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Das Weinlog
23.02.05 @ 21:40
Bin ich ein Weinsnob?
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Einige Pro (!) und Contras (?):
- Kaum jemand aus meiner Verwandtschaft oder dem Teil meiner nicht im gleichem Maß weinverrückten Freunde getraut sich, mir Wein anzubieten.
- Die neuesten Kritiken der renommiertesten Weinpäpste lese ich regelmäßig.
- Einmal habe ich auf einen Piemonturlaub französische Weine mitgenommen.
- Ich pflege regen Kontakt mit in- und ausländischen Weinhändlern und lasse mir Weine per Spedition liefern.
- Urlaubsfahrten werden danach geplant, wo interessante Weine zu bekommen sind.
- Ich zucke nicht bei jeder dicken, holzüberfrachteten Fruchtbombe aus.
- Ich habe einen Keller voller Weine und kann Stunden damit verbringen, darin Flaschen umzuschlichten. Gelegentlich plagen mich auch Albträume, mein Keller wäre von finsteren Mitmenschen ausgeräumt worden wäre und ich stünde vor leeren Regalen.
- Es gibt Patrons, die von mir geradezu erwarten, dass ich in ihr Restaurant meine eigenen Flaschen mitbringe. (Sagen sie zumindest.)
- Wenn ich (was doch immer wieder einmal passiert) zum Heurigen gehe, dann messe ich (von ganz wenigen Heurigen abgesehen) die dort ausgeschenkten Getränke nicht mit dem selben Maßstab, wie ich das bei Weinen tue und versetze sie ausgiebig mit Sodawasser.
- Ich finde (auch blind) französische Weine meist besser als deutsche, italienische, chilenische, australische, amerikanische und sogar österreichische Weine.
- Es fällt mir wesentlich leichter, 50€ für eine Flasche Wein auszugeben, als 25€ für Autositzschonbezüge.
- Ich glaube nicht jedem Weinschreiber, dass der heurige nun aber wirklich der Jahrhundertjahrgang ist.
- Auch in Frankreich halte ich es eher mit den Domainen und Châteaux als mit den Garagen.
- Ich reise stets mit eigenem Weinglas.
- Gelegentlich passiert es mir, dass ich Weine kaufe, um deren Preis Andere die Wiener Staatsoper besuchen (in einer der besseren Kategorien).
- Es ist mir wichtig was ich trinke.
- Wenn mich Weinkeiler telefonisch davon zu überzeugen versuchen, dass ich mit ihren Flaschen das goldene Los ziehen würde, finde ich ein maliziöses Vergnügen darin, sie in ein längeres Gespräch über Jahrgänge, Lagen und Produzenten und die jeweils dafür marktüblichen Preise zu verwickeln. Meist enden die Gespräche damit, dass der Gesprächspartner weinend zusammenbricht und mir hoch und heilig versichert, er würde ab sofort doch wieder in Kleinanzeigen oder Finanzinvestments machen. (Ich glaubs ihm zwar nicht, aber immerhin.)
- Im Wirtshaus bestelle ich meistens Bier.
14 Kommentare | Kommentar abgeben
-hs, 03.03.05 @ 10:55
lieber amigo,
ganz herzlichen Dank für die freundliche Diagnose und Prognose meine zukünftigen Inkarnationen betreffend.
Mit dem Ausmaß an Glück, das Wein mir zu bereiten imstande ist, bin ich recht zufrieden und so halte ich es in Bezug auf Bescheidenheit mit Goethe („Nur Lumpen sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat.”), anstatt dass ich Hebbel folge („Das Nichts glaubt, dadurch etwas zu werden, dass es bekennt: Ich bin nichts.”).
Und dann bin gerne ein Snob und das ist auch gut so!
amigo, 01.03.05 @ 11:12
nicht unbedfingt wein-
geehrter herr steininger,
ja, sie sind ein snob. dass sie sich ausgerechnet für wein interessieren, unterliegt dem zufall, würde ich sagen, und ist auch unerheblich. in anderen disziplinen, die sich zum prahlen eignen, wären sie wahrscheinlich genauso gut. sie haben noch einen weiten weg vor sich, wenn sie nirwana erreichen wollen, und noch viele übungen in demut, wenn sie mit wein wirklich glücklich werden wollen. ich wünsche ihnen viel glück
andreasbigler, 28.02.05 @ 15:58
@ Prügel; @ Schuhe für Angelika
Sorry, war in Innsbruck auf der Weinmesse präsentieren, daher konnte ich nicht mitposten, aber wer sich outet sollte bedenken was er mitteilt!
Das einzige Outing, mit welchem man(n) sich beliebt machen kann ist ein Schwulenouting (nein ich bin weiterhin unbeliebt und leide mit/durchs andere Geschlecht) und das erst nach 10 Jahren, wo es eh schon alle wissen.
Keine Sorge, Weinsnobs benehmen sich anders, die posten nicht nur snobistisch, die sind es und die würden niemals nach AB "rufen"; aber trotzdem danke!
Schuhe um 100 Euro, o.k., is des jetzt "Sex in the Traubing"? Aber keine Sorge, ich leg sogar 250 Euro hin, allerdings für Boots und für Bergschuhe auch ein wenig mehr.
Vorschlag: Wir versuchen einem Freak einen guten Wein rauszulocken, werfen uns dann auf eine Parkbank, schlürfen den netten Tropfen und bewundern unser Schuhwerk......
Es lebe der proletarische Snob!
steppenwolf, 26.02.05 @ 00:54
Outing
Also wenn es denn unbedingt sein muss, oute ich mich halt auch als Snob, um der illustren Gesellschaft anzugehören.
Für mich gibt es nur Bösendorfer, Fazioli und Steinway. Bei den Jahrgängen gibt es da auch spezifische Vorzüge. So bevorzuge ich bei Bösendorfer den Jahrganz 1914 bzw. 1905 - 1914.
Bei Fazioli gibt es nur junge frische, da die Firma ja noch nicht so lange am Markt ist. Aber ein wohldistinguierter 1990 könnte mir schon etwas abgewinnen.
Bei Steinway tut es 1932-1945, tunlichst Hamburg, wohl abgelagert und gestimmt in Hiroshima oder Nagano.
Ja und neuerdings habe ich einen Bösendorfer - nicht genau bestimmbar - aber vermutlich um 1880 kennengelernt, der mich trotz oder vielleicht auch wegen seiner excellenten Wiener Mechanik in den Bann gezogen hat.
Ich schreibe diese Zeilen entspannt und frohlockend, denn als Snob oute ich mich gerne!
cremant, 25.02.05 @ 13:04
keine snobs doch sympathische freaks ;-)
lese soeben mit einem permanenten lächeln im gesicht und teilweise lautem auflachen den weinsnob von -hs und die kommentare - in der tat sehr amüsant!
meine betrachtung von aussen: schließe mich alma an für -hs ist snob wohl nicht der richtige ausdruck aber was ich bei euch allen feststelle ist, dass ihr sympathische freaks seid ;-)
ich selbst fahre ganz besonders auf cremant ab, wie sich unschwer erkennen läßt. dabei habe ich das große glück, dass ich meinen geheimtipp, der auch geheim bleibt, immer über einen direktimporteur beziehen kann und dabei gleich die die gesamte jahresration, die leider jährlich steigt...
--- 04.09.18 @ 20:56
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