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Christoph Wagner's Weblog
21.09.05 @ 11:11
Neues Thema (Wiederholung des letzten Eintrags des letzten Threads)
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Ja, ich glaube auch an die Notwendigkeit eines neuen Themas. Leider ergibt sich da zuvor noch die Notwendigkeit, ein Porträt von Johanna Maier fürs profil zu schreiben, drei Bücher (Amadeus A la Carte, Wo isst Österreich 05/06, Die steirische Küche) zu präsentieren, meine Kolumne im Gusto umzustellen und meinen Krimi wenigstens um ein Kapitel zu bereichern.Kurzum: die Infrastruktur dafür zu schaffen, dass ich auf speising.net wieder vollinhaltllich (und, nebstbei bemerkt, ehrenamtlich) als BM tätig sein kann,
Ich melde mich in diesem Sinne bald wieder und möchte bis dahin die Aufmerksamkeit auf den letzten Satz meines Eintrags lenken, der seltsamer Weise völlig unkommentiert blieb (und der eigentliche Sinn meiner Satire war): Allein die Vorstellung, jemand könnte ein Eichhörnchen essen, ruft sofort einen Proteststurm inkl. Austritt hervor. Die Tatsache, dass ganze Meere wie etwa die Ägäis durch Dynamit- und Schleppnetzfischerei so gut wie leergefischt sind, wird indessen achselzuckend zur Kenntnis genommen.
Aber das ist wahrscheinlich ein ähnliches Phänomen wie jenes, dass viele meiner Freunde sich leichten Herzens als Vegetarier bezeichnen, aber kein Problem damit haben, Fisch zu essen.
36 Kommentare | Kommentar abgeben
profiler, 21.09.05 @ 16:22
@ apicius
wie schon fast üblich, kann ich mich der meinung von apicius nicht zur gänze anschliessen. so sehr ich mich auch bemühe, ich kann nicht nachvollziehen, dass die sogenannten "orgelpfeifen" alle nur marionetten von journalisten sein sollen. ebenso geht es nicht darum ob es das globalisierungsgespenst in form von weltumspannenden konzernen gibt oder nicht, sondern wie ICH damit umgehe.
gleichmacherei wäre für mich wenn wir alle wieder escoffier kochen würden und nicht, wie fast überall zu beobachten, immer mehr regionale produkte und zubereitungsarten auf die teller finden.
dass restaurants oder sonstige gastronomische betriebe auch nach wirtschaftlichen kriterien funktionieren sollten, dürfte wohl jedermann klar sein. es gibt genug beispiele wo köchen zu lange freie hand gelassen wurde und dann bei der ersten bilanz und inventur das grosse erwachen stattgefunden hat.
auch wenn es ein wenig böse klingt, aber man darf von den meissten menschen keine gottgegebene vernunft erwarten, man muss sie ihnen aufzwingen.
gruss
pastinake, 21.09.05 @ 14:44
Nicht richtig.
Es gibt kein Versorgungsproblem, es gibt ein Qualitätsproblem, weil die Konsumenten immer billigere Lebensmittel und unbegrenzte Auswahl zu jeder Jahreszeit und an allen Orten der Welt haben wollen. Der Markt richtet sich nach der Nachfrage. Beispiel Lachs:
echter Lachs war in Ö lange Luxus für die Reichen. Die Leute wurden wohlhabender, die Nachfrage stieg. Die Norweger dachten sich neue beschleunigende Zuchtmethoden aus, um diese nachfrage zu befriedigen. Durch Überproduktion wird heute lt. Profiler Norwegischer Lachs um 5,99 angeboten. Hundefutter ist wahrscheinlich teurer. Wenn die Konsumenten diesen Lachs jetzt aus Qualitätsgründen verweigern (schön wärs!), bleiben die Schnellzüchter auf ihrem Junk sitzen. Echter Wildlachs (nicht der eingefrorene 4Jahreszeiten-Wildlachs!) wird wieder verstärkt angeboten, aber nicht um 5,99.
Das kann man bis zum Radieschen durchspielen, es gilt. Bei nicht züchtbaren Produkten (siehe Trüffel) sieht es anders aus.
apicius, 21.09.05 @ 14:26
pastinake - profiler
Die große Schuld an der Lebensmittelmisere, ob Fisch oder Schwein oder etwas anderes liegt darin, dass immer weniger Lebensmittelproduzenten immer mehr Leute versorgen müssen.
6,2% der Eu Bevölkerung in der Landwirtschaft! Die Fischerei dazu eine Weltmacht!!
Es ist ja auch der größte Teil des - Gewerbe/gastronomischen Essens leider nur mehr Massenware. Der Doppelverdienende Haushalt produziert keine hausfrauliche Küche mehr und das Wirtschaftsorientierte Restaurant killt den Künstler im Koch. Qualitätskriterien werden nach Transportfähigkeit und Lagerkapazität abgestimmt.
Die Händler, welche ohne viel Arbeit das Geld verdienen, bringen dieses Leid zustande. Denen ist es völlig egal ob das Meer leergefischt ist oder wie es den Tieren geht. Es wird eine Gegenströmung geben, aber in einer geldorientierten Welt wo die Meinung übers Essen auch vom Cashflow abhängt den diese Meinung irgendwelchen Organisationen bringt, werden die Gegner dieser "Strömung" nur einsame Rufer im Sturm bleiben.
Dabei bleibt mir nichts anderes als auch den Journalisten einen schwarzen Peter hinzuschieben. Die "Kochmuaterln" und "Kochburlis" von und zu - aus der Zeitung - ob Profil oder Standard oder Gault Millau und Michelin , sind halt nur Orgelpfeifen. Am Keyboard sitzen längst Masterfoods und Nestles und der eigene Hirnriss. Denn das Journalistische Lob verhilft der "Gleichmacherei" zur Blüte. Und dann die Marktstrategen, die ihre einflüsse gleich Zinnsoldaten überall platzieren.
Im Speising net - wird man ja auch sauer wenn wer was "ausgefallenes" sagt. Dabei wäre gerade das ausgefallene wichtig.Denn alles was endet - endet schnell.
Zum Töten der Tiere erkläre ich jedem Vegana immer wie es ein Wolf oder Fuchs tut. Des Menschen Töten ist fair und vertretbar und wenn jeder einmal daran denken würde was er unserer Landwirtschaft mit seiner Meeresfischfresserei antut, dann wäre er wahrlich ein klügerer Zeitgenosse zu nennen. Ein Eichkatzerl zu essen wäre für mich jederzeit möglich da ich Jäger zu Freunden habe.
profiler, 21.09.05 @ 13:25
essgewohnheiten......
wie schon öfters an dieser stelle von mir reklamiert, kann man den unsäglichen verfall der esskultur und essethik tagtäglich in unseren supermärkten sehr gut beobachten. wenn es einem nicht zu lästig ist, etwas unauffällig, die einkaufsgewohnheiten ergo die essgewohnheiten am inhalt der gefüllten einkaufswagerl zu beobachten, kommt man zu sehr interessanten erkenntnissen, die bei mir immer langanhaltendes kopfschütteln und einen leichten anflug von depression auslösen.
den menschen scheint es völlig egal zu sein was sie in sich hineinstopfen, jedweder qualitätsanspruch ist nicht einmal ansatzweise erkennbar, im gegenteil: hektoliterweise limonade, tonnenweise schweinefleisch minderster qualität, vorgeschnittene wurst und käse schön bunt vakumiert, alleine das abschreiten der regale mit dem angebot an fertiggerichten verlangt eine ausdauer die einen marathon zum sonntagnachmittag spaziergang degradiert.
aber bitte.....die leute kaufen all diese dinge ja freiwillig, niemand wird dazu gezwungen.
zu dem thema mit den fischen möchte ich den werten gemeindemitgliedern einen kurzen einblick in die welt meines berufsalltags gewähren:
fischzuchtbetriebe haben sich selbst die schöne bezeichnung "aquakultur" gegeben, offenbar um sich selbst moralisch etwas aufzuwerten.
da kosten dann:
loup de mer filet eur 14,99
heilbuttfilet eur 10,99
zanderfilet euro 13,99
lachs aus norwegen eur 5,99
alle preise ohne steuern.
dann gibt es noch die möglichkeit
geangelte, also keine netzgefischten wildfische zu kaufen. diese unterscheiden sich in der qualität dann ungefähr so wie dosenchampignons von frischen steinpilzen (nicht übertrieben sondern tatsächlich)
allerdings:
loup de mer eur 26,99
steinbutt eur 30,99
heilbutt eur 16,99
ebenfalls nettopreise,
und zwar keine filets sondern ganze fische, nicht einmal ausgenommen (im fachjargon heisst das "rund")
das erhöht den einstandspreis wegen des durchschnittlichen abfalls von 50% noch einmal um das doppelte.
also wenn sich jemand über die preise von diversen fischgerichten in so manchen lokalen wundert, sollte er sich oben genannte beispiele vor augen halten.
dass die meere leer sind, ist meiner meinung nur der anfang der tragödie, auf die wir hier insgesamt zusteuern.
aber hier ist die politik gefordert, nicht der einzelne.
mit nachdenklichem gruss
Minimalist, 21.09.05 @ 11:55
Fischarmut und Essensgewohnheit
Ich glaube,
- der Kabeljau vor Neufundland ist zum grossen Teil im "Iglo-Stausee" gelandet
- die schlepp- und dynamitgefischte griechische Brasse in verschiedenen Töpfen, z.B. auch in Griechenland selbst. Von Feinspitzen und Massentouristen gleichermassen verschlungen.
Schwierig mit der Essethik zu verknüpfen?
Ich war selbst (Frau und Mann), vor vielen Jahren, 3 Tage auf einem kleinen Thunfischfangboot (mit Schleppleine). Katzenhai hat diese gekappt. 3 Monate Verdienst für 3 beim Teufel.
Arme Hund oder Verbrecher an der Menschheit?
(ich habe 3 Tasge geholfen neue Leine mit Haken zu knüpfen. Mitschuldig!
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