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SPEISING Open

13.03.08 @ 07:52

Die Genetik der Rezepte und deren Zutaten

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Bevor ich auf die neulich erschienene Studie aus Brasilien eingehe, ein paar Worte voraus:

Ich bin entzückt und ganz außer mir, dass Zutaten, Rezepte und regionale Küchen von Wissenschaftlern wie Gene, Chromosomen und Populationen betrachtet werden. Selbst aus diesem Winkel der Wissenschaften stammend, kann ich es nur begrüßen, dass mit hochtrabenden Methoden und neuesten Algorithmen, mathematischen Modellen und jeder Menge Hirnwichse Rechnungen angestrengt werden, deren Ergebnisse sich ganz leicht in populäre Worte wie folgt fassen lassen:

Das Rezept als kulturelles Gen, in Folge jedoch nicht Mem genannt

Die Diversität von Rezepten und Ingredienzien, die eine Küche erst ausmachen, wird regelmäßig von Anthropologen, Psychologen und Soziologen untersucht. Auch Physiker und Chemiker breiten sich gerne darüber aus. So nun auch Statistiker und Forscher komplexer, dynamischer Systeme, die Kochrezepte für Algorithmen zu Begriffen wie "Stabilization, Innovation and Transmission" heranziehen.

Fünf Forscher der Universität Sao Paulo untersuchten die Beziehungen zwischen Rezepten und deren Ingredienzien im Verlauf der Zeit. Sie schlagen zum Beispiel einen Algorithmus vor, um zu zeigen, dass basierend auf einigen "Ur-Rezepten" die Küche ständig wächst, sprich sich ständig differenziert. Ihr Modell legt einem zusätzlich nahe, dass es den so wohl bekannten Gründereffekt aus der Populationsgenetik auch in der Ingredienziengenetik gibt: Idiosynkratische Zutaten bleiben, isolierten Populationen entsprechend, weitgehend in ihrer Zusammensetzung über die Zeit hinweg unverändert.

Aber gibt es auch Veränderung der Zutatenzusammensetzung durch die Globalisierung der Rezepte? In Brasilien nicht, zu mindest nicht in den letzten 50 Jahren. Wiewohl man fremden Einflüssen Tür und Tor geöffnet hat, blieben die Grundstrukturen der Küche erhalten.

Fein, und was heißt das?

Ganz klar: Das Ureigene einer jeden Küche wird niemals durch das Einbinden neuer, fremder Rezepte und Zutaten verschwinden. Golasch bleibt Golasch, ob vom Rindsviech oder vom Mahi-Mahi.

Spannend auch die Erkenntnis, dass die Menge der Rezepte niemals ausreichen wird, um alle möglichen Zutatenvariationen abzubilden. Faszinierend, denn damit bestätigt sich auch Großmutters Weisheit, dass auf immer und ewig die guten neuen die schlechten alten Zutaten verdrängen werden. Es wird nun immer klarer: Denn das hat jetzt wieder mit dem zuvor genannten Gründereffekt zu tun und es entstehen kleine "Inseln" unveränderter Rezepte (zum Beispiel Italien, Anm.d.Red.), die Autoren sprechen von "eingefrorenen, kulturellen Missgeschicken", die nicht ein einem "out-of-equilibrium regime" überwunden werden können.

Noch Fragen?

Wenn ja, bitte an Osame Kinouchi, Rosa W. Diez-Garcia, Adriano J. Holanda, Pedro Zambianchi und Antonio C. Roque. Die gesamte Studie ist hier arxiv.org/ftp/arxiv/papers/0802/0802.4393.pdf abrufbar.

Wenn nein, dann hatten Sie ausreichend von Piccolos Bambaltscha-Dialog vom letzten Blog. Ich bin, nach Lektüre der Studie, reif dafür.

42 Kommentare | Kommentar abgeben

OberkllnerPatzig, 20.03.08 @ 16:57

Kästner:
Wirds besser? Wirds schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich, Leben ist immer lebensgefährlich.

dfw, 20.03.08 @ 09:18

ich bin sowieso fürs matriarchat.
auch amazonen sind die besseren kriegerinnen, wenn wir schon streiten müssen.

... und die milch ist ungesund - ich bleib dabei. man schaue sich nur die kontroversiellen diskussionen an.
auch mineralwasser ist ungesund.

aber das wissen eh schon alle.

piccolina, 20.03.08 @ 06:58

@ kubse

"es gibt von jeder Sorte Mensch sehr nette " Auch von Sorte Mann? Bist dir da gaaaanz sicher?
Jaaa – ganz, ganz sicher!!! Für mich gibt es eh nur zwei Sorten Mensch: Die, die ich mag und die, die ich nicht mag – egal von welchem Kontinent und oberegal ob Mann oder Frau! Natürlich gibt es eine Skala von „ganz oberlieb“ bis „mag ich gerade noch“, doch dann geht’s rapid bergab und die mag ich dann von ganzem Herzen überhaupt nicht und die werden einfach ignoriert. Ist tierisch einfach das System und die Welt könnte so friedlich sein… - wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär’.
Im Speising habe ich noch keinen „Nicht-mag-Menschen“ gefunden, alle ganz oben in der Skala!
Weit ab vom Thema… für alle ein liebes Osterbussi

PICCOLO, 20.03.08 @ 01:49

@speisinger
Diese Trennungen der Geschlechter oder Herabsetzungen der Frau bringt das matgerialistische System mit sich. Im Volksmund hat man früher die Männer als "Manderleit" bezeichnet und die Frau als "Mensch".
War das "Manderleit" brunftig ist er "Menscheln" gegangen....

Mehr sog i ned.. weil so obergscheit bin i ned... Gehauchtes bussi auf alle Bauchis...

kubse, 19.03.08 @ 23:28

" es gibt von jeder Sorte Mensch sehr nette "
Auch von Sorte Mann? Bist dir da gaaaanz sicher?

Hast Recht, liebe katiza. Die Frau Rossmann kann in Wolkersdorf bleiben. Oder wo auch immer. Ist hier lustig genug ;-)



Ähh... Was noch mal war das Thema?

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