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Christoph Wagner's Weblog

11.06.04 @ 02:18

John Reid — der Mann der Woche

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Der britische Gesundheitsminister John Reid hat endlich einen neuen Aspekt in die Anti-Raucher-Debatte gebracht, und dafür gebührt ihm Dank,

"Lasst doch die Armen rauchen", sagte Reid vorgestern zur angesehenen Tageszeitung "The Guardian". Denn: Rauchen sei eine der wenigen Freuden, die den Armen in unserer Gesellschaft am Ende blieben.

Reid kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die bürgerliche Schicht geradezu besessen davon sei, für die niedrigeren sozialen Schichten Vorschriften in Sachen Lebensführung zu erstellen. "Rauchen ist einfach nicht das gravierendste Problem in unseren Armenvierteln. Das ist eine Obsession der Mittelklasse", sagte Reid. "Welche Genüsse gibt es für eine 21-jährige, allein erziehende Mutter von drei Kindern in einer Sozialwohnung? Der einzige Genuss ist oft, sich eine anzurauchen."

Es wäre zynisch, sich an Reids Botschaft als passionierter Zigarrenraucher anzuhängen (obwohl ich als Virginierraucher dazu durchaus ein Recht hätte, aber ich rauche natürlich gelegentlich auch gerne eine Trinidad, eine Montecristo Number One oder eine Romeo y Julieta Churchill).

Wahr ist und bleibt freilich Reids Botschaft, dass es in unserer Welt wahrlich gröbere Probleme zu lösen gibt als rauchende Mitbürger.

Mister Reid, ich gratuliere zu soviel Zivilcourage, rauche mir eine Ashton an, hole meine Melone aus dem Depot — und ziehe sie mit vorzüglicher Hochachtung.

9 Kommentare | Kommentar abgeben

Stephanie, 13.06.04 @ 12:20

@ andreasbigler
ich würde mich ja in nichtraucherbereiche setzen wenn es welche gäbe

andreasbigler, 11.06.04 @ 19:51

@ CW
Der Vergleich hinkt nicht und der Vorschlag wäre auch nicht schlecht, aber was ist mit dem Gestank der Hundesch... an einem heißen Tag?

Also lasst uns weiterhin Ruß und Teer einatmen, so haben wir wenigsten etwas zum Raunzen!

ChristophWagner, 11.06.04 @ 15:02

Noch ein hinkender Vergleich
Ich bin Nichtführerscheinbesitzer und Nichtautofahrer (wenn man von einem Taxi da oder dort absieht und ein paar Fotografen, die mich gelegentlich zum Stativhalten mitnehmen und mich dafür in den Fotopausen recherchieren lassen).

Ich lebe in einer Stadt, in der immer der Wind weht und es, da sie von Wäldern umgeben und von einem respektablen Grüngürtel durchwirkt ist, vermutlich die beste Luft der Welt gäbe, wenn alle anderen es mir bezüglich Automobilismus gleich täten.

So aber muss ich Tag für Tag nolens volens Auspuffgase einatmen, die ein Vielfaches aller in Wien jemals gerauchten Zigarren und Pfeifen ausmachen. Und warum: Weil meine Wiener Mitbewohner nicht davon ablassen wollen, mit ihren stinkenden Kübeln täglich zur Arbeit und am Wochenende ins Grüne zu fahren, weil sie das ebenso irrtümlicher Weise für Freiheit halten wie der Marlboro-Mann das Tschicken.

Also, ein Vorschlag zur Güte: Alle NichtraucherInnen Wiens, die auf Luftgüte ernsthaft Wert legen, fahren ab morgen nur noch mit den Öffis, und ich rauch´ auf meinem Balkon keine Zigarre mehr. Versprochen.

Wir hätten dann in Wien schon bald eine Luft, um die uns die Welt beneidet. Vor allem dann, wenn die Raucher das ewige Gepofel im Park einstellen und in Lokale mit gut funktionierender Air Condition übersiedeln würden - die sie tunlichst auch mit Öffis erreicht haben.

steppenwolf, 11.06.04 @ 14:18

Gesetze ...
Etwas resigniert möchte ich feststellen, dass ich nicht an eine gute Absicht von Regierungen glaube, die das Rauchen verbieten.
Die Art, wie das Rauchen in Kalifornien verboten ist, erinnert ehen an Hexenverfolgung und artet schon in eher witzige Architekturentscheidungen aus, bei denen dann Restaurants eine eigene Art von Gastgarten entwickeln.
Die Überlegungen scheinen mir eher dahin zu gehen, dass kalkuliert wird, wieviel Gesundheitsschäden durch Rauch verursacht werden. Das bedeutet eine Einbuße an Bruttonationalprodukt. Wieviel Stimmen gehen verloren, wenn ein Anti-Rauchergesetz verabschiedet wird? Hält das eine Partei aus? Gut beschließen wir.
Man muss berücksichtigen, dass statt Rauchen ja ein anderer Genuss den Platz einnehmen muss. Sollen die Leute mehr saufen? Das schlägt sich auf Leber und Herz. Hohe Sterblichkeitsraten in Russland.

Woran entzündet sich denn die Diskussion? Dass es Lokale gibt, die voll der Rauchschwaden hängen? Das ist entweder eine Frage des Abzugs (ich erinnere mich an ein Lokal, in dem ich am Nachbartisch einen Herrn Zigarre rauchen sah aber nicht roch.) oder eines Ambiente, in dem Rauchen einfach dazugehört.
Will ich ernstlich jemandem verbieten, sich im Jazzkeller eine Gitane anzuzünden, (die es eh nur mehr in stark kastrierter Form gibt) damit ich die Musik in steriler Umgebung wahrnehmen kann? Eine CD ermöglich das viel leichter.
In unserer Firma reicht es, wenn in einem Zimmer ein Nichtraucher sitzt. Er kann es erzwingen, dass die Raucher nur in Pausen und am Gang rauchen. Ich habe ein Einzelzimmer und könnte es mir aussuchen. Mein Zimmer ist rauchfrei. Wenn ich allerdings einen Gesprächspartner im Raum habe, von dem ich weiss, dass er heftiger Raucher ist, führe ich die Besprechung lieber, wenn er rauchen darf, weil er dann wesentlich entspannter argumentiert.

Ich glaube, dass man mit dem Rauchen wesentlich entspannter umgehen könnte, aber dann stelle ich wiederum fest, dass Leute mit weich formulierten Empfehlungen nicht umgehen können. Daher doch wieder strenge Gesetze.

@jamieolive: ich freue mich schon auf die nächste Gelegenheit, die Demütigung selbst auszuprobieren.

Mr. Reids Aussage finde ich bemerkenswert und sehr mutig.

Die Statistiken finde ich ja ganz nett. Aber wenn ich bedenke, wieviele Arbeitsunfälle es gibt und wieviele Todesfälle durch Verkehrsunfälle verursacht werden, dann frage ich mich, warum es nicht schon längst ein Gesetz gegen Dummheit gibt - und zwar nicht nur an öffentlichen Plätzen und in der Arbeit. Dass ein Gesetz, welches Kriege verhindert, nicht möglich ist, kann man auch als recht ungünstig anseh

andreasbigler, 11.06.04 @ 13:54

@ jamiesolive
Klimaanlage (natürlich in Betrieb) wäre schon eine tolle Idee, aber die armen Beislwirtn, die in den nächsten 5 bis 6 Jahren in die wohlverdiente Pensi gehen, denen sollte man das nicht mehr zumuten, schließlich gibt es so viele Lokale, dass man sich das seinige aussuchen kann!

Das mit der Pseudoraucherei kenn ich - aber noch extemer: Ohne nachzudenken wollte ich mir eine Magnum 46 anzünden, wäre da nicht meine Freundin gewesen die mir mitteilte, dass sie keinen Bock hätte, die Raunzerei der hinter uns sitzenden "Frustwachteln" (ihre Wortwahl, nicht meine!) hören zu müssen. Ich sollte warten bis die gegangen waren. Gesagt getan, ich legte die nicht angerauchte Zigarre zur Seite. Allerdings war sie bereits angeschnitten und mein Feuerzeug hatte kurz aufgeblitzt. Es dauerte keine 5 Minuten, kam schon eine jener Damen und beschwerte sich, dass das hier ein Speisenlokal sei und ich das Rauchen einstellen sollte, denn die Zigarre stinke furchtbar.

Tja, sehr blöd - denn es handelte sich in diesem Fall um einen Zigarette zwei Tische hinter uns, die ungefähr 30 Sekunden zuvor angezündet wurde.

So ganz nebenbei, ich finde den Geruch mancher Damen mit extremer "Abendlackierung" viel störender, als den einer guten Zigarre, denn ein Zigarrenraucher (natürlich auch eine -raucherin) hat im Normalfall auch das nötige G'spür für das was geht und was nicht geht!

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