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SPEISING Open

17.05.09 @ 23:23

Ich hasse Salat oder über den Hindernislauf am Weg zur Entspannung.

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Ich koche leidenschaftlich gerne. Ich kann nicht singen, ich kann nicht malen und das Klavier hatte mir einst das Klavierspielen vergällt. Für die Fotografie bleibt zu wenig Zeit und das Töpfern hebe ich mir für die Rehab nach dem ersten Entzug auf. Kochen ist somit die einzige Form, in der ich mich kreativ verwirklichen kann, und das nahezu täglich.
Voll Freude pelle ich die Wurst, kontemplativ rupfe ich im Kräutergarten, sinnierend wetze ich die Klinge am Stahl - nur so bin ich ganz bei mir, kann entspannen, entwickle täglich neue Aromen, Konsistenzen und fühle mich durch und durch glücklich. Glücklich bis zu dem Moment, an dem sich meine Tochter klamheimlich von hinten an mich heranschleicht, um dann laut plärrend das Opfer zu geben, wenn ich über sie drüberfliege. Und fort ist die innere Ruhe. Tochter will beruhigt werden, Tochter will auf der Arbeitsfläche sitzen, Tochter muss unbedingt Klebriges auf sich verteilen - mit anderen Worten: Tochter möchte nicht, dass Papa kocht, sondern sich gefälligst mit ihr beschäftigt. Wo ist eigentlich die Mama?
Gelegentlich verzichtet meine Tochter auf diese Aktionen und ich improvisiere mich mit immer schneller werdenden Handgriffen in Richtung optimalen Garpunkt, gleichzeitiges Fertigwerden sämtlicher Zuspeisen und krachknuspriger Haut unter dem Griller. Pfannen werden gerüttelt, Saucen reduziert und gebunden, Gemüse erreicht den status aldentii - "Ich mach´ noch g´schwind an Salat ..." meint die zuvor fehlende Kindsmutter. Tja, ein leicht hingesagtes Vorhaben, nichts Dramatisches, könnte man meinen. Wer jedoch einmal meine Frau beim Salatmachen beobachtet hat, weiß, was nun kommt. Allein schon das prinzipielle Einmischen in das Geschehen kostet Kraft, denn sie beginnt, meine Messer, Kostlöffel und Schneidbretter einfach einmal in die Abwasch zu stellen. Meine sonst so präzisen Handgriffe fahren allesamt ins Leere, ich begehre auf. Das wird natürlich ignoriert, eigenes Arbeitsmaterial gemächlich zusammengestellt (ich stehe dabei natürlich ständig im Wege) und schön langsam wird der Salat gezupft, geschnitten, gewaschen, geschleudert ...
Die Knusperhaut wird letschert, das Gemüse zergart, das Fleisch tendiert in Richtung verdammt well done, aber der Salat ist immer noch nicht fertig. Zwar stehen zwei Arbeitsflächen unter Wasser, der Ablauf ist mit Salatblättern verstopft und sämtliche Schneidbretter und Messer wurden eingezogen, aber der Salat ist noch nicht fertig. Ich hasse Salat. Mittlerweile hat sie mir auch die Herdflächen abgedreht, jedoch ohne es mir mitzuteilen ("Ich dachte, Du hättest sie vergessen ..."), die Reduktion hat sie weggeschüttet (ich dachte, das wäre nur eine dreckige Pfanne) und die Teller zum Anrichten stehen wieder zusammengestapelt im Kasterl. Dankeschön, aber des Salat ist immer noch nicht fertig. Ich hasse Salat.
Ich zaubere unter größtem Stress kleine kulinarische Wunder auf die Teller, suche beim gemeinsamen Verzehr erneut die ursprüngliche Entspannung und freue mich über ein gelungenes Abendessen. Der Salat steht übrigens mariniert aber unberührt in der Küche, den haben wir einfach vergessen. Ich hasse Salat.

gf

32 Kommentare | Kommentar abgeben

veuveclicquot, 29.05.09 @ 22:25

kehren wir doch zurück
zur ursprünglichen problematik, dem salat und dem geschirrspüler und in erster linie dem guten essen in excellenten restaurants!

also

nachdem ICH den geschirrspüler mit des mannes frühstücksgeschirr befüllt hatte, durfte er mich zu den verschiedenen elektromärkten oberösterreichs chauffieren und da ich besser geschirrspülereinräume als wegansage, hatten wir beide das große vergnügen, freitagnachmittagsstaus live zu erleben. gnihihihihi :-))

ab nächster woche ziert dann ein liebherr (kann alles ausser geschirrspülereinräumen) meine küche.

und weil das anstrengend war, das aussuchen, das stauen und das wegfinden, mussten wir abends zum lieblingswirten wallen, wo wir folgendes speisten

spargelsuppe mit knackiger spargeleinlage und kressesprossen
penne arrabiata

rinderfiletspitzen mit frischen nudeln und SALAT!
goldbrasse und lachsforelle auf erdäpfelpüree und eferdinger spargel

topfen nougatknödel mit himbeersorbet
kürbiskernkrokantparfait

dazu bier und gv vom ott (fass 4)

ich bin entspannt und jetzt sag noch einer, das leben sei nicht schön!

walterkunz, 29.05.09 @ 20:38

Mea culpa
Ich bitte um gnädigsten Pardon, ich klopfe reuevoll an meine Brust, ich habe den Fehlerreigen eröffnet, ich habe Dschungeltier zur falschen Schreibweise verführt. Ich als begeisterter Wiener schäme mich, den Namen eines unserer großen Söhne falsch geschrieben zu haben. Dschungeltier und Torberg mögen mir bitte verzeihen.

dschungeltier, 29.05.09 @ 13:03

ups
ich hab grad ein h in der suppe gefunden. ich meinte natürlich den torberg.

dschungeltier, 29.05.09 @ 10:40

@kubse
ätsch, meiner hat 60
@walter kunz: blöd wär ich wenn ich gscheit wär und den satz den thorberg der tante jolesch in den mund gelegt hat war wohl koketterie oder notwendigkeit. wahrheit ist er keine.
ich halte mich von geschirrspülern so fern wie möglich.

walterkunz, 28.05.09 @ 23:40

Sei er nicht, wie alle Männer sind....
Vielleicht sollte veuveclicquot versuchen, Ihren männlichen Bekannten-kreis zu erweitern, um neue Typen zu finden, es gibt doch auch eine andere Strickart Mann. Ich allerdings will mich nicht anbieten, da hätte meine bessere Hälfte etwas dagegen.
Ich habe nur eine ganz leichte Form von Geschirrspülerphobie, ich kann mich selbst recht gut bedienen, halte Machoismus für weniger schlimm als Maoismus, mag gut marinierten Salat, bin autolos und betrachte den Computer als wertvolle Informations- und Kommunikationsquelle. Sehr gescheit bin ich sicher nicht, charmant nur selten, und was fesch betrifft, da halt’ ich’s mit Thorberg.
Und, wenn es um allfällige Bekehrungsversuche geht, die Jesuiten hatten es erheblich leichter, heute, in unserer aufgeklärten Gesellschaft, ist das mit der damaligen Brutalität wohl nicht mehr denkbar.

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