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Christoph Wagner's Weblog
19.01.05 @ 01:17
In tiefer Sorge...
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... vernehme ich, dass das 1776 gegründete Zigarrenwerk in Fürstenfeld, wie gestern der Mehrheitseigentümer der Austria Tabakwerke, der britische Gallaher-Konzern bekannt gab, noch im Laufe des heurigen Jahres geschlossen werden soll. Das ist, wie immer man zum Blauen Dunst als solchem stehen mag, nicht nur eine sozial-, sondern auch eine kulturpolitisch verheerende Entscheidung.
Da die Zigarrenproduktion nach Wales verlegt werden soll, steht dabei genuines altösterreichisches Kulturgut zur Debatte, nämlich die Virginier. Wie sonst nur noch Mozartkugel, Sachertorte und Mannerschnitte stellt die Virginier ein lebendiges (und wenn man die zahllosen virginierschmauchenden Urahnln denkt, auch lebensverlängerndes) kulinarisches Erbe der Donaumonarchie dar. Und da Julius Raab ohne Virginier ebenso wenig denkbar wäre wie Österreich ohne Staatsvertrag, geht es in diesem Fall zudem um eines der Fundamente der Zweiten Republik.
Möglich, dass man in dem (von mir ob seiner Welsh Rarebits außerordentlich geschätzten) Wales noch eine Weile Virginier produzieren wird. Ob man es kann, ist eine andere Frage. Im internationalen Wettbewerb werden sich die Dirigentenstäbe in Zigarrenform jedoch kaum durchsetzen, da sie, obwohl aus amerikanischen Tabaken stammend, ein zutiefst autochthones Produkt sind. Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Virginier vom Markt verschwinden werden, wenn das nicht überhaupt schon beschlossene Sache ist.
Gewiss sind die Virginierraucher eine Minderheit von „ausgepichten Rauchern” (Zino Davidoff), allerdings eine eingeschworene, zu der ich mich auch zähle. Und vielleicht wird man uns schon bald auf Schweizer „Krumme Hunde” oder italienische „Toscani” (großartig, aber in Österreich bis dato nicht erhältlich und letztlich eben doch keine Virginier) vertrösten.
Allein: Die Unbekümmertheit, mit der wir Österreicher da ein Stück mehr unserer Identität preisgeben, verdient, mit aller nur erdenklichen Polemik gegeißelt zu werden.
Da hilft demnach nur der Schlachtruf: Virginierraucher aller Bundesländer, vereinigt euch!
7 Kommentare | Kommentar abgeben
peter_s, 20.01.05 @ 19:22
Rettet lokale Produkte!
Obwohl ich Nichtraucher bin, verstehe und unterstütze ich den Wunsch, lokale traditionelle Zigarren zu bewahren.
Das Rauchen von Zigarren und Pfeifen kann (bei entsprechender Einstellung) sicherlich ein "kulinarischer" Genuß sein. (Bei Zigaretten habe ich meine Zweifel!)
Zweifellos sollte die "Artenvielfalt" erhalten bleiben. Der -- vermutlich naive -- Vorschlag wäre: Wenn die neuen Besitzer eine Marke nicht mehr wollen, dann könnte sie doch weiterhin (von einem anderen, österreichischen) Erzeuger produziert werden?!
Vielleicht würde sich da eine Koalition mit Slowfood anbieten?
(Das leidige Problem mit den Rauchern, nämlich, daß viele von Ihnen Nichtraucher rücksichtlos belästigen, will ich jetzt nicht näher ansprechen.)
Fuerstenfelder, 20.01.05 @ 13:19
Bestellung
Mach ich gerne, hoffe dabei natürlich auf Besuch, damit du lieber CW auch die kulinarische Seite von Fürstenfeld kennen lernst:)
ChristophWagner, 20.01.05 @ 11:47
Bestellung
Bestelle auf jeden Fall 20 - 30 Packungen, können aber, je nach Art des Vorrats, auch mehr sein.
Fuerstenfelder, 20.01.05 @ 10:56
Zigarrenfabrik
Bestellungen bitte an mich, lauf noch schnell hoch und hole den letzten Rest aus den Lagerhallen.
noapino, 19.01.05 @ 14:00
Selbsthilfegruppe
ich empfehle die Gründung einer Selbsthilfegruppe sowie die Erzeugung im Eigenbau.
Vielleicht lassen sich ja Fürstenberger Restbestände aufkaufen.
Ansonsten sollten unter http://www.tabakanbau.de die notwenigen Utensilien problemlos zu bekommen sein.
Da gibts von Samen (Adonis bis Rot Front) über die energiesparende Fermentationskammer bis zur Zigarrenpressform alles, was das Virginier-Selbstversorger-Herz begehrt und die Alicantehalme werden sich auch noch finden lassen.
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