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Christoph Wagner's Weblog

11.10.05 @ 09:29

Karl Seiser ist tot

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Soeben habe ich die erschütternde Nachricht erfahren, dass sich mein Freund Karl Seiser, Co-Geschäftsführer im Palais Coburg, in seinem Weinkeller das Leben genommen hat.

Ich weiß zurzeit nichts über die Gründe. Aber dass ein so positiv denkender, sensibler, humorvoller, fleißiger und liebenswürdiger Mensch im gastronomischen Umfeld seiner Zeit keinen Lebenssinn mehr findet, das sollte uns doch allen zu denken geben.

Es mag, zumindest zu gegenwärtigen Zeitpunkt, übertrieben sein, dahinter einen österreichischen „Fall Loiseau" zu wittern. Tatsächlich aber werden die menschlichen Rahmenbedingungen gerade in der Spitzengastronomie, die immer weniger mit Gastronomie und immer mehr mit Spitzensport zu tun hat, zunehmend fragwürdiger.

Ich kann es immer noch nicht fassen. Mein tief empfundenes Beileid gilt Karl Seisers Familie, aber auch seinen Mitarbeitern. Die Wiener Gastronomie hat nach Rudi Kellner, in dessen Altwienerhof Karl Seiser jahrelang als Sommelier gearbeitet hat, bevor er zunächst zu Wein & Co. und dann in den „Meinl am Graben" wechselte, nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr, eine ihrer Leitfiguren verloren.

28 Kommentare | Kommentar abgeben

andreasbigler, 16.10.05 @ 23:37

Kein Nachruf ...
Nachdem ich erfahren hatte, dass Herr Seiser für immer unsere Welt verlassen hatte, sprach ich via Mail mein Beileid dem Coburg - Team aus. Von Herrn Petz bekam ich eine "Dankesantwort" und dann hab ich mir die Website des Coburg angesehen und mich sehr gewundert, dass hier nicht die geringste Andeutung bezüglich des tragischen Verlusts zu finden war. Leider hatte ich es mir nicht anders erwartet - ja nichts melden, denn dann könnte ja jemand drauf kommen, dass ein gewisser Grad an Mobbing am Tod Herrn Seisers mit verantwortlich gewesen sein könnte .....

Ich werde mit Sicherheit nicht mehr im Coburg speisen, denn was vor 60 Jahren angestellt wurde, sollen wir nicht vergessen, aber was vor ein paar Tagen geschah, scheint nie gewesen zu sein!

Super, wer solche FReunde hat, der braucht keine Feinde mehr!!!!!!!

Hot-Volant, 16.10.05 @ 23:01

Karl Seiser und Coburg
Ich kannte weder Karl Seiser noch war ich je im Coburg.
Ich fühle mit der Familie, wie ich das auch sonst tun bei gleichartigen Konstellationen tun würde. Es handelt sich ja nicht um einen Einzelfall.
-
Das Verhalten vom Coburg kann ich nur so verstehen, dass es im letzten Augenblick absoluten Unfrieden gegeben hat. Das 1984-mä0ige Umschreiben von Geschichte ist allenfalls dann angebracht, wenn ein Skandal drohlt und sich ein Unternehmen distanzieren will.
-
Allerdings gibt es auch ein Zitat: de mortuis nihil nisi bene (über die Toten nur Gutes). Ein Verhalten wie von Coburg ohne Nachruf kommt einer Diffamierung gleich, die vermutlich nicht gerichtlich geahndet werden kann. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es Möglichkeiten gibt, der derzeitigen Führungsmannschaft vom Coburg klar zu machen, wie weit sie daneben gegriffen hat.
Es handelt sich jedenfalls um eine stark polarisierende und unversöhnliche Aktion.
Schade.

alma, 16.10.05 @ 17:37

Das Schweigen des Coburg
Dass einer der sonst meistgenannten (meist in einem Atemzug mit Christian Petz) Mitarbeiter des Coburg nicht einmal mehr eine pietätvolle Erwähnung findet, ist wahrlich erschütternd, so fällt das Licht sehr schief.

apicius, 16.10.05 @ 15:19

rex defunctus est
Lieber Profiler…

Meine Meinung wird Dir nicht schmecken, aber durch die Zeilen dieses Weblogs finden sich immer wieder bestimmte Worte, welche in scheinbarer Zusammenhangslosigkeit doch in Summe, und etwas erklärt, die Dialektik der Spitzengastronomie schlechthin, darzustellen bestens geeignet sind. Ich picke es heraus:

* sensibler, humorvoller, fleißiger und liebenswürdiger Mensch

Personen dieses Gemütsschlages gehören nicht in eine von Kapitalgesellschaftern zurechtgebastelte Welt. Leider werden gerade solche Personen angeworben. Stellenangebote diverser Unternehmen reflektieren diese Qualitäten, nur die Belastbarkeit wird noch höher eingeschätzt. Ich übersetze diese Floskel so: Er muss für jede Marotte des Konzerns ein offenes Gemüt haben, alles anfassen können und zu allem den Mund halten.


* schönsten und wohlsortiertesten Weinkeller des Landes

Marketingstrategen haben das sich so ausgedacht: Mit welchem Gag punkten wir in der Boulevardpresse. Den größten Koch haben wir nicht, goldene Toilettendeckel hat ja eh schon wer. Den größter Weinkeller, größte Bar, größtes Salatbuffet könnte man bis zu den größte Deppen weiterspinnen.


* seiner bescheidenen und zurückhaltenden Art

Entspricht dem Anforderungsprofil der Firma. Führt aber dazu dass solche Personen sich auch leicht grämen, übervorsichtig sind und bei geringen negativen Anlässen kaum Schlaf finden. Wenn sie morgens aufwachen finden sie sich schweißgebadet m Bett. Täuschen sich mit Tropfen, Anwendungen, Autosuggestion usw..

* mit seiner Übersicht und Kompetenz

Das lese ich sehr oft in Restaurantkritiken und es ärgert mich immer dass Kritiker nichts Besseres zu tun haben als „Übersicht und Kompetenz” welche in sich komplexe Bedeutungen bergen, so salopp daher zu kritzeln. Es genügt wenn wer aufmerksam ist. Außerdem werden ja oft richtige lächerliche Charakterreferenzen in Zeitungskolumnen abgegeben.

* Leistungsdruck und Risiko

Der Leistungsdruck in derartigen Betrieben wird von Seiten des Unternehmens immer heruntergespielt, man will sich ja keine Schwerverdiener züchten. Man sucht belastbare kompetente Fachleute, verspricht ihnen „Leistungsorientierte Entlohnung”…..

Am Ende schauen dann die Lohntüten recht mager aus, man schenkt dem guten Koch oder Kellner ein paar Auftritte bei den ORF Seitenblicken und in der Sonntagkrone, eine „Gault Millau” Haube dazu und es passt. Auch diese Auszeichnungen tragen zum Druck bei, schaffen eine Druck – Kausalkette durch die ganze Firma, denn geht ein Hauberl verloren dann Gnade den Leuten der Herrgott.

Solche Auszeichnungen sind vielen Hotelkonsortien billige PR Gags und „Goschenstopfer” beim Personal.

Schlussendlich zeigt die Redaktion der Webseite nur diese eiskalte Realität. Ich hätte mir dort auch einen Nachruf erwartet, wo sonst Bitte???

profiler, 16.10.05 @ 12:40

ein wenig eigenartig.....
wird, meiner bescheidenen meinung nach, mit diesem tragischen unglück auf der website des coburg umgegangen. denn, gleich zwei tage später wurde überall der name karl seiser entfernt, so als ob es ihn nie gegeben hätte. mir ist schon bewusst, dass jeder mensch, sofern er nicht geschichte schreibt, einmal vergessen wird, aber dass es so schnell geht ist doch ein wenig befremdend. möglicherweise bin ich auch etwas zu sentimental veranlagt.

mit nachdenklichem gruss

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