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Das Weinlog

24.03. @ 21:07

BURGENLAND, MAL ANDERS!

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Das sonnige Bundesland gilt natürlich als traditionsreiches und auch renommiertes Weinanbaugebiet. Zwischen LEITHABERG und SÜDBURGENLAND findet man allerhand klassisches und auch junge, und nicht mehr so junge "Wilde" .

Ich hatte in den letzten Wochen zweimal die Gelegenheit das "andere" Burgenland zu verkosten. Einmal hatte ich Termin mit MARTIN NITTNAUS, Sohn des Big Players und Rotweinpionier. Neben der Zusammenarbeit im elterlichen Betrieb, gibt es eine Linie MARTIN NITTNAUS. Es gab neue Weine vom Weingut und 2 MARTIN.
KALK & SCHIEFER WEISS 2018
Das Gegenstück zum erfolgreichen Blaufränkisch. Dieser ist eine Benchmark im preiswerten Bereich. Nun gibt es diese Cuvee aus GRÜNER VELTLINER, CHARDONNAY, WEISSBURGUNDER und WELSCHRIESLING. Kommt vom Leithagebirge und soll Trinkspass bereiten, natürlich mit Niveau. Für mich erfüllt er diese Anforderungen. Er brauch aber auch etwas Zeit im Glas. In der Runde wird auch ein leichter Mostton wahrgenommen. Kommt von der Maischestandzeit des Veltliners. Für mich gibt das eben aber Textur und nach ein paar Minuten eine feine Cremigkeit, zur Salzigkeit des Finale. Limetten und Lindenblüten. Mineralität in Form von nassem Stein und etwas Feuerstein. Das Ganze bei 12% Alkohol.
CHARDONNAY FREUDSHOFER 2017
Dieser Weingarten steht auf Kalk und die Reben sind gut 35 Jahre alt. Ausbau im großen Holzfass. Martin erläutert das der Chardonnay lange Tradition hat im Burgenland. Er wurde bereits im 14 Jahrhundert von den Zisterziensern aus CITEAUX im Burgund importiert. Der Wein wird auf der Vollhefe reduktiv ausgebaut. Das zeigt die burgundische, straffe Nase. Hauch Röstaromen, viel Streichholzkopf und etwas Apfel und Minze. Mir gefällt er sehr gut. Temperatur und Zeit machen ihn cremiger und offenbaren eine schöne Struktur und Dichte. 2 bis 3 Jahre Geduld erforderlich.
GRÜNER VELTLINER MANILA 2018
Ein Martinwein.
Manila ist wohl eine ungewöhnliche Bezeichnung. Die Geschichte dahinter: Es gab eine philippinische Erntehelferin, die beim Anblick des neu erworbenen Weingarten, der nicht in Bestzustand war, meinte: "Hier schaut's wie in Manila". Hier bekommen die Trauben Maischestandzeit, ohne das es zu viel ist. Unfiltriert und ganz leicht geschwefelt. Ein Old School Veltliner quasi, hat er doch auch im Burgenland Tradition. Selbstverständlich, wie alle anderen Weine spontanvergoren. Somit aber ohne Pfefferl. Eine angenehme Würze und Textur hat er. Honigmelone, Lindenblüten, Grapefruit. Die Gerbstoffe stehen ihm gut. Säure und Länge passen. 2 Jahre schaden im nicht, im Gegenteil.

GRÜNER VELTLINER ELEKTRA 2018
Martinwein
Der Name stammt aus der griechischen Mythologie und steht für die Strahlende oder auch Goldhelle. Auch hier kommen die Trauben von Kalkboden. Der Versuch VELTLINER im Stile eines Burgunderwinzers auszubauen. Sprich wieder bleiben die Trauben auf der Vollhefe, der Wein wird nicht entschleimt. Ausbau im 2000 Liter Fass. Im Gegensatz zum Manila keine Maischestandzeit. Da ich 2017 auch schon kenne, hat der Elektra für mich, das Zeug zu einem bemerkenswerten Wein zu werden. Der erste Eindruck ist sehr reduziert und jung. Tolle Mineralität und Struktur. Braucht einiges an Luft um überhaupt etwas Frucht zu zeigen. Etwas Vanilleschote, Mohn und weiße Schokolade. Dann Apfel und mehr nasser Stein. Keine Üppigkeit, viel Struktur. Ein tolles Weinpaket für die Zukunft.

BLAUFRÄNKISCH ALTENBERG 2017 LEITHABERG DAC
Zum Abschluss gibt's noch einen der Paraderoten. Am LEITHABERG werden einige Weingärten separat ausgebaut. 3 Wochen auf der Maische. Hier stehen seidige, sehr schöne Tannine im Vordergrund. Gepaart mit Kirsche und dunklen Blumen. Gute Würze und Säure geben dem Wein Klasse und bereits eine gewisse Harmonie. Singen sollte er dann erst in ein paar Jahren.


Nochmal anders sind die Weine der Gebrüder ANDERT. In Pamhagen betreibt Michael ANDERT seinen Demeterhof. Gastfreundschaft wird dort groß geschrieben. Jedesmal gibt es etwas Neues zu entdecken. Von Kräutern bis Lardo und eingelegtem Gemüse. Der Traubensaft aus Zweigelt ist wohl einer der besten im Lande. Im HERBECK ist er seit langem. Und Wein gibt es natürlich auch. Die Zweigelts gehören sicher zu den spannendsten Österreichs. Vor allem brauchen alle Andertweine Zeit zur Entfaltung. Diesmal trafen wir vor Ort, auf einen anderen umtriebigen Weinmacher, den Meister der Fasslagerung, Jörg BRETZ (wurde vor einem Jahr an dieser Stelle beschrieben). Zur Begrüßung gab es einen NEUBURGER 2007, ein Wein der im Akazienfass ausgebaut wurde, und ein großes Vergnügen war. Leicht nußig und cremig, war er am Punkt. Trinkfluß pur. Die Weißweincuvee PAMHOGNA 2011, mit hohem Ruländer Anteil, stand ihm nicht nach. Der Wein, welcher mit Maischestandzeit gemacht wird, hatte immer noch einen feinen Gerbstoffgrip und eine gute Struktur. Dickschalige Äpfel, Quitte und Walnüsse.

Aus dem Bestand von BRETZ kam dann ein cooler Schaumwein ROSE BLAUFRÄNKISCH 2012. Sehr dicht und dunkel in der Aromatik. Auch die Farbe. Totales Rotwein Mundgefühl. Blind würde man das für einen leichten Roten halten, wäre da nicht das Mousseux, welches übrigens sehr elegant ist. Der PINOT NOIR 2002 ist eh österreichische Oberliga auf diesem Gebiet. Top Stoff. Braucht viel Luft. Dieser Wein begleitet auch die Mangalitza Stelze mit Kraut und g'schmackigen Erdäpfeln.
Im Keller kosten wir dann die aktuellen Weißweine. LITER WEISS 2018 aus Welschriesling und Riesling ist ein toller Zechwein mit wenig Alkohol und einem erstaunlichen Tiefgang. Textur und feine Fruchtigkeit.

LITER ROT 2018
hat 9,5% Alkohol und schafft das Gleiche in Rot. Hellfruchtig und spaßig ist das. Sommerrotwein.
PERSONALGETRÄNK 2018
ist dann eine Cuvee aus Welschriesling und Zweigelt. Leicht schräg im Antrunk aber dann ein Spaßwein mit Niveau. Erinnert mich, wie der LITER ROT an jungen Beaujolais.

Dann kommen die Fässer dran. 2019 bleibt hier mindestens bis zur Blüte des aktuellen Weinstocks im Fass. Vor Juni kommen normal keine Weine auf den Markt. Wir kosten 3 RULÄNDER , alle etwas verschieden. Gemeinsam haben sie die tolle und auch feine Textur am Gaumen. Die Maischestandzeit macht diese Weine cremig mit Substanz und Struktur. 2019 wirken sie geschmeidig und dicht. Die Gerbstoffe präsentieren sich angenehm und nicht sehr ruppig. Der endgültige Wein wird wahrscheinlich sehr fein und voller Aromatik werden. Spannend ist das die Fässer hauptsächlich durch das immer etwas andere Tannin unterschiedlich erscheinen.
WEIBERWEIN WELSCHRIESLING 2019
Das kann eine kleine, neue Dimension im Bereich des Welschriesling werden. Ausgebaut im Barrique hat er, neben Frische und Säure, durch das leichte Holz, eine Struktur und Tiefe die beeindruckend ist. Wir warten auf das Endergebnis.
MUSKAT 2019 nennt sich der Wein, der aus MUSKATELLER und MUSKAT OTTONELL besteht. Da kann man zum Muskateller Fan werden. Dezente Aromatik, nicht so laut wie das manchmal halt sein kann. Leicht der Traubenzucker und traubige Noten. Gute Länge und Säure. Gefällt mir sehr gut.
Ebenso der NEUBURGER. Eine alte und unterschätzte Sorte. Auch hier besticht die Textur und die Gerbstoffe, neben der feinen Frucht. Maischestandzeit gibt manchen Weinen halt eine zusätzliche Dimension, wenn man es nicht übertreibt.
Unglaublich cool ist auch wieder der PM. Steht für Petit Manseng. Der einzig, mir bekannte in Österreich. Sehr dicke Schalen habe die Trauben, somit müssen Sie ausreifen, sonst ist das fad. Hier ist er tief, mit eine Art Honignote. Trockenfrüchte, Heu, Birne. Säure wirkt eher zurückhaltend, aber genug um zur Komplexität beizutragen. Der wird noch sehr spannend werden.
Erwähnt seien noch die WERMUTLICH Wermuts. In rot, rose und weiss sind sie eine tolle Interpretation dieses Getränks. Ich mag den Rose besonders.
www.andert-wein.at
Bezug auch über www.weinskandal.at www.nittnaus.wine und www.vinothek1.at

Michael Kantor
www.herbeck.wien

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