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Christoph Wagner's Weblog
22.10.04 @ 02:26
Kollegen
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„Ich versteh´ nicht, was du an diesem Coburg findest", sagte ein Kollege. „Mir hat man dort böse mitgespielt."
„Ja wie denn?" fragte ich, allerdings leicht genervt.
„Die Vorspeise. Eine Frechheit. Ein Haufen Blattsalat mit undefinierbarem Dressing, ein paar Flusskrebse darauf, und dafür 17 Euro verlangen. Eine Sauerei."
„Zufällig habe ich dieses Gericht gestern gegessen" erwiderte ich. „Die Blattsalate waren so erlesen ausgewählt, dass man von der Hohen Schule des Blattsalats sprechen könnte. Das Dressing war nicht unedefinierbar, sondern von zarter Pikanz und feiner Aromatik. Und die Flusskrebse... Natürlich gibt es noch schönere und noch größere, aber diese hier, die haben daran schon mehr als nur Annäherungswerte erzielt "
„Mir war es dennoch zu wenig", sagte mein Kollege. „Ich meine: zu wenig Einfallsreichtum."
„Hätten ein paar Strudelsackerln mit Zucchini- oder Roterübenfülle, die mit Schnittlauch zugebunden sind, vielleicht geholfen?" fragte ich.
„Wahrscheinlich", sagte mein Gegenüber.
„Vielleicht wäre genau das der Clou gewesen", erwiderte ich.
Ich bin halt ein konfliktscheuer Mensch.
4 Kommentare | Kommentar abgeben
karlheinz, 23.10.04 @ 12:43
spektakellosigkeit 2
da gebe ich ihnen vollkommen recht, teuerste alma.
allerdings erwische ich mich auch immer wieder am genuss des rätselhaften - wenn ich zum beispiel ein simples holler-saucerl beim eselböck oder risotto-bällchen beim gruber (kehlberghof/graz) mit... ja, was eigentlich? drin im positiven sinn küchentechnisch nicht nachvollziehen kann. da spielt sich für mich das spektakel auf einer sehr verinnerlichten ebene ab.
vermutlich koche ich auch einfach nur zu schlecht, um da folgen zu können, und diese behinderung möchte ich unter obigem aspekt dann doch erhalten wissen um auch das staunen nicht zu verlernen, wenn's geht, bitt'schön!
alma, 22.10.04 @ 20:38
spektakellosigkeit
Ein von mir vielgeliebtes Restaurant zeichnet sich durch große Bescheidenheit aus.
Gedeck: Brot und Butter.
Das allergrößte Capriccio des letzten Sommers war ein Salat aus reinen Kräutern zum schlichten Seeteufel auf Linsen.
Ente, Hirsch und sonstiges Getier kommen gern mit klassischen Beilagen.
Der Klassikanspruch gilt auch für die Desserts.
Das empfinden viele als langweilig/anspruchslos/überteuert und gar nicht up to date. Offenbar aber verfügen die auf solcher Schiene fahrenden Kritiker nicht mehr über jene feine Empfindsamkeit des Gaumens, die Öl von Öl zu unterscheiden versteht und Fleisch von Fleisch und Linsen von Linsen and so on ...
An solchen ist dann auch das Ringen um die perfekte Speisen-Wein-Kombination verschwendete Liebesmüh.
Auch der Name des Hauses ist bescheiden: Tirolerhof. Wo? Niederndorf. Falls es wen interessiert.
karlheinz, 22.10.04 @ 11:42
einfalt
zwar halte ich es für leicht überspitzt, angesichts gebotener qualität bei tisch in endloses stilles gebet zu verfallen, aber eine gewisse meditative dankbarkeit gegenüber dem gericht, nicht gegenüber dem a c t, schadet nicht, wenn's passt.allerdings impliziert "einfallslosigkeit" nicht automatisch qualität zum niederknien.
skepsis bezüglich der angepriesenen culinaria befällt mich auch, so diese mit diversen events gepaart werden müssen, wie etwa halb nackten wippenden, feuer schluckenden pharaonen sowie wenig oder weniger gefinkelten morden usw.
schon heinz erhardt warnte: "leute, hütet euch vor diesen, die da husten, wenn sie niesen!"
Fuerstenfelder, 22.10.04 @ 11:02
Coburg
Vielleicht fühlt sich der Kollege ja in den hippen "Szenelokalen" wo alles an den Haaren herbeigezogen wird ja wohler.
Ihnen lieber CW sei Dank gesagt als einer der Wenigen der sich nicht "blenden" lässt.
Vielleicht kapieren es die Wiener "Aushilfs-Möchtegern-Gourmetkritiker"ja auch einmal.
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