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Christoph Wagner's Weblog
24.02.05 @ 02:08
These
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Da ich mich gerade mit der Kultur- und Essgeschichte des 20. Jahrhunderts beschäftige, möchte ich eine These äußern, die provokant klingt, die mir aber noch niemand schlagend widerlegen konnte. Sie lautet:
Das 20. Jahrhundert hat (zumal in seiner zweiten Hälfte) zwar zahllose kulinarische Moden, kaum jedoch konsistente Gerichte zuwege gebracht. Gewiss, da waren der Angler in Rotweinbutter, die Karfiolcreme mit Kaviar, das Topfensoufflée, der Zander mit Roten Rüben und manch Interessantes mehr.
Rückblickend komme ich (wenn man von Burger, Hot Dog, Döner & Co. einmal absieht) jedoch auf exakt drei Gerichte, die die Essgewohnheiten des 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben:
1. Das Carpaccio (mittlerweile ein Synonym für jede Art von Aufschnitt)
2. das Tiramisu (in Wahrheit nichts anderes als ein Derivat der guten alten Malakoff-Creme)
3. die Sushi (mittlerweile auch warm, gegrillt, gekocht und bald nur noch ein Synonym für alles Gerollte)
Meine Fragen:
a. Fällt sonst noch jemandem etwas ein? Und
b. falls nicht, warum nicht?
Ratlos wie Alexander Kluges Artisten in der Zirkuskuppel verbleibe ich, ganz der Eure...
13 Kommentare | Kommentar abgeben
pastinake, 24.02.05 @ 16:20
Esstrends des 20.Jarhunderts
Also mir fällt da sofort "Mozarella Caprese" ein.
An sich ein einfaches, aber mit besten Zutaten sehr feines Sommergericht. Findet sich unter diversen Namen ganzjährig auf den Speisekarten von Aberdeen bis Zeltweg. Mit holländischen Tomaten, dänischem Mozarella-Ersatz, Billigbalsamico und perverserweise mit viel sperrigem Ruccola - im Volksmund wird diese erfolgreiche Speise inzwischen schon "Tussi-Platte" genannt.
Im deutschprachigen Raum ist auch das "Bärlauchschaumsüppchen" ein Hit, den vor 30 Jahren niemand seinen Gästen vorgesetzt hätte.
sonjaaa, 24.02.05 @ 13:41
@ jamie
beuss als Paten fuer ein Gericht herzunehmen waere genial - mit Fett gefuelltes Fett oder so - ausgerechnet Beuss - ein toller Gedanke!
beruehmte Namen als Paten fuer Gerichte zu verwenden war aber meines Wissens nach eine Mode der zweiten Haelfte des neunzehnten Jahrhunderts - es entstanden auch der Bismarkhering, die Mozartkugel und der Leibniz Butterkeks. Angeblich soll sogar Mozart zu jener Zeit gar nicht so beruehmt gewesen sein. Wie auch immer, der Trend, Speisen mit beruehmten Namen (und mittlerweile Logos) zu versehen kommt gerade zurueck: Neuburger praegt sein Zeichen in seine Kreation, Armani verkauft Schokolade mit aufgedrucktem Logo,...
noapino, 24.02.05 @ 12:17
@jamie
Ich weiß schon, dass das 19.Jhdt reich an "Creationen" war und vielleicht verstehe ich ja die Formulierung unseres BM:
"[...] Gerichte, die die Essgewohnheiten des 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben"
falsch.
Aber bei den angeführten Gerichten geht es doch eher um welche, die zunächst einmal bei zeitgenössischen mehr oder minder Berufsessern Furore machten und später möglicherweise ihren Weg in Restaurants und möglicherweise Kochbücher fanden.
Die Auswirkungen auf die Essgewohnheiten blieben aber (selbst bei Pfirsich Melba) dennoch beschränkt.
Stephanie, 24.02.05 @ 11:54
klassiker
wer hat auf mozarella mit tomaten und baltsalat(e) mit hühner(oder auch truthahn)bruststreifen vergessen????? diese zwei gerichte bekomm ich vom heurigen übers beisl bishin zu den nobelrestaurants....andererseits hats auch was gutes, wenn sich die trends öfters ändern so wird bleibt das essengehen zumindest spannend
jamiesolive, 24.02.05 @ 11:46
Ein bisschen was gibt es schon noch
Dass das 19. Jahrhundert besonders reich an Kreationen war, hat möglicherweise etwas mit dem romantischen Geniekult zu tun, der nur den als Genie anerkannte, dem es möglich war, über seine Lebenszeit hinaus Gültiges zu hervorzubringen (oder hervorbringen zu lassen). Der Bogen reicht von den Tournedos Rossini bis zum Pfirsich Melba, vom Girardirostbraten bis zum Birne Helene und vom Huhn Marengo bis zur Malakofftorte.
Spätestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verblasste der Geniekult (oder kennt jemand eine Beuystorte, ein Clintonsteak oder eine Karajanroulade), und damit kamen uns auch die so genannten „Klassiker" allmählich abhanden.
Ein paar gibt es aber doch noch: Ich denke etwa an die „Eggs Benedict" oder den „Caesar´s Salad", nachweislich zwei genuine Hervorbringungen des 20. Jh., die allein schon dadurch Weltgeltung erreicht zu haben scheinen, dass es sie (ähnlich wie das Carpaccio) überall gibt, obwohl sie kaum jemals wirklich nach dem Originalrezept zubereitet werden.
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