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Christoph Wagner's Weblog

24.06.05 @ 12:57

Dirndl oder Bratl? - Ein paar Bemerkungen zum letzten Thread

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Vorweg: Ich besitze keinen Trachtenanzug, meine drei Damen (Frau und zwei Töchter) sind aktive Dirndlverweigerinnen, und als ich las, dass der Musikantenstadl eingestellt wird, habe ich aus schierer Freude ein Fläschchen Roederer (nein nicht Cristal, das wäre wieder zuviel der Ehre) geköpft.

Dennoch muss ich als Kulturhistoriker das Dirndl oder besser: die Tracht an sich gegen die Nachstellungen durch etliche Mitglieder der Speisinger Gemeinde explizit in Schutz nehmen. Eine echte Tracht ist so schuldig oder unschuldig wie ein echtes, nach einem alten Originalrezept zubereitetes Bratl, und es ist so authentisch bzw. autochthon wie ein alter Rebstock, oder aber auch ein Kimono, ein Fez, ein Sari, eine indianische Tanz- oder eine Derwischtracht - durchwegs Kleidungsstücke, die, etwa bei „World Music Festivals” auch in urbanen Kreisen nicht nur wohlgelitten, sondern hoch angesehen sind.

Dass die Erwähnung des Wortes „Dirndl” hierzulande so viele ansonsten durchaus unaufgeregte Zeitgenossen ausrasten lässt, liegt wohl nicht am Dirndl selbst, sondern an seiner historisch leider unwiderlegbaren Befrachtung mit (austro-)faschistischem Gedankengut. Es wurden aber zum Beispiel im Nazi-Durchhalte-Propagandafilm „Schrammeln” (mit Hans Moser und Paul Hörbiger) zu Kriegsende demonstrativ Backhendeln verspeist, ohne dass das Backhendl deshalb einen ähnlichen Image-Schaden genommen hätte wie das Dirndl.

Tracht sagt über ihren Träger, sei er nun Steirerbua oder Südmolukke, a priori gar nichts aus. In einem Steirerjanker oder einem Ausseer Dirndl kann ein(e) unverbesserliche(r) Ewiggestrige(r) ebenso stecken wie Hubert von Goisern oder Otto Lechner. Ein knuspriges Bratl kann einen Kongress alter Kameradschaftbündler ebenso nähren wie ein Jungsozialistentreffen. Umgekehrt wird kaum jemand ein vegetarisches Gericht mit der Begründung zurückweisen, dass Hitler Vegetarier war.

Wie so oft (vor allem bei allen Arten von Designdebatten) ist mir in dieser Frage der Inhalt wichtiger als die Form. Und daher darf meiner Meinung nach, wenn es von einem netten, aufrichtigen und anständigen Menschen (oder womöglich sogar von einer wirklich guten Köchin) getragen wird, ruhig ein Dirndl sein, auch und sogar auf einem Kochbuch-Cover.

42 Kommentare | Kommentar abgeben

apicius, 15.07.05 @ 15:54

Ursprüngliches
Das Dirndl ist aus einer Notdurft entstanden. Das Oberteil formt die Büste, das Unterteil deckt die Beine gut zu. Darunter hat man nichts getragen. Es war in der Schwangerschaft von Vorteil, der Bauch konnte darunter wachsen, das TÜTÜT war gut gelüftet und die Brust schön frei für´n Ferdinand! So ist auch das Oberteil der Inderinnnen dem Dirndloberteil ähnlich.Und der Sari eigentlich nur kein genähter Dirndlrock.

Das Bratl ist auch unsprünglich, und aus Notdurft entstanden. Die Jugend hats Fleisch roh gefressen, die drei Alten mit ihren vierzig Jahren haben sich am Feuer gewärmt bis einem von ihnen der hintern verbrannt ist.... Ein Feuer und ein Drumm Fleisch, kein Messer noch erfunden..... Im Orient braten die Leute ihre Braten solange bis das Fleisch vom Knochen fällt. Gegessen wird mit der Hand.

Das Butterschnitzel ist ein Verwertungsrezept für minderwertiges - von Knochen abgeschabtes Fleisch, heute würds heissen : Seperatorenfleisch - fein gehackt und gut gewürzt. Das Grundrezept ist ein "Hamburger" den die Russen in jene Stadt gebracht hatten, von wo aus das Hamburger Steak dann seinen Weg bis zum Bigmäck durchmachte. Ins Butterschnitzel heute Brot oder Ei zu mischen ist ja eigentlich nicht mehr erlaubt.Ich würds auch nicht überall essen...

Und dass man damals wie heute, alles hacken und würzen, formen sowie braten kann ist ja nichts Ungewöhnliches.

Geht man der Sache auf den Grund , heisst es eigentlich nur "Dirndl" wenns ein junges Frauerl trägt. Drndl kommt von Dirne - Eine Frau die zu Willen sein kann .. Heute etwas gaaanz böses...

Und "Butterschnitzerl" weils so weich wie Butter hinunterrutscht.Und es auch MAgenkranke oder Zahnlose vertragen können.

Daher wollen gewisse Frauen halt mit dem Dirndl ihre wiedergewonnene "jungfräulichkeit" unterstreichen. Er jägert oder golft und fürchtet sich vorm Herzkasperl neben dem Nachtkasterl. Und weil das TÜTÜ wieder so ausschaut wie ganz neu, was liegt da näher als ein Dirndl beim Lanz zu kaufen...

pastinake, 08.07.05 @ 11:36

Hacken oder Faschieren?
Da bin ich sehr pragmatisch: wenn das Messer der Maschine scharf ist und nicht quetscht, finde ich faschieren OK, vor allem für mehr als 2 Portionen. Sonst ist hacken (hier ein bisschen Werbung für das sensationelle Hackebeilchen von Güde) sicher besser.

noapino, 08.07.05 @ 11:26

Gerührt und nicht geschüttelt?
Korrektur: sollte lauten: "Gehackt und nicht faschiert."

Butterschnitzel von Gans oder Reh finde ich wunderbar.
In pastinakes Anmerkung wird der Prozess der Fleischzerkleinerung verschwiegen, aber ich möchte sicherheitshalber doch (wie auch beim Tatar) die Vorteile des Hackens mit schweren scharfen Messern gegenüber dem maschinellen Zerquetschen hervorheben.

Oder wird's dadurch wieder zu kompliziert?

pastinake, 08.07.05 @ 09:03

Butterschnitzel oder Fleischleibchen
Lieber Apicius,
beim Bratl stimme ich mit Ihnen überein, auch bezüglich der Kompliziertheit mancher altüberlieferten Rezepte möchte ich wie Sie für Vereinfachung plädieren. Beim Butterschnitzel werde ich jedoch fundamentalistisch und widerspreche: Senf, Petersilie und Zwiebel machen ein intendiertes Butterschnitzerl zu einem Fleischleibchen. Das kann auch was Gutes sein, aber ein zartes, nur nach gutem Kalbfleisch schmeckendes Butterschnitzel ist doch eine andere Kategorie.
Ich mache Butterschnitzel,im Herbst auch von der Gänsebrust (mit Pastinakenpüree und im Glücksfall mit frischer Trüffel in der Sauce). Beim Schafellner in Stadt Haag hat es das gegeben, auch manchmal vom Reh - wunderbar!
Schieres Fleisch, Eidotter, kaltes Obers, Salz, Pfeffer, (Muskat), keine Brösel. Sanft in der Pfanne gebraten, mit passenden Fond gefertigte Sauce dazu, aus.

apicius, 07.07.05 @ 23:57

Jetzt schreib ich was übers Bratl....
Ein Bratl nach einem alten Rezept.. schreibt C.W.Irgendwo in Speising stand dann noch was über das berühmte Wiener Butterschnitzel und dazu ein phänomenal umständliches aber sicherlich alt - ehrwürdiges Rezept. Herr Franz Ruhm hat es in den dreissiger Jahren so gelehrt. Und C. W. schreibt von Chefköchen die sich damit plagen müssen. Wie beim Bratl. Denn so manches "alte Rezept" ist wirklich nichts zum Nachkochen, ausser man ist ein Gastro - Bibliophilist wie C.W. Der darf das ausprobieren was in vergilbten Blättern steht und der kann dann das Nachgekochte auch loben - sofern er will. Aber er sollte dazu auch dafür sorgen unsere "Spitzenköche" darauf aufmerksam zu machen, dass es so schwierig ja gar nicht wäre. Würde man das Wesentliche tun und die angedichtete Firlefanz lassen.Denn viele Rezepte sind schon durch die Kochbuchautoren derartig schwierig geworden, dass sich nachkochen oft gar nicht lohnt. Es gibt Köche welche damit zeigen wollen wie schwer dieser Beruf, der früher einmal jeder Bäuerin angeboren war, eigentlich ist. Und wenn einer draufkommt , es schmeckt mit einer oder drei Zutaten noch besser dann kommt das hinein. Das Fleisch mit Brot zu strecken beispielsweise stammt sicherlich aus Notzeiten.Etwas bessere Zeiten brachten das Ei ins Spiel um Fleisch zu sparen. Das würde ich heute beim Butterschnitzel nicht mehr machen es verleitet zur Produktverfälschung.

So ist auch ein Dirndl aufs wesentliche beschränkt etwas sehr Schönes. Und das Bratl auch. Ein gutes Stück Fleisch, wenige Gewürzlein und eine Bratröhre oder ein Saftbräter oder ein Römertopf, oder an der Glut am Spieß. Die Wahl des Kochverfahrens bestimmt das Weitere. Kein Theater darum herum, die Hitzeübertragung muß überwacht werden. Kein Gebläse im Herd und kein Mikrowellenzuschuss oder Förderung durch zeitgesteuerte Beschwadung. Eine halbe Stunde vor dem Anschneiden ist es fertig. Ruht, wartet. Sein Saft sammelt sich.... Ein Bratl geling in der einfachsten Hütte. Wenn der Wirt dazu nicht noch dreizehn andere Speisen anbieten muss weils der Diktator "Gast" so will.
Das Butterschnitzel wäre da ebenso einfach: Faschiertes Fleisch in eine Lage bringen wo es, wenn es gart richtig locker und doch fest genug wird um sich darin verbeissen zu können. Mehr nicht. Statt Ei und Brösel kann feingehackter Zwiebel und Petersilie hinein. Salz, ein Löfferl Senf, Pfeffer. Jeder Sternekoch kann das... Nur passt es dann nicht auf die hochpreisige Karte. Wer versteht das schon, ein Butterschnitzel um 12 Euro bitte sehr gschamster Diener der Herr! Das Butterschnitzel welches 30 Jahre von den Köchen vergessen wurde und ein Vorstadtbeisl - Essen geblieben ist, kennt man mit Pürree und schwarz gerösteten Zwiebeln drauf um 35 Schillinge samt Salat und Bratlsafterl. Ach ja, ins Pürree hat man jetzt Trüffelöl gemischt, unnötige Fettbeigabe meine ich, nur zum besseren Preisverständnis? Das ist wie beim Dirndl, das alternde Matronen zu unschuldigen Jungmädchen machen soll.

pastinake, 07.07.05 @ 17:05

Stille Post
Jetzt hat der Thread aber schon Ähnlichkeit mit den Spiel "Stille Post" ...

profiler, 07.07.05 @ 16:14

gastfreundschaft......


jetzt hat der gute apicius aber noch elegant die kurve genommen.

liebe grüsse von einem der ebenfalls weder tracht noch steirerjanker oder ähnliches besitzt.

trotzdem ist es mir eigentlich wurscht was die leute bei ihrer arbeit für ein gewand anhaben.

apicius, 07.07.05 @ 15:04

Verbesserung
Ich habe vergessen anzumerken, daß die oberösterreichischen Salzkammergutbewohner und die Ausseerländler durchwegs der meiner Auffassung nach gastfreundlichste Menschenschlag in Österreich ist.

apicius, 07.07.05 @ 10:55

Frischluftdepperte...
Als Stammgast im Salzkammergut und Nicht - Wiener habe ich dafür eine ziemlich patente Erklärung: Der Wiener war ja lange dem Provinzler derartig suspekt, daß ihm ab und zu sogar das Tanken an Tankstellen rund um BaD Ischl verweigert wurde. Nach der Sperrstunde durfte auf keinen Fall einer kommen.. Da half die Verkleidung natürlich, denn wenn man durchs Fenster einen Herrn im Trachtengewand feststellte tat man nicht mehr so als wäre keiner daheim. "Unterm Gesicht" getraute man sich dem mit viel besserem Schmäh ausgestatteten Wiener nichtseinen Wunsch zu verweigern und füllte ab und auf was er wollte.
Heute sind diese Trachten herrliche Signale an die lokale Erlebnisgastronomie: Dem kann man verkaufen was du willst: Tiefgekühlte Forellenfilets vom Polarfrost als frisch gefangene Saiblinge etwa.

edi4, 05.07.05 @ 14:56

Tracht beim Wirtn
So, jetzt also mein erster Beitrag hier in diesem Forum....
ich finde das ja irgendwie lustig das mit Tracht oder Nicht nur auf Wirtshäuser (oder Gasthäuser??) zu beschränken. Zu diesem Thema fllane mir immer die "Frischluftdepperten" wie wir eingeborene die Wiener Klientel mit WOchenend und SOmmerhäusern im Salzkamemrgut nennen, ein: Diese werfen sich mit Überquerung der Ennnsbrücke auf der A1 in Lederhosen, Trachtenjanker und Dirndl und haben bis heute nicht verstanden warum Sie von den Einheimischen dafür ausgelacht werden....
Hoffe damit niemandem zu sehr auf die Zehen getreten zu haben.
ein fröhliches Grüß Gott an alle

Minimalist, 01.07.05 @ 14:20

@tastatour
Sorry, das war missverständlich und unzusammenhängend von mir eingefügt.
Das ist das die Überschrift zum Wien-Beitrag im Jul/Aug "Wallpaper" (englischer Journalist).

tastatour, 01.07.05 @ 11:32

@Minimalist
Ich gestehe, nicht wirklich zu kapieren, worauf sich dieser Satz bezieht:

Und Wien als Stadt: "I never knew the old Vienna before the war, with its Stauss music, its glamour and easy charm, but today Vienna dances to a new modernist beat"

Minimalist, 01.07.05 @ 10:05

Feine Analyse, apicius
Ich bin begeistert, von dieser differenzierten Mikroanalyse (mit dem rettenden Schalk).
Aber wie sehen uns die Japaner, Australier, Amerikaner, Briten.... die diesen differenzierenden Insider-Blick nicht haben können?
Mich interessiert das, (unter anderem) weil ich genau jenen klar machen muss, das wir nicht nur gut im Trachtenjanker-, Filzpatschen- und Tiroler Balkone-machen sind.

Im Jul/Aug "Wallpaper" (International Design, Interiors, Lifestyle Magazin) sind unter "25 Architects, the most innovative and exciting practices in the world" 3 österreichische Häuser/Architekten Kombinationen angefürt und nur 1 aus Frankreich, 2 aus USA. Und 1 österr. Designer unter den "10 most wanted".
Und Wien als Stadt: "I never knew the old Vienna before the war, with its Stauss music, its glamour and easy charm, but today Vienna dances to a new modernist beat"

Ich freue mich über solche Verbündete. Genau so wie über die international konkurrenzfähige österr. Küche und Weine. Ohne deshalb lokale Stärken gering zu schätzen.

jamiesolive, 01.07.05 @ 02:42

wohl gesprochen, apicius
wenn der krawatterlkochstresemann kommt, dann erwachen in mir echte dirndl- und trachtensehnsüchte. (wie ihr wisst, stamme ich von den britischen inseln, also erwachen in mir selbstverständlich vorab kilt-und bearskin-hat-sehnsüchte). andererseits sind mir uniformen aller art suspekt (kochuniformen inkl..), und es ist mir auch egal, ob eine/r nackert oder mit schürze kocht. also muss ich wohl auch akzeptieren, wenn einer ein krawatterkochstresemann oder ein designerkochschwarzfuss oder eine nigella-lawson-femmefatale-wilde-henne ist.
taste it, so you can get it, lautet meine devise. und nicht:: get it, however it may taste.

apicius, 30.06.05 @ 23:06

Kann es sein dass man Gutes missbraucht?
C.W schreibt die Tracht eines Südmolukken sagt a priori nichts aus und dass Hitler Vegetarier war ist völlig unwichtig. Es gibt eine menschliche Dynamik die sich aus aktiven und passiven Potenzialen zusammensetzt. Daß ein Fürst gut zu speisen wußte hat die Küche immer schon beflügelt.

Und es ist nicht die Schuld der Musikantenstadelwelt oder gar Schneider wenn Trachten dazu verwendet werden eine Art Überwelt zur Normalität zu erzeugen. Es ist ein Zeitgeist der diese Kreise dazu treibt. Und die Schneider entsprechen diesen Anforderungen. Mit gewöhnlichen Kleidern fällt man nicht gut extrem auf. Wir wissen wie man es sich in einer "durchökonomisierten" Welt richten kann. Tarnen und Täuschen ist eine akzeptierte kaufmännische Qualität geworden. Daher ist es wichtig schlau zu sein und auf das zu achten was man nicht sieht. Bescheidenheit ist längst keine Tugend mehr, sonst gäbe es auch nicht soviele Kochbücher. Trachten sollen Heimat und familiäre Werte unterstreichen, nicht mehr.
Aber es ist mir noch eine andere sehr auffällige Tracht eingefallen; eine ganz Neue: Der Krawatterlkochstresemann: Zu sehen im TV, in den wichtigsten gastrointernen Lifstyleblättern und im C&C Großmarkt wie er dann und wann werbewirksam einkauft.
Eine lässig geöffnete rot weiss rot eingefasste Kochjacke mit Namenszug und Familienwapperl, cool darunter ein fein geripptes blau gestreiftes Hemd mit passender Krawatte. Die Jacke locker über eine Anzugshose flatternd. Zu seinen Accessoirs zählen eine auffallende Schlüsselkette und mindestens zwei Handy mit extrem nervigem Klingelmodus. Und ein Auto, ein VW Litfass GTI wo jeder ohne ihn lang fragen zu müssen weiß wo er hingehört.

Ich möchte mit dem spöttelnden Unterton kein Naturrecht auf freie Entfaltung der jeweiligen Persönlichkeit einschgeschränkt wissen. Die Welt braucht jeden Narren dringender als Tyrannen und Despoten. Und so wird eine Tracht auch zum Scheidewasser der Meinungen und das ist etwas Wunderbares. Sie macht einfache Frauen zu himmlischen Engeln und unterstreicht woanders die Habgier mit schalkischem Witze.

Grüss Gott alle beieinander!

Minimalist, 29.06.05 @ 18:44

Reality Thread?
Hätte ich nicht die listige Falle mit O. Neuwirth gelegt (die dann zum Mundl wurde), wäre die "Trachtengemeinde Österreich" abstrakt geblieben.
Jetzt, wenn auch im bunten satirischen Mantel, liegt sie vor mir. Und sie ist nicht nur zu ebener Erd zuhause sondern lebt sich auch noch in den schummrigen Katakomben der Gastronomiemessen aus.
Statt Fernreisen in exotische Länder, möchte ich bezahlte Führung in diese schillernde Welt buchen. Die "wulstigen Leiber von.."?
Mutiger apicius, ist das möglich?

Übrigens, gestern habe ich im "The River Cottage Meat Book", Fearnley-Wittingstall, einen sündhaft schwartelknusprigen Schweinsbraten gesehen. Very British?!
Der Schweinsbraten scheint sich über viele Grenzen hinweg zu trauen. Er ist, in dieser Hinsicht, wirklich unschuldig, lieber Bürgermeister.
Die oben beschriebenen Trachten-Reality sollte vielleicht doch nicht allzu weit.... Oder?

apicius, 29.06.05 @ 16:13

Ein Hecht ist´s...
.. zu den Dirndlgschichterl möchte ich noch anmerken, dass es auch von der Machart des Dirndl abhängt. Ein Prunkdirndl vom Lanz macht ab und zu aus einer biederen Wirtin eine Gräfin. Ich kenne ein gutes Kärntner Wirtshaus am Längsee, dort sah ich zum Exclusiv - Seidendamast und Spitzen - Dirndl noch ziemlich lange schwarz lackierte Fingernägel, die Dame konnte die Menüsuppentassen nicht einwandfrei abservieren.. Eine solche Berufskleidung lässt dann manche Dame die als Gast dort ist wie ein Mauerblümchen erscheinen. Ich denke da auch an übertriebenes Schmuckgehabe welches die Prominenz dieser Lokalitäöten wohl noch mehr zur Geltung bringen könnten. Ich finde ein Dirndl das aus dem reichen Fundus der österreichischen Trachtfärbung kommt ist schon etwas sehr kleidsames für eine Kellnerin oder Wirtin. Ich will da einmal das Haus Beuerle in Salzburg empfehlen.Dort werden die Werktagsdirndln hergestellt die ich liebe. Dort gibts von der Lavanttaler Tracht bis zur Auserferner Leibschürze alles was unsere Frauen gut kleidet. Und wenn eine Gräfin dann zu Tische sitzt wird sie nicht vom Serviermeädchen übertrumpft. In der Gastronomie solls halt weiterhin Könige geben. Die anschaffen und zahlen und immer wiederkommen.....
Grüss Gott!

andreasbigler, 29.06.05 @ 13:19

@ apicius
Absolut treffend, kann eigentlich nur von einem guten Wirt kommen!

Es ist halt leider so, die "Piefkesaga" ist Wirklichkeit und wir werden diese Spuren nie ganz verwischen können und das Theaterspielen scheinen wir alle bis zu einem gewissen Grad gut drauf zu haben.

"Kummt's Kinda, ziert's eich nit, buckt's eich, de Gäst (bei mir auch Patienten genannt) kumman"

pastinake, 29.06.05 @ 11:38

@ Apicius
Ihre Vorliebe für Schärfe scheint sich nicht nur auf Essen zu beziehen. 3 Chilischoten und Bravo für Ihre "scharfsinnigen" Beobachtungen!
Off topic: ich muss es wissen: ist das kleine Fischlein ein Hecht?

apicius, 29.06.05 @ 10:59

Lederhosendeppen auf dem Folkloretrip
Ich verabscheue Gastronomiemessen. Aber ab und zu muss man hin. Ich empfehle das auch jedem Speisinger sich dort ein paar Tage auf zu halten. Ein paar Stunden sind nie genug. Du gehst durch Wolken schwerem Parfüms, du klemmst Dich bei Kochvorführungen prominenter Köche zwischen ausladenden Brüsten in Spitze und rupfernem Linnen. Kropfbänder mit Juwelen die dem göttlichem Kaustaba -Diamanten auf dem Kopf des heiligen Elefanten von Inra persönlich um nichts nachstehen. Die österreichische Tourismusgastlichkeit in Ihrem Element. Wo man hinschaut wie Soldaten und Soldatinnen einer gastronomischen Armee verkosten, verdrücken, verschlingen sie was Knorr, Maggi und hundert Brauereien, Kafferöster und so weiter hergelegt haben. Sonst sind sie aber nur biedere Leutchen mit ihren Marlboros in der Hand und der vegetativen Dystonie auf der ausgestellten Oberbrust. Die Lederhosen spannen sich um feiste Wampen unterm grün kariertem Hemd mehrere riesige Schweißflecken runden das Ebenbild Jennerweins und eines Kern Buam ab. Erst gestern hatte ich das Vergnügen in einer Tourismusgaststätte (wo es eigentlich passen würde ein Designer - Dirndl zu tragen)so bekleidet bedient zu werden. Ich bedauere diese Leute die dann auch oft noch ein nicht zu ihrer Figur passendes Kleid tragen, und wenn dann das Essen nicht gut ist beweist es meine Vermutungen wenn ich auf die Gastronomiemesse zurückkomme: Diese Kleider dienen immer öfter dazu den Gast über Mängel hinweg zu täuschen. MAn quatscht wie Marianne und Michael und reibt dir den Schund einer gekauften Auftau und Anrichteküche unterm Schnautzer. Vor allem dort wo die österreichische Gastlichkeit wie eine Prostituierte von geldgierigen Zuhältern verkauft wird.In Tirol Salzburg, Kärnten und dem Salzkammergut leider auch schon. Das passt dann auch wieder ins Messeklische dieser Branche....

katiza, 29.06.05 @ 08:19

Danke, Herr Bigler
für das nette Link

jamiesolive, 28.06.05 @ 19:23

harmoniebedürfig...
...bin ich natürlich (wie scheinbar alle speisinger) auch und gestehe daher gerne ein, dass ich von dem, was die wahren qualitäten herrn zeilingers zu sein scheinen, absolut nichts verstehe. mir geht nur sein elite-getue auf die nerven.
und noch ein wort zu johanna m. und der der dirndldebatte. hat sich schon jemand einmal ihre „kochkluft" genau angesehen? ist exakt ein dirndlschnitt, nur halt nicht bunt, sondern weiß wie die tracht (!) einer nonne.

andreasbigler, 28.06.05 @ 16:41

Und wenn wir schon so viel über Trachten schreiben .....
dürfen wir auch mal kurz fremd gehen:

http://www.smart-art.at/alpen/inhalt.html

LG
A. Bigler

Minimalist, 28.06.05 @ 16:24

Ich bereue
Eine Zeilinger-Diskussion wollte ich keinesfalls anzetteln.
Ich bin nicht harmoniebedürftig, aber
ich hoffe, jamiesolive, wir können uns darauf verständigen, dass der Versuch vorhandenes Wissen zu prüfen, zu verarbeiten, zu erweitern, in Unbekannntes hinein zu experimentieren, neue Erkenntnisse zu suchen, von einem Wunsch Zukunft mitzugestalten getrieben sein kann.
Und ich glaube, dass z.B. J. Maier von diesem Typ ist. Enormes Kochwissen aufgebaut, praktisch experimentiert, auf Neues geschlossen, verfeinert, .......Immer in Bewegung.
Für mich ist sie eine "moderne" Köchin.
Aber wenn ich mir die in ihrem Kochbuch so augenfälligen Symbole der Bewahrung (Outfit, Heim, Familenidylle,...) ansehe, zweifle ich an meinem eigenen Urteil.
Das was und das wie spiesst sich. sonjaaa hat es auf den Punkt gebracht.

katiza, 28.06.05 @ 14:39

Wirtinnene Dirndl
Als Tirolerin hab ich so meine eigene Einstellung zum Dirndl - ich fürchte und ächte das von meiner Mutter so getaufte Wirtinnen-Dirndl - meist dottergelb, rosa oder in Blautönenen und von jeder Anmutung einer Trachtenfarbe weit entfernt. Hauben-Köchinnen im weißen Dirndl lösen auch bei mir Kopfschütteln aus. Ich schätze die echte Tracht, die aus einer Bäuerin eine hohe Frau macht, wird sie mit Selbstbewußtsein und Würde aus der eigenen Kultur getragen. Beim Schiurlaub in Alpbach gibt es immer zwei drei Abende in der Woche, an denenen das Böglerhof-Personal im Dirndl serviert. Da habe ich mir letztens gedacht, wie gut so ein - sehr klassisches Rot-schwarz-weiß-dunkelblau Dirndl doch den Mädchen und Frauen mit verschiedensten Figuren steht.... irgendwas hat es schon. Ich glaube, wichtig ist, wie man etwas trägt. Dann steht der Latino-Prinzessin das Dirndl, dem Schwarzen der Tirolerhut, die Krachlederne passt zu den Draedlocks, das Gössl-Hemd zum Piercing und ich darf Saris oder Ponchos tragen - oder einen Giessweinjanker.
PS: Liebe Pastinake, schön, dass ich auf deiner/ihrer Buddyliste Platz gefunden habe - freut mich sehr, da sich Wort für Wort tiefe Sympathie entspann ....

pastinake, 28.06.05 @ 11:56

@ jamiesolive: Hallo ich bin es!
Bitte keine Verwechslungen. Ich bin dem Minimalisten sehr verbunden, habe aber meine eigene Identität.

andreasbigler, 28.06.05 @ 11:10

@ Selbstbewusstsein und Janker - "minimalist"
Ich werde oftmals gefragt, was muss ich denn anziehen, wenn wir in dieses Restaurant essen gehen. Logischer Weise kommen dann von mir immer "blöde" Antworten, wie "was dir taugt, denn zahlen tust du und daher bist auch der King und deine Maus am Besten wenig, damit die Kellner auch was davon haben"

Diese Einteilungen, wer was wann trägt, sind ja wirklich zu blöd. Für mich ist das Wichtigste, dass man gepflegt wirkt, was bringt's wenn einer völlig verschwitzt mit dem teuersten Anzug erscheint, wenn er doch abgeschmuddelt wirkt.

Ich lernte erst kürzlich ein in Wien lebendes Latinomädl kennen, die sehr gern Tiroler Trachten trägt und es passt ihr ausgezeichnet, aber gute 70% der Leut teilen diese Meinung nicht mit mir, weil Latinos ja keine österreichischen Trachten tragen, sondern ihre heimischen.

So lass' ich alle freien Menschen, die sich nur an ungefähr 15.000 fiktive (ich bin blond, hoffentlich ist das richtig geschrieben) Vorschriften halten, hoch leben und wünsche ihnen weiterhin viel Glück auf der Suche nach ihrer Identität ......

jamiesolive, 28.06.05 @ 10:39

zukunftsweisend
unter der präambel,verehrter minimalist, dass wir hier, auch wenn wir verallgemeinern, IMMER nur unsere eigene meinung schreiben, muss ich das thema „international anerkannt und zukunftsweisend" noch einmal aufgreifen:
also, für mich ist anton zeilinger (bei allem talent) ein von einem unhinterfragten elitebegriff besessener und entsprechend gefährlicher finsterling; olga neuwirth ist eine massvoll originelle komponistin, deren nachruhm wohl nicht viel länger währen wird als jener der gleichnamigen schrammeln. und johanna maier ist eine meisterhafte abkupferin großer und größter vorbilder.
vielleicht wird nun auch meine frage verständlich, was ernst jandl in dieser aufzählung sollte. den halte ich (natürlich IMMER nur ich) tatsächlich (ganz im gegensatz zu thomas bernhard, nebstbei) für einen der größten sprachkünstler des 20. jahrhunderts.

andreasbigler, 27.06.05 @ 12:17

@ Pastinake "Buddylist"
No, das ist mir doch eine Ehre (ist natürlich gelogen, denn geehrt will ich mich nie fühlen müssen, aber ich freu mich)!

Ich kann mich sowieso nicht ändern, denn ich bin zwar ein Trottel, aber nicht deppert - das ist im Leben keine Bedingung, aber es erleichtert dieses ungemein, weil man sehr oft mitkriegt, welchen Müll die 'Gscheiten reden können, ohne dass die annehmen, dass es von solchen wie mir, bemerkt werden könnte .....

Liebe Grüße
Andreas Bigler

p.s.: Ich bin nur 180 cm groß und Biegler schreibt man erst ab 184 cm!

Minimalist, 27.06.05 @ 12:03

Selbstbewusstsein und Janker
Ich dachte in einer Forumsdiskussion sei das selbstverständlich.
Deshalb für diesen und alle anderen Beiträge. Es is IMMER "meine Meinung".

Zum Janker: bitte tragen.

Ich trage zuhause burmesische Longis (Wickelröcke), bin aber viel zu feige sie auf der Strasse zu tragen. Wenn ich eine Sumoringer mit einem Kimono sehen und Afrikaner mit ihren herrlichen, wallenden, farbenprächtigen Gewändern frisst mich der Neid. Ich finde Anzug und Krawatte auch nicht besonders zukunftsweisend und trage sie doch, wenn es sein muss. In schwarz und nur in schwarz ("the man in black).

tastatour, 27.06.05 @ 11:57

Olga Neuwirth im Dirndl-Thread ist wie Mundl Sackbauer am Opernball
Die Frage "Was will sie/er uns damit sagen?" zählt zu den am häufigsten gestellten. Sie umschreibt die spezifisch mitteleuropäische Unart, ständig Botschaften zu empfangen, die nie gesendet wurden.

Auch wenn ich alle genannten Personen wie Olga Neuwirth sehr schätze, so hat die Verwendung von Begriffen wie "zukunftsweisend", "Innovation" und "Anerkennung" eher mit dem Wunschdenken von den jeweiligen Peer-Groups zu tun als mit der ursprünglichen Bedeutung.

Boris_A, 27.06.05 @ 11:45

Janker
Als Schweizer Spross von einem bulgarischen Immigranten, einer Tessiner Grossmutter und einem Grossvater aus Parma hab' ich vor Jahren in Bozen Gefallen an einem Südtiroler Janker gefunden und ihn mir gekauft.

Darf ich den nun tragen und wenn ja, mit welchem Bewusstsein? Und darf man darin steckend nur Schlutzkrapferl auf hohen Almen speisen oder auch mal Nasi Goreng in einer europäischen Grossstadt?

jamiesolive, 27.06.05 @ 11:01

@minimalist
ich bin immer froh, auf zeitgenossen zu treffen, die soviel selbstbewusstsein besitzen, dass sie sich im besitz der absoluten kriterien dafür wissen, was international anerkannt und was zukunftsweisend ist.

jamiesolive, 27.06.05 @ 11:01

@minimalist
ich bin immer froh, auf zeitgenossen zu treffen, die soviel selbstbewusstsein besitzen, dass sie sich im besitz der absoluten kriterien dafür wissen, was international anerkannt und was zukunftsweisend ist.

pastinake, 27.06.05 @ 10:16

@gscheat is absolut guat
Lieber Herr Biegler!

Darf ich Sie auf meine Buddyliste nehmen?. Ihre treffsicheren Postings erfrischen mich immer wieder. Bleiben Sie so, es gibt leider nur mehr wenige Männer wie Sie!

Minimalist, 27.06.05 @ 09:58

Sorry
Das hat mit dem Geschlecht gar nichts zu tun!!!!

Minimalist, 27.06.05 @ 09:40

@jamesolive
Ja, washaben die gmeinsam? Zeilinger macht eine international anerkannte, zukunftsweisende Physik, Neuwirth, international anerkannte, zukunftsweisende Musik, Jandl, international anerkannte, zukunftsweisende Literatur, Maier, international anerkannte, zukunftsweisende Küche (beste Köchin der Welt?).
(Statt Jandl hätte ich auch Thomas Bernhard ua. nennen können, und natürlich sind auch die anderen nur Repräsentanten. Aber bei Küche, fällt mir sonst nur Jörg Wörther ein).
Und das hat mit dem Geschlecht gar nix zu tun?
Und auch nichts mit Minimalismus, sondern mit "der Moderne".
Eir können nicht ewig von Mozart "leben".

andreasbigler, 24.06.05 @ 20:49

Dirndl, schwer in Ordnung!
Also ich mag Mädls im Dirndl, wenn sie halbwegs bestückt sind - bezieht sich auf Oberweite und nicht auf "hips" und "buns" - denn die haben meistens nicht so einen Haken, wie wie die "Neuzeit - Techno Hasen", und sie sind oftmals auch sportlich und heben auch ganz gern ein Bier oder ein gutes Glaserl Wein!

"G'schert is absolut guat!!!!!!!

sonjaaa, 24.06.05 @ 17:39

Losgetreten
Nachdem ich den Speisingern diese Diskussion (unbeabsichtigt) eingetreten habe bedanke ich mich nun bei Pastinake, der meinen Gedanken zum Thema ziemlich exakt erfasste und nun zum Ausdruck brachte.

Es kommt nicht darauf an, ob man etwas isst oder traegt, sondern wie man es tut.

Und man muss sich schon im klaren darueber sein, dass man sich mit allem (Essen, Mode, Auto, Meinung, Kunst, Briefmarkensammlung, Moebel,...) nach aussen hin positioniert - speziell dann, wenn man in den Medien praesent ist.

jamiesolive, 24.06.05 @ 17:13

jandl
nun habe ich ja schon öfters bei johanna maier gespeist, und immer durchaus exquisit. jetzt mag sie ja mit anton zeilinger den ehrgeiz und mit olga neuwirth zumindest das geschlecht gemeinsam haben. aber was sie mit ernst jandl verbindet, das kann ich mir beim besten willen nicht erklären. bitte jetzt nicht sagen: das minimalistische. denn ich war noch immer, wenn ich das hubertusstüberl verlassen habe, bestens gesättigt.

Minimalist, 24.06.05 @ 16:34

Symbole
Das 80jährige Moidele, Senior-Wirtin in Obertilliach, mit Ihrem Dirndl wird von mir spontan heiss geliebt. Die Doppelnamen-Tussi (Erfindung von Harry Rohwolt) aus Bochum mit Ihrem "Salzburger" Trachtenkostümchen mit den übergrossen Hirschknöpfen betrachte ich mit grosser Reserviertheit.
Das gleiche bei Männern (liebe Alma)!
Warum?
Weil wir das Formale und Inhaltliche nicht ohne Anstrengungen trennen können.
Douglas Hofstadter hat darüber in "Gödel, Escher, Bach" (und weniger populären Werken) geschrieben und Umberto Eco und andere betrachten die Bedeutung von Symbolen und Inhalten in ähnlicher Weise.

Meine wilde Theorie: schwache Inhalte brauchen starke formale Stützung. Schwache Ideologien brauchen pompöse Riten und Symbole.
(Macht ist nur ein Symbol von Kraft!)

Den Schweinsbraten mit Stauberte Knödel im "Strohsack" (leider geschlossenes Wirtshaus bei Gutau/Freistadt) liebte ich heiss (er war dort schon formal).
Dem Schweinsbraten bei Gordon Ramsay stehe ich (zu unrecht) reserviert gegenüber.

Im "Madonnina del Pescatore", nahe Senigallia servierte ein in einheitlch beiger Designerkleidung auftretender Service, in einem hypermodernen Ambiente Langostinos in Orangensaft uä.

Jetz wage ich mich weit beim Fenster: Österreich betreibt Innovation mit Blick nach hinten.
Wir haben Anton Zeiliger, Olga Neuwirth, (hatten) Ernst Jandl und Johanna Maier, aber wir positionieren uns als Trachtenmgemeinde.

Deshalb bin ich bei Kimonos tolerant aber bei grau mit grünen Doppelstreifen an der Hose nicht.


pastinake, 24.06.05 @ 15:42

Kulturhistorisch
haben Sie 100 Prozent recht. Ich nehme für mich in Anspruch soziologisch/psychologisch argumentiert zu haben.
Wenn mir eine Bäuerin in Tracht auf der Alm oder im Dorf ein Bratl oder einen Käs serviert - wunderbar!
Wenn auf einem Foto eine österreichische Topköchin Jakobsmuschelcarpaccio mit Wasabischaum in einem Designer-Dirndl mit einem Strohmandl im Hintergund präsentiert - dann sind wir wir fast schon wieder beim Musikantenstadl angelangt. Jeder Mensch definiert sich durch das Bild, das er/sie von sich zulässt. Die Diskussion wurde m. E. ausgelöst vom Wunsch nach mehr Selbstbewusstsein und vor allem Autentizität bei unseren Topköchinnen.

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