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Christoph Wagner's Weblog
30.07.05 @ 10:58
Sex sells (kannst wieder aus deinem Winkerl kommen, Speising-Bär, jetzt wird´s lustig!)
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Ich erlaube mir, die Votings der letzten 24 Stunden dahingehend zu interpretieren, dass die alte, schon vom großen Medienphilosophen Wolfgang Fellner aufgestellte Weisheit „Sex sells" auch auf speising.net ihre Gültigkeit hat. (Über die Singvögel können wir ja im Herbst, wenn´s dann tatsächlich an die Leimrute geht, immer noch ein kleines Privatissimum halten).
Als kleines „Vorspiel" zwei erotische Zungenkitzler, einen aus der Feder des italienischen Futuristen Filippo T. Marinetti, und einen aus meinem Archiv:
5gängiges LIEBESERKLÄRUNGS-ESSEN nach einem Rezept des futuristischen Luftmalers Fillia:
IchbegehreSie:
eine aus verschiedenen, äußerst raffiniert ausgewählten Bestandteilen komponierte Vorspeise, die der Kellner lediglich zum Bewundern bringt, während sie sich mit Butterbrötchen begnügen muß.
Angebetetesfleisch:
ein großer Teller, der eigentlich ein leuchtender Spiegel ist. Im Mittelpunkt Hühnerschnitzel, mit Ambra parfümiert und mit einer dünnen Schicht Kirschmarmelade bedeckt. Während sie ißt, wird sie ihr Spiegelbild im Teller bewundern.
SowerdeichSielieben:
kleine Röhrchen aus Mürbeteig voll verschiedenster Geschmacksnuancen, das heißt eine mit Pflaumen, eine mit in Rum gekochten Äpfeln, eine mit in Cognac eingeweichten Kartoffeln, eine mit süßem Reis usw. Sie wird ohne Augenzwinkern alles essen.
Superleidenschaft:
eine Torte aus süßem, sehr schwerem Teig. Auf der Oberfläche sind kleine Blumen voll Anis, Pfefferminzeis, Rum, Wacholder und Magenbitter angebracht.
Schenkmirdiesenacht:
eine sehr reife Orange in einer großen ausgehöhlten Pfefferschote, das Ganze in dickem Eierpunsch mit Wacholder, garniert mit Austernstücken und Meerwassertropfen.”
KLEINES ALPHABET DER APHRODISISCHEN GENÜSSE
Austern: verdanken ihren aphrodisischen Ruf vor allem ihrem vaginalen Outfit
Bockshoden: auch Geilwurz oder Hammelschwanz genannte Knolle
Bohnen: verursachen laut hl. Hieronymus Kitzel im Genitalbereich
Feigen: erinnern an die Vagina und heißen ital. vielsagend „fica”
Hahnenkämme: schwellen bekanntlich an
Lebkuchen: hieß früher auch Liebeskuchen
Leinsamen: sollte man mit Pfeffer und Wein vemischen
Liebstöckel: vielsagend auch Lustock oder Luststöckl genannt
Petersilie: hilft gegen das „Nachlassen der Säfte”
Pistazien: symbolisieren Spermatozoen
Rebhuhn: gilt als besonders brünftiges, zügelloses Federvieh
Schlangenfleisch: vergrößert nach chinesischer Ansicht den „Jadestab”
Spargel: allein die Optik macht´s
Smaragdeidechse: die Schwanzspitze soll wahre Wunder wirken
Stierhoden: unbedingt erst trocknen und dann in Ei auflösen!
Süßwein: verdoppelt seine Wirkung durch Safranbeigabe
Trüffeln: Sehen wie Hoden aus und stimulieren durch obszöne Düfte
Zitronenkraut: lädt, unters Bett gelegt, zur körperlichen Vereinigung
Also dann: Viel Spaß bei der „LUST AUF SPEISING!"
18 Kommentare | Kommentar abgeben
apicius, 05.08.05 @ 10:59
Bilch...
Sehr einleuchtend! Diese Übersetzungsmacken. Es fällt oft jahrelang nicht auf auch wenns ganz studierte Herrschaften schreiben. Dann wird oft sofort etwas bedingungslos akzeptiert. Man muß überhaupt bei so alten Rezepturen bedenken, dass sie oft jahrhundertelang nirgends vorgekommen sind, bis irgend ein Klosterbruder sie dann wieder neu geschrieben hat. Und die Christenheit ist ja auch bekannt dafür, dass man umgeformt hat wo es ihnen nötig erschienen ist.
so ist vielleicht auch der Brauch abgekommen Bilche zu verzehren, indem das einfach als Haselmaus interpretiert worden ist.
Ich kann mir nur virstellen, dass solche Tiere abscheulich schmecken.
Die These auf der genannten Homepage, dass Liquamen aus Eingeweiden hergestellt wurde dürfte ebenso falsch sein. Ich vermute dahinte vielmehr ein Gebräu wie die Soyasoße mit viel Liebstöckl dabei.
Umsonst heisst ja auch das Liebstöckl im Volksmund Maggikraut. Die Idee der Rumfortschen Suppe kommt ja auch aus römischen Zeiten...
ChristophWagner, 05.08.05 @ 01:34
Apicius, Haselmaus und Punsch
Nach meinen Informationen verkochte Apicius (nein nicht Apicius d.J. aus Speising, sondern Apicius d.Ä. aus Rom) keine Haselmäuse, sondern die aus der selben Familien stammenden und wesentlich fleischigeren Bilche oder Siebenschläfer.
Unter www.glirarium.org/bilch/rezept.html findet man zu diesem Thema so allerlei, u.a. den folgenden Satz:
„Vor vielen Jahrhunderten hat jemand das glis der lateinischen Rezepte ahnungslos als "Haselmaus" übersetzt. Ein kompletter Blödsinn natürlich; an der winzigen Haselmaus ist praktisch nichts Eßbares dran. Aber seitdem wird dieser Fehler zuverlässig in jedem Buch und jedem Artikel über römische Küche nachgebetet. So schreibt einer vom anderen ab."
Zu Verständnisproblemen mit dem Phallus-Punch muss ich sagen, dass ich beim Verfassen dieses Titels tatsächlich eher an einen Punching-Ball als an einen Punsch dachte.
Ich kann zu diesem Thema allerdings eine kleine Textstelle aus den Memoiren Casanovas beitragen:
„Ich bereitete einen guten Punsch, den ich durch eine Flasche Champagner spritzig machte. Nachdem wir fünf oder sechs Austern gegessen und Punsch getrunken hatten, über den die beiden Mädchen laut jubelten, so gut schmeckte ihnen dieses Getränk, verfiel ich darauf, Emilia zu bitte, sie solle mir eine Auster in den Mund schieben. Sie sind zu klug, fügte ich hinzu, um sich dabei etwas Böses zu denken!" Die Mädchen folgten seinem Wunsch und die Bissen wurden von Mund zu Mund ausgetauscht. "Mir war heiß. Ich konnte es schließlich nicht mehr aushalten und mußte meinen Rock ausziehen, und auch sie schnürten ihre Kleider auf. Sie ließen mich die Schönheit ihrer Brüste bewundern, deren Anblick mich bezauberte. (...) Als ich eine Auster an Emilias Lippen führte, fiel diese durch einen Zufall mitten in ihren Ausschnitt. Sie wollte sie herausholen, doch ich beanpruchte dieses Recht für mich. Sie mußte sich fügen, sich von mir aufschnüren zu lassen und gestatten, dass ich die Auster mit den Lippen aus der Vertiefung holte, in die sie gefallen war. Dabei blieb ihr nichts übrig als sich völlig entblößen zu lassen."
apicius, 05.08.05 @ 00:25
Das Grosse Fressen
"Erst kommt das Fressen, dann folgt die Moral", mit diesem Ausspruch kritisierte Berthold Brecht die zwangsläufigen Ausuferungen des Hedonismus. Und das zu einer Zeit in welcher die gegenwärtigen Ausuferungen utopisch und nicht einmal angedacht werden konnten.
Was Sextrieb und Fressgier schaffen können, formte dann der italienische Regisseur Marco Ferreri 1973 in filmischer Form zu einen Fluch : „Sie werden alle an ihren Vergnügungen verrecken!”
Im Film DAS GROSSE FRESSEN lässt er vier Freunde einen Freitod durch überfressen sterben. Der Exodus aus einer durch Luxus und Laster verhassten Welt durch orale Genussaufnahme.
Der finale gastronomische Akt im Landhaus eines Anwalts legt dem Betrachter exzessive erotische Obsessionen und eine gigantisch anwachsende Leidenschaft fürs Kochen, als eine Metapher auf den Augenscheinlichen Genuss des Lebens, vor. Die Traurigkeit dieses letzten Festes trifft nicht. Ein üppiges geiles Weib aus der Welt des Pöbels spielt die Wirklichkeit.
Gutes Essen und Delikatessen werden hier zum explodierenden Scheißhaus und die Gourmets zu primitiven Einzellern die, wenn sie überhaupt genießen können, nur zum Selbstgenuss fähig sind. In Szene gesetzt sind die herrlichsten Gebilde von Speisen die je in Filmen zu sehen waren.
Aus Langeweile zu essen ist leider auch jetzt in unserer Gegenwart der größte Feind guter Küchen. Der Überdruss an Überfluss hängt wie ein Damoklesschwert überm Hals jedes Essers. Die Flucht in eine philosophische Haltung zum Hedonismus wird zur Falle. Am Ende bleibt Ekel und Einsamkeit.
Die Lösung ist einfach, und mir schweben bei den Gefahren welche aus der Fastfoodworld für die jetzige Jugend kommen (Verlust von Geschmack, keine Chance auf Entwicklung), die Worte der Janis Joplin wie ein Sybillenspruch im Kopf: „Live fast and die Young”.
Denn welche Aussichten auf Genuss gibt es für die jetzt 15 jährigen wenn so viele gute Dinge einfach aussterben. So wie man mit Pornografie nicht Erotik erklären kann....
noapino, 04.08.05 @ 15:23
ad: Powerlunch mit Phalluspunch
(siehe weiter oben rechts)
Bei den aktuellen so ganz unsommerlichen Temperaturen hätte mich das phallische Punschrezept dann doch interessiert.
Oder habe ich da etwas verwechselt?
apicius, 04.08.05 @ 11:16
verzehr mein Fleisch...
... alchimie: limus terrae - das fünfte Element, der Mensch. Wer alle verzehrende Leidenschaft in Erotik fasssen kann, wird lieben können und die Natur verstehen.
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33