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Das Weinlog
25.09.04 @ 19:11
Glasprobe
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Glasprobe
Zu Wochenbeginn war die Meldung da: Riedel übernimmt Spiegelau. Z.B. auf
www.3dac.net/best-of-wine/weinreporter.htm?id=581
Die österreichbezogene Pikanz dieser Notiz: Spiegelau ist der Hersteller der "Architektendesign"- Gläser von Holzbauer/Wein & Co. Das war für Riedel, der in W&C seinen größten heimischen Detailverkäufer hat, immer ein Dorn im Auge. Ob sich der mit dieser Übernahme von selbst entfernt hat?
Gewiss ist, dass Riedel mit seiner stetig erweiterten Sommerlier-Serie, in der inzwischen für unzählige Rebsorten das ideale Glas kreiert ist, Maßstäbe gesetzt hat und viele fast idente Kopien auf dem Markt sind.
Ob dekadente Spielerei oder ernstzunehmendes Differenzierungspotential - tatsächlich bringt das Probieren und Studieren verschiedener Glastypen verblüffende Ergebnisse. Und natürlich nicht unbedingt nur zum Wohl des Weines: wenn etwa bei einer eindrucksvollen Kulturveranstaltung ein Wein in den großen Vinum Extreme ausgeschenkt wird, in denen er sich vor lauter Entfaltungsmöglichkeit geradezu zu fürchten anfängt - das galt unlängst für den säuerlichen bescheidenen Sangiovese ebenso wie für den sonst so spritzigen Grünen Veltliner Classic vom Prechtl, der eine ganz untypische, gar nicht charmante, eben extreme Würze vermittelte. Nicht immer also ist groß gleich besser.
4 Kommentare | Kommentar abgeben
andreasbigler, 26.09.04 @ 14:52
Puristen
Da gehör ich eindeutig zu den Puristen, denn meine Weinproben nehme ich prinzipiell aus dem Chardonnayglas, egal ob rot oder weiß, ob Österreich, Frankreich, oder sonst wo her. Im Restaurant darf dann der Kellner seinen Kult treiben....
ChristophWagner, 26.09.04 @ 02:54
Gläserpluralismus
Die Verdienste des alten Glasprofessors aus Kufstein um die Weinkultur sind nicht hoch genug einzuschätzen und seine gelegentlichen, durchwegs schelmischen Versuche, einer nach sündteurer Abwechslung gierenden Wein-Society zu gebenm was ihr zustand (nämlich die volle Leere des Glases) , seien ihm verziehen.
Gleichwohl wünsche ich mir nichts mehr als etwas Abwechslung am Weinglassektor, wie sie mir etwa das meiner Meinung nach vollendet gelungene Denk-Art-Glas von Zalto bietet. Ich habe im übrigen auch schon aus slowenischen und slowakischen Gläsern form- und inhaltsvollendet getrunken. Und auch die traditionsreiche Glasbläserei Lobmeyer aus Baden bei Wien bietet, wie ich mich angesichts eines Tests selbst überzeugen konnte, allerlei Unkonventionelles an, das dem Weine das Seine und von diesem sogar das Beste lässt.
Dass Riedel Spiegelau frisst, ist velleicht mit dem ökonomischen Zeitgeist zu erklären. Wir müssen es zur Kenntnis nehmen, aber zu freuen brauchen wir uns darüber nicht. Ist es doch ein weiterer Schritt zum Welt-Einheitsglas oder, wenn man so will, zu einem zugegeber Maßen nützlichen und funktionellen McDonald´s-Becher aus Bleikristall.
Daher wieder einmal mein Appell: Lasst uns möglichst viele autochthone Weine trinken, und das aus möglichst vielen möglichst formschönen und funktionellen Gebinden.
noapino, 25.09.04 @ 21:03
Kombinationswertung
wir haben, kurz nachdem die neue W&Co Serie auf dem Markt war eine (höchst apollonische) Glasverkostung mit unterschiedlichen Weinen aus unterschiedlichen Gläsern abgehalten. Das Ergebniss war zumindest interessant:
Im Vergleich zu unserem Standard-Glas (Riedel Chianto-Classico oder formgleich) gab es bei jedem Wein ein Glas, das den Wein in irgendeiner Weise besser (konzentrierter, präziser, feiner, klarer,...) präsentierte, aber das Riedel war immer relativ weit vorne und in der "Kombinationswertung" blieb es einsamer Sieger.
(Ganz abgesehen davon, dass ich mich an die Holzbauerschen Hohlstiele immer noch nicht gewöhnt habe).
steppenwolf, 25.09.04 @ 20:55
verschiedene Gläser - verschiedene Geschmäcker
Für mich vollkommen einsichtig. Übrigens ist es noch eklatanter beim Bier. Lange dünnwandige zylinderförmige Gläser sind für helle, harte Biere (ala norddeutsche) super geeignet. Für das Budweiser tut es dann auch ein Stein- oder Zinnkrug.
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Aber noch viel augenscheinlicher ist das bei Klavieren. Da ich ja ziemlich emotional beim Verkauf war, habe ich das Argument des speziellen Bösendorferklangs ziemlich stark ausgespielt. Wobei Bösendorfer deswegen eine einzigartige Rolle spielt, weil alle anderen Klavierbaufirmen mit gleicher Bauart und gleichem Klang ausgestorben sind (zB Schweighofer). Der Rest orientiert sich am Steinway. Dort gibt es noch leicht kennbare Differenzierung zwischen Hamburger und New Yorker Steinway.
Und das liest sich dann so:
Bach: STW-H, Bö teils teils je nach Stück
Haydn: STW-H, Bö (für mich indifferent)
Beethoven: Bö
Schubert: Bö
Brahms: Bö
Chopin: STW-H, Bö (hängt vom Pianisten ab)
Rachmaninov: STW-H
Jazz: Oscar Peterson: Bö
free Jazz: STW-NY, Yamaha
Strawinski: STW-H
Prokofiev: Klavierkonzerte: STW-H, Solomusik: STW-H und einige Stücke Bö
usw.
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Und dann hängt es natürlich auch an der Person des Verkosters bzw. des Zuhörers. Sehr viel macht hier vermutlich das jeweilige Niveau beim Analysieren aus.
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Und für mich gibt es ein ideales Weinglas, daraus würde ich alles trinken, obwohl ich den Unterschied schon schmecken kann.
--- 04.09.18 @ 20:56
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