Home | Blogs | Christoph Wagner's Weblog | 11.10.05
Christoph Wagner's Weblog
11.10.05 @ 09:29
Karl Seiser ist tot
Kommentar abgeben
Sie müssen eingeloggt sein um diese Option zu nutzen. Falls Sie noch nicht Mitglied von SPEISING.NET sind, können Sie sich hier registrieren.
Soeben habe ich die erschütternde Nachricht erfahren, dass sich mein Freund Karl Seiser, Co-Geschäftsführer im Palais Coburg, in seinem Weinkeller das Leben genommen hat.
Ich weiß zurzeit nichts über die Gründe. Aber dass ein so positiv denkender, sensibler, humorvoller, fleißiger und liebenswürdiger Mensch im gastronomischen Umfeld seiner Zeit keinen Lebenssinn mehr findet, das sollte uns doch allen zu denken geben.
Es mag, zumindest zu gegenwärtigen Zeitpunkt, übertrieben sein, dahinter einen österreichischen „Fall Loiseau" zu wittern. Tatsächlich aber werden die menschlichen Rahmenbedingungen gerade in der Spitzengastronomie, die immer weniger mit Gastronomie und immer mehr mit Spitzensport zu tun hat, zunehmend fragwürdiger.
Ich kann es immer noch nicht fassen. Mein tief empfundenes Beileid gilt Karl Seisers Familie, aber auch seinen Mitarbeitern. Die Wiener Gastronomie hat nach Rudi Kellner, in dessen Altwienerhof Karl Seiser jahrelang als Sommelier gearbeitet hat, bevor er zunächst zu Wein & Co. und dann in den „Meinl am Graben" wechselte, nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr, eine ihrer Leitfiguren verloren.
28 Kommentare | Kommentar abgeben
pastinake, 12.10.05 @ 11:17
Gerüchteküche
Die Rahmenbedingungen sind in der Gastronomie auch nicht viel anders als in einem anderen Wirtschaftsbereich mit Leistungsdruck und Risiko. Mit der Zuweisung von Schuld an Vorgesetzte, Kollegen oder Kritiker wäre ich ohne klaren Beweis vorsichtig. Stellen Sie sich vor, einer Ihrer Mitarbeiter begeht Selbstmord und die Öffentlichkeit nimmt einfach an, dass Sie als Vorgesetzter schuld sind!
Gäste können sehr lästig sein, aber deshalb Selbstmord? Die Selbsttötung eines Menschen ist traurig genug, da muss man nicht noch Gerüchte verbreiten.
jamiesolive, 12.10.05 @ 09:59
@rahmenbedingungen
die frage warum sich einer freiwillig aus unserer schönen neuen welt vertschüsst, wird immer unbeantwortbar bleiben oder zumindest eine vielzahl möglicher antworten hervorrufen. im gegenständlichen fall scheinen manche speisinger jedoch einen automatischen schutzreflex zu entwickeln, der sie selbst (in ihrer funktion als - echte oder potenzielle - gäste) von jeglicher mitverantwortung ausnimmt. das lösungswort lautet also depression. mag sein, er/sie war ein psycherl, hatte eine schwere kindheit oder krankheit, oder es herrschte einfach nur vollmond.
mag alles zutreffen. dass es aber in erster linie die mitmenschen sind, die jemanden in den selbtmord treiben (oder, was noch häufiger geschieht, ihn nicht davon abhalten) bleibt dabei unbeachtet. in seisers fall u.a. vorgesetzte, kritiker, mitarbeiter und last not least auch gäste. also eben doch die von cw erwähnten rahmenbedingungen.
Minimalist, 12.10.05 @ 06:26
@hh
ein phantastischet Beitrag, der den Punkt trifft. Dazu im Spiegel: ungewöhnliches Aggressionsverhalten, oft Ausdruck einer Depression. Hilfe annehmen!
Und die Glücklichen. Hilfe anbieten!
hh, 11.10.05 @ 21:39
Macht DIESpitzengastronomie oder die Depression krank?
Niemals wollen wir den Spitzensommelier und Maitre Karl Seiser mit seiner bescheidenen und zurückhaltenden Art vergessen,
jeder, der von ihm jemals als Gastgeber betreut wurde, wird den Mensch Karl Seiser mit seiner Übersicht und Kompetenz vermissen!!
Wir wollen das tragische Schicksal von Karl Seiser nicht als Opfer der Spitzengastronomie wissen, wir wollen hingegen dieses Drama als Warnung vor eine der tückischsten Krankheiten, der Depression, sehen.
Die Folgen dieser unterschätzen und immer mehr verbreiteten Krankheit kann, vor allem bei erfolgloser Behandlung oder Nichtbehandlung die freiwillige Beendigung des irdischen Daseins nach ziehen.
Das durch Sinn- und Seinkrise, Entäuschung, Stress oder dem Nichtverarbeiten traumatischer Erlebnisse viele Gastronomen gegenüber der Depression wahrscheinlich als nicht sehr resistent zu bezeichnen sind,
hat aber sicher nichts mit Spitzensport ähnlichen Herausforderungen in der Topgastronomie zu tun.
Vielmehr wollen wir diese Krankheit in der Öffentlichkeit enttabuisieren, Menschen verstehen lernen und ihnen beistehen sich helfen zu lassen, und ihnen damit Mut zur Behandlung dieser Krankheit machen!
Besonders nachdenklich stimmt das viele Menschen den eigenen Bedürfnissen und Erfolgen höchste Priorität schenken, soziale Verantwortung und Empathie unseren Mitmenschen gegenüber stark vernachlässigen und dadurch die Symptome dieser Krankheit spät oder gar nicht wahrgenommen werden.
Ich für meinen Teil werde immer und überall versuchen und nichts unversucht lassen, Menschen zu helfen, als unerschütterlicher lebensbejahender Optimist weiß ich das viele, vielleicht sogar alle Mitglieder dieser Gemeinde sich an der täglichen aktiven Hilfe an Mitmenschenn in Zukunft beteiligen werden. Den Mitmenschen zu helfen macht den Menschen erst zum Menschen, zudem dürfen wir mit der größten Belohnung die der Mensch kennt, rechnen!
profiler, 11.10.05 @ 20:38
akzeptanz....
immer dann, wenn wir mit der tragik des selbstmordes eines menschen konfrontiert werden, flüchten wir uns in die suche nach der frage: warum.
nur, wir werden nie eine für uns genügende antwort finden. die entscheidung eines menschen, der keine lösung seiner probleme finden kann oder dem die sinnhaftigkeit seines daseins abhanden gekommen ist, seinem leben ein ende zu setzen, ist zu akzeptieren und zu respektieren.
es ist uns leider nicht möglich in den kopf eines menschen hineinzuschauen und deswegen sehen wir auch nur die rolle die jeder einzelne von uns in der gesellschaft spielt, aber nicht das eigentliche wesen des menschen, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen.
mein mitgefühl gilt seiner familie.
gruss
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33