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Das Weinlog
24.10.05 @ 13:21
Die Mär vom weiblichen Wein
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Schon einmal angekündigt, irgendwie immer mitschwebend, wenns ums Geschlecht beim Wein geht und in Ermangelung anderer männlicher Beiträge an einem strahlenden Herbsttag (ein weiterer in der Folge vieler – das lässt auf wunderbare Weine aus späten Lesen hoffen!) schnell zwischengeschoben:
Wie kommen Verkoster, Weinautoren und andere angeblich Berufene dazu, einen Wein als „weiblich” zu titulieren? („maskulin” ist auch ein gerne verwendetes Attribut)
Die Grundfrage: was ist weiblich? will ich hier aber nicht beantworten. Geht nämlich gar nicht. Schon eher ließe sich auf die Frage eingehen: was ist „weiblich” in den Köpfen der Menschen, und was bewirken Projektionen im Bezug auf Wein?
Ich begnüge mich hier allerdings mit der Feststellung, das eine Zuordnung zu „weiblich” von mir bislang nur bei Rotweinen gesehen/gelesen wurde ... der Weißwein also als Kategorie für sich?
Und Rotwein mit seinen Tanninen, seiner Gerbstoffhärte, seiner Holzwürze als grundlegend männlich definiert? Nur in besonderen Fällen einem „weiblichen” Spektrum zugeordnet? Als da wäre: mollig, rund, ohne Ecken und Kanten, geschmeidig, anschmiegsam, ...ähh – ich gehe davon, aus, dass Mitglieder einer Männergruppe (es muss ja nicht gleich in der Schwitzhütte sein) von ziemlich vielen Ecken und Kanten zu berichten wissen, die ihnen das Zusammenleben mit Frauen beschert;-)
Die Geschlechtszuordnung von (Rot)Weinen ist also eine höchst merkwürdiger Versuch, Begrifflichkeiten für Geschmack und Struktur zu finden. Und eine untaugliche allemal.
Der heutigen New York Times-Selektion im Standard entnehme ich, dass es einen neuen Begriff für die armen identifikationsverwirrten Männer gibt, nachdem das mit „metrosexual” nicht so gut funktioniert hat: „übersexual”. Ja, mit Ü im Englischen. Die Rückkehr zu den positiven Charakteristika des wirklichen Mannes: strong, resolute, fair. Das spräche eigentlich für den guten, alten Blaufränkischen.
Dennoch kann ich nicht umhin, mir einen ÜBERsexual Wein vorzustellen als irgendwie Batonnage. Oder so. Oder?
26 Kommentare | Kommentar abgeben
noapino, 24.10.05 @ 16:28
Empirie
Voraussetzung.
Versuchspersonen sollten die folgenden 10 Attributpaare vorgelegt werden mit der Aufforderung sie dem einen oder dem anderen der beiden Geschlechter zuzuordnen.
elegant / rustikal
zart / derb
weich / hart
offen / verschlossen
feingliedrig / grobschlächtig
sanft / brutal
schlank / kraftvoll
fein / plump
üppig / kantig
mild / streng
Auch wenn das dann nur eine Aussage über vorhandene Vorurteile, Wunsch- oder Angstvorstellungen ergibt, so wäre sie doch nicht ohne Aussagekraft.
Annahme.
Nun werden Versuchspersonen aufgefordert, Weine nach den obigen Kriterien einzuordnen. Da mag es viele geben, bei denen keine signifikanten Ergebnisse zu Tage treten, aber der eine oder andere hierbei eindeutig Abschneidende wird sich schon finden lassen.
qed.
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