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Christoph Wagner's Weblog
24.10.05 @ 01:13
Zensur
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Da man in österreichischen Erste-Klasse-Waggons vom Schaffner immer eine Zeitung geschenkt bekommt, durfte ich, von Frankfurt her anreisend, ab Passau ein Interview mit der frisch gebackenen Chefredakteurin des Gault-Millau, Martina v. Hohenlohe, im Kurier lesen. Leider hat sie nichts über bevorstehende Bewertungen verraten (muss sie auch nicht, der nächste Guide erscheint bestimmt). Dafür hat sie en passant ein wirklich bemerkenswertes Bonmot fallen lassen.
„Auch Kochbücher sollten der Zensur unterliegen", meinte sie.
Was die Frage aufwirft: Welche Bücher noch?
Womöglich Guides?
16 Kommentare | Kommentar abgeben
pastinake, 24.10.05 @ 10:36
@GM
Bin schon gespannt, ob die neue Ausgabe den Dornröschenschlaf des GM beeendet. Den Online-GM hat man ja ordentlich kaputt-designed und die Leserbriefe so versteckt, dass die Kritik der Restaurantbesucher an den Bewertungen gottseidank niemand mehr findet.
apicius, 24.10.05 @ 10:24
Profiler....
...Bürgermeister hat die Chefredakteurin "vernascht".. das macht nicht dick und ist dazu noch recht lecker, und beim Zugfahren, das weiß ich aus eigenster Erfahrung , da wackelts so schön, man bracuth sich kaum zu rühren. Nur Verdauen und Genuss!
alma, 24.10.05 @ 09:13
selbstzensur
Was immer Mme Hohenlohe bei Kochbüchern an Zensurbedarf ortet (würde sich da nicht ein Aufdruck wie auf Zigarettenpackungen empfehlen, etwa " Denken Sie an die Volksgesundheit: das Lesen von Kochbüchern ist der erste Schritt zur Fettleibigkeit"), Gerüchten aus sicherer Quelle zufolge erfolgt aus der noblen Distanz Wiens zur Provinz ohnehin Zensur im eigenen Hause - wenn ein regional wichtiges und weithin ausstrahlendes Newcomer-Etablissement, das so new gar nicht mehr ist, für noch nicht kritikwürdig erachtet wird.
profiler, 24.10.05 @ 08:21
öbb und essen.....
mich würde sehr interessieren, wie sich der verehrte herr bürgermeister auf so einer langen bahnfahrt verpflegt. hat er sich aus dem gargantua ein lunchpaket mitgenommen?
oder hat er die "vorzügliche" küche des speisewagens in anspruch genommen.
der gute hot-volant hat vermutlich die passage mit den textkisten übersehen ;-)
gruss
Hot-Volant, 24.10.05 @ 03:14
@Zensur
Bei dieser Bemerkung fallen mir gleich soviele unterschiedliche Dinge ein, dass ich mich frage, wo man anfangen soll.
-
1) Mich kennende Personen wissen, dass ich kein großer Freund der Amerikaner bin, wenn ihnen ein republikanischer Präsident vorsteht. Tatsächlich ist in diesem Fall wirklich etwas von Zensur zu verspüren. Andererseits ist Amerika wegen seiner Verfassung und dem Amendment bzgl. Freedom of Speech zu bewundern. Es ist eine der wesentlichen Charakterzüge, dass alles gesagt werden darf. Man kann für alles mögliche belangt werden, aber wenn etwas wie Zensur zur Frage steht, gewinnt doch in der Regel das Individuum, welches seinem Herzen Luft macht.
Gelebt wird das natürlich auch nicht so ideal, aber es gibt doch die Kräfte, die immer wieder versuchen, diese Meinungsfreiheit gelten zu lassen.
2) Eines der schönsten Beispiele amerikanischer Zensur (sic! auch dort gibt es sie) beschreibt Richard Feynman, der Nobelpreisträger für Physik, ein ebenso unangenehmer wie intelligenter Zeitgenosse, in seinen Geschichten: "the joy of inventing things." Dort beschreibt er, wie er mit seiner Frau die Army-Zensoren zur Verzweiflung gebracht hatte. Sehr lesenswert. In seinem Buch "Surely, you are joking, Mr. Feynman" knackt er unter anderem Tresore und bringt ganze Verlage auf die Palme, weil er Bücher, die er rezensieren soll, auch wirklich liest.
Meine Lieblingsgeschichte, die in einem Vortrag vor Einstein, Pauli und Fermi spielt, sprengt den Rahmen hier. Ich erzähle sie aber gerne auf Anforderung, sie hat etwas Doderersches an sich.
3) Wir haben gerade erlebt, wie Yukos zerschlagen wurde. Die Art, wie Journalisten auch heute noch in manchen Ländern mundtot gemacht werden. Irgendwie spukt da in meinem Hinterkopf der Begriff Zensur mit.
4) Ich bin ziemlich froh, in einem Land zu leben, wo ich mich nicht fürchten muss, wenn ich einmal im Überschwang einen provokanten Blödsinn daherrede. Manchmal bremsen mich meine Freunde ein, wenn meine Sprache zu aggressiv wird, aber ins Gefängnis musste ich deswegen noch nicht.
5) Zensur bei Kochbüchern: es steht leider nicht im Kommentar, welche Inhalte zensiert werden wollen. Vielleicht ein Rezept, welches nie funktionieren kann. Oder die Anleitung zu Gerichten, die mit Menschenfleisch zubereitet werden. Da könnte man zuerst einmal bei der Filmindustrie anfangen. Oder vielleicht sollten keine Zutaten angegeben werden, die schädliche Nebenwirkungen haben könnten.
Ich habe noch kein Kochbuch in der Hand gehabt, in dem Geschmacksverstärker oder andere "geheime" Zugaben in der Rezeptur angegeben waren. Da könnte man ja vielleicht eine "moralische Zensur" verteidigen.
Vielleicht meinte die Dame eine Mengenzensur: wenn jemand nicht einmal mehr weiß, wieviele Kochbücher er schon geschrieben hat, darf er kein weiteres mehr schreiben! (Bitte, das ist scherzhaft gemeint, Herr Bürgermeister!)
Ja, da gibt es ja noch die erotischen Kochbücher von Isabel Allende. Die gehören auf alle Fälle zensuriert. Da könnten ja die gemeinen Leute auf den Gedanken kommen, dass Sex etwas erstrebenswertes ist. Mir fällt dazu die Witzpointe ein: "Isn't this too good for o r d i n a r y people?"
Ich habe versucht, den Artikel im online-Kurier zu finden, wäre mir auch gelungen, hätte mich aber mindestens 3,90 € gekostet. Aber die Schlagzeile ist schon nett: "42 Milliarden Kochbücher". Bei einer Bevölkerung von 6 Milliarden müßte jede Person 7 Kochbücher haben. In meiner Familie geht das gerade noch. Auf 35 Kochbücher werden wir schon irgendwo kommen. Aber es gibt ja Leute, die können ja nicht einmal lesen. Was fangen die mit einem Kochbuch an? Wieviele Bäume sterben da einen Tod für etwas, was gar nicht gelesen werden kann. Na dann vielleicht viele Bilder in den Kochbüchern platzieren? Da freuen sich dann 1,2 Milliarden Inder, wenn sie die wunderschönen Kalbsschnitzerln abgebildet sehen.
Also offen gestanden, bezweifle ich diese Zahlenangabe. Vielleicht ist das nicht einmal die weltweite Summe. Vielleicht betrifft das nur Europa? Oder gibt es vielleicht in Österreich allein bereits 42 Milliarden Kochbücher. Jeder Österreicher kommt auf über 5000 Kochbücher. Das schaff nicht einmal ich, wenn ich noch "den Butt" oder einen Eco dazunehme, die auch Rezepte beinhalten.
Ich kann mir schon vorstellen, dass manches journalistische Kunstwerk eine gewisse Zensur vertragen könnte. Vielleicht auch nur ein gutes Lektorat - aber das ist ja aus Zeitgründen nicht gut möglich. Aber nicht einmal in diesem Fall wäre ich für Zensur zu gewinnen. Auch Journalisten dürfen schreiben was sie wollen.
6) in Anlehnung an 5) Neueste Headline eines eifrigen Journalisten:
SPEISING VERNICHTET ARBEITSPLÄTZE
Wie aus einer kürzlichen Verlautbarung eines bekannten Pharmakonzerns hervorgeht, werden im nächsten Monat 1200 Mitarbeiter freigestellt, weil der Absatz von Enzymen für die Brotbackindustrie rasant zurückgegangen ist. Anfangs hatte sich die Firma gewundert, weil immer mehr Industriebackunternehmen die Abnahme von Enzymen drastisch drosselten. Dass sich zwischen 18 und 25 Prozent der damit arbeitenden Bäcker mit Allergien heurmschlagen mussten (siehe Untersuchung des Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstituts für Arbeitsmedizin BGFA) hatte bis dahin nicht gestört. In der letzten Zeit hatten aber die Konsumenten die Abnahme von Broten mit Enzymbeigabe verweigert.
Eine unabhängige Studie ergab ein Trendverhalten der Konsumenten, welches durch eine kleine Reihe von Opinion Leaders beeinflusst waren. Unter Codenamen wie Apicius, BM, ad wurden Strategien geschmiedet, die der Pharmaindustrie nachhaltig schaden sollten. Unter dem Vorwand gesunder Ernährung wurden Theorien mittels des Internet in die Reihe der Restaurantbesucher gebracht, die ihrerseits als Multiplikator den Stein ins Rollen brachten. Zusatzstoffe sind plötzlich nicht mehr "in".
Ein betroffener Mitarbeiter der Pharmafirma äußerte sich zum Thema folgendermaßen: "Diese +#?$€ Ignoranten wissen gar nicht, was sie mit ihrem Geschreibsel meiner Familie angetan haben." Auf die Frage, was er denn nachher tun würde, zeigte er sich optimistisch: "Wir arbeiten gerade an einem Hirschfilet aus M2ANgHOH. Das wird der Renner. Schon jetzt können nur mehr geschulte Verkoster den Unterschied zu echtem Fleisch feststellen. Wir haben nur mehr ein Problem: bei den Ausscheidungen wird eine tiefblaue Farbe dominant. Das könnte bei den Konsumenten noch zu Verunsicherung führen."
--- 04.09.18 @ 20:56
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