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Das Weinlog
23.11.04 @ 22:14
Billige Burgunder
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Zum 144sten Mal wurde vergangenes Wochenende im schönen Burgund die alljährlich am 3. Sonntag des Novembers stattfindende Auktion der Weine des Hospice de Beaune abgehalten. Dabei werden Weine des aktuellen Jahrgangs aus Lagen versteigert, die wohlhabende Bürger im Lauf der Jahrhunderte dem Hospice vermachten und sich dadurch wohl auch eine Verkürzung des Aufenthalts im Fegefeuer erhofften. Die Erlöse werden für karitative Zwecke sowie für den Denkmalschutz verwendet.
Im Lauf der Zeit kam da einiges zusammen und so waren am Sonntag 699 Pièces (zu je 228 l Inhalt) sowie 19 Fässer Trebern- und Weinbrand zu ersteigern.
Die erzielten Preise schwankten erwartungsgemäß stark: von 1.500€ für den einfachen roten Monthelie bis zu 33.000€ für den weißen Grand Cru Batard Montrachet. Nicht erwartet war wohl die Preisentwicklung. Im Schnitt gingen die Fässer nämlich um ca. ein Drittel billiger weg als zuletzt und gegenüber den Preisen vom Jahr 2000 konnte man gar fast die Hälfte sparen.
Bei einzelnen Weinen waren die Rückgänge noch extremer: so musste 1999 für ein pièce vom roten Beaune Rousseau-Deslandes noch 6.000€ bezahlt werden. Dieses Jahr bekam man den gleichen Wein bereits um 1.700€.
Festzustellen ist zwar, dass sich höherklassige Weine tendenziell etwas besser hielten aber auch hier waren Rückgänge festzustellen.
Da die bei dieser Veranstaltung erzielten Preise als Indikator für die Gesamtpreisentwicklung im Burgund gelten, könnte Hoffnung aufkeimen, die Preise würden generell etwas zurückgehen. (In den letzten Jahren war auch hier eine schmerzhafte Steigerung festzustellen, obwohl diese nicht mit der exorbitanten Preisentwicklung im Bordeaux zu vergleichen ist.)
Allzu viel würde ich jedoch nicht darauf wetten, dass ich kommendes Jahr meine Lieblingsweine günstiger bekomme als derzeit.
2 Kommentare | Kommentar abgeben
-hs, 24.11.04 @ 21:38
Der Bürgermeister ist empört
Wie sich jetzt herausstellt, war der Preisrückgang vom vergangenen Wochenende nicht nur durch ökonomische und oenologische Faktoren bedingt:
Nach massiven Vorwürfen von Alain Suguenot, dem Vorsitzenden der Hospices und Bürgermeister (sic!) von Beaune gestand Louis Latour, der Präsident des Syndikats burgundischer Negociants ein, es habe vor der Versteigerung ein Treffen gegeben.
Auf diesem seien zwar keine Preise vereinbart worden, aber man habe darin übereingestimmt, den (von den Auktionsergebnissen indirekt betroffenen Winzern) das Signal zu senden, dass sie keine hohen Preise erwarten sollten.
Da entsprechend der 150jährigen Tradition des Hospice nur die Negociants als Steigerer zugelassen sind, konnte diese "Übereinstimmung" erfolgreich umgesetzt werden. (siehe oben)
Der Bürgermeister ist verständlicherweise empört und denkt über eine Reform der Versteigerung nach.
Es tut sich etwas.
jamiesolive, 24.11.04 @ 00:58
Eine Schande!
Nichts gegen Charities. Wer für die Hungernden frisst und für die Dürstenden säuft, verdient unseren Respekt. Jeder, der sich ein bisschen dabei auskennt, weiß, dass das Fressen und Saufen auf Charity-Veranstaltungen meist von nur recht maßvoller Güte ist; Wirklich Erlesenes bleibt kaum jemals guten Zwecken vorbehalten, da sei Gott Mammon vor.
Echt fies finde ich es hingegen, bei Charity-Veranstaltungen auch noch große Ansprüche zu stellen und so einen Burgunderjahrgang, sei er nun gut oder schlecht, in den Preiskeller zu schicken und um ein Drittel downzugraden.
Lieblos sowas. Ab ins Fegefeuer mit den Gierschlünden. Und möge Gott (der Wein, wie wir aus der Bibel wissen, wesentlich mehr liebt als Charities) ihren armen Seelen möglichst ungnädig sein.
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