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Das Weinlog

20.09.04 @ 21:19

Heckenklescher

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Für dieses reizende Wort, das gemeinhin bescheidene, eher säuerliche Weine zu benamsen vorgesehen ist, gibt es zwei Herkunftserklärungen.
Für meine Ausführungen halte ich mich an jene, die besagt, dass ein Mensch, der nach vollbrachtem Tagwerk bei einem kühlen Gläschen fein beinander sitzt, durch den recht ungehemmten Trinkfluss der dargereichten Kreszenz irgendwann von einem dringend-drängenden Bedürfnis befallen wird, zwecks Abhilfe desselben die gemütlichen Räumlichkeiten verlassen muss – ins Freie, weil ja vom Konsum einfachen Weines an einfachen Stätten ausgegangen wird, wo nichts naheliegender ist als die sprießende Natur vor der Tür aufzusuchen. Und plötzlich mit der frischen Abend-/Nachtluft konfrontiert, befällt den harmlosen Trinker ein seltsamer Schwindel, und er klescht mitsamt seinem Bedürfnis in die Hecke.
Diese in jeder Hinsicht sehr diffamierende Interpretation stiftete mich zu folgender Überlegung an:
Was, wenn der feierabendliche Trinker nicht eine einfache Kaschemme, sondern ein illustres Haus der sehr gehobenen Gastronomie aufsucht? Und eine Flasche mit Schmerzgrenzenpreis von ebenso überzeugendem Trinkfluß ist, dass auch hier Bedürfnisse zutage treten? Und aus irgendwelchen Wirren heraus nicht die beduftete, blumengeschmückte, mit sonstigen Zutaten dekorierte interne Toilette betreten wird, sondern – sagen wir mal der Stadtpark (weil es sich ja um den irgendwann dort zu eröffnenden Gourmettempel als Ort der Handlung drehen könnte, nur so als Beispiel) : müsste da nicht auch der Frischlufteffekt eintreten? Und der gesackelte Connaisseur ganz demokratisch ebenso in die Hecke kleschen? Ist dann der konsumierte Wachauer Smaragd oder steirische Lagenwein ebenso ein Heckenklescher?

Zwecks Vollständigkeit die zweite Erklärung: Heckenklescher geht zurück auf das weststeirische Wort Klesch’n für säuerlichen Wein oder Most. Die Stöcke wuchsen meist auf einer Hecke an der warmen Hauswand. So wurde wohl der Heckenklescher zum Hauptsynonym für den Schilcher. Aber was schmeckt besser zum weststeirischen Backhendl mit Kernölsalat?

3 Kommentare | Kommentar abgeben

noapino, 21.09.04 @ 17:39

Klatschen
meine Kenntnisse der weststeirischen Etymologie sind in keiner Weise vorhanden und daher würde es mich wirklich interessieren, mehr über den dortigen Ursprung des Begriffs Kleschn zu erfahren, der zumindest in Wien (Wiener Dialektlexikon - Teuschl 1990) mit einer anderen - hier nicht zitablen Bedeutung - belegt ist.

Zur zweiten Bedeutung habe ich jedoch meine eigene – zugegeben reichlich spekulative – Theorie: Das darin vorkommenden „kleschen” steht für „klatschen” und damit ist wohl der menschliche Heckenklescher jemand der auf oder in die Hecke klatscht. Letzteres jedoch nicht deshalb, da er dem gleichnamigen Weine zu ausgiebig zugesprochen hat, sondern weil er aufgrund des (natürlich nur unterstellten) Methylalkoholgehalts des Augenlicht verloren hat.

Und da so etwas bei Smaragden, edlen Burgundern oder Bordeaux niemals vorkommen kann, können diese auch nie in unter den höchst pejorativen Begriff fallen.

Ich habe jedoch einen Freund, der so etwas von Barolo behauptet. Doch ich halte das für eine böswillige Unterstellung.

steppenwolf, 20.09.04 @ 22:56

eine andere Form von Heckenklescher
Wenn mit einem Heckenklescher eine bestimmte Art von relativ naturbelassenem, leicht säuerlichen Wein, der dann noch im Freien recycled werden muss, um seine echten heckenklescherischen Qualitäten entwickeln zu können, bezeichnet wird, dann muss ich zur allgemeinen Gaudi mein tiefstes Erlebnis mit einem solchen Wein zum Besten geben.
Es war 1987, als ich zu einem Bankett in Tbilissi (Tiflis, Georgien) geladen war. Die Anzahl der Teilnehmer war 24, eine wichtige Zahl. Der Wein war ein typischer naturbelassener Tbilissi Weißer, vor der Zeit, als Michael Gorbatschew den Alkohol verbat.
In Georgien gibt es den Brauch des Tamadan (Schreibweise jetzt einmal ganz phonetisch nachempfunden). Das ist eine Ehrenperson, die über jeden der Anwesenden einen persönlichen Toast ausspricht. Oft geht dieser Ehrung eine Recherche voraus, denn bei neuen Gästen, über die man nichts wissen kann, soll man ja auch etwas Erfreuliches und Stimmiges sagen können. Neben den persönlichen Toasts gibt es dann noch die auf das Vaterland, auf die Frauen, auf die Schönheit, mitunter auf die Schönheit der Frauen, und wenn es eine gute Stimmung gibt, kann der Toast "zha schenschinam" durchaus wiederholt ausgesprochen werden. Der Wein wird in ca. Sechzehntelgläsern ausgeschenkt, vielleicht sind es auch 3/32 für die gewiegten Bruchrechner.
Die Damen dürfen nippen. Bei Vaterland, Frauen und Schönheit ist ex Pflicht. Aus Gewohnheit und um sich keine Blöße zu geben, ist man bei den personellen Trinksprüchen dann auch nicht zurückhaltender. Schliesslich könnte ja jemand beleidigt sein.
Als Ehrenperson wurde ich zweimals veranlasst, aus dem Horn zu trinken. Das eine war etwas kleiner als das andere, aber als ich wieder bei klaren Sinnen war, nahm ich eine gestreckte Kegelform an und errechnete das Volumen des kleineren Horns zu einem halben Liter, das des größeren zu einem dreiviertel Liter.
Insgesamt waren es an diesem Tag 5,5 Liter Weisswein. Auch wenn es sicher ein ziemlich leichter war, 9-10 Volumsprozent wird er schon gehabt haben.
Danach gab es noch einen halbstündigen Spaziergang zum Hotel, den ich tatsächlich mit eigenen Kräften, wenn auch in Begleitung von freundlichen Freunden, die kaum weniger getrunken hatten, bewerkstelligte.
Ich weiss nicht mehr, wieviele Hecken damals beklescht wurden. Ich weiss nur mehr, dass ich am Balkon meines Zimmers geschlafen habe, was angesichts der Geländerqualität mehr Gefahr geboten hat als die mögliche Alkoholvergiftung.
-
Seither halte ich mich bei Heckenkleschern zurück:)

steppenwolf, 20.09.04 @ 22:56

eine andere Form von Heckenklescher
Wenn mit einem Heckenklescher eine bestimmte Art von relativ naturbelassenem, leicht säuerlichen Wein, der dann noch im Freien recycled werden muss, um seine echten heckenklescherischen Qualitäten entwickeln zu können, bezeichnet wird, dann muss ich zur allgemeinen Gaudi mein tiefstes Erlebnis mit einem solchen Wein zum Besten geben.
Es war 1987, als ich zu einem Bankett in Tbilissi (Tiflis, Georgien) geladen war. Die Anzahl der Teilnehmer war 24, eine wichtige Zahl. Der Wein war ein typischer naturbelassener Tbilissi Weißer, vor der Zeit, als Michael Gorbatschew den Alkohol verbat.
In Georgien gibt es den Brauch des Tamadan (Schreibweise jetzt einmal ganz phonetisch nachempfunden). Das ist eine Ehrenperson, die über jeden der Anwesenden einen persönlichen Toast ausspricht. Oft geht dieser Ehrung eine Recherche voraus, denn bei neuen Gästen, über die man nichts wissen kann, soll man ja auch etwas Erfreuliches und Stimmiges sagen können. Neben den persönlichen Toasts gibt es dann noch die auf das Vaterland, auf die Frauen, auf die Schönheit, mitunter auf die Schönheit der Frauen, und wenn es eine gute Stimmung gibt, kann der Toast "zha schenschinam" durchaus wiederholt ausgesprochen werden. Der Wein wird in ca. Sechzehntelgläsern ausgeschenkt, vielleicht sind es auch 3/32 für die gewiegten Bruchrechner.
Die Damen dürfen nippen. Bei Vaterland, Frauen und Schönheit ist ex Pflicht. Aus Gewohnheit und um sich keine Blöße zu geben, ist man bei den personellen Trinksprüchen dann auch nicht zurückhaltender. Schliesslich könnte ja jemand beleidigt sein.
Als Ehrenperson wurde ich zweimals veranlasst, aus dem Horn zu trinken. Das eine war etwas kleiner als das andere, aber als ich wieder bei klaren Sinnen war, nahm ich eine gestreckte Kegelform an und errechnete das Volumen des kleineren Horns zu einem halben Liter, das des größeren zu einem dreiviertel Liter.
Insgesamt waren es an diesem Tag 5,5 Liter Weisswein. Auch wenn es sicher ein ziemlich leichter war, 9-10 Volumsprozent wird er schon gehabt haben.
Danach gab es noch einen halbstündigen Spaziergang zum Hotel, den ich tatsächlich mit eigenen Kräften, wenn auch in Begleitung von freundlichen Freunden, die kaum weniger getrunken hatten, bewerkstelligte.
Ich weiss nicht mehr, wieviele Hecken damals beklescht wurden. Ich weiss nur mehr, dass ich am Balkon meines Zimmers geschlafen habe, was angesichts der Geländerqualität mehr Gefahr geboten hat als die mögliche Alkoholvergiftung.
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Seither halte ich mich bei Heckenkleschern zurück:)

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