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Christoph Wagner's Weblog
07.03.04 @ 17:47
Testen wir die Dachdecker!
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Mit meinen Freunden unter den Köchen habe ich trotz grundsätzlicher Sympathie oft auch recht heftige Diskussionen. Erst unlängst meinte mein Freund H., es störe ihn, dass auf www.speising.net jeder, ob berufen oder nicht, seiner Meinung über die Leistung der Köche freien Lauf lassen dürfe.
„In keinem anderen Berufszweig", meinte er,„kann sich Mr. XY so über Betriebe auslassen." Kein Dachdecker oder Fleischermeister würde je so in die Kritik genommen wie die Angehörigen der Gastronomie.
Ich möchte meinem Freund H. da nicht einmal grundsätzlich widersprechen. Denn im Grunde hat er natürlich Recht. Andererseits, so habe ich ihm geantwortet, werde der Dachdecker oderFleischermeister zwar nicht öffentlich getadelt, wenn er Mist baut, aber auch nicht öffentlich gelobt, wenn er Wunderdinge vollbringt. Schon gar nicht kommt er in Internet-Communities, Guides, Tageszeitungen, Magazinen und in den Seitenblicken vor (woran manche Köche, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, durchaus einigen Gefallen finden).
Ich würde meinem Freund H. auch Recht geben, wenn Kochen wirklich „nur" Handwerk wäre. Da sollte man dann wohl auch wirklich keinen Unterschied zwischen Koch und Dachdecker machen. Wenn Kochen hingegen (was viele Köche von sich behaupten und ich ebenfalls für zutreffend halte), auch Kunst ist, so muss es sich wie alle anderen Künste, ob Literatur, Theater, Musik, Architektur oder Malerei, auch der Öffentlichkeit und ihrer Beurteilung stellen.
Was meinen denn die Speisinger dazu?
10 Kommentare | Kommentar abgeben
piccata, 09.03.04 @ 23:24
Dachdecker vs. Köche
herr H. soll doch bitte froh sein, wenn er feedback kriegt. darüber hinaus scheint mir die häufigkeit der bedürfnisse ein wesentlicher faktor zu sein. essen muss ich öfter als ein dach in meinem leben decken. da habe ich gerne einfachen, guten zugang zu hilfreichen kritiken über potentielle anbieter. wenn ich ein dach decken muss plane ich das länger und habe dementsprechend länger zeit mich zu informieren. wenn ich aber wissen will, ob der wirt x a guada is, dann geh ich nach speising.net
der fleischhauer ist mir wurscht, weil ich ess kein fleisch.
speising weiter so!
andreasbigler, 09.03.04 @ 20:49
AW: Jubelnde Speisinger
Das ist kein Lob meinerseits, sondern lediglich eine Feststellung.
Ich hab so ziemlich alle Einträge gelesen, tief, oder beleidigend ist es hier noch nie geworden und auch die Meinungen der "Poster" sind eben Meinungen, schließlich werden sie ja darum gebeten.
Was nervig ist, dass es einige "Poster" gibt, die annehmen, alle anderen würden nicht merken, dass sie aus der Gastrobranche sind und ihnen manche Meldungen nicht zu Gesicht stehen.
Es ist halt dann leider so, dass man in den Rubriken "Winzer" und "Restaurants" Antworten und Entgegnungen (Berichtigungen) posten muss, was vielleicht nicht Sinn der sache ist.
Aber was soll's, hier wird eben geschrieben, was sonst hinterm Rücken getuschelt wird und das ist für Österreicher anscheinend noch immer ein Problem.
Wer zahlt, darf auch raunzen und loben - so schaut's aus!
ChristophWagner, 09.03.04 @ 19:02
Jubelnde Speisinger
Solange die Speisinger jubeln, soll es mir recht sein. Solange sie kritisch sind und sich dabei (was in der von amigo angesprochenen Homepage leider nicht immer der Fall ist) an die Nettiquette (s. Mitgliederbereich) halten, ist es mir auch recht. Beides hält die Diskussion - und damit letztlich auch den Geschäftsgang der Gastronomen in Schwung.
Wenn die Kritik in Kreditschädigung, Haxelbeißerei und Beschimpfung ausartet, dann wird die Redaktion, wie ich sie kenne, sicherlich auf das gewisse Knöpfchen drücken. Und das ist mir erst recht recht.
amigo, 09.03.04 @ 18:37
hobby versus profi
möchte an dieser stelle bemerken, dass die publikums-meinung auf der site von gault millau schon recht lange existiert und gästen/konsumenten dort ebenfalls die möglichkeit zur artikulation gegeben wird. was nicht ganz ohne folgen bleibt, wage ich einmal zu behaupten.
im falle von speising spricht nichts dagegen, dass "unprofessionelle" tester hier ihr urteil abgeben, da es ein forum für mitglieder und daher mit vergleichsweise geringer öffentlichkeitswirkung ist. würden hier dinge behauptet werden, die ruf, ansehen und kredit des besprochenen gastronomen zu schädigen geeignet sind, müsste die redaktion einschreiten.
aber ganz unrecht hat h. natürlich nicht, denn: hobby-kritiker unterliegen keinem medienrecht und keiner journalistischen ethik, denen journalisten sehr wohl unterliegen (wiewohl sie mehr oder weniger darauf achten); außerdem neigt man als souveräner gast nicht unbedingt zur relativierung des eigenen erlebnisses, die vergleichsmöglichkeiten fehlen auch oft und ebenso häufig ist eine tendenz zu extremen bewertungen festzustellen, deren ursache in unsicherheit liegt (normalerweise ist es leichter, alles fürchterlich zu finden als sich differenziert damit auseinanderzusetzen, auf speising.net herrscht eher die gegenteilige jubelstimmung).
zusammenfassend: h. hat nicht unrecht, muss sich aber keine sorgen machen. und übrigens: dienstleister werden sehr wohl beurteilt, man denke da nur an die mucha-bücher, die unzähligen news-rankings, im anglo-amerikanischen raum sind solche wertungen nicht nur üblich sondern auch sehr einflussreich.
alma, 08.03.04 @ 20:51
kochkünste
Wenn ein Fleischer Fleisch verkauft, das immer zäh bleibt, auch bei wohlwollendster Behandlung, wird er seine Kunden verlieren. Wenn ein Dachdecker Dächer deckt, durch die es dann regnet, unterliegt er zum einen einer Gewährleistungspflicht (oder wie sich das nennt), und seine Unfähigkeit wird sich schnell herumsprechen. Aber es sind - vor allem in zweiterem Falle - ganz eindeutige Kriterien für die Beurteilung gegeben.
Die Güte der Speise aber erschließt sich nicht einfach aus Sättigungsgrad, Portionsgröße und Optik, und es bedarf schon einiger Erfahrung und Gaumenfeinheit, um von Umständen wie Atmosphäre und Tagesverfassung abzusehen und den Dingen auf den Grund gehen zu können - sich also durchzubeissen fin' a fondo - jusqu'au fond. Ich hab da so meine Schwierigkeiten mit Gern- und Vielessern und darob selbsternannten Befähigten; und nach wie vor ist es in Redaktionen üblich, die Gastro-Abteilung besonders Umtriebigen zu überlassen, "weil Kultur und Essen kann eh a jeder". Gleichzeitig aber muss jedem Gast die Möglichkeit zugestanden werden, seine Befindlichkeit und (Un)Zufriedenheit äußern zu können - doch die muss nicht öffentlich lesbar sein.
Wenn sich aber manche Küchenzauberer gerne im Glanze ihres Künstlertums suhlen, so müssen sie auch mit entsprechender Kritik rechnen - oder wir verhandeln wie mit dem Dachdecker über Geld-zurück-Garantien.
steppenwolf, 08.03.04 @ 13:28
Nachreichung des Zitats
ZITAT ZITAT ZITAT ....
Auf den hier angeschlossenen Seiten finden sich einiger der Gedanken, die es mir wert sind, festgehalten zu werden. Es gibt hier Langlebiges und tagebuchartig Kurzlebiges. Nachdem es Leute gibt, die mich über Musikthemen befragen oder wissen wollen, wie mir ein bestimmtes Buch gefallen hat, versuche ich mich auf einigen der Seiten als ”Kritiker. Nicht so bösartig wie ein professioneller Kritiker.
Auch nicht so professionell wie ein echtes Fossil:
Warum ich ein Fossil bin von Wilhelm Sinkovicz(Spectrum) 21.02.2004 Die Presse
Ohne Anspruch auf Objektivität. Einfach mein unmittelbarer Eindruck oder der Eindruck, der auch nach ein paar Monaten noch tatsächlich vorhanden ist.
ZITAT ZITAT ZITAT
Der Link zum Artikel
http://www.diepresse.at/Artikel.aspx?channel=sp&ressort=S100&id=406122&archiv=false
steppenwolf, 08.03.04 @ 13:25
dachdecker - oder die Angst des Kochs vor dem Laienrichter
Ich zitiere aus meiner homepage:
>
Im Artikel kommt deutlich heraus, dass man sich mit einer Sache eingehend beschäftigen sollte, um Kritik äußern zu können.
Was aber noch mehr zählt, ist die Absenz von vorgefassten Meinungen. Wenn ich als Gast sagen kann, dass ich mich wohlgefühlt habe und dass es mir geschmecket hat, wird der Wirt mir ja zuerst mal keine Inkompetenz vorwerfen wollen. Erst wenn ich das nächste Mal sage, dass es schlecht war, wird er sich erinnern und maulen: "Der hat ja keine Ahnung, beim letzten Mal hab ich ausgelassen und da hat es ihm geschmeckt."
In dieser Hinsicht müssten sich Köche über Laienurteile viel mehr freuen, denn die sollten in der Statistik ja häufig positiver ausfallen als negativ. Erst wenn man von vornherein einen bestimmten Standard unterstellt, wird man herummosern, dass man enttäuscht war.
hypercube, 08.03.04 @ 11:10
Herr H. erinnert mich an Herrn S.
Herr S. ist international renommierter Galerist. Bei einer Diskussion mit einem Ökonom ging es um die Frage warum öffentliche Musen Original ankaufen und ausstellen. Der Ökonom sagte provokant, dass es bedeutend günstiger für den Steuerzahler wäre auf Originale zu verzichten und Kopien auszustellen. Die heutigen Reproduktionstechniken würden es erlauben den Unterschied zwischen Original on Kopie fast unkenntlich zu machen.
Herr S. der Galerist sagte zustimmend, dass 99% der Leute den Unterschied nicht erkennen würden. Aber er sei einer der Auserwählten die einfach spüren, ob da ein Original hängt oder nicht. Zum Beispiel sei er vor vielen Jahren in einem Museum in Ostberlin gewesen [ich nehme an es war die Gemäldegalerie] und er sei sehr enttäuscht gewesen über die dort ausgestellten Rembrandt Werke. Jahre später habe die Rembrandt Forschung festgestellt, dass die meisten dort ausgestellten Werke eben nicht von Rembrandt selbst sind. Herr S. hat es Jahre vorher einfach gespürt.
Die Arroganz des Herrn S: hat mich damals schon fertig gemacht.
Ich als Mr XY werde mich weiter über Gastronomen, Dachdecker, Künstler und Fleischermeister auslassen, wenn diese meinen Kriterien / Erwartungen nicht entsprechen. Ich versuche auch konstruktive Kritik anzubringen. Und ich lobe auch gerne, wenn mir etwas gefällt.
Gerne setze ich mich auch mit der Kritik von anderen auseinander. Mit großem Genuss lese ich oft Gastro - Kritiken von "Profis". Manchmal denke ich mir jedoch, dass die Kritiken von machen Profis sehr stark von ihrer persönlichen Stimmungslage gefärbt sind. Bei manche Kritiker hege ich den Verdacht, dass sie manisch depressive Anwandlungen haben, welche ihre Kritik stark beeinflussen.
Kritik ist Bestandteil einer gelebten Demokratie. Jeder Versuch Kritik zu Monopolisieren ist daher abzulehnen.
sonjaaa, 08.03.04 @ 10:28
guten morgen Herr Wagner - betreff - Weblog
Guten Morgen,
Auch Dachdecker werden ueblicherweise bewertet und das durchaus sogar im Internet - auch Architekten surfen durch ihre Foren - wenn sie nicht gerade auf Speisingnet haengen bleiben.
Dennoch sollte sich die Anzahl von Auftritten in diversen TV- Sendungen nicht unbedingt im Preis niederschlagen. Speziell dann nicht - wenn sich Koeche, die ich als kulturelle Groessen betrachte nur in den Seitenblicken suhlen. Etwas professionellere Foren waeren diesbezueglich schon angebracht.
Die gibt s fuer Architekten allerdings auch nicht wirklich und in Zeiten wie diesen verlor der staatliche Rundfunk bekanntlich auch seinen kulturellen Auftrag aus den Augen.
andreasbigler, 07.03.04 @ 22:09
Die armen Köche.....
Sorry, aber essen und bezahlen tun die Gäste, Kunden, Quälgäster - oder wie auch immer man sie nennen will - und die haben wohl das Recht "super" oder "hat nicht gepasst" zu sagen!
Und da Köche, wenn sie den "0815 - Wirtshausschuhen" entwachsen sind doch sehr oft ein ordentliches Stargehabe entwickeln, sollten sie auch wie solche behandelt werden! Und genau deshalb gibt es "+" und "-" vom Konsumenten.
Der Profikritiker empfiehlt, der Konsument richtet sich danach und dann meldet er sich eben zu Wort - so gesehen, ist der Unterschied zwischen Kino- und Restaurantbesuch nicht groß, oder besser gesagt nicht vorhanden, der Zahlende meldet sich eben zu Wort.....
Also, liebe Köche, auch wenn es negativ ist, ist es Werbung. Das beste Beispiel für Negativwerbung ist "Humanic": A so a blede Werbung, aber hinrennen tun wir trotzdem, um uns Schuhe zu kaufen (ich weiß, Humanic hat mit Küche nix zu tun, aber sehr viel mit Marketing und Werbung).....
Wenn jetzt Herr/Frau Gast einmal Fehler verkünden, müssen viele Leser sofort überprüfen, ob das stimmt. Also, Chance nützen und besser machen!
Das Leben ist hart und zwar für Produzent und Konsument, aber was soll's!
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