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Das Weinlog
23.08.04 @ 23:19
Golser Verwandtschaften
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Man kennt es aus Gebirgstälern: ein ganzes Dorf voller Menschen, und nur drei Familiennamen.
Drei fesche junge Leute, an einem Augustsonntagvormittag, in Gols: Sie sind auf der Suche nach Wein Nummer 54, vom Weingut Beck. Verkostet bei der Weinprobe am Golser Volksfest. Der einzige Anhaltspunkt: der Wein war rot. Da versagt selbst die umfassende Auflistung von 92 Golser Winzern im Weinkulturhaus der Ortschaft: allein der Becks sind hier fünf verschiedene angeführt, Achs gibt es gar sieben, drei Leitners, drei Limbecks, vier Lunzers, nicht zu vergessen die sechs Nittnäuse, und so fort – ohne Kenntnis der Vornamen oder zumindest dem Einprägen der Flaschenetiketten wird es schwierig, einen bestimmten Wein zu finden.
Aber auch ohne gezielte Weinsuche ist ein Besuch des besagten Weinkulturhauses ein kulturelles Muss: eines der ältesten Golser Häuser wurde stilsicher und großzügig (mit EU-Fördergeldern) ausgebaut, ist eine Stätte kultureller Begegnungen und Ortsvinothek, mit hervorragender Betreuung bei Fragen aller Art. Besonders beeindruckend in ihrer geradezu sakralen Ausstrahlung sind die alten Keller, die die Rotweine beherbergen: äußerste Sparsamkeit in der Ausstattung und Behutsamkeit im Eingriff machen das Schmökern in den unzähligen Flaschen, die da, nach Sorten und Alphabet geordnet, einträchtig und höchst demokratisch versammelt sind, zu einem meditativen Vergnügen.
Weinkulturhaus und Tourismusinformation Gols
7122 Gols, Hauptplatz 20 02173/20039 www.weinkulturhaus.at tägl. 10:00 bis 19:00
Beispiel für einen feinen Golser Wein, sogar unter der € 8-Marke:
Der Zweigelt des Preisinger Nummer eins von vieren, des Claus nämlich (und die Reihung erfolgt streng alphabetisch), klares Rubinrot, herzhaft würzig, leichter Anflug von Zwetschke, gut strukturiert und sehr trinkfreudig. Ob die Trinkfreude durch die Tatsache, dass der junge, mit seinen hochgepriesenen hochwertigen Weinen (Paradigma, Pinot) stets ausverkaufte Winzer ausnehmend fesch ist, noch mehr angeregt wird, ist ein Gerücht; das extrem reduzierte Design der Weinetiketten aber macht schon auch Freude. Und einen eigenen Preis müsste er auch für die reduzierteste, uninformativste, doch witzigste Webseite bekommen: www.clauspreisinger.at !
Wer nicht so einfach im Vorübergehen nach Gols kommt, kann den Wein auch zum tatsächlichen Ab-Hof-Preis (!) von € 7,50 in der Vinothek Eulennest in der Himmelpfortgasse zu Wien (siehe auch Restaurants/Szene) erstehen.
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9 Kommentare | Kommentar abgeben
jamiesolive, 01.09.04 @ 15:50
Arme Seelen
Jede arme Seele hat das Recht herumzuhocken wo sie will, denn das Fegefeuer ist groß. Warum sollte es also nicht auch in Gols sein?
andreasbigler, 01.09.04 @ 12:10
@ "alma"
Na hoffentlich, denn recht alt ist er ja nicht geworden.
Aber warum sollte er gerade in Gols herumhocken und nicht bei Cusumano oder bei enrice Mendoza?
Nicht schlagenn, war nur so eine plötzliche Eigebung!
alma, 30.08.04 @ 11:01
prolongierte Trauer
Der Aufschrei, durchaus kollektiv, über den Tod eines großen Winzers geisterte tatsächlich schon vor längerer Zeit (na gut, es war erst Mai) durch Medien und Foren aller Art. Jetzt geistert Herr Breuer vielleicht selbst durch allerlei Weinlande, um sich endlich ohne Verpflichtungen durchzukosten; er könnte also gerade gut in Gols sitzen, den Herrgott eine rauchen lassen und sich an an- und unverwandten Winzern und deren Weinen delektieren! Sorgenfrei sozusagen.
andreasbigler, 28.08.04 @ 21:44
Eure Sorgen möcht ich haben!
Breuer, (einer) der beste(n) deutschen Winzer ist leider nicht mehr unter uns!
Ewig schade, denn er kelterte absolute Spitzenweine, außerdem war er einer der nettesten Gesprächspartner, der Weinszene!
O.k., die Meldung ist nicht allzu neu, aber wen interessieren da irgendwelche Verwandschaften?
steppenwolf, 26.08.04 @ 13:06
Das Subjekt der Trinkfreudigkeit
Im Douglas Adams' The Restaurant at the End of the Universe kommt das Tier vor, welches sich selbst zum Verzehr anbietet. Endlich ist es gelungen der Grausamkeit Herr zu werden. Es ist nicht mehr notwendig, Tiere zu schlachten, die nicht gegessen werden wollen. Stattdessen konnte eine Art gezüchtet werden, die ihren Lebenszweck darin findet, einmal als gutes Mahl zu dienen, die sich artikulieren kann und auf ihre besten Stücke hinweisen kann. Als im Buch dann "four steaks, but rare" geordert werden, kommt als Antwort: "A wise decision. I'll go and shoot myself." gefolgt von: "Don't worry, I'll be humane with myself."
Ich kann mir zwar schwer vorstellen, wie man einem Wein das Sprechen beibringen könnte, aber vielleicht fühlt guter Wein Trinkfreude.
Wäre es nicht nett, wenn sich der Wein tatsächlich um seine eigene Botrytis kümmerte.
--- 04.09.18 @ 20:56
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