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Christoph Wagner's Weblog

06.11.05 @ 03:26

Essen und Tod (leicht verspätet, war zu Allerseelen leider unterwegs)

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Was sind die großen Themen der Menschheit? Die Liebe, das Glück und der Tod. Über die Liebe und das Glück sprechen wir gerne. Den Tod hingegen schieben wir hinweg. Dafür reden wir umso lieber über das kleine Glück der täglichen Mahlzeiten. Und reden damit, ohne es recht zu ahnen, erst wieder über den Tod, über abgestorbene Materie, die wir uns lustvoll einverleiben, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, auch wenn wir letztlich an dem, was wir essen (oder auch an dem, was wir nicht essen), zugrunde gehen. Essen heißt daher, um Montaigne abzuwandeln, vor allem auch: Sterben lernen.

26 Kommentare | Kommentar abgeben

Minimalist, 10.11.05 @ 10:15

Eiweiss und Macht
Ich glaube Austern-Verzehr war ursprünglich gesteuert von der Notwendiglkeit Eiweiss zu sich zu nehmen. Und gekochte Austern sind einfach "grässlich". Zugegeben, mit einem "Saint Tropez"- Effekt befrachtet.
Affenhirn-Essen ist ein Ritual von "Allmacht" eines hoffentlich aussterbenden "Herrenmenschen"-Kulturverständisses (im fernen Osten?).
Beides hat mit "Feinschmecken" wenig zun tun.
Um mich in einer Gesellschaft nicht als Aussenseiter aufzuspielen, würde ich, ohne Vergnügen, schon eine Auster schlürfen (und sie um Verzeihung bitten).
Affenhirness-Rituale würde ich keinesfalls mitmachen, auch wenn dadurch ein lukrativer Auftrag platzte.

jamiesolive, 10.11.05 @ 02:31

affenhirnschlürfaspekt
genau jene (auch aus dem schweigen der lämmer II wohlbekannte) dimension scheint noapino zu meinen. ich persönlich frage mich schon lange, wieso es feinschmecker gibt, die das herauslöffeln des noch körperwarmen affenhirns aus der gekappten schädeldecke als blutrünstig und amoralisch verurteilen, aber austernessen völlig harmlos finden. tatsächlich ist der vorgang der gleiche: die schale (die schädeldecke) wird aufgebrochen, und deren lebender, vor allem bei zitronenzugabe oft noch bibbernder inhalt wird ausgeschlürft bzw. gelöffelt.
die lösung des problems hängt vermutlich mit darwin zusammen: wir betrachten affen als unsere verwandten und austern nicht.
kardinal schönborn, bitte melden!

noapino, 09.11.05 @ 23:34

Austern
ergibt sich unter dem Aspekt "Essen und Tod" eigentlich ein Unterschied daraus, dass Austern im Moment der Einverleibung noch nicht von uns gegangen sind?

wuerstelwaermer, 09.11.05 @ 10:15

Die Liebe, das Glück und der Tod.
Liebe und Tod alleine sind die richtigen Begriffe, denn Glück gehört zu Liebe. Essen verbindet Beides auf dramatische Weise. Die Existenz des einen Lebewesens ist der Tod vieler Anderen. Glück gibt es so gut wie nicht, außer in einer romantischer Vorstellung. Und: Über die Liebe wird nicht sehr viel geredet, geredet, gedacht getan... Sonst würde es nicht so krachen auf der Welt...

membaer, 08.11.05 @ 09:53

... isst es wohl
so gedacht. Der Lebenszustand der Katze wird erst in der Konfrontation mit seinem Verspeiser eindeutig geklärt. Wichtiger jedoch für den Esser, dass es ergo in jedem Fall eine Katze gibt.

Auch mir ward zu Allerheiligen ein eher unmittelbares Erlebnis der Nitsch´schen Art (für einen nicht vom Bauernhof-Leben geformten Menschen) zuteil geworden, als ich mir in der kleinen, gediegenen Fischzucht des Stiftes Zwettl im nordischen Waldviertel einige Forellen "schlachten" lies, um sie alsdann schlicht aber umso frischer geniesen zu dürfen. Wahrlich es war ein ambivalentes Gefühl, nicht am Ende sondern näher am Beginn der Speisenproduktionsabfolge zu stehen als gewöhnlich. Das Tier chancenlos aus seinem Leben gerissen hinterlies Gedanken an das Sterben um dem Leben zu dienen in mir ... wenns nicht Allerheiligen gewesen wäre!

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