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Das Weinlog
08.09.04 @ 21:11
Frauenwein (1)
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Unlängst kam einer, der meinte, Shiraz sei ein Damenwein. Shiraz ist offenbar die Vorliebe seiner Frau, damit entspricht sie in ihrem Gusto aber nicht der gängigen Vorstellung, der viele Herren in punkto Damenwein nach wie vor anhängen: lieblich bis süß, einfach und bescheiden. Wie halt ein Weib auch zu sein hat.
Aber davon soll hier eigentlich nicht die Rede sein. Sondern von Wein aus Frauenhand. Deshalb ja auch „Frauenwein”. Ob sich ein solcher bei Blindverkostungen auch zweifelsfrei erkennen ließe, darüber wird ganz gern gerätselt ...
Wein von Winzerinnen: Sex sells! wird da gerne gerufen, vor allem wenn sich die besagten Damen auch noch zusammenschließen und gemeinsames Marketing betreiben. Österreichisches Paradebeispiel: 11 Frauen und ihr Wein. Jede für sich mit sehr eigenständigem Profil, hervorragender Ausbildung, großen Erfolgen; gemeinsam sind sie unterwegs für gelegentliche öffentlich wirksame Auftritte, vor allem aber dienen die Treffen dem entspannten Erfahrungsaustausch, in einer freundschaftlichen Atmosphäre, in der Unsicherheiten gegenüber „Mann” gar nicht erst auftreten können. Kein Netzwerk, keine Steigleitern, sondern als Verbindungsglied die Leidenschaft und Liebe zum Wein – den eine jede nach ihren Vorstellungen formt und gestaltet.
Beispiel heute: Birgit Eichinger, Strass.
Als Winzertochter im Metier großgeworden, von einem Ehemann aus der Baubranche mit großzügigem Kellerneubau, Präsentations- und Verkostungsräumen ausgestattet, zupackend und rege, präsentiert sie Jahr für Jahr stoffige, kraftvolle Weine. Die Lagen heißen Hasel und Stangl, Gaisberg, Wechselberg und Heiligenstein; der Grundveltliner Hasel 03 ist bereits ein würziger, kraftstrotzender Bub, seinem Namen gerecht aber wird der Veltliner Goliath, dessen Wucht und Intensität (Botrytistrauben, teilweise Barriqueausbau) durchaus mit Eichingers Vitalität korreliert. Frauenwein? Noch zu erwähnen: der Riesling Heiligenstein 03 aus klassischer Rieslinglage, mit kräftiger Frucht, feiner Restsüße und harmonischer Säurebalance, elegant und mineralisch, der Chardonnay Strasser Stangl, immer wieder prämiiert, 02 zu je 50% Barrique und klassischer Ausbau, der Veltliner Gaisberg 03 von schottrigen Lössböden, mit 14,5%, feiner Kohlensäure, exotischer Aromatik, als Alternative zu Rotwein bei dunklem Fleisch nicht minder geeignet denn als Meditationswein. Die Preise rangieren zwischen € 5,50 und 13 €.
Weingut Birgit Eichinger
A-3491 Strass,
Langenloiserstraße 365
Tel.: +43 (0) 2735 / 5648-0 Fax: DW-8
EMAIL: office@weingut-eichinger.at
www.weingut-eichinger.at
www.11frauenundihreweine.at
Dieses war der erste Streich,
der zweite folgt – doch nicht sogleich!
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3 Kommentare | Kommentar abgeben
ChristophWagner, 11.09.04 @ 11:01
„Kompliziert wie Frauen"
Zur Animierung der Diskussion ein Ausschnitt aus einem Artikel, der in der „Zeit" über die spanische Top-Winzerin Sara Pirez erschienen ist:
„Gibt es also vielleicht gar keinen weiblichen Wein? Jein. Sara Perez glaubt nicht an das große Verbindende zwischen Abermillionen von Frauen. Aber was weiblicher Wein definitiv nicht ist, das weiß sie. „Grobschlächtig und rau” zum Beispiel, „das hat viel mit jemandem zu tun, der sein Leben lang den Acker bestellt hat – und das sind nie die Frauen gewesen”. Eine positive Bestimmung rutscht Sara Pérez dann gleichsam als Randbemerkung heraus: Kompliziert sei weiblicher Wein – „so kompliziert wie wir Frauen”. Und noch etwas: Er hat mehr Charakter, ist vielleicht ein klein wenig unabhängiger von den Wechselfällen der Mode. Das liegt aber nicht am Geschlecht, sondern an der Sorte Frau, die es bis nach oben schafft: Kämpfernaturen, die „von sich immer etwas mehr verlangen” – und dem Wein ihre starke Persönlichkeit aufprägen."
noapino, 09.09.04 @ 22:42
Selbstleger
Auch wenn im obigen Beitrag nicht von sogenannten Frauenweinen die Rede sein sollte, so muß ich mich doch kurz darauf beziehen, da ich Ihrem Bekannten auf diesem Weg in doppelter Hinsicht widersprechen muß:
Einerseits halte ich es für ausgemachten Unsinn, auch nur irgendeinen Wein als Frauenwein zu bezeichnen und damit sowohl den Wein als auch alle Weintrinkerinnen geradezu zu diskreditieren. Denn das läuft doch meist darauf hinaus, dass der Wein entweder süß oder leicht oder tanninarm oder sonst irgendwie nicht ernst zu nehmen ist und unterstellt Frauen würde "ernsthafte" (was immer das auch sein mag) Weine ohnehin nicht verstehen.
Andererseits zählen für mich weder die Syrahs der nördlichen Rhone noch der wohl rennomierteste ihrer nach Australien "emigrierten" Verwandten (ich meine Penfolds Grange) zu Weinen, die mit den obigen Attributen beschrieben werden können.
(Obwohl natürlich eingewandt werden könnte, Grange sei gleichermaßen ein Frauen- als auch ein Männerwein, da er sowohl die einen als auch die anderen erfreuen kann - aber so war das wohl nicht gemeint.)
steppenwolf, 08.09.04 @ 21:27
Sex sells...
Also der SEX ist doch von einem der Golser Preisinger, das ist doch ein Männerwein. (Für diejenigen, die ihn nicht kennen: heisst S.EX (sehr extrem) Grauburgunder Barrique.
--- 04.09.18 @ 20:56
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