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Das Weinlog
13.10.04 @ 18:08
Bild und Braten
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„Ein gutes Bild muss so auf den Beschauer wirken, wie ein Schweinsbraten auf den Esser” erklärt Hermann Nitsch dieser Tage im Hanner und setzt erklärend nach: „Ein gutes Bild muss sich sinnlich und stark übermitteln und von daher ist zwischen Essen und Kunst eine große Parallelität gegeben”.
Unmittelbar drängen sich Fragen auf:
- Was bedeutet das für nicht-Fleisch-EsserInnen?
- Sollte man sich einen Flachmann zulegen um nach einem ausführlichen Museumsbesuch das Völlegefühl lindern zu können?
- Wie ist das in Bezug auf Weine zu sehen, die sich ja auch „sinnlich und stark” übermitteln können? Sind diese zu Bild und Braten parallell, schneiden sie sich damit oder sind sie dazu gar windschief?
Fragen über Fragen. Aber vielleicht haben wir ja Glück und unser BM schafft es, den für dionysisches Denken und Handeln zweifellos zugänglichen Künstler als Gast dieses Forums zu gewinnen, wo er uns dann diese und andere Fragen beantworten könnte.
2 Kommentare | Kommentar abgeben
-ad-, 16.10.04 @ 22:19
schüttwein
Das vorliegende Frage- und Antwort-Spiel erinnert mich an die eigentliche Zeit meiner vinophilen Initiation: ganz zu Beginn der Achziger, da trafen sich Künstler, Adepten und Freunde des Wiener Aktionismus gerne bei einem Heurigen am Fuße des Bisamberges, in Strebersdorf; man frönte einem sehr dionysischen Zugang zum Weine, es war ein stetes Fest der Sinne. Dazu gehörten natürlich auch die Pfingsfeste in Prinzendorf; die überall dort gelernte Sinnlichkeit durchzog auch private Feiern und Gelage.
Zurück blieben ausdrucksstarke Bilder, festsitzend im Gedächtnis (etwa Fasanenessen mit Doppler am Tisch), und auch wenn besagte Doppler nicht mehr im Kühlschrank zu finden sind, so kippen alle apollinischen Versuche immer wieder gerne ins dionysische.
Nun noch ad 1) Fleischlos reicht meine Vorstellungskraft da nicht aus - das fleischliche Element muss zumindest im Hintergrund schlummern.
ad 2) Um Völlegefühlen vorzubeugen, kann man ja ansturmgefährdeten Sonderausstellungen ausweichen und sich kleine Feinheiten einverleiben, die möglicherweise noch mehr Appetit machen.
ad 3) Sinnliche und starke Weine sind hoffentlich nicht nur "männliche" Weine; ich kann auch weder an Parallelen noch Tangenten denken, sondern eher an Multiplikatoren - für Braten wie Bild.
ChristophWagner, 14.10.04 @ 17:39
Fragen und Antworten
„Ein gutes Bild muss sich sinnlich und stark übermitteln und von daher ist zwischen Essen und Kunst eine große Parallelität gegeben”.
Unmittelbar drängen sich Fragen auf:
Frage 1: Was bedeutet das für nicht-Fleisch-EsserInnen?
Antwort 1: Die Bildkraft eines Schweinsbratens mag mit jener einer Gemüsesuppe vielleicht nicht ganz konkurrieren (wobei es freilich auf die Imaginationskraft der RezipientIn ankommt); aber ich denke, dass der Satz von Nitsch sich durchaus auch auf eine schöne Eierspeis´oder Tagliatelle mit Trüffeln anwenden ließe.
Frage 2: Sollte man sich einen Flachmann zulegen, um nach einem ausführlichen Museumsbesuch das Völlegefühl lindern zu können?
Antwort 2: Der unaufhaltsame Aufstieg der Museumsrestaurants in der gastronomomischen Welt hat, glaube ich, genau damit zu tun.
Frage 3: Wie ist das in Bezug auf Weine zu sehen, die sich ja auch „sinnlich und stark” übermitteln können? Sind diese zu Bild und Braten parallell, schneiden sie sich damit oder sind sie dazu gar windschief?
Antwort 3: Ich kenne von Professor Nitsch nur seinen „Schüttwein” und kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass dieser sowohl parallel als auch schief zum Kunstwerk verkostet werden als auch sich damit schneiden kann - was ja wohl mit einem Überschütten identisch sein muss, das durchaus im Sinne des Künstlers ist.
Keine Frage: Ich habe Professor Nitsch auf diese ästhetische Debatte aufmerksam gemacht, und vielleicht meldet er sich ja.
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