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Christoph Wagner's Weblog
28.02.05 @ 02:50
Kochen und Kunst
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Es ist zwar weiß Gott keine neue, aber doch immer wieder eine spannende Diskussion, ob Kochen Kunst sei. Und da tastatour sie in der Traubing´schen Weinsnob-Diskussion aufgeworfen hat, denke ich, könnte man die Frage auf speising.net schon einmal diskutieren.
Er meinte:
- hedonistische genüsse, ob schmausen oder trinken, haben mit kunst(werk) nichts zu tun (zumhunderstenmalkruzifixrufzeichen). weder köche noch winzer sind künstler.
- leider konsumieren viele menschinnen eine opernaufführung so wie wein
Ich hingegen erlaube mir die Frage: Was ist an einer der unzähligen faden Repertoireaufführungen der Wiener Staatsoper und auch an manchen nicht minder langweiligen Philharmonikerkonzerten Kunst? Und warum kann im Gegensatz dazu eine perfekte Menüfolge aus der Hand eines visionären Kochs nicht auch Kunst sein?
Oder, anders formuliert: Ist es wirklich nur das Medium, das Kunst zur Kunst macht (gilt auch für Malerei, Architektur, Literatur, Film etc.)? Oder ist es nicht doch eher der Kunstanspruch?
Und warum sollte eine perfekte kulinarische Kreation nur Kunsthandwerk, eine mittelmäßige Opernaufführung oder eine hanebüchene Burggtheaterinszenierung aber automatisch Kunst sein?
Damit wir uns richtig verstehen: Natürlich gibt es schlechte Kunst wie es auch (leider viel zu viel) schlechte Kochkunst gibt.
Aber warum soll es, wenn es gute Kunst gibt, nicht auch gute Kochkunst geben können?
Fragen über Fragen. Ich hoffe auf Antworten über Antworten.
31 Kommentare | Kommentar abgeben
peter_s, 03.03.05 @ 13:41
es ist (k)eine Kunst, Kunst zu erkennen?
@jamiesolive: Wenn es tatsächlich nicht möglich wäre, Kunst zu erkennen, dann würde sich jede Diskussion erübrigen!
@alma: "Es ist keine Kunst, mit viel Geld große Klasse zu bewerkstelligen." Natürlich stimmt es, daß man mit viel Geld (leichter) beste Qualität kaufen und hervorragende Künstler oder Kunsthandwerker engagieren kann. Nur: "große Klasse" ist keine Garantie für Kunst (wenn diese etwas anderes sein soll als gediegenes Handwerk), aber auch kein Hindernis dafür. Die Formulierung "es ist _keine Kunst_ ..." schließlich führt in diesem Zusammenhang in die Irre.
Es hilft nichts: Bevor man vernünftig darüber reden kann, ob etwas Kunst ist, muß man erst klären, was für Kunst kennzeichnend ist. Und schon darüber gibt es eben verschiedene Ansichten ...
jamiesolive, 03.03.05 @ 13:01
kunst und kulturbeutel
wenn man in dem satz „Coburg ist keine Kunst, denn mit viel Geld sollte doch große Klasse bewerkstelligbar sein" das wort Coburg durch Salzburger Festspiele, Kunsthistorisches Museum oder Burgtheater ersetzt, dann gäbe es ab sofort dort keine kunst mehr.
kultur hingegen gibtß s in einer gesellschaft, deren kulturbegriff vom kulturbeutel bis zur saunakultur reicht, eigentlich überall.
alma, 03.03.05 @ 12:52
kunst im kiosk
Da muss ich doch gleich nachhaken: auch wenn mir die Wurstdetails mangels ausreichender Testgelegenehiten nicht ausreichend bekannt sind, wage ich folgende These:
Coburg ist keine Kunst, denn mit viel Geld sollte doch große Klasse bewerkstelligbar sein.
Wohlgemerkt: Coburg als Ganzes. Es ist aber allemal Kultur, gebündelt mit Geschichte. Und vor allem herausragende Weinkultur.
Beim Kiosk plädiere ich für einen Kunstanspruch. Kiosk als Ganzes gesehen. Kiosk ist eine lebende Installation. Und wer sich einmal dort spätnachts herumgetrieben hat, weiß, dass auch die laufenden Gespräche Kunstanspruch erheben können ....
hypercube, 03.03.05 @ 10:50
Coburger Bratwurst
Die SZ scheint der Ansicht zu sein dass Kochen und Kunst sehr wohl etwas miteinander zu tun haben. Zumindest ist im Kulturteil der SZ heute folgender Artikel erschienen:
Essen in Deutschland
Krauts war gestern!:
http://www.sueddeutsche.de/,kulm3/kultur/artikel/739/48691/
Nur zwei Zitate daraus:
Auf keinem Gebiet haben die Deutschen ihre Identität so gründlich verloren wie auf dem kulinarischen Sektor.
Es gibt also viele Gründe, warum die Deutschen, wenn sie sich zum Essen oder zum Trinken niederlassen, ein bisschen zufrieden sein könnten. Doch das will ihnen noch immer nicht richtig gelingen, weil sie von ihren Nachbarn zwar Vieles gelernt haben – aber nicht das Genießen.
Letztes Zitat passt wieder bestens zu CWs Motto.
Ein weiteres Zitat lautet:
Der deutsche Weißwein etwa hat nach einer Periode der Verunsicherung wieder zur internationalen Spitze aufgeschlossen; doch von den Getränkekarten vieler Lokale ist er inzwischen verschwunden.
Österreichische Weine, die seit ein paar Jahren – wie alle Produkte aus Urlaubsländern – als unwiderstehlich trendig gelten, decken das Segment fast allein ab.
Langsam bekomme ich wirklich Mitleid mit den Deutschen, war doch zuletzt der im Management Magazin veröffentliche Standortvergleich vom Resultat eindeutig:
Der Vergleich der 35 Regionen Österreichs mit den 441 Regionen Deutschlands zeigt, sämtliche Regionen Österreichs liegen im Rang vor den Regionen Deutschlands. (Seite 19 Punkt 3 http://www.manager-magazin.de/static/mm_standortvergleich_oesterreich.pdf).
(Die Esskultur war überraschenderweise kein Bestandteil der Bewertung.)
Last but not least würde mich nun natürlich interessieren, ob die im Artikel erwähnten Coburger Bratwurst wirklich so ausgezeichnet sind. Ich werde mal beim sehr zu empfehlenden - wenn auch etwas sonderbaren - Kiosk - der Stand der Wurst in der Schleifmühlgasse nachfragen. Oder bekomme ich die Wurst doch eher im Coburg und was ist jetzt mehr Kultur oder Kunst Kiosk oder Coburg
noapino, 02.03.05 @ 17:40
Wittgenstein rotiert im Grab
ich hab' doch irgendwie den Eindruck, dass wir hier recht genüsslich eine Diskussion abführe für die gilt:
- wir können nicht allgemein definieren was ein Kunstwerk ausmacht,
- wir können nicht einmal allgemein definieren was es nicht ausmacht,
- keiner getraut sich zu, ein Kunstwerk verlässlich zu erkennen,
- die Einschätzung ob etwas ein Kunstwerk ist oder nicht, ändert sich im Lauf der Jahrhunderte,
- wir sind uns nicht einig, ob für die Herstellung eines Kunstwerke ein Vorsatz notwendig ist (hinreichend scheint er ja wohl auch nicht zu sein),
- wir sind ebenso uneins, ob ein Kunstwerk der Rezeption durch Dritte bedarf,
aber
Es gibt einige Resultate menschlicher Tätigkeit, wo weitgehender Konsens herrscht, dass es sich dabei um Kunstwerke handelt.
.... und die Debatte bereitet Vergnügen!
(da ich in dieser Diskussion für die blöden Bemerkungen zuständig zu sein scheine hier noch eine: Falls Rezeption zu einem Kunstwerk gehören sollte, haben Köche einen gewaltigen Vorteil, denn kein anderes Werk lässt sich mit so vielen Sinnen und so endgültig wie das ihre verinnerlichen.)
--- 04.09.18 @ 20:56
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--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33