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Das Weinlog
12.09.04 @ 01:42
Taube contra Ziegenkäse
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Heute hatte ich die Gelegenheit, einen Tazzelenghe 1990 von den Vigne da Leon in Friaul und einen Amarone 1999 von Allegrini aus dem Valpolicella zu verkosten. Zwischen beiden Tropfen liegen nicht nur die Etsch und der Tagliamento sowie knappe zwei Autostunden, sondern auch wirkliche Weinwelten. Der Amarone, obwohl noch relativ jung: ein Taubenwein reinsten Geblüts, harmonisch, tiefgründig, würzig und nachhaltig. Der Tazzelenghe, wiewohl der wesemtlich ältere von beiden: aufmüpfig, säurestark, disparat und in seiner autochthonen Wucht dennoch überzeugend. Zu dem Täubchen, das, geschmort und mit kurz gebratener Brust heute mein karges Abendmahl bildete , passte der Tazzelenghe nicht, zum Ziegenkäse, den ich mir danach noch vergönnte, allerdings umso besser. Ist halt auch so ein dionysischer Bocksfußwein, während der Amarone mit Sicherheit den Segen Apolls genießt. (Ich entschuldige mich bei Antihumanisten und Nichtkennern der griechischen Mythologie für diese kleine Abschweifung, die man auch ohne Nachteil für den Weingenuss auch getrost überlesen kann. Da ich aber gerade an einer längeren Abhandlung über dionysische und apollinische Weine arbeite, kann ich leider aus Gründen meiner eigenen Seelenhygiene nicht umhin, darauf hinzuweisen.)
8 Kommentare | Kommentar abgeben
ChristophWagner, 14.09.04 @ 01:06
Mänaden
Wir könnten eine Ausschreibung in der Presse oder im Standard machen. Da meldet sich heutzutage immer wer. Bei dem angespannten Arbeitsmarkt.
-hs, 13.09.04 @ 16:36
Erhebt eure wein-süßen Stimmen, bewegt eure wein-seligen Glieder in freudvoller Anrufung!
Da tun sich ja wahre Abgründe auf.
Vielleicht sollten wir das Konzept unserer wöchtlichen Weinrunden bei Gelegenheit doch etwas adaptieren. (Aber woher nehmen wir nur die Mänaden?)
zum Nachlesen: (Nicht der Weinrunden, sondern des kompletten Ritus)
http://www.oto.de/documents/jupiter.htm
http://www.hiddengod.org/eleusis.pdf
ChristophWagner, 13.09.04 @ 14:15
Evoe, ho!
AUTONOE: Evoe, Ho! Gib mir zu trinken!
AGAVE: Renne wild! Berg um Berg laßt uns überspringen, Wie Tiger auf ihrer Jagd!
MÄNADEN: Zermalme, zermalme die Welt!
AGAVE: Zerstampfe die Erde, wie eine Weinpresse es tut.
AUTONOE: Trinke ihr Blut, Den lieblichen roten Wein!
MÄNADEN: Ja, trinke die alte Erde trocken!
AGAVE: Quetsche die letzten Tropfen heraus, bis die Form zusammenfällt wie ein alter Weinschlauch!
MÄNADEN: Alle wilden Geschöpfe warten auf die Küsse welche sich in Blut verwandeln.
AGAVE: Blut! Blut! Bringt Wein!
AUTONOE: Oh Mund von reifen, roten, sonnigen Trauben! Gott! Gott! Evoe! Erscheine! Verweile!
Aus: Aleister Crowley, Der Ritus des Jupiter
noapino, 13.09.04 @ 13:23
Die Geburt der Weinprobe aus dem Geiste des Bruderneids
ich freue mich schon drauf.
Der geniale Syphilitiker wäre wohl weniger angetan vom Thema gewesen aber das braucht uns ja zum Glück nicht zu kümmern (vielleicht war ja wirklich der Naumburger Wein an allem schuld ;-):
[...] Alkoholika sind mir nachtheilig; ein Glas Wein oder Bier des Tags reicht vollkommen aus, mir aus dem Leben ein "Jammerthal" zu machen, - in München leben meine Antipoden. Gesetzt, dass ich dies ein wenig spät begriff, erlebt habe ich's eigentlich von Kindesbeinen an. Als Knabe glaubte ich, Weintrinken sei wie Tabakrauchen anfangs nur eine Vanitas junger Männer, später eine schlechte Gewöhnung. Vielleicht, dass an diesem herben Urtheil auch der Naumburger Wein mit schuld ist. Zu glauben, dass der Wein erheitert, dazu müsste ich Christ sein, will sagen glauben, was gerade für mich eine Absurdität ist. [...]
[Ecce homo - warum ich so weise bin]
ChristophWagner, 13.09.04 @ 11:15
ad Apoll
Ich bitte um Vergebung. Nachdem es sich um eine recht umfängliche Abhandlung handelt, lässt sie sich in speising.net, abgesehen davon, dass dieser önophile Tractatus noch alles andere als fertig ist, nur relativ schwer widergeben.
Die Grundthese lautet: Apoll beneidete Dionysos schon seit dessen Geburt. Während man von ihm selbst verlangte, dass alles, was er tat, vernünftig war oder zumindest Geld einbrachte, durfte Dionysos von Anfang an alles. Ererschien und verschwand, wann er wollte. Er umgab sich mit einem Haufen schriller, geiler Weiber, sogenannter Thyiaden, die sich seinentwegen, wenn´s drauf ankam, sogar in Stücke rissen. Apollo hingegen musste sich mit neun tantenhaften Fregatten umgeben, so genannten Musen, die immer alles besser wussten als er, auch wenn er ihnen, zugegebener Maßen, einigesverdankte. Dank ihrer Hilfe konnte Apoll das Theater, die Musik, den Tanz, die Bildende Kunst, die Literatur und weiß Zeus was noch alles in die Welt bringen. Aber was erntete er letztlich? Langeweile.
Dionysos hingegen erfand gar nichts, außer einen Rauschtrank, der, wie sich alle Vernunftbegabten einig waren, besser niemals erfunden worden wären. Wobei zu den Vernunftbegabten leider nicht die Musiker, Tänzer, Literaten, Bildhauer etc. zählten, die in der Mehrzahl mit den Fähigkeiten, die ihnen Apollo und seine Musen geschenkt hatten, nur dann einigermaßen erfolgreich umgehen konnten, wenn sie sich vor, während und nach der Arbeit mit dem Rauschtrank des ungebildeten Rüpels Dionysos zuschütteten.
Seither versucht Apoll Dionysos den Wein abspenstig zu machen, indem er sich zahlreicher Listen bedient. Eine davon ist die Siebenzehntelflasche, eine andere das Deziglas, mit dem er den Wein(genuss) messbar und überprüfbar macht. Eine andere ist die Einführung von High-Tech in den Weinbau, die dazu führt, dass immer bessere Weine immer schwerer zu verstehen und vor allem zu trinken sind. Eine dritte und die vielleicht folgenschwerste List besteht darin, dass es Apoll, als Merkur ja auch der Gott des Handels (und der Diebe), gelungen ist, Weine zu Wertpapieren zu machen, die manchmal so wertvoll werden, dass man sie am besten gar nicht mehr trinkt, sondern nur noch sammelt oder börsenmäßig handelt.
Der Sinn meiner geplanten Abhandlung besteht schlussendlich darin, die Weinsprache um ein neues Vokabular zu bereichern, das nicht mehr, wie bisher, rein deskriptiv ist, sondern versucht, nicht nur den Geschmack, sondern auch das Wesen eines Weines zu ergründen. Der Weinbau spielte sich von Anfang an, wie ich zu erklären hoffe, im Spannungsfeld des Dionysischen und des Apollinischen ab. Ob ein Wein nun eher der einen oder der anderen Sphäre zuzuordnen ist, kann und muss selbstverständlich Gegenstand intensiver Debatten sein, die hoffentlich spannender sind als jene, in denen nur geklärt wird, ob ein Wein eher nach Himbeeren oder nach Brombeeren schmeckt und eher fruchtbetont oder mineralisch zugeschnitten ist.
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33