstellung von Crémants aus den Rebsorten Pinot Noir, Chardonnay und Aligoté verschrieben hat. Neben dem Standardcuvée aus Chardonnay, Aligoté, und Pinot Noir und einem zu 100% aus Pinot Noir hergestellten Rosé wird ein feiner Blanc de Blancs aus 50% Chardonnay und 50% Aligoté produziert:
Vitteaut-Alberti Blanc de Blancs Brut (2001)
Frische Nase mit einem Hauch Zitrus. Attraktiv und klar. Am Gaumen zunächst relativ leicht wirkend. Dabei guter Zug, elegant und etwas mineralisch. Feines, cremiges Mousseux. Ein Hauch von Birne und gerösteten Mandeln. Gute Säure. Lebendig. Im Abgang eine Andeutung von Süße. Überraschend gute Länge. Tolle PQR. 16.5P
Bezugspreis vor Ort: ca. 7€ und in Österreich - meines Wissens - nicht erhältlich.
Durch diesen Preis erfüllt er ja bedauerlicherweise nicht die Aufnahmebedingungen für den "Club 08/15" aber eventuell könnte man virtuelle Transportkosten in Rechnung stellen oder ihn einfach als Ehrenmitglied aufnehmen.
Der Umstand der Nichtverfügbarkeit in diesem Lande und die Tatsache, dass sich bei Freunden und Familie bereits Anzeichen von Entzugserscheinungen bemerkbar machten, war auch eine der rationalisierten Begründungen über Pfingsten einen kurzen Abstecher in das leicht verregnete Burgund zu machen.
Davon vielleicht bei nächster Gelegenheit mehr.
- hs
8 Kommentare | Kommentar abgeben
katiza, 05.06.04 @ 19:46
denn das Gute liegt so nah
Auch ich glaube an das Naheliegende - mich hat erst letztes Jahr die prickelnde Quadrophonie (Winzersekt 1999) vom Weinquartett in Donnerskirchen empfohlen von einem meiner Lieblingsurlaubssommeliers - ich grüße den Ludwig im Böglerhof in Alpbach - entzückt. Erstanden habe ich ihn beim Leopold Sommer in eben Donnerskirchen, dessen Frau den für eine Winzerin optimalen Namen Silvana trägt. Irgendwie war das für mich auch eine Horizonterweiterung, geschätzte Frau alma.
alma, 04.06.04 @ 20:37
"wozu in die ferne ...
... schweifen" scheint ein beliebter Ausruf hier zu sein, und sicher haben heimische Gewächse und die aus ihnen entsprungenen Säfte ihre gloriosen Meriten - ich denke da zb an die üppige Frucht von Steiningers Rieslingsekt (wer's mag natürlich) - aber was spricht gegen Horizonterweiterung? Und bringt nicht die Ferne auch wieder andere Nähe zur Nähe?
Ich gestehe, ich hätt gern einen Crémant um 7 € lagernd, um gegen die grassierende Prosecchitis stilvoll anzukämpfen!
andreasbigler, 04.06.04 @ 19:31
Ich bin doch wirklich ein Trottel!
Zu blöd um eine richtige URL anzugeben. Auf der Breuer - Site kann man nicht sofort auf deutsch einsteigen, aber die sollte funken:
http://www.georg-breuer.com/
Ich hab noch nix getrunken, entweder bin ich so, oder ich brauch einen Schluck. Ich werd das mal überprüfen und wer das Ergebnis wissen will, der kann ja nachfragen....
Sorry und LG
Andy Bigler
andreasbigler, 04.06.04 @ 19:22
Na endlich....
Ich hab schon befürchtet es könnte nur noch schlau und fad sein, aber man lernt ja nie aus!
@" jamiesolive": Gehört hab ich eh nix, aber ein wenig gelesen und das ist o.k.; wenn etwas schmeckt, dann kann es doch nur um so besser sein, wenn es noch günstiger ist, als man dachte! Und ich hoffe nicht, dass der alte Mondavi den Opus selber gerne trinkt, denn er hat wesentlich Besseres, was nie wirklich in den Verkauf gelangt. Und wenn wir schon im "Terminatorland" sind, dann muss ich dir sagen, dass ich aufs Nappa z.B. voll stehe. Es gibt sogar sehr viele Regionen außerhalb Österreichs wo ich mich ganz wohl fühle, sogar bei meinen Lieblingsnachbarn...
z.B.: http://www.georg-breuer.com/dstart/dstart.html
2.) "Blindverkostungen" sind immer toll, aber ohne dämlichem Ratespiel: Woher, von wem, Jahr, Sorte, Uhrzeit der Lese? Ich hab das oftmals in meiner Vinothek gespielt (ohne Ratespiel), man kann gar nicht glauben wieviel "mag ich nicht - Weine" zu Lieblingsweinen wurden. Wein macht also nicht nur lustig, manchmal macht ER sich lustig!
3.) "daisyduck": Gott sei dank gibt es dich noch, ich dachte schon ein "Gierrammel" hat dich zubereitet, aber anscheinend kriegen jetzt alle endlich mit, dass du nicht gebraten wirst! Wegen des Gänseweins muss ich dich enttäuschen, ich trink davon sicherlich mehr als vom "Rauschsaft". Für mich ist nämlich das Leitungswasser das Beste was Wien zu bieten hat. Nein liebe Wiener, jetzt nicht gleich wieder wie wild posten, denn ich sagte ja nicht das einzig Gute....
daisyduck, 04.06.04 @ 14:30
Gehirnwindungen
Als Veggie-Ente bin ich über das Winelog recht froh, weil CW seinen notorischen Blutdurst hier offensichtlich an Schlachtina-Geschichten abreagieren kann und keine grausigen Schlachtgeschichten über Siebenschläfer und dergleichen zu erzählen braucht.
Obwohl nur eine Ente, habe ich damit, vier ReferentInnen zu folgen (wo ist eigentlich der/die Vierte?) eigentlich kein Problem. Ich kann Herrn Bigler aber mein Lebensmotto mit auf den Weg geben, das von einer Ente namens Shakespeare stammt. Es lautet:
„Der Wein steigt in das Gehirn, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von feurigen und schönen Bildern."
Also nur Mut, mein Freund. Und nicht zuviel Gänsewein trinken!
03.06.04 @ 00:02
speising – traubing – broeding
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oder:
Vom Ruhme des „Oesiweines” im Nachbarlande
Wenn eine große österreichische Weinvertriebskette im hoffentlich wonniglicheren Monat Juno mit den vielleicht „besten Weißen der Welt” wirbt, so subsumiert dies durchaus den Anspruch, überhaupt ziemlich gute Weine hierzulande produziert zu sehen.
An einem lauen, ja föhnigen Maientage sitzt der Münchner gerne in seinem Biergarten.
Was haben – so fragen Sie zurecht – diese beiden Sätze miteinander zu tun?
Nun, wenige Tage, bevor ganz Wien sich auf der VieVinum in der Hofburg tummelt, strömte die zumindest halbwegs austrophile Gesellschaft Münchens – eben einem solchen verlockenden Biergarten-Maitag widerstehend - auf die Praterinsel (sic!), um sich dem österreichischen Weine zu widmen. Während sich zu ebener Erd die Wachauer und Steirer mit Blick auf die erfrischenden Fluten der Isar regen Zuspruchs von Beginn an erfreuen konnten, mussten sich die Burgenländer und Carnuntianer im Souterrain ein wenig gedulden. Dass aber der österreichische Wein überhaupt so gezielte Aufmerksamkeit erregt und auch, wie immer wieder zu vernehmen war, vertiefte Kenntnis erfährt, ist nicht zuletzt einigen Münchner Vinotheken zu verdanken, die sich der Verbreitung des entsprechenden Ruhmes verschrieben haben. Ob nun "Oesiwein" ein wirklich geglückter Name für die Repräsentation hiesiger Winzerkunst ist, sei dahingestellt , "rotWEISSrot" ist da wesentlich traditioneller, "broeding" aber scheint mir ganz besonders zu speising und traubing zu passen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass neben dem Weinhandel mit ausschließlich österreichischen Kreszenzen auch ein feines Restaurant zum Konzept gehört. (Wer auch noch www und de buchstabieren kann, mag nachlesen)
Neben renommierten Weingütern und klingenden Namen gab es Auftritte von noch zu entdeckenden Persönlichkeiten; in Erinnerung blieben (unter vielen anderen) der Riesling Vom gelben Löss vom Josef Ehmoser aus Tiefenthal/Großweikersdorf sowie die erstmals präsentierten Weine des Rainer Wess, Ex-Geschäftsführer der FWW. Aber davon ein andermal. Ehmosers Riesling jedenfalls, auf tiefgründigem Löss wachsend, schonend gepresst und ganz langsam vergoren, kommt 2003 recht üppig daher, umschmeichelt die Nase mit intensiver Frucht, die – ganz jahrgangsgemäß – in die Exotik hineinreicht, füllt den Gaumen und hat Biss. Ein Wein mit Potential, und mit knapp 10 € perfekt in welchen Club auch immer passend.
-ad-
4 Kommentare | Kommentar abgeben
-ad-, 03.06.04 @ 22:18
ein meer von mehr
Gemach, lieber pivu, gemach! Natürlich gibt es mehr, es gibt immer mehr, aber wir wollen es peu à peu angehen. Ich weiß schon, gefällige Weine, die dem schnellen Trinkgenuss harren und einem breiten Geschmack dienlich sind, finden wenig Achtung vor dem strengen Gaumen der über Jahre und Jahrzehnte geübten Vor- und Verkoster - aber sind sie deshalb unwürdig? Und weil wir vom 2003er sprechen - da kämpfen gar viele Weine mit ihrer Breitseite; der Riesling Première Selection vom Zillinger etwa hat einige Restsüße, füllt Nase wie Gaumen mit Ananas, lässt jedoch eine entsprechende Säure als Gegengewicht dazu missen. Ist aber mit € 6,80 wohlfeil. Und mein Herr Vater, der sehr säureempfindlich ist, fand ihn einfach großartig.
Sepp Muster war übrigens nicht in München.
andreasbigler, 03.06.04 @ 11:23
Ja, sehr gut formuliert!
"pivu" bringt es richtig rüber. Wenn dich das Volk daheim nicht so richtig kennt, dann gehst zu unseren Lieblingsnachbarn und wirst dann über diesen Umweg auch zu Hause bekannt. Bloß, warum sollen wir die "Umwegunkosten" übernehmen?
Aber mit dem Ehmoser kann man verhandeln und wenn man super günstig kaufen will, dann fährt man in einen C & C Markt (nenne mit Absicht nicht in welchen), denn dort ist man stolz auf ein tolles Weinprogramm, kauft ein wie verrückt und macht dann einen Abverkauf mit bis zu -50%, weil man nix weiter gebracht hat.
Das "nix weitergebracht" - liegt das vielleicht an dem germanischen Mangement?
Über die Presse sag ich nix, denn sonst muss ich mich vielleicht wieder rechtfertigen, weil sich ein nicht Betroffener betroffen fühlt!
pivu, 03.06.04 @ 09:56
Ehmoser, Wess oder gibt's doch noch mehr???
@Ehmoser - ich weiß nicht. Der war vor ein paar Jahren (es war der 99er) richtig gut und günstig. Leider kann sich der Kerl hervorragend vermarkten, wird von der Journaille gehätschelt und auch in D populär, also kosten die neuen Jahrgänge erheblich mehr. Ich kenne seine 03er nicht, bisher waren seine Weine auf schnellen Trinkgenuss (und hohe Punkteratings) angelegt, die nach ein, zwei Jahren verblühten. Aber genau das sucht man ja in diesem Lande.
@Wess: da kommt noch viel mehr, mit diesem seinen 1. Jahrgang (aus zugekauften Trauben) muss er sich etablieren, Märkte finden. Die Weine sind gut, aber nicht outstanding. Seine Philosophie wird er erst in den Folgejahrgängen einbringen.
Aber was war denn mit den Newcomern à la Sepp Muster, der macht nämlich heute schon 'anti-österreichische' Weine? Von wegen Primärfrucht, "Tannin muss ein (Weiss)Wein haben!"
pv
jamiesolive, 03.06.04 @ 01:42
Brooktrout
Als Landsmann des großen Jamie muss ich der Kenntnis des englischen Wortes Brooktrout (Bachforelle) durchaus Bewunderung zollen. Und wie ich ad´s Web-Anspielungen entnehme, handelt es sich bei Broeding um eine Kreuzung aus Brooktrout und Roeding (schwedisch: Seesaibling).
Die naheliegende Frage, ob speising.net sich nicht auch zur Installation eines Fishlogs durchringen sollte, wage ich nicht zu beantworten. Ehmosers Weine schätze ich auch, nur kommt mir der 2003er, was auch ad zu bestätigen scheint, ein wenig gar breit daher.
Etwas mehr Schlankheit und Elegance täte den Broedinger Weißen ganz allgemein – soviel nur als kleine Hoffnung für den präsumptiven Kaltwetterjahrgang 2004 – sicher gut.
--- 04.09.18 @ 20:56
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