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Christoph Wagner's Weblog
07.03.04 @ 17:47
Testen wir die Dachdecker!
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Mit meinen Freunden unter den Köchen habe ich trotz grundsätzlicher Sympathie oft auch recht heftige Diskussionen. Erst unlängst meinte mein Freund H., es störe ihn, dass auf www.speising.net jeder, ob berufen oder nicht, seiner Meinung über die Leistung der Köche freien Lauf lassen dürfe.
„In keinem anderen Berufszweig", meinte er,„kann sich Mr. XY so über Betriebe auslassen." Kein Dachdecker oder Fleischermeister würde je so in die Kritik genommen wie die Angehörigen der Gastronomie.
Ich möchte meinem Freund H. da nicht einmal grundsätzlich widersprechen. Denn im Grunde hat er natürlich Recht. Andererseits, so habe ich ihm geantwortet, werde der Dachdecker oderFleischermeister zwar nicht öffentlich getadelt, wenn er Mist baut, aber auch nicht öffentlich gelobt, wenn er Wunderdinge vollbringt. Schon gar nicht kommt er in Internet-Communities, Guides, Tageszeitungen, Magazinen und in den Seitenblicken vor (woran manche Köche, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, durchaus einigen Gefallen finden).
Ich würde meinem Freund H. auch Recht geben, wenn Kochen wirklich „nur" Handwerk wäre. Da sollte man dann wohl auch wirklich keinen Unterschied zwischen Koch und Dachdecker machen. Wenn Kochen hingegen (was viele Köche von sich behaupten und ich ebenfalls für zutreffend halte), auch Kunst ist, so muss es sich wie alle anderen Künste, ob Literatur, Theater, Musik, Architektur oder Malerei, auch der Öffentlichkeit und ihrer Beurteilung stellen.
Was meinen denn die Speisinger dazu?
10 Kommentare | Kommentar abgeben
steppenwolf, 08.03.04 @ 13:28
Nachreichung des Zitats
ZITAT ZITAT ZITAT ....
Auf den hier angeschlossenen Seiten finden sich einiger der Gedanken, die es mir wert sind, festgehalten zu werden. Es gibt hier Langlebiges und tagebuchartig Kurzlebiges. Nachdem es Leute gibt, die mich über Musikthemen befragen oder wissen wollen, wie mir ein bestimmtes Buch gefallen hat, versuche ich mich auf einigen der Seiten als ”Kritiker. Nicht so bösartig wie ein professioneller Kritiker.
Auch nicht so professionell wie ein echtes Fossil:
Warum ich ein Fossil bin von Wilhelm Sinkovicz(Spectrum) 21.02.2004 Die Presse
Ohne Anspruch auf Objektivität. Einfach mein unmittelbarer Eindruck oder der Eindruck, der auch nach ein paar Monaten noch tatsächlich vorhanden ist.
ZITAT ZITAT ZITAT
Der Link zum Artikel
http://www.diepresse.at/Artikel.aspx?channel=sp&ressort=S100&id=406122&archiv=false
steppenwolf, 08.03.04 @ 13:25
dachdecker - oder die Angst des Kochs vor dem Laienrichter
Ich zitiere aus meiner homepage:
>
Im Artikel kommt deutlich heraus, dass man sich mit einer Sache eingehend beschäftigen sollte, um Kritik äußern zu können.
Was aber noch mehr zählt, ist die Absenz von vorgefassten Meinungen. Wenn ich als Gast sagen kann, dass ich mich wohlgefühlt habe und dass es mir geschmecket hat, wird der Wirt mir ja zuerst mal keine Inkompetenz vorwerfen wollen. Erst wenn ich das nächste Mal sage, dass es schlecht war, wird er sich erinnern und maulen: "Der hat ja keine Ahnung, beim letzten Mal hab ich ausgelassen und da hat es ihm geschmeckt."
In dieser Hinsicht müssten sich Köche über Laienurteile viel mehr freuen, denn die sollten in der Statistik ja häufig positiver ausfallen als negativ. Erst wenn man von vornherein einen bestimmten Standard unterstellt, wird man herummosern, dass man enttäuscht war.
hypercube, 08.03.04 @ 11:10
Herr H. erinnert mich an Herrn S.
Herr S. ist international renommierter Galerist. Bei einer Diskussion mit einem Ökonom ging es um die Frage warum öffentliche Musen Original ankaufen und ausstellen. Der Ökonom sagte provokant, dass es bedeutend günstiger für den Steuerzahler wäre auf Originale zu verzichten und Kopien auszustellen. Die heutigen Reproduktionstechniken würden es erlauben den Unterschied zwischen Original on Kopie fast unkenntlich zu machen.
Herr S. der Galerist sagte zustimmend, dass 99% der Leute den Unterschied nicht erkennen würden. Aber er sei einer der Auserwählten die einfach spüren, ob da ein Original hängt oder nicht. Zum Beispiel sei er vor vielen Jahren in einem Museum in Ostberlin gewesen [ich nehme an es war die Gemäldegalerie] und er sei sehr enttäuscht gewesen über die dort ausgestellten Rembrandt Werke. Jahre später habe die Rembrandt Forschung festgestellt, dass die meisten dort ausgestellten Werke eben nicht von Rembrandt selbst sind. Herr S. hat es Jahre vorher einfach gespürt.
Die Arroganz des Herrn S: hat mich damals schon fertig gemacht.
Ich als Mr XY werde mich weiter über Gastronomen, Dachdecker, Künstler und Fleischermeister auslassen, wenn diese meinen Kriterien / Erwartungen nicht entsprechen. Ich versuche auch konstruktive Kritik anzubringen. Und ich lobe auch gerne, wenn mir etwas gefällt.
Gerne setze ich mich auch mit der Kritik von anderen auseinander. Mit großem Genuss lese ich oft Gastro - Kritiken von "Profis". Manchmal denke ich mir jedoch, dass die Kritiken von machen Profis sehr stark von ihrer persönlichen Stimmungslage gefärbt sind. Bei manche Kritiker hege ich den Verdacht, dass sie manisch depressive Anwandlungen haben, welche ihre Kritik stark beeinflussen.
Kritik ist Bestandteil einer gelebten Demokratie. Jeder Versuch Kritik zu Monopolisieren ist daher abzulehnen.
sonjaaa, 08.03.04 @ 10:28
guten morgen Herr Wagner - betreff - Weblog
Guten Morgen,
Auch Dachdecker werden ueblicherweise bewertet und das durchaus sogar im Internet - auch Architekten surfen durch ihre Foren - wenn sie nicht gerade auf Speisingnet haengen bleiben.
Dennoch sollte sich die Anzahl von Auftritten in diversen TV- Sendungen nicht unbedingt im Preis niederschlagen. Speziell dann nicht - wenn sich Koeche, die ich als kulturelle Groessen betrachte nur in den Seitenblicken suhlen. Etwas professionellere Foren waeren diesbezueglich schon angebracht.
Die gibt s fuer Architekten allerdings auch nicht wirklich und in Zeiten wie diesen verlor der staatliche Rundfunk bekanntlich auch seinen kulturellen Auftrag aus den Augen.
andreasbigler, 07.03.04 @ 22:09
Die armen Köche.....
Sorry, aber essen und bezahlen tun die Gäste, Kunden, Quälgäster - oder wie auch immer man sie nennen will - und die haben wohl das Recht "super" oder "hat nicht gepasst" zu sagen!
Und da Köche, wenn sie den "0815 - Wirtshausschuhen" entwachsen sind doch sehr oft ein ordentliches Stargehabe entwickeln, sollten sie auch wie solche behandelt werden! Und genau deshalb gibt es "+" und "-" vom Konsumenten.
Der Profikritiker empfiehlt, der Konsument richtet sich danach und dann meldet er sich eben zu Wort - so gesehen, ist der Unterschied zwischen Kino- und Restaurantbesuch nicht groß, oder besser gesagt nicht vorhanden, der Zahlende meldet sich eben zu Wort.....
Also, liebe Köche, auch wenn es negativ ist, ist es Werbung. Das beste Beispiel für Negativwerbung ist "Humanic": A so a blede Werbung, aber hinrennen tun wir trotzdem, um uns Schuhe zu kaufen (ich weiß, Humanic hat mit Küche nix zu tun, aber sehr viel mit Marketing und Werbung).....
Wenn jetzt Herr/Frau Gast einmal Fehler verkünden, müssen viele Leser sofort überprüfen, ob das stimmt. Also, Chance nützen und besser machen!
Das Leben ist hart und zwar für Produzent und Konsument, aber was soll's!
--- 04.09.18 @ 20:56
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