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SPEISING Open
24.01.10 @ 22:05
Er hat seine Chance genützt
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Geheippt und dann wieder wie ein heißer Erdapfel fallen gelassen. Die Rede ist von Dancing Stars, Starmaniacs, Rucola und Mavie Hörbiger. Ist es das Nichterfüllen einer zu hohen Erwartungshaltung oder ein tatsächliches Scheitern an mangelndem Talent - hier muss man noch entscheidende Kommentare wesentlicher Meinungsbildner abwarten.
Beim Kohl, dem Januskopf unter den runden Strunkgemüsen, ist dem nicht so. Als Kerneudikotyledone baut er seine Karriere langsam auf, zieht sie hoch wie ein Maurer seine Ziegelwand und ist von zeitgeistigen Stürmen nicht zum Einsturz zu bringen. Er gilt als problemloser Junggeselle, den man im Winter gerne auch vor der Türe lagern kann, nachsichtig und von stoischer Ruhe. So ist nicht nur sein Aussehen buddaesque, - nein, sein ganzes Wesen verströmt Gelassenheit, Gleichmut und Glück.
Was hat man ihm früher nicht alles angetan: Nach einigen missglückten Castings musste er Rollen in dicken Einbrenn-Splatters übernehmen, gab den matschig-breiigen Brassico in der wenig erfolgreichen Revue-Produktion "Die Bläher vom Pont-Neuf" und konnte auch an der Seite von Augsburgo im Italo-Western "Die Zerkochten" nicht überzeugen.
Erst ein Wechsel in seinem Management hat den entscheidenden Umschwung gebracht. Es war unter anderen Roland Traunbauer, der Schicht für Schicht und sehr behutsam sein Talent freilegte. Pampige Rollen wurden fortan abgelehnt, Knacker und Tafelspitz als Rahmenprogramm gekündigt und der Druckkochtopf entgültig, gemeinsam mit Otti Schenk, in die Josefstadt verbannt.
Des Kohls neue Kleider waren nun kurzes Blanchieren, Anprasseln bei großer Hitze in noch größeren Pfannen, und das unter Beigabe zitroniger Aromen, wenn nicht sogar ein wenig Trüffels. Knackig gebahr er sich nun, fallsweise sogar knusprig frittiert, angenehm duftend und von filigraner Aromatik in der Darstellung, so dass die Academy nicht anders konnte und seine Performance von der Kategorie "beste Nebendarsteller" zur Königsklasse "best main act" upgradete.
Sein Sandkistenfreund Kochsalat tat es ihm gleich und manche Kritiker munkeln bereits, dass er den Kohl eigentlich an die Wand spiele, so wie der Maertens den Ofczarek.
Würdigen wir beide, freuen wir uns über jedes neue Stück mit deren Besetzung und geben wir der Regie jene Freiräume, welche diese gemächlich aufgebauten, wenn auch nicht ganz ohne Star-Allüren versehenen Sensiberln brauchen.
17 Kommentare | Kommentar abgeben
OberkllnerPatzig, 13.04.10 @ 18:10
@obustus
... dann geh mal ins Wetter, (die Empfehlung ist ernst gemeint), da kommt alles in den Topf, was nicht auf 3 am Gewürzregal ganz oben steht.
adriano, 10.04.10 @ 23:09
Genau, lieber Obustus
Deshalb sind die schönsten Gemälde auch jene, die aus maximal zwei Farben bestehen. Und immer schön das Salz weglassen, ja?
obustus, 13.02.10 @ 10:23
brassica oleracea var. sabauda
wird bei mir nur gesteamt (neudt. für: überm Wasserdampf gegart), so kommt seine natürliche Kraft mMn am besten zur Geltung, maximal eine Idee von brauner Butter kommt noch dazu. Salz, Pfeffer, fertig
Das Gemüse soll ja nach sich selbst schmecken und nicht nur Transportfunktion für Zitronengras, Keffirlimettenblatt und Kokosmilch (und was sonst noch im Gewürzregal knapp vor dem Abalaufdatum verkocht werden muß) ausüben
cmling, 04.02.10 @ 21:23
Steilisch
Da muß ich einen rhotazistischen Japaner denken, der die Steiermark beschreiben will.
OberkllnerPatzig, 04.02.10 @ 09:32
Oh Kohl!
Welch Quell dampfender Freude Du mir gestern warst. Blanchiert, mit Zitronengras, Keffirlimettenblatt und Kokosmilch aromatisiert und zuletzt mit in brauner Butter gerösteten, mit Chili und Knobel versehenen Schupfnudeln vereint ... wer braucht da noch ein Fleisch als Beilage?
--- 04.09.18 @ 20:56
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