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Das Weinlog
25.10.06 @ 16:10
Zigarrenwein
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Mein Beitrag passt zwar nicht 100&ig nach Traubing, aber ich möchte auch meinen Senf zur aktuellen Prohibitionsdebatte abgeben. Mir geht es aber weniger um Warnhinweise auf Weinflschen als um Rauchverbot in der Gastronomie.
Am Samstag war ich bei J.R.s Heurigen in Tattendorf und genoss seine Burgundervielfalt in vollen Zügen. Bis am Nebentisch zwei Gäste tiefe Züge von meterlangen Havannas machten und mein Wein zum Zigarrenwein wurde. Aber nur weil er auf einmal nach Zigarre geschmeckt hat. Genauso wie mein Surschnitzerl. Und die folgenden Weine auch.
Herr Reinisch hat dann Diplomat gespielt und mal demonstrativ die Fenster geöffnet. Und nach einiger Zeit auch einen neuen Platz für die Raucher gefunden, wofür ich ihm sehr dankbar war.
Ich weiß, dass es in Österreich traditionell zur Genusskultur gehört, eine fette Zigarre zu rauchen. Aber ich glaube nicht an eine Harmonie von Nikotin und Wein. Wer sich seine Geschmacksnerven mit Rauch so verderben will, der kann genauso gut Cola trinken. (Was anderes bei bränden!) Aber ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft keine Selbstverständlichkeit mehr ist, dass einem der Weingenuss durch Rauch verdorben werden darf.
7 Kommentare | Kommentar abgeben
andreasbigler, 30.10.06 @ 11:46
Ich erlaub mir, mich nochmals einzuschalten ....
Medizinisch gesehen, bin ich ein Raucher, praktisch gesehen eigentlich nicht, denn ich rauche meine Zigarren nur zum Genuss und wenn genügend Zeit ist, wochenlang oft gar nicht.
Obwohl ich zu den "bösen Stinkern" gehöre, stehe ich eher auf der Seite der Nichtraucher. In vielen Restaurants buche ich Nichtraucherplätze, denn ich MUSS NICHT rauchen und nur so bin ich vor den unkultivierten Tschickrauchern sicher, die sogar zwischen den Gängen Papier und billige Tabake anzünden und "heißrauchen" müssen. Aber so toll ist es - wie bereits von einigen Vorrednern bemerkt - dort auch wieder nicht, denn meistens sind es die weniger gemütlichen, zugluftigen Plätze in der "Touristenklasse", die aber ebenfalls mit dem "Businesstarif" berechnet werden.
Zur Verteidigung solcher Lokalteilungen muss ich aber sagen, dass der Lokalbetreiber in erster Linie Umsatz machen muss und wenn die Mehrheit der Gäste Raucher sind, dann kann ich verstehen, dass die Nichtraucherplätze eben zweitklassig sind (wenn es die Räumlichkeit nicht andes zulässt), auch wenn es mir persönlich nicht gefällt.
Ich bin mir auch sicher, dass echte (Stress)Raucher, nicht wirklich Rücksicht auf frische Luft nehemen können, denn sie selbst riechen den Gestank ja nicht und ohne Tschick werden die ziemlich bald unerträglich.
Was mich wundert, ist die Tatsache, dass sich alle über "Rauchgestank" aufregen, aber niemand nur ein Wort über die Geruchsbelästigung von "Gesichtskitt" und Parfüms verliert, denn das Auftragen von zu großen Mengen, scheint wieder in Mode gekommen zu sein ........
QUARK, 26.10.06 @ 15:09
Heuer in Spanien.
Komplettes Rauchverbot innerhalb von Räumen. Fein . Fast tun mir die Raucher leid, ich habe im Prinzip nichts dagegen und rieche auch gerne Tabakrauch, besonders Pfeifentabake haben ab und zu ein angenehmes Aroma für meine Begriffe.
Doch dann betrat ich irgendwann eine Aussichts - Terrasse wo sich Raucher aufhalten. Man hatte neue diwanartige sehr große weisse gepolsterte Liegen aufgestellt, so das Gestell aus Rattangeflecht. Wirklich zur aus Bosheit waren dort ein Zigarettenbrandloch neben dem anderen. Manche Zigaretten sind dort brennend abgelegt worden wie man aus den Spuren sehen konnte. Dabei hatte das Hotel erst einige Wochen zuvor nach einem Umbau eröffnet. Da vergeht einem die Toleranz sofort.
Es fehlt an unserer freien Presse. Tabakkonzerne erlauben es den Redakteuren nicht solche Praktiken vorzuschlagen wie etwa ich sie anwende oder das Innsbrucker Lokal von dem weiter oben berichtet wird.
In meiner beruflichen Laufbahn hatte ich einst einen Antirauch - Fanatiker - Küchenchef. Der drohte jedem Koch mit fristloser Entlassung wenn er beim Rauchen erwischt wird. Von ihm lernte jeder mit der Zahnbürste den Gaumen und die Zunge putzen. Zeig mir die Zunge Junge! War sie belegt gabs die gelbe Karte. Ich habe damals geraucht aber kurze Zeit später aufgehört, weil mir das einfach zu blöd immer auf dem Lokus zu paffen. Überall fühlte man sich beobachtet.
Heute bin ich froh und dankbar. Für mich sind rauchende Köche jetzt auch nicht unbedingt Gesprächspartner über feinen Geschmack.
TomCool, 26.10.06 @ 11:29
eine kleine Wiener Geschichte
Mein Lieblingsheuriger, einer der 5 großen Weinproduzenten Wiens (und mit groß ist die Qualität gemeint), ist in der Falter-Internetdatenbank mit einem Nichtraucherraum registriert.
In einem Radsportforum, in dem ich sehr aktiv bin, war wieder mal "Lokalfraktion" angesagt, und es sollte ein Heuriger sein, aber unbedingt im Nichtraucherbereich. Ich machte aufgrund der Information aus dem Netz groß Werbung für die Location und schnell einigte man sich darauf. 20 Gäste wollten einen Nichtraucherraum für sich, an mir war es zu reservieren.
"Hallo, ich würde gerne reservieren für 20 Personen im Nichtraucherbereich."
"Warten Sie, ich schau. Nein, leider, das geht nicht. Ich könnte ihnen im Wintergarten was herrichten.”
„Aber der Wintergarten ist doch kein Nichtraucherraum, außerdem hab ich den ziemlich kühl in Erinnerung. Ich dachte, wir könnten vielleicht das Stüberl in Anspruch nehmen, das müsste sich doch gut ausgehen.”
„Im Stüberl hab ich schon eine Reservierung, und ich weiß nicht, ob da Raucher dabei sind.”
„Aber das könnte man doch wenigstens für einen Tag machen, wir sind immerhin 20 Leute, die, wie ich Ihnen versichern kann, für ordentlich Umsatz sorgen werden, und Wirten sind da auch dabei. Wieso behaupten Sie eigentlich, Sie hätten eine Nichtraucherzone? Wo ist denn die?”
„Da muss ich selber nachfragen, ich rufe Sie zurück.”
Großes schweigendes Staunen an meinem Ende der Leitung.
Kurz darauf der Rückruf:
„Grüß Gott, ich weiß es nun, der Nichtraucherbereich ist im Eingangsbereich, die ersten 3 Tische.”
„Da bin ich letze Woche erst gesessen und hab mich verkühlt. Das sind die schlechtesten Plätze im ganzen Lokal. Das kann doch nicht ihr Ernst sein!”
„Ja, tut mir auch leid, mir wäre es auch lieber, wenn hier nicht so viel geraucht würde, und mich stört das auch, aber ich kann leider niemandem vorschreiben, dass er nicht raucht.”
Kurze Schweigesekunde an meinem Ende!
„Das meinen Sie doch nicht ernst? Sie verbannen die Nichraucher auf die schlechtesten Plätze, weil man mit den Rauchern nicht reden kann? Nicht einmal für einen Abend? Wir kommen zu Ihnen, weil wir Ihre Weine verkosten wollen, und vielleicht auch einiges davon kaufen, das kann doch nicht im Sinne des Weinbauern sein, dass wir in einem verrauchten Zimmer sitzen, und dass wir nach einer Stunde mit Rotznasen nichts mehr riechen, weil wir uns alle verkühlen im Vorraum, ja wohl auch nicht.”
„Tut mir leid.”
Im weiteren einigten wir uns darauf, dass wir halt trotzdem im Stüberl reservieren, dass die Kellnerin aber den anderen Tisch deutlich darauf hinweisen wird, dass man bitte heute so wenig als möglich rauchen möge.
Ich möchte noch erwähnen, dass die Mitarbeiterin, mit der ich sprach, ausgesprochen freundlich war und selbst sehr unglücklich schien, mich derart vertrösten zu müssen. Ich werde mit dem Winzer auch noch ein paar Worte wechseln und ihn persönlich zu seiner Meinung zu diesem Thema befragen. Denn das ursprünglichste Interesse eines Weinhauers mit Ambitionen muss doch sein, dass die Qualität des Weins nicht durch Rauch im Glas vermindert wird.
alma, 26.10.06 @ 08:59
Limitierung
Unlängst, in Innsbruck, elegantes Lokal, klein, nur ein Raum: es wird auf der Karte darauf hingewiesen, dass vor 21:30 das Rauchen nicht gewünscht wird. Ein in Abendgarderobe gewandetes Paar in der zweiten Lebenshälfte nimmt Platz. Plötzlich heftiger Disput, ein lautes "wir lassen uns nicht limitieren!", und die Herrschaften entschwanden. Die Belegschaft nahm's mit Achselzucken.
Gastronomen mit Rückgrat.
PICCOLO, 25.10.06 @ 23:13
@noapino
Ich kann für mich reklamieren, dass ich sicher zu den Wirten gehöre die seit ca 1995 einen Niuchtraucherraum anbieten.
Im Raucherraum, darf niemand vor 21.30 eine Zigarre rauchen. Einer ist in den letzten 5 Jahren wutentbrannt wegen dieser Vorschrift davon - nie wieder werden wir ihn sehen. Bis er heuer wiederkam.
Ich sorge mich weniger wegen des weingeschmacks, eher wegen der Nichtraucher die so einen Zigarrenqualm auch im Nebenraum spüren und der Gestank der jede Garderobe ruiniert.
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