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Das Weinlog
05.06.05 @ 17:12
shaved and unfiltered
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Eine Erzählung aus dem Verkostungsalltag.
Wie saßen noch beieinander, viel früher als sonst, die straffen Rieslinge hatten offenbar zu forciertem Vorgehen angeregt. Der Säureüberschuss machte Lust auf molliges Essen; Eierschwammerlgulasch, gebackenes Bries, Gnocchi in Pilzrahm, dazu der Chardonnay „toasted and unfiltered” von Ludwig Hiedler. Die Runde fühlte sich langsam runder, Geschichten nahmen ihren Lauf, die Idee einer durchaus wohlbesetzten Damenverkostungsrunde wurde präzisiert.
Ach, seufzt da der angehende Master, der sich derzeit geradewegs als slave seiner önologischen Wissbegierde gleichwie seiner hedonistischen Gelüste fühlen muss (M. of Wine selbstredend, oder dachten Sie an Margarita?), ach, da wäre ich doch gerne auch dabei! Aber nur ganzrasiert, rutscht es der Trainerin heraus; das Gelächter springt sogleich rund um den Tisch. Shaved and unfiltered, gewiss! grinst sich der Master eins, und die Fröhlichkeit ist dem Hausherrn eine weitere Flasche wert, Leo Alzingers Grüner Veltliner Smaragd 2002 Loibner Weingärten, doch der ernstzunehmende Wein kann den running gag des Abends auch nicht mehr aufhalten ....
Für Detailinteressierte noch die Liste der „straffen Rieslinge”:
2004 Salomon Kögl Reserve
2001 Bründlmayer Heiligenstein Alte Reben
2000 Bäuerl Smaragd
Alle drei von hohem Alkohol geprägt, der in der Blindverkostung als dickes Minus angelastet wird.
2003 Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr: ein Mosel-Saar-Ruwer-Riesling fast aus dem Bilderbuch; leichtfüßig, geschmeidig, ausgewogen, der Terrassenwein;
2002 Johannishof Johannisberger Hölle aus dem Rheingau hingegen fiel durch spitze Säure disharmonisch ab.
2001 Chateau St.Michelle, Columbia Valley, Wahington: Eroica
2001 Grosset, Clare Valley, Australien: Polish Hill
1999 Inniskillen, Canada, Ice Wine
Der beeidruckendste Flight: zu welcher Mineralität amerikanische Sandböden fähig sind; mit welcher Vielschichtigkeit der Australische Riesling zu brillieren versteht; und zu guter Letzt ein tänzerischer Eiswein vom Riesling, der den Ruf dieser kanadischen Spezialtiät bestätigt und den Preis zum Teil erklärt.
14 Kommentare | Kommentar abgeben
ml, 07.06.05 @ 13:59
noch einmal Harz
Vielleicht gehen die Versuche mit Harzen auch in die Richtung von Harz IV. Die neuen 1 Euro-Jobs, die das Treten des Weines mit nackten Füßen als Arbeitsleistung voraussetzen.
Das tät doch Spass machen.
ml, 07.06.05 @ 13:56
Versuche mit Harzen
Das klingt doch sehr interessant. Vielleicht kann man dadurch die Eichenchips ersetzen.
Und dann aus dem Wein gleich Weinbären mit gummiartiger Konsistenz herstellen.
ml, 07.06.05 @ 13:55
@noapino
Danke sehr! Sehr kommod, diese Erklärungen, sehr kommod.
pastinake, 07.06.05 @ 09:25
@noapino
Danke für diese Infos! Jetzt weiss ich, dass ich in Traubing bin und nicht im Forum für pubertäre Fantasien.
noapino, 07.06.05 @ 00:14
Aber g'rebelt muss er sein
um ein Mißverständnis auszuräumen und auf die Gefahr hin manch eine Fantasie zu stören:
Degrappage à rasoir (oder eben Shaving) ist eine neuartige und besonders schonende Methode des Entrappens, bei der durch die Kombination rotierender Messer und speziell gelochter Bleche Beeren von Stängeln getrennt werden.
Dies ist insbesondere bei der seit einigen Jahren üblichen Methode des kalten Einmaischens wichtig, da dadurch die Entrappung (Rasur) bereits vor diesem Prozess durchgeführt werden kann, ohne die Beerenhäute zu verletzen. Damit wird das Marktideal einer maximalen Fruchtkonzentration erreicht.
Dass manche Winzer der Maische nach diesem Prozess spezielle After Shaves beigeben sollen, darf jedoch ins Reich der Legenden verwiesen werden.
Es wurden auch bereits Experimente mit Harzen, Wachsen und Schaum durchgeführt. Diese waren jedoch wegen der damit verbundenen Geschmacksbeeinflussung wenig erfolgreich.
Von einer neuartigen Lasermethode, die sich derzeit noch im Experimentierstadium befindet werden jedoch gerüchteweise sensationelle Ergebnisse kolportiert.
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